Zum Abschied die Nazikeule

Der ehemalige Landesvorsitzende der AfD Rheinland-Pfalz, Uwe Junge, gab am 29.08. in einem Facebook-Statement seinen Austritt aus der AfD bekannt. Nicht nur der Zeitpunkt, der offensichtlich der AfD im Bundestagswahlkampf schädigen soll, sondern auch der Inhalt des Statements sind einer genaueren Überprüfung wert – schließlich lässt Herr Junge hier tief in die Weltsicht all derer blicken, die die vielleicht noch immer nominell der AfD angehören, aber insgeheim bereits mit den Liberal-Konservativen Reformern (LKR) liebäugeln.

Das Gute

Einer konservativen Partei stehen Werte wie Gerechtigkeit und Fairness gut zu Gesicht. Daher wollen wir im Folgenden erst einmal das Positive in Junges Statement hervorheben. In seinem Statement schreibt der ehemalige Soldat über die Partei, deren rheinland-pfälzischer Landtagsfraktion er seit 2016 vorsaß, zunächst Folgendes:

»Die AfD wurde vor mehr als acht Jahren mit der Absicht gegründet, die merkelschen Fehlentwicklungen aus der Mitte der Gesellschaft heraus zu korrigieren, die EU zu reformieren, das Europa der Vaterländer zu schützen, sich gegen Multikulti und linksgrüne Gesellschaftsutopien zu stellen und die Souveränität Deutschlands zu erhalten, um die Zukunft unseres Vaterlandes für unsere Kinder in Frieden, Freiheit und Wohlstand zu gestalten. […]

Für dieses nationale Überlebens-Projekt habe ich mich mit all meinen Fähigkeiten und Erfahrungen eingesetzt, körperliche Angriffe, Brandanschläge, übelste Beleidigungen und die soziale Ächtung bewusst hingenommen – immer aus der Überzeugung heraus, dem zuvor beschrieben Auftrag als Mitglied, als Landesvorsitzender und Fraktionsvorsitzender in Rheinland-Pfalz, mit aller Kraft dienen zu wollen.«

Herr Junge trat der AfD also laut Eigenaussage aus durchaus richtigen Gründen bei: Er wollte Deutschland vor den politischen Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte, insbesondere vor dem multikulturellen Identitätsverlust und den linken Umerziehungsversuchen schützen. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er dafür seine bürgerliche Existenz aufs Spiel setzte und auch trotz linker Terroranschläge gegen seine Person nicht in der Öffentlichkeit vor den Linken zurückwich. Wie auch immer man die Personalie Uwe Junge und ihre jüngeren Entwicklungen bewertet, muss man hier Ehre zusprechen, wem Ehre gebührt.

Das Schlechte

Leider entlarvt Herr Junge bereits kurz darauf in seinem Statement Beweggründe, die auch aus der Sicht eines jeden AfD-Wählers eindeutig für seinen Austritt aus der Partei sprechen – und eigentlich auch schon vor zwei Jahren dafür gesprochen hätten. Er listet über mehrere Absätze Gründe für seien Abneigung gegenüber der einzigen patriotischen Volkspartei AfD und ihren Wählern und Mitgliedern auf:

»Allen voran der Ehrenvorsitzende Gauland, der mit seiner schützenden Hand einen völlig überschätzten Höcke am viel zu rechten Rand gewähren ließ und einen Kalbitz in Brandenburg bis in die höchsten Parteiämter förderte und damit dem Ansehen der Partei beim Bürger nachhaltigen Schaden zugefügt hat. Wen wundert es also, dass die Parteijugend gerne dem radikalen Flügel an den Lippen hängt und sich als „Höckejugend“ versteht, Kalbitz bis heute die Treue hält und jüngst dem bekennenden NS-Sympathisanten Helferich zur Seite stand.«

Erinnern Sie sich an den ersten Abschnitt dieses Artikels, in dem wir Herrn Junge trotz seines Austrittes die notwendige Anerkennung zollten für die Opfer, die er persönlich bringen musste? Herr Junge selbst hält es mit solchen Grundregeln der Ehre und des zwischenmenschlichen Umganges in seinem Statement nicht so wie wir. Er stellt Dr. Alexander Gauland, dem die AfD vielleicht mehr zu verdanken hat als jedem anderen Mann, als naiv und unfähig im Angesicht einer angeblichen Gefahr dar. Diese Gefahr geht laut Uwe Junge vor allem vom thüringischen Spitzenpolitiker Björn Höcke und einer angeblichen »Höckejugend« aus. Herr Junge ist sich also nicht zu schade, den studierten Geschichtslehrer und Familienmenschen Björn Höcke implizit mit Adolf Hitler zu vergleichen – Vergleiche, die wir eigentlich von linksradikalen »Experten« und Wikipedia-Autoren gewohnt sind.

Dies wird noch durch Junges Aussage zu Matthias Helferich getoppt, den er als »bekennenden NS-Sympathisanten« verunglimpft. Wie Helferich jüngst in einem öffentlich zugänglichen Interview berichtete, handelte es sich bei seiner angeblichen Sympathie-Bekundung ursprünglich um das Zitat eines linken Journalisten, der ihm grundlos eine Nähe zum historischen NS unterstellte. Helferich zitierte die rufschädigende Aussage des Journalisten in einem privaten Chat mit einem Parteikollegen und bezog sie in sarkastischer Weise auf sich selbst. Eigentlich müsste Herr Junge, der jahrelang ähnlichen Anfeindungen ausgesetzt war, dies nachvollziehen können. Aber anstatt den rufmörderischen und daher emotional belastenden öffentlichen Nazi-Vorwurf im Privaten humorvoll zu verarbeiten reicht er ihn lieber an andere weiter.

Uwe Junge hinterlässt der AfD als Abschiedsbrief also einen weiteren Schlag mit der Nazikeule – und argumentiert dabei genau wie die linken Journalisten von der Jungle World. Und auch sonst spricht er ausschließlich negativ über die Mitglieder jener Partei, die ihn in den Landtag von Rheinland-Pfalz wählte und dort sogar zum Fraktionsvorsitzenden machte: Die JA errichtet in seinen Augen eine Meinungsdiktatur, weil sie es sich nicht länger gefallen lässt, von der eigenen Mutterpartei an den Rand gedrängt zu werden; neue Mitglieder und Funktionäre sind für Junge »politische Glückritter« mit »primitiven Parolen«, und an der Basis dominiert laut ihm nur noch »der blökende Stammtischprolet«.

Diese Entwicklungen sieht er ausgerechnet im Spitzenduo Alice Weidel und Tino Chrupalla »personifiziert«. Ob die promovierte Ökonomin und der mittelständische Handwerksmeister für ihn Glücksritter oder Stammtischproleten sind, erläutert Junge leider nicht, doch stellt er sie noch im selben Absatz in einen Zusammenhang mit einer »sozialpatriotischen Planwirtschaft« – in Uwe Junges Augen ist die AfD also anscheinend nicht nur von Nazis unterwandert, sondern zugleich auch von Kommunisten.

Das Statement möchte gar nicht aufhören und wiederholt sich dabei immer wieder, weshalb wir unseren Lesern den Großteil davon ersparen möchten. Nur einen kuriosen Punkt gibt es noch aufzuzeigen, weil er leider exemplarisch für das Verhalten einiger weniger AfD-Politiker steht: Die Jugendorganisation der JA, die von Teilen der Mutterpartei jahrelang halbherzig behandelt und zeitweise sogar bekämpft wurde, würde zu wenig Respekt zeigen. Woher die Unart kommt, bedingungslosen Respekt für sich einzufordern, während man gleichzeitig Spitzenpolitiker und ehemalige Parteikollegen durch den Dreck zieht, ist uns fremd. Mit Soldatenehre oder Konservatismus, an den Junge gerne appelliert, hat das jedenfalls nichts zu tun.

LKR

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. So lässt sich Uwe Junges Austritt aus der AfD abschließend zusammenfassen – sowohl aus seiner Perspektive, als auch aus der Perspektive aller Konservativen und Patrioten, die auch weiterhin Politik für Deutschland machen wollen und erkennen, dass die AfD dies besser erreichen kann ohne einen Menschen wie Uwe Junge, der nicht davor zurückschreckt, Mitglieder der Partei, die ihm ein Landtagsmandat und damit verbundene Pensionsansprüche beschert hat, zum Abschied noch einmal mit Dreck zu bewerfen. Da macht es auch keinen großen Unterschied mehr, ob er als Bundeswehrsoldat gedient hat und als AfD-Politiker Repressionen und Linksterror ausgesetzt war – denn schließlich heizt er das Klima, das Gewalt gegen die AfD hervorbringt, durch seine jüngsten Aussagen und Diffamierungen selbst mit an.

Matthias Helferich hat persönliche Größe bewiesen, indem er von juristischen Schritten gegen Junge absieht und die Angelegenheit auf sich ruhen lässt. Dies ist für einen AfD-Politiker und künftigen Bundestagsabgeordneten durchaus angemessen, muss aber von der patriotischen Gegenöffentlichkeit anders gehandhabt werden. Es darf für Aktivisten, Medienmacher, Unterstützer und Sympathisanten des Parteivorfelds kein Zweifel darüber bestehen, dass mit dem Austritt Uwe Junges die ewigen Angriffe aus seiner Richtung gegen die AfD nicht aufhören werden. Er wird sich im Gegenteil nun unter die selbsternannten Aussteiger einreihen und, wie im Schluss seines Statements geschehen, für die LKR werben – eine Partei, die ausschließlich zu dem Zwecke existiert, der AfD zu schaden, indem sie sich selbst als »bürgerlich« und die AfD als »stammtischproletisch« darstellt.

Das Wichtigste ist nun, die LKR nicht als Witzpartei zu verharmlosen und somit zu ignorieren, welchen disproportionalen Einfluss und welche Signalwirkung die kleine Partei entfalten kann. Für viele AfD-Politiker, die eher in die Richtung Uwe Junges tendieren, dürfte das Liebäugeln mit den »Liberal-Konservativen-Reformern« gerade nach der Bundestagswahl sehr attraktiv erscheinen. Zum pseudo-elitären Denken, das sich über »Proleten« erhaben wähnt, passt es gut, sich auf dem Ticket der AfD in ein Mandat wählen zu lassen und dann aus der komfortablen Deckung der frisch angebrochenen Legislatur heraus plötzlich in halber Fraktionsstärke die Partei zu wechseln – in seinem Selbstbild könnte der eine oder andere umtriebige AfDler vom Typ »außen blau, innen schwarz« das sogar so rationalisieren, dass die dumme und aufgehetzte Masse es eben nicht besser weiß und der AfD ihre Stimme geben wird, dass es aber eigentlich die Liberal-Konservativen Reformer sind, die Deutschland retten und die CDU wieder auf einen veralteten Kurs bringen kann. Es ist wichtig, solche Umtriebe bereits frühzeitig aufzudecken und die Transparenz und Integrität der einzigen patriotischen Oppositionspartei in deutschen Parlamenten sicherzustellen.


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  1. Tobias Schmidt

    Der Dolch im Rücken schmerzt of am meisten.
    Das es in der AfD Dinge gibt die besser anders laufen sollten, ist unbestritten, so wie in ausnahmslos jeder Organisation. Allerdings ist halte ich die Behauptungen von Junge weit überzogen.
    Ich denke Grundlegend gibt es das Problem, das die AfD sich nicht auf die Presse verlassen kann um heraus zu finden wenn ein Mitglied oder ein Organ der AfD zu weit geht, schließlich ist für die Presse die Existenz der Partei schon “zu weit”.
    Die Art auf diese Weise aus der Partei aus zu treten, ist völlig inakzeptabel und macht ihn selbst zu einer unhaltbaren Person. Entweder seine Aussagen sind wahr, dann stellt sich die Frage warum er erst jetzt darauf hin weist (ich halte das für unwahrscheinlich) oder die Aussagen sind falsch und er versucht beim Austritt so viel wie möglich Schaden an zu richten.
    Sehr enttäuschend.

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