Zehn Fragen: Carlo Clemens

Carlo Clemens ist Landesvorsitzender der Jungen Alternative NRW und wird auf dem bevorstehenden JA-Bundeskongress gemeinsam mit dem Brandenburger Marvin Neumann für die Doppelspitze des Bundesvorstandes kandidieren. Wir haben Carlo interviewt und ihm Fragen zu seinen Erfahrungen, seiner Motivation und seinen Plänen gestellt.

1. Hallo Carlo. Der Bundeskongress der Jungen Alternative steht vor der Tür, und damit ist immer auch eine Zäsur verbunden. Wie schätzt Du das Geschehen der letzten Jahre ein? Was ist gut gelaufen, was muss besser werden?

Carlo Clemens: Vom letzten Bundeskongress in Magdeburg im Februar 2019 ging eine richtige Aufbruchstimmung aus. Mit grundlegenden Weichenstellungen stellte eine überwältigende Mehrheit die Zukunftsfähigkeit der JA unter Beweis. Spätestens seit Corona ist möglicherweise etwas die Luft raus, auch wenn sich mittlerweile viele Online-Formate wie JA-TV oder verschiedene Podcasts eingespielt haben. Mit Blick auf den vergangenen Bundesparteitag in Dresden hätte ich mir natürlich mehr Programm-Impulse von der Parteijugend gewünscht. Generell schafft es die JA noch nicht, alle jungen Menschen in der AfD zu erreichen. Die Zusammenarbeit mit der Mutterpartei und auch die finanzielle Ausstattung muss in einigen Bereichen besser werden.

2. 2019 gab es einigen Wirbel um deine Person im Zusammenhang mit dem JA-Grundsatzprogramm ‘Deutschlandplan’. Wie würdest Du die Geschehnisse aus heutiger Perspektive bewerten?

Carlo Clemens: Das war eigentlich keine große Sache. Es wurden anhand von Änderungsanträgen überwiegend redaktionelle und stilistische Änderungen am »Deutschlandplan« vorgenommen. Das war auch aus heutiger Sicht richtig, da einige Passagen nicht mehr wirkten, wie aus einem Guss. Aus heutiger Perspektive hat sich meine Sicht auf den sogenannten »Verfassungsschutz« geändert. Die Dreistigkeit, mit der der Inlandsgeheimdienst gegen eine Oppositionspartei und sein außerparlamentarisches Vorfeld instrumentalisiert wird, ist unübersehbar. Niemals dürfen wir uns durch solch ein unfaires Werkzeug aufeinanderhetzen lassen. Was freilich nicht heißt, dass wir nicht trotzdem klug und besonnen agieren müssen.

3. Du leitest seit einigen Jahren die JA Nordrhein-Westfalen. Wie ist dein Resümee? Würdest Du von einer erfolgreichen Periode sprechen?

Carlo Clemens: Ich bin seit 2017 Landesvorsitzender der JA NRW, davor war ich seit 2014 drei Jahre Vorsitzender des JA-Bezirksverbandes Köln. Damit gehöre ich zu den am längsten amtierenden JA-Vorsitzenden, was mich ungemein stolz macht. Unsere Aktivitäten Monat für Monat sprechen für sich. Da wir die sozialen Medien auf Instagram, YouTube und Facebook regelmäßig bedienen, wurde der Leistungsnachweis quasi über die Jahre kontinuierlich dokumentiert. Bei uns ziehen alle an einem Strang: Beim letzten Landeskongress wurde ich mit 100 Prozent der Wählerstimmen im Amt bestätigt. Macht- und Lagerkämpfe gibt es nicht – dafür Kooperation und Partnerschaften über die Grenzen der fünf aktiven Bezirksverbände Köln, Düsseldorf, Arnsberg, Münster und Detmold hinweg. Viele JA-Mitglieder tragen mittlerweile Verantwortung im Stadtrat und im Kreistag. Viele von ihnen haben in der JA ihr politisches Einmaleins gelernt. Ja, ich würde von einer erfolgreichen Zeit sprechen.

4. Wie in allen Dingen gibt es auch im Vorstand einer Parteijugend Hochs und Tiefs. Was war deine lustigste und schönste, was deine schlechteste Erfahrung der letzten Jahre?

Carlo Clemens: Man neigt ja gerne dazu, in der Rückblende »die guten alten Zeiten« zu idealisieren. In der Tat waren die Jahre 2013 bis 2015 von einer ungemeinen Aufbruchstimmung geprägt. Da war ich Student und es kam nicht selten vor, dass wir nach Veranstaltungen noch um die Häuser gezogen sind. Mit dem Wachstum der AfD hat sich auch die JA verändert. Viele von uns arbeiten mittlerweile in Fraktions- oder Parteistrukturen und haben neue berufliche und familiäre Verpflichtungen, was ein ganz natürlicher Prozess ist. Leider lässt sich die Jugendorganisation nicht ganz von Konflikten der Mutterpartei abschirmen. Die schlechteste Erfahrung war sicherlich der lähmende Streit und der Aderlass nach der Einstufung der JA zum »Verdachtsfall« durch den Inlandsgeheimdienst Ende 2018/Anfang 2019. Für uns war das eine ungekannte Erfahrung. Viele junge Mitstreiter hatten Angst vor beruflichen Nachteilen und ließen sich zum Austritt drängen. Es hat einiges an Zeit und Überzeugungskraft gekostet, um sich wieder zu konsolidieren. Andererseits schweißen gemeinsam durchlebte Täler auch zusammen. Es haben sich Freundschaften fürs Leben gebildet.

5. Grundsatzprogramme sind das Eine, konkrete politische Arbeit das Andere. Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten Aufgaben einer Partei-Jugendorganisation und konkret der Jungen Alternative für Deutschland?

Carlo Clemens: Mittelfristig möchte ich die JA als bessere AfD im Kleinen etablieren: Weltanschaulich fundiert, im Auftritt professionalisiert, disziplinierte Nachwuchsschmiede für morgen. Konkret möchte ich programmatische Impulse setzen, Diskussionen anstoßen und die AfD inhaltlich voranbringen. Viel zu oft beschränkt sich die AfD auf trotziges Dagegensein. Oftmals fehlt eine gefestigte grundsätzliche Position, die über ein »Früher war alles besser« hinausgeht. In der JA sind wir deutlich freier im Ausprobieren von Ideen. Zusätzlich möchte ich durch positive und stilsichere Öffentlichkeitsarbeit am Imageproblem der AfD arbeiten. Video- und Podcastformate sollen ausgebaut werden. Auch unser Mitgliedermagazin PATRIA hat noch Luft nach oben.

6. Auf dem anstehenden Bundeskongress kandidierst Du gemeinsam mit Marvin Neumann für den Vorsitz der Bundes-JA. Was hat dich dazu bewegt, diesen Schritt zu wagen, und wie kam es zu der Idee einer Doppelspitze?

Carlo Clemens: Anhaltende Stabilität erreicht man nur durch sehr deutliche, lager- und länderübergreifende Mehrheiten. Indem man alle konstruktiven Kräfte mitnimmt und nicht nur die eigenen Leute. Für eine solche Konsenslösung bot sich die Doppelspitze aus Ost und West an. Marvin und ich haben viele ähnliche Vorstellungen. Wir teilen z.B. die Affinität zum metapolitischen Vorfeld. Wir sind beide keine Rampensäue, sondern sehr reflektierte Typen. Das wird gut!

7. Wie würdest Du die Lektionen, die Du in den letzten Jahren gelernt hast, in deine Vorstandsarbeit übertragen? Anders ausgedrückt: Was können wir von einem Bundesvorsitzenden Carlo Clemens erwarten?

Carlo Clemens: Ich bin nach all den Jahren immer noch am Ball, während viele andere, die hitzköpfiger und lauter waren, raus sind und teilweise sogar die Seiten gewechselt haben. Diese Gefahr besteht bei mir nicht. Von mir kann jeder Fleiß, Kontinuität und Beständigkeit erwarten. Ich werde meine langjährige Führungserfahrung einbringen. Ich bin mir für keine Kärrnerarbeit zu schade und werde der JA immer die Treue halten. Wer mich kennt, weiß, dass ich zwischenmenschlich auf einen kooperativen Stil setze. Jeder soll seine Stärken zur Geltung bringen. Wenn man miteinander kommuniziert, kommen gar nicht erst Spannungen auf.

8. Wer dich etwas kennt, weiß, dass Du seit Jugendtagen eine politische Entwicklung durchgegangen bist und doch immer im konservativen Spektrum daheim warst. Wo würdest Du dich heute konkret verorten?

Carlo Clemens: Stagnation ist der Anfang vom Ende. Von der Neuen Rechten über aktivistische Jugendbewegungen, liberalkonservative Gesprächszirkel bis zu klassisch-liberalen und libertären Hayek- und Mises-Kreisen habe ich die Bandbreite eines Spektrums kennengelernt. Ich bezeichne mich gerne als Freiheitlichen. Der Begriff gefällt mir. Der Freiheitliche betont die Eigenverantwortung, etwa für den Aufbau einer Familie oder eines Heims. In Zeiten, in denen Politik in die eigenen vier Wände hineinpfuschen möchte, ist das ein fundamentaler Wert. Meinungs- und Redefreiheit sind zentrale Pfeiler im Meinungskampf und im Aufbau eigener gegenkultureller Strukturen in Zeiten von Cancel Culture, Deplatforming und Big-Tech-Zensur. Freiheitlichkeit betont aber auch den Respekt vor gewachsenen Traditionen und Institutionen, die sich in Gezeiten bewährt haben, das Individuum in den gemeinschaftlichen Kontext setzen und es entlasten. Ein freies, rein rational handelndes Individuum im luftleeren Raum gibt es nicht. Ich bin konservativ und wirtschaftlich am ehesten das, was man als ordoliberal bezeichnet. Das Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft ist wichtig.

9. Bist Du dementsprechend offen gegenüber anderen politischen Orientierungen in der JA und AfD?

Carlo Clemens: Ich bin für den Erhalt Deutschlands als Volk und als Nation und deshalb überzeugter Antiglobalist. Das war der entscheidende Bruch mit den universalistischen Prinzipien des Liberalismus. Mir ist auch klar, dass der sogenannte »kleine Mann« und der regional verwurzelte kleine Mittelstand unsere Zielgruppe als AfD sind. Ein saturiertes Bürgertum, das abgesichert ist, wählt eher grün als blau. Hier sind die entscheidenden Schnittmengen zu solidarisch-patriotischen bzw. sozialkonservativen Strömungen in der Partei und in der JA. Es gibt Dinge, die wichtiger sind als Wirtschaftswachstum und Profitmaximierung. Im Bereich Umwelt- und Tierschutz, aber auch bei identitätsstiftenden Fragen wie Architektur und Städtebau können wir eigene Akzente setzen.

10. Bevor wir zum Ende kommen: Gibt es noch etwas, das Du unseren Lesern mitteilen willst?

Carlo Clemens: Ich bin Familienvater, arbeite Vollzeit und bin kommunalpolitisch engagiert im Stadtrat. Das ist schon allerhand. Mit 31 Jahren gehört man in einer Jugendorganisation zu den alten Hasen. Heute drängt mich das Pflichtgefühl, für meine Jugendorganisation ein letztes Mal in die Bresche zu springen. Gemeinsam können wir etwas Großes und Beständiges schaffen. Lasst uns dieser Verantwortung gerecht werden und der AfD eine Frischzellenkur verpassen!

Wir danken Carlo Clemens für das Gespräch und wünschen viel Erfolg bei der Kandidatur zum Bundesvorstand!

Übrigens: Carlo war in der fünften Folge des konflikt Podcasts zu Gast. Wer die Folge verpasst hat, kann sie hier nachschauen!

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