»Die Strategie der Sammlung« – Szenario und Manöverkritik

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In seinem SiN-Artikel Die Strategie der Sammlung legte der Wiener Aktivist Martin Sellner jüngst seine Vision einer künftigen rechten Sammlungsbewegung im ländlichen Raum dar. Das Ziel der Strategie: Im Falle einer ethnodemographischen Minderheitslage der autochthonen Deutschen sollen bestimmte Regionen und Bundesländer auserkoren werden, in denen patriotische Parteien und Bewegungen Rückzugsgebiete für eine ethnokulturelle Regeneration Deutschlands etablieren können. Eine Replik.

Szenario

Martin Sellner begründet die seiner Meinung nach nötigen strategischen Wechsel mit einem Hinweis auf die Ersetzungsmigration und die ethnische Wahl. Konkret ist damit der Zerfall des politischen Konsenses aufgrund der ethnokulturellen Heterogenität gemeint – die Gesellschaft zerbricht in verschiedene Partikularinteressen, die vor allem von ethnischen Aspekten angetrieben werden. Zum Beispiel wählen migrantische Milieus im Vereinigten Königreich eher Labour, nämlich im Wissen, dass die Labour-Politiker an sie Wahlgeschenke verteilen werden, wenn sie regieren. Diese Wahlpräferenzen fließen natürlich dann auch in die Politik der Labour-Partei ein: Um die Stimmen der Migranten zu bekommen, übernehmen Labour-Politiker oftmals deren Interessen. Die Folge sind eine Islamisierungspolitik, Antirassismus-Kampagnenund anti-autochthone Politik sowie die Förderung der sog. chain migration, also dem Nachzug von immer neuen Familienmitgliedern aus Ländern wie Pakistan.

Sellners Hinweis auf ethnische Wahlen ist an dieser Stelle sehr wichtig, denn die kontinentalen Demokratien waren anders als außereuropäische bisher im Großen und Ganzen auch ethnokulturell homogene Demokratien gewesen – dieser Umstand sorgte dafür, dass es einen grundsätzlichen politischen Konsens geben konnte. Doch war dieser Konsens gleichzeitig auch eine Last, denn er erlaubte vor allem in der Bundesrepublik einen »Liberalismus als System der Entpolitisierung« (Carl Schmitt) und somit die Übersetzung politischer Begriffe wie Volk, Staat und Macht in ein technokratisches Vokabular. Aus dem Volk wurde eine Volkswirtschaft, aus dem Staat die Gesellschaft und aus Macht und Herrschaft die bloße Kontrolle. Die Folgen dieser Entpolitisierung spüren wir heute: Unwillig, den kulturellen und metapolitischen Kampf aufzunehmen und Politik noch als etwas anderes denn als Verwaltung und Umverteilung der sozialen und materiellen Vermögen anzusehen, sind Konservative und Rechte seit Jahrzehnten nur noch auf dem Rückzug. Die Konsequenz: Der Zerfall des staatstragenden Volkes in eine bunte Mixtur unterschiedlicher Interessen und damit die reale Spaltung der Gesellschaft anhand ethnischer Grenzen – inklusive ethnischer Wahlen.

Nun ist es kein Geheimnis, dass es für funktionierende (demokratische) Gemeinschaften grundlegende Gemeinsamkeiten geben muss, damit diese nicht in ihre Einzelteile verfallen. Seien es die antiken Demokratien mit ihrem Polis-Bürgerrechten, Rousseau mit seiner identitären Demokratie oder Schmitt und seine Schüler, welche ethnokulturelle und soziale Homogenität als zwingende Prämissen ansehen. Selbst Mainstream-Hohepriester wie Habermas implizieren mit ihren Ideen eine gewisse grundlegende Homogenität: Um in den habermasschen Diskursraum eintreten und an der deliberativen Demokratie teilnehmen zu können, ist zum Beispiel eine der wichtigsten menschlichen Fähigkeiten nötig: Die Fähigkeit zur Kommunikation, oder konkreter gesagt eine gemeinsame Sprache. Von gemeinsamer Sprache über gemeinsame Kultur bis zum gemeinsamen ethnischen Hintergrund – Identitätsfaktoren sind nötig für eine stabile Gemeinschaft, je mehr desto besser.

So weit, so selbstredend und bekannt für das rechts, konservativ oder identitär vorgebildete Publikum. Im Sezessions-Artikel weist Sellner auf den Wegfall dieser Faktoren hin und zeichnet vor diesem Hintergrund ein Entweder-Oder auf: »Reconquista« (metapolitische und politische Dominanz auf dem ganzen Staatstgebiet) oder »Sezession« – metapolitische und politische Dominanz auf einem Teilgebiet mit dem Ziel des Aufbaus einer Rückzugszone.

Modellhafter Fatalismus als Grundlage einer Strategie

An diesem von Sellner aufgezeichneten Szenario sehen wir eine Reihe von Problemen, die die beiden Entscheidungsmöglichkeiten in großem Maße beeinflussen, wenn nicht gar die Wahl zwischen »Reconquista« und »Sezession« in einen ganz anderen Kontext stellen.

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