Stadt, Land, Widerstand

Angesichts der katastrophalen demographischen Entwicklung in den Großstädten gewinnt das Land an Bedeutung. Unser Gastautor widmet diesem Thema eine kurze Anekdote.

Da draußen

Erst vor einigen Tagen durfte ich mal wieder in der Provinz unter mehr oder minder gleich alten, autochthonen Leuten politische Diskussionen führen. Dies ist inzwischen für einen Städter wie mich zu einem Privileg gekommen. Geschmiert von jeder Menge billigem Alkohol und nachdem ich einem jungen Mann erklären durfte, was Anarchisten sind, kamen wir auf die Asyl -und Migrationsdebatte zu sprechen, und zu meinem Entzücken waren politisch Aktive in der Runde, die sogar kleinere Ämter in ihren Heimatdörfern bekleiden – selbstverständlich bei einer sogenannten „christlich-konservativen“ Partei, sonst hätte man jene Ämter vermutlich nicht inne. Und dann fiel die Aussage, die mich dazu verleitete, diesen Beitrag zu verfassen: „Glaubst du, solche Zustände wie bei euch in Wien würde hier draußen irgendjemand zulassen?“

Dieser Satz kam wie ein Schlag in mein Gesicht, denn insgeheim wusste ich schon, dass er früher oder später, in der ein oder anderen Form fallen würde. Auf meine Entgegnungen, wer es denn genau verhindern sollte, bekam ich keine Antwort, und so erstickte die Debatte an diesem Punkt und der nächste Trunk Sprite mit Fusel wurde gekippt. Die Aussage steht für ein Denken, welches in unserer Gesellschaft weitaus stärker verhaftet sein dürfte, als wir es wahrhaben wollen. Es zeugt von nichts anderem als einem tiefen, fast schon religiösen Glauben in den Status Quo, gepaart mit einem Urvertrauen in politische Entscheidungsträger.

Wir gegen die

Ehrlicherweise muss ich zugestehen, dass ich früher demselben Glauben anhing, um mein Gewissen zu beruhigen. Nun, da ich mich politisch gebildet habe, vermag ich jedoch auszumachen, dass jener Status Quo bei weitem nicht so stabil ist, wie er von einigen wahrgenommen wird. Denn das aktuelle gesellschaftliche Klima und dessen Wurmfortsatz, der politisch-mediale Komplex, speist sich aus eben diesem Urvertrauen in den Status Quo. Gerade auf Land ist in dieser Hinsicht jedoch politische Skepsis kultivierbar, denn gerade dort misst man der Ideologie der herrschenden Klasse – der „Deppen in der Hauptstadt“ – nicht viel Wert bei, und konzentriert sich auf wesentlichere Dinge.

Unabhängig von politisch-medialer Meinungsbildung brachte mich dies jedoch zum Grübeln: die Ablehnung und/oder Feindlichkeit zwischen Provinzlern und Städtern, welche im Falle Österreich eine eigene Größe hat, ist ein Phänomen, dass mir in verschiedener Art bei jedem Provinzbesuch entgegenschlägt. Da ich als Rechter deutlich mehr Werte und Vorstellungen mit meinen Gesprächspartnern in der Provinz teile als mit dem durchschnittliche Städtern, kann ich nicht anders, als diese Leute für ihren Zusammenhalt zu bewundern und mich gleichzeitig zu fragen, ob dies nicht in politischer Weise genutzt werden könnte. Ich habe keinen Zweifel, dass sich mit zunehmender Liberalisierung und Überfremdung ländlicher Gegenden die Mentalität des “wir gegen die” verstärken wird; umso wichtiger ist es, gefühlsmäßige Haltungen dieser Art aufzugreifen und in einen positiven Widerstand in Form von Aktivismus umzuwandeln.

Sezession

Wir brauchen vor allem charismatische Menschen, die diesen Prozess aktiv anstoßen. Ein positives Beispiel dafür ist die Sammelbewegung DO5, die auch in der Provinz zu fruchten scheint. Sollte die demografische Situation in den Städten nicht mehr umkehrbar sein, wird die Provinz die neue Heimat für die Autochthonen werden, in einem Akt der Sezession, in einem langsamen Absickern der verbliebenen, nicht multikulti-linken Bevölkerung der Städte – White Flight. Gerade in diesem (zugegeben etwas drastischen) Szenario muss der Boden bereitet sein, sich statt als Städter und Provinzler als Landsmänner zu begegnen, die alten sozialen Trennlinien, die so lange Bestand hatten, zu überwinden und zusammenzuhalten. Erst wenn das Land die sanfte Sezession aufgefangen hat, kann es wahre Gegenkultur geben, jene, die zu Propaganda taugt, und nicht nur vereinzelte junge Männer, sondern das ganze Volk abholt. Die Aufgabe zukünftiger Aktivisten und sonstiger Dissidenten wird es sein, Möglichkeiten eben jener Sezession auszuloten und den Boden überall dort zu bereiten, wo er noch nicht urbar ist.  

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