Ukraine – Eine identitäre Sichtweise

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Der Krieg Russlands gegen die Ukraine droht, das rechte Lager zu spalten. Unser Gastautor stellt dieser Spaltung einen neuen, vereinenden Ansatz entgegen. In seinem streitbaren Diskussionsartikel vollzieht er die Perspektive beider Seiten nach und plädiert für eine gemeinsame europäische Sicherheitspolitik – unabhängig von Russland und den USA.

Blickwinkel

Vor nun einer Woche hat Putin etwas getan, dass ihm wohl niemand so wirklich zugetraut hätte. Er erkannte die beiden seit Jahren ukrainischen Oblasten Luhansk und Donezk als eigenständige Republiken an, losgelöst vom ukrainischen Staat, und befahl den Einmarsch in die Ukraine. Mit diesem militärischen Akt ist er zurück in Europa: Der Krieg. 

Mit einem Schlag scheint Corona vorbei zu sein, denn urplötzlich interessiert sich niemand mehr für Maskenpflicht und Inzidenzen. Die neue Situation im Osten dominiert alle Schlagzeilen. Während sich der Mainstream einig ist, dass es sich beim russischen Angriff um einen lupenreinen Angriffskrieg eines irren russischen Diktators handle, der gegen jedes internationale Recht verstösst, verbringt unser Lager seit letzter Woche die Zeit damit, zu debattieren.

Die dissidente, sich als Fundamentalopposition verstehende Rechte ist gespalten. Altrechte, nationalistisch orientierte Kräfte stehen auf der Seite der Ukrainer, bestärken sie in ihrem völkischen Freiheitskampf gegen den multiethnischen Aggressor Russland, den man aufgrund historischer Ereignisse gar nicht schmecken kann. Das sich als neurechts verstehende Lager hat noch keine eindeutige Position bezogen, schwankt etwas umher, kann Verständnis für beide Seiten aufbringen. Dieser Artikel soll ein Versuch sein, den Standpunkt der Neuen Rechten zu schärfen.

Zum Autor

Ich bin 27 Jahre alt und rechne mich selbst dem neurechten, identitären Lager zu. Ich bin seit 2016 Aktivist bei der IB und schreibe nicht zum ersten Mal für konflikt. Ich schreibe diesen Artikel aus einer klar neurechten, identitären sowie europaradikalen Motivation heraus. Wie gerade beschrieben, möchte ich damit zur Profilschärfung der neuen Rechten beitragen sowie auch einen Gegenpol zur im rechtsdissidenten Lager vorherrschenden Meinung aufbauen, die meiner Ansicht nach von Nationalisten dominiert wird. Wichtig zu verstehen: Ich bezeichne mich nicht als Nationalisten!

In diesem Artikel handelt es sich um meine persönliche Meinung, nicht um die repräsentative Meinung einer Bewegung oder Gruppe.

Welche Seite, deutsche Rechte?

Meine Antwort auf diese Frage ist sehr simpel: Unsere! Doch was genau meine ich damit? Als neurechter deutscher Identitärer definiere ich «Wir» grundsätzlich als Europa. Wenn wir Deutschen eines aus der Geschichte gelernt haben dürften, dann das wir uns niemals wieder als von Europa getrennt ansehen dürfen und Entscheidungen grundsätzlich mit statt gegen andere Europäer treffen sollten, speziell wenn ein Krieg auf unserem Boden tobt, der allen Interessen Europas zuwiderläuft. 

Hauptinitiator und -profiteur dieses Konfliktes sind die USA. Ihr Ziel ist es, ein starkes Europa und ein starkes Russland zu verhindern. Niemand soll ihrem hegemonialen Anspruch als einzige Weltmacht entgegenstehen. Das scheinen speziell Rechtsliberale und Rechtsnationale nicht begreifen zu wollen. Auf jeden Fall bedienen sie mit ihren Handlungen bewusst oder unbewusst – hoffen wir zweites – die Interessen aus Übersee.

Als Europäer kann ich es nicht ertragen, mitansehen zu müssen, wie Europäer Europäer töten. Ich möchte diesen Konflikt so schnell wie möglich beenden und begraben können. Damit das geschieht, müssen alle Interessen der Konfliktparteien berücksichtigt werden, ansonsten ist ein geschlossener Frieden kein langer Frieden. 

Lösungen

Wir müssen für die Abneigung der Ukrainer und anderer Westslaven wie der Polen und Tschechen gegen die Russen Verständnis aufbringen, die kommt nicht von ungefähr. Schwere Verbrechen wurden an diesen Völkern verübt und keines gesühnt. Das hinterlässt klaffende Wunden, die geschlossen werden müssen. Doch zugleich haben sich meiner Meinung nach die Ukrainer von den Amerikanern und ihren Vasallen gegen Russland aufhetzen lassen. Das kann nicht in ihrem Interesse sein. Wir sollten auch Russlands Sicherheitsinteressen berücksichtigen. Die Krim und die Oblasten im Osten müssen ziehen gelassen werden. Die dortige Bevölkerung möchte nicht mehr zur Ukraine gehören, das müssen wir (die Europäer, wozu ich die Ukraine zähle) akzeptieren.

Russland muss den Rest der Ukraine freigeben und sich zurückziehen. Der Unabhängigkeitswille der Ukrainer muss respektiert werden und jeder weitere Versuch, ukrainisches Territorium zu annektieren, darf nicht akzeptiert werden. Im Ernstfall muss Europa bereit sein, seine Forderungen auch mit Gewalt durchzusetzen. Die Ukraine bleibt ein neutrales Land zwischen Europa und Russland – genauso wie Weissrussland, Finnland und das Baltikum. Eine Sicherheitszone, an der beide Seiten Interesse haben. Auch ich möchte mir ungern eine Grenze mit dem russischen Bären und seinem Waffenarsenal teilen. So wie ich Putin momentan einschätze, dürfte er dem zustimmen. 

Den USA muss aus Europa eine klare Absage erteilt werden. Die Amerikaner haben all ihre Waffen aus Europa abzuziehen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Amerikas Machthunger Europa in weitere Konflikte mit Russland, China, dem Iran oder vielleicht sogar Südamerika verwickelt. Die NATO ist nicht mehr zeitgemäß und muss einem europäischem Sicherheitsbündnis weichen. Wir brauchen weder amerikanische Atomwaffen noch einen amerikanischen Raketenschild. Unser Kontinent wird sich gegen jeden Angriff selbst zu behaupten wissen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist eine Aufrüstung in Europa dringen nötig. Unsere Armeen, allen voran die Bundeswehr, sind ein Schatten einstiger europäischer Wehrfähigkeit. Da wird nicht nur mehr Geld gebraucht werden – auch ein kultureller Wandel in Richtung einer positiven Haltung gegenüber der eigenen Armee wird notwendig sein.

Aussicht: Für eine europäische Identität

Die neue Rechte hat noch viel zu tun. Immer noch zu weit verbreitet sind Auffassungen von Nationalismus und Chauvinismus aus dem 20. Jahrhundert, über die fremde Mächte uns «hacken» und gegeneinander aufhetzen können. Wir müssen unsere kollektiven Traumata aus zwei Weltkriegen ein für alle Mal begraben und begreifen, dass Europa sich nur gemeinsam in den Konflikten der Zukunft behaupten können wird. Das geht nur, wenn sich alle Europäer untereinander ein gewisses Grundmaß an Respekt entgegenbringen und nicht beim kleinsten sich anbahnenden Konflikt wieder der Schnee von gestern ausgegraben wird. 

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3 Kommentare

  1. „Russland muss den Rest der Ukraine freigeben und sich zurückziehen. […] So wie ich Putin momentan einschätze, dürfte er dem zustimmen.“

    Haha. Sorry, aber diese mutigen Aussagen von „patriotischen Wissern“ (eigentlich Möchtegern-Erkennern) sind einfach nur verwerflich. Völlig unbelegt. Und jetzt schon: völlig falsch.

    • Das mag ja sein, aber… „Im Ernstfall muss Europa bereit sein, seine Forderungen auch mit Gewalt durchzusetzen.“

      • Völliger Irrsinn.
        Die „Forderungen“ von Europa? Was zur Hölle soll das sein??

        Du meinst wohl: die Forderungen der USA, welche ihre Moderne (jene der Anti-Autochthonen Identität) weltweit im Westen zur Hegemonie hat kommen lassen.

        Denn wir Mitteleuropäer (Deutsch, Österreicher, Schweizer) sollten in dem slawischen Bruderkrieg nichts zu melden haben.

        Gar nichts.
        Wir haben es vergessen, wie es geht.

        Entweder für den, oder den. Oder gegen den, oder den.

        Nein! Keines von beiden! Neutralität ist: raushalten. Die sollen es unter sich ausmachen. Es sollte uns nichts angehen; und wir sollten unsere Deutsche/Österreichische/Schweizerische Rollen stärken, nicht die uns aufgedrückte Rolle (der dekadenten ultraliberalen identitätszersetzenden Moderne) von Transatlantikern.

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