Warum Rechte nicht von »Rassismus gegen Weiße« sprechen

Je mehr die linke Deutungshoheit über gesellschaftliche Themen zunimmt, desto stärker strahlen linke Begriffe auch in nicht-linke Milieus ab. In der politischen Debatte ist es mittlerweile Gang und Gäbe, sich die Frage zu stellen, ob es auch einen »Rassismus gegen Weiße« geben könnte. Auf der Rechten sind manche schon weiter: Sie gehen fest davon aus, dass die gegenwärtigen antirassistischen Bewegungen längst nicht mehr den »echten Rassismus« bekämpfen, sondern selbst einen »antiweißen Rassismus« verbreiten. Doch damit liegen sie grundfalsch.

Worte und ihre Bedeutung

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, der Begriff »Rassismus« würde etwas Objektives ausdrücken. So wie der Begriff »Tisch« neutral das gleichnamige Möbelstück mit vier Beinen und einer Platte beschreibt, glauben viele, »Rassismus« würde objektiv ausdrücken, dass Menschen andere Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft verachten. Wenn nun zum Beispiel Lori Lightfoot, die schwarze Ober-Bürgermeisterin von Chicago, ankündigt, weißen Journalisten keine Interviews mehr zu geben, sprechen diese Leute gerne von »Rassismus gegen Weiße«. Sie denken, damit einen objektiven Tatbestand auszudrücken: Lori Lightfoot gibt eindeutig zu erkennen, dass sie Weiße (bzw. weiße Journalisten) verachtet, und das macht sie folglich zu einer »Rassistin«. Falsch gedacht.

Politische Begriffe sind niemals neutral oder objektiv. Sie beinhalten immer eine polemische Seite, einen Angriff gegen jemanden oder etwas. Dieses Faktum lässt sich leicht an einem anderen Beispiel aus der Gegenwart versinnbildlichen: Wer im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Einwanderungswellen von »Flucht« spricht, impliziert, die afrikanischen und nahöstlichen Einwanderer müssten aus Gründen der unmittelbaren Bedrohung für Leib und Leben (z.B. Krieg) nach Europa bzw. Deutschland einreisen – und würden (so zumindest die Implikation) nach dem Ende der Bedrohung wieder in ihre Heimat zurückkehren. Wer hingegen von »Massenmigration« spricht, betont einerseits die massiven Ausmaße der Einwanderung und drückt andererseits aus, dass die Einwanderung immer auch langfristige und unerwünschte Auswirkungen auf das Zielland und dessen Stammbevölkerung haben kann. Schließlich weiß jeder, dass schon heute ein beachtlicher Anteil der Bevölkerung Deutschlands einen »Migrationshintergrund« hat, und dass damit ein großes Konfliktpotenzial verbunden ist.

»Flucht« und »Massenmigration« drücken also dieselbe komplexe Entwicklung aus, jedoch beide auf unterschiedliche Art und Weise. Die Begriffe beschreiben zwar etwas Objektives, sind jedoch an sich nicht neutral, sondern beinhalten jeweils eine konkrete Absicht und somit auch einen Angriff gegen alle, die diese Absicht nicht teilen. Wer etwa viel von »Flucht« und »Refugees« spricht, impliziert, dass Migrationskritiker böse Menschenfeinde sind, die man politisch bekämpfen müsse. Wir können diese Begriffe also eindeutig als linke Kampfbegriffe einordnen.

Was ist »Rassismus«

Dasselbe gilt für »Rassismus«, wie wir im Folgenden zeigen:

Wo Menschengruppen mit verschiedenen Identitäten zusammenleben, kann es zu Konflikten kommen. Dies lässt sich gut am Beispiel Belgiens beobachten, wo die französische und die flämische Volksgruppe seit Jahrzehnten miteinander im Clinch liegen. Je größer die Unterschiede zwischen den Identitäten, desto härter die Konflikte: Sind Franzosen und Flamen noch relativ nahe beieinander, so besteht beispielsweise zwischen weißen Franzosen und den westafrikanischen Einwanderern in Frankreich ein sehr großer ethnokultureller Unterschied. Das Konfliktpotenzial ist also gewaltig – und drückt sich regelmäßig in den bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen aus den Einwanderervierteln und der französischen Polizei aus.

Es ist offensichtlich, dass diese ethnischen Konflikte Ergebnis der französischen Einwanderungspolitik sind, die jahrzehntelang Massenmigration aus den ehemaligen Kolonien zugelassen hat. Aus diesem Grund sind neutrale Beschreibungen der Konflikte kaum möglich: Wer von »ethnischen Spannungen« oder im Englischen von »race riots« spricht, legt automatisch den Schluss nahe, dass die Einwanderungspolitik das Problem verursacht hat – und impliziert somit die (rechte) Forderung nach geschlossenen Grenzen und Remigration. Die einzige Möglichkeit, über ethnische Spannungen zwischen nichteuropäischen Migranten und Europäern zu sprechen, ohne rechte Schlussfolgerungen nahezulegen, lautet wie folgt: Man muss von vornherein suggerieren, dass die Schuld an den Konflikten einseitig auf der Seite der Europäer liegt.

Genau dies schafft der Begriff »Rassismus«: Er verleugnet, dass das Zusammenleben unterschiedlicher Gruppen immer von Konfliktpotenzial begleitet ist, und dass dieses Konfliktpotenzial umso größer ist, je verschiedener die Gruppen sind. All dies wird negiert, und stattdessen wird eine einseitige Schuldzuweisung an die Weißen formuliert – sie sollen für ethnische Spannungen und die damit verbundenen Emotionen (Hass, Wut, Misstrauen) prinzipiell die Schuld tragen. Dies ist ein fundamentaler Angriff auf die Weißen: Genauso gut könnte man ihnen die Schuld dafür geben, dass es im Winter kalt ist.

Der Rassismusbegriff tut genau das: Er täuscht über objektive Ursachen ethnischer Konflikte hinweg und suggeriert stattdessen, an solchen Konflikten wären stets die Weißen schuld. Die Schlussfolgerungen sind mannigfaltig: Weiße dürfen als einzige Gruppe nicht nur keine negativen Emotionen gegenüber Anderen hegen – sie dürfen auch keinen positiven Bezug zu ihrer eigenen Gruppenidentität äußern. Konkret auf den deutschen Kontext übertragen: In unserer multikulturellen Gesellschaft genießen alle Volksidentitäten großen Respekt und Anerkennung– außer der deutschen Identität. Diese darf nur entweder rein formell als Synonym für die deutsche Staatsbürgerschaft verwendet werden, oder mit rein negativem Inhalt befüllt werden – die Deutschen als Spießer, Nazis, Fremdenfeinde, Rassisten, etc.

All dies ist im Begriff »Rassismus« implizit enthalten, und das macht ihn zu einem anti-weißen, anti-deutschen Kampfbegriff. Wer ihn benutzt, wiederholt jedes Mal das Dogma, dass an ethnischen Konflikten in Deutschland der fremdenfeindliche und überhebliche Deutsche schuld ist. Auch diejenigen, die selbst gegen dieses Dogma sind, bestärken es mit ihrer Verwendung des Begriffes unbemerkt – gerade dann, wenn sie vom »Rassismus gegen Weiße« reden. Denn wenn sie ihre Gedanken in antideutschen Begriffen ausdrücken, ohne dies selbst zu merken, tanzen sie nur nach der Pfeife der Linken.

Schlachtfelder

Um dies zu veranschaulichen, ist es wichtig, genauer hinzuschauen, wer den Begriff prägt und verwendet. Der deutsche Wikipedia-Eintrag zum Lemma Rassismus führt in der Quellen-Auflistung unter anderem Werke folgender Autoren auf: Étienne Balibar (französischer Marxist), Heidi Beutin (LINKE-Politikerin), Frantz Fanon (anti-weißer Bolschewist), Tupoka Ogette (Antirassismus-Trainerin), Reni Eddo-Lodge (Autorin von »Why I’m No Longer Talking to White People About Race«), usw. Neben überwiegend linken bis explizit linksextremen Autoren finden sich einige wenige Liberale und kaum ein Rechter. Und auch ein Blick in die Geschichte zeigt, dass man bis in die 1960er-Jahre überwiegend Begriffe wie »Rassenhass« oder auch »Rassentrennung« nutzte, bis die Neue Linke ihren Marsch durch die Institutionen begann und Begriffe wie »Rassismus«, aber auch »Sexismus« etc. in der ganzen Gesellschaft verbreitete. Wie eine konfliktDatenanalyse zeigte, sind diese Begriffe erst in den 2010er-Jahren wirklich im Mainstream angelangt.

Wir sehen: Es ist ein schwerer Irrtum, zu glauben, der Begriff »Rassismus« wäre ein neutraler Begriff, der einen objektiven Tatbestand beschreibt. Wer so vorgeht, befindet sich völlig in der Sprache der Linken und hantiert mit Begriffen, die von Linksextremen erdacht und verbreitet wurden. Es ist kein Wunder, dass sich diejenigen, die einen »Rassismus gegen Weiße“ beklagen, nie gegen die Linken durchsetzen können: Sie hantieren schließlich mit linken Begriffen, spielen nach linken Regeln auf linkem Terrain. Und sie bemerken es nicht einmal, sondern denken und handeln so, als würden sie um einen ganz neutralen und objektiven Begriff streiten. Ganz unpolitisch und naiv gehen sie davon aus, dass das Spielfeld neutral und ausgeglichen ist – es ist aber in Wirklichkeit komplett einseitig verzerrt und bietet dem Gegner (den »antiweißen Rassisten«) haufenweise Vorteile.

Diejenigen, die vom »Rassismus gegen Weiße« reden, müssen aufwachen und begreifen, dass sie von den Linken laufend an der Nase herumgeführt werden und auf deren Territorium immer nur in diskursiven Rückzugsgefechten kämpfen. Dem Hass auf Weiße bzw. konkret auf Deutsche kann man nicht mit Appellen gegen »Rassismus« oder mit Verweis auf die Doppelmoral der linken Antirassisten begegnen. Stattdessen muss man die Augen öffnen und sehen, woher die linke Übermacht kommt: Sie kontrollieren die Universitäten und die Medienanstalten, können ihre Kampfbegriffe überall verbreiten und der ganzen Gesellschaft vortäuschen, es würde sich um neutrale Beschreibungen handeln. In einem nächsten Schritt gilt es, eigene politische Begriffe auszuarbeiten und somit ein eigenes Gelände zu schaffen, auf dem die Linken uns nicht angreifen können.

Dass eine Lori Lightfoot ihren Hass auf Weiße offen ausdrücken kann, ist ein Zeichen der Schwäche der amerikanischen Konservativen – dass auf deutschen Straßen gegen Deutsche gehetzt werden kann, ist ein Zeichen der Schwäche der deutschen Rechten. Mit der paradoxen Floskel »Rassismus gegen Weiße« kann man dagegen nicht vorgehen. Wer wirklich etwas dagegen tun will, unterstützt rechte politische Theorie und Praxis.

  1. veritas

    dies. bei den linken forderungen zum schutz der indigenen völker dieser welt (ausser sie sind weiss/deutsch) ist es das selbe. die doppelmoral liegt eigentlich klar vor den augen aller, man kommt nur nicht weiter wenn man sich vom diskurs der woke left lenken lässt.

  2. Danke für die gute Erklärung! Im wahrsten Sinne des Wortes wurde mir beim Lesen einiges “klar”!

  3. Widerspruch! Einst bezeichnete der Begriff »Rasse« lediglich jedes praktisch verhaltensunabhängige Gruppenmerkmal, in das ein Mensch zwangsläufig hineingeboren wird (hier neben der Hautfarbe auch andere Gruppenmerkmale wie etwa Geschlecht, Abstammung, Nationalität, soziale Schicht, Religion), zunächst nur zur deskriptiven Klassifizierung von Menschen, mit der keinerlei Wertung verbunden sein musste (obwohl diese Versuchung besteht) –, und erst die Bewertung(!) einer »Rasse« ist Rassismus.

    Den langjährigen Konsens, dass (die messbare Haltung) Rassismus eine gruppenmerkmalsbezogene Abwertung anderer Menschen wegen deren verhaltensunabhängiger Zugehörigkeit zu einer Population darstellt, könnte man angelehnt an Albert Memmi so definieren: »Jeder Rassismus ist die pauschale sowie endgültige Bewertung realer oder fiktiver verhaltensunabhängiger Unterschiede zum Nutzen der (rassistisch) Wertenden und zum Nachteil für deren Opfer, um eigene Aggressionen zu rechtfertigen.«

    Und weil Rassismus früher lediglich die negative Wertung derartiger Unterschiede bezeichnete, für die auf individueller Ebene (vom Vorurteil zum Urteil) verfestigte Einstellungen ursächlich seien, wodurch (anders als beim vagen Vorurteil) für einen Rassisten bereits vor jeder neuen Einzelfallprüfung dessen Urteil unumstößlich feststehe, spielte der gesellschaftliche Rahmen, die soziale Struktur, anders als heute kaum eine Rolle. Noch in den nuller Jahren klang bei politisch Linken an, dass auch Schwarze zu Rassismus fähig seien (etwa SPIEGEL 16-2007, Thielke & Wiedemann, »Der afrikanische Fluch«, 16.04.2007), was nun aufgrund eines historisch strukturellen Privilegiengefälles ausgeschlossen wird.

    In strukturell rassistischen Gesellschaften wäre deren Geschichte zu ändern –, sonst nur Rassisten.

    • Kwasimodo

      Die Memmi-Defintion ist Kauderwelsch, der letzte Satz des Kommentars scheint unvollständig.

      “Rassismus” ist nicht zu definieren, ergibt meist keinen Sinn, und es gibt keine “strukturell rassistischen Gesellschaften”.

      Schon unheimlich: demographisch sind wir kurz vorm Kollaps, und dennoch gibt es Leute, die einen Linksextremen wie Memmi ernstnehmen. Man entferne einfach die vielen “Minderheiten” — weltweite Mehrheiten — und es gibt auch keinen “Rassismus” mehr.

      Was “Rassismus gegen Weiße” betrifft: ist alles Rhetorik. Vox Day hat mit “SJWs Always Lie” eine Art Standardwerk hierzu verfaßt, besonders das letzte Kapitel “Dialektik versus Rhetorik” (o.s.ä., ist schon etwas her, daß ich es las).

      • Dank für das Feedback! Mein letzter Satz im ersten Kommentar war doof, aber ironisch gemeint, denn sofern man das derzeit moderne Konzept »struktureller Rassismus« bejaht, muss jede multiethnische Gesellschaft in Vergangenheit und Zukunft zwangsläufig rassistisch sein, wenn eine Mehrheit existiert.

        Natürlich ist »Rassismus« der zentrale Kampfbegriff gegen Rechtskonservative, und Albert Memmi hat sich zumindest um eine sachliche Definition bemüht – die einzige, mit der ich etwas anfangen kann –, da das typisch menschliche Vorurteil vom endgültigen Urteil ohne Einzelfallprüfung unterschieden wird.

        Wer rational begründete Vorurteile gegenüber kulturfremden Zuwanderern aus Kriegsgebieten hat, der gilt heute auch dann als Rassist, wenn er im Alltag vorsichtig jeden Einzelfall prüft und dem einzelnen Menschen erst nach dieser Prüfung wie Deutschen traut; gemäß Memmi wäre dies wohl kein Rassist.

        Mittlerweile gilt dem Verfassungsschutz die patriotische IB als »gesichert rechtsextremistisch« und die JA oder auch Antaios jeweils als »Verdachtsfall«, da deren Blickwinkel durch einen »ethnisch-kulturell bestimmten Volksbegriff« geprägt sei, der dem Grundgesetz widerspreche – ein Rassismusvorwurf. Ist dies eigentlich wahr? Jedenfalls ich als Nichtjurist finde sowohl im Art. 116 GG als auch im § 6 BVFG jene ethnisch-kulturell definierte »Volkszugehörigkeit« sowie auch den »deutschen Volkszugehörigen« als eine von zwei Möglichkeiten, verfassungsgemäß deutsch zu sein. Bin ich ein Feind Deutschlands?

        Für mich ist »Rassismus« sowohl ein Kampfbegriff der Linken als auch, in Anlehnung an Memmi, eine prinzipiell messbare individuelle Einstellung – eine Fehlhaltung einzelner Menschen –, und deshalb nur dort ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das man strukturell erklären könnte, wo es (wie etwa in der NS-Zeit) die politische Kultur bestimmt; dennoch gibt es individuelle Fehlhaltungen zu allen Zeiten.

        Vor dem Hintergrund dieser Interpretation des doch existierenden(!) Konzepts »Rassismus« gibt es für mich genauso »Rassismus gegen Weiße« wie auch etwa gegen Deutsche, nämlich genau dann, wenn ein Ankläger mich ohne Anhörung allein deshalb grundsätzlich abwertet, weil ich weiß und deutsch bin, und mir wie Köterrassen jegliche Menschenwürde abspricht. Wie sollte man diese Einstellung nennen?

        Es bringt einfach nichts, jedes Rassismuskonzept als links zu ignorieren, besonders dann nicht, wenn man sich selbst einer ethnisch-kulturell definierten Population zugehörig fühlt, in die man ohne eigenes Zutun hineingeboren wurde und die ohnehin viel unberechtigter Pauschalkritik ausgesetzt ist, was man nicht einmal als rassistisch etikettieren dürfte, wenn man linkes Vokabular aus Prinzip miede. Schlau?

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