Sozialpatriotismus II – Pflege

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Für den sozial denkenden Konservativen bedürfen die Ältesten unserer Gesellschaft besonderem Augenmerk: Sie sind es, die den Wohlstand der letzten Jahrzehnte erarbeitet und unseren Staat aufgebaut haben. Unser aller Großväter, Großmütter und Urgroßeltern – unsere unmittelbaren Vorfahren. Jene Generationen haben unter Schweiß und Tränen daran gearbeitet, ihren Nachkommen ein besseres Leben zu ermöglichen, als sie es jemals hatten. Mit dem ansteigenden Lebensalter des deutschen Volkes braucht es Lösungen, um jene Alten, die wir schätzen und respektieren, einen würdevollen Lebensabend zu ermöglichen. Hierfür ein weiterer Exkurs in die sozialpatriotische Politik:

Pflege

Stand es um die Pflege vor der Covid-19-Pandemie schon nicht gut, führte spätestens jene zur Über-Strapazierung eines bereits überstrapazierten Systems: So mussten, zusätzlich zu den ohnehin anstrengenden Tätigkeiten im Pflegebetrieb, nun eine ganze Fülle an weiteren Herausforderungen bewältigt werden: Infektionsminimierung durch Schutzmaßnahmen wie Masken und Schutzanzüge (was oft für Verwirrung bei den Pflegebedürftigen sorgte), mehr persönliche Widmung durch Wegfallen der Besuche, effiziente Isolierung von Infizierten. Dass diese Maßnahmen nicht griffen und ein Gros der Covid-19-Todesfälle auf Pflegebedürftige in Pflegeeinrichtungen fiel, ist der tragische Beweis der Überlastung des Systems.

Auch der Applaus, der am Anfang der Pandemie den Pflegekräften galt, verhallte schnell. Der einmalige Bonus von 1500 Euro für die abertausenden Beschäftigten schoss meilenweit am eigentlichen Problem vorbei: Mangel an Pflegern. So gerieten die Beschäftigten des Pflegebereichs immer mehr in einen Teufelskreis: Erhöhte Beanspruchung führte zu erhöhtem Erkrankungsrisiko, welches weitere Fehlzeiten und Personalmangel bedingte, wodurch wiederum das Gesamtmaß der Belastung stieg.

Der hohe Anteil ausländischer Pflegekräfte ist ebenso eine wesentliche Problematik; viele konnten während der Pandemie nicht einreisen oder blieben zuhause. Dies offenbart eine generelle Vulnerabilität des Systems im Einsatz von fremden Hilfskräften: Im Katastrophenfall werden die meisten in ihren Heimatländern verweilen, statt in einem anderen Land zu pflegen – denn in den meisten Ländern, aus denen Deutschland seine Pflegekräfte bezieht, gibt es noch flächendeckende Solidarität auf Identitätsbasis. Warum sollte eine rumänische Pflegerin im Krisenfall für Deutsche sorgen, wenn sie in ihrer unmittelbaren Umgebung, in ihrer Heimat gebraucht wird? Die Covid-19-Pandemie sollte hierbei ein Weckruf für die Verantwortlichen sein: Dieses System ist in seiner Konfiguration auf Sand gebaut.

Träger

Eine weitere Schieflage besteht bei den Trägern der Pflege; es gibt doppelt so viele private Pflegeträger wie öffentliche – dass bei privaten Trägern die Profitmaximierung im Vordergrund steht, ist evident. Eine Rückholung des Pflegebetriebs in staatliche Hand hätte zur Folge, dass der Pflegeauftrag zur Gänze erfüllt werden kann, egal ob dies gewinnbringend ist oder nicht. Aus marktradikaler Sicht müsste mit zunehmend unbesetzten Stellen eine Verbesserung der Arbeitsverhältnisse stattfinden – jedoch bleibt diese schon seit Jahren aus, und dies trotz des eben genannten Überhangs privater Pflegeträger. Das marktradikale Dogma entblößt sich also einmal mehr als bloße Ideologie der Profitwirtschaft.

Deshalb kann eine weitere Neoliberalisierung der Fürsorge für unsere Ältesten nur zu weiteren Zerwürfnissen führen. Auch hier muss der Staat als Akteur ein Mindestmaß an ordentlicher Pflege zur Verfügung stellen – zusätzlich dazu kann er durch eine Zentralisierung des Pflegeberufes einheitliche Besserungen vornehmen, anstatt es jedem einzelnen Pflegeträger zu überlassen, sein eigenes Süppchen zu kochen. Hieran anknüpfend ergeben sich folgende Verbesserungsvorschläge:

Lösungen

  • Höherer Lohn bei gleichzeitiger Reduktion der Gesamtarbeitszeit
  • Einheitliche Institutionalisierung beim Erlernen des Pflegeberufes, mehrgliedrige Ausbildungsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten
  • Abholung junger Leute: frühe Sensibilisierung für Pflegetätigkeiten, Aufzeigen von Karrieremöglichkeiten im Pflegebereich
  • Freiwilliges soziales Jahr: Wiederum für junge Leute, zwischen Schule und weiterer Ausbildung bzw. Studium ein Jahr mit gutem Lohn im Pflegebereich zu arbeiten
  • Einbindung von Privatpersonen, die ihre Angehörigen zuhause pflegen: Unterstützung durch den Staat, eigene Kursangebote, Angebot flexibler Karenzzeiten am Arbeitsplatz

Um einem Kollaps des Pflegesystems zuvorzukommen, müssen konservative und rechte Kräfte diese Forderungen in den Vordergrund stellen: Ansonsten kommt es spätestens 2025 zu einem Vakuum von über 100.000 unbesetzten Pflegestellen. Wie schon eingangs erwähnt sind gerade wir Patrioten diejenigen, die das Alter am meisten wertschätzen, und dementsprechend sollten auch unsere politischen Forderungen gestaltet sein. In Zeiten von Verunglimpfungen alter Menschen durch diverse linke Agitatoren (Stichwort: »Umweltsau«) müssen wir der Fürsprecher der Generationen werden, die hier zum Gespött gemacht werden.

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1 Kommentar

  1. In der Pflege wie im gesamten gemeinwohlorientierten Arbeitsbereich ist der Doppeldenk des marktorientierten Weltbildes greif- und spürbar: Geschäftlich plant man mit einem ökonomisch nicht-rational handlenden Individuum. Man weis also dass das Menschenbild des ökonomischen Individualismus und des Homo Oeconomicus fundamental falsch ist und nicht der Realität entspricht. Zugleich bewertet man aber Menschen weiterhin nach diesem Maßstab. Die sind dann schlichtweg Idioten, die selbst schuld sind. Und das müssen sie freilich tun, um zu begründen, warum ihr System funktional ist.

    Im Fall der Pflege ist es eindeutig. Angesichts der schlechten Bezahlung im Vergleich zu Arbeitsbelastung und Bedeutung der Tätigkeit wäre ein kühl rationalisierender Mensch gewillt seinen Betrieb zu bestreiken oder die Arbeit komplett zu verweigern und auf etwas besseres zu warten, um so Arbeitgeber unter Druck zu setzen, die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dafür müsste der sozialdienstlich tätige Mensch, wie es der Marktliberale selbst eigentlich tut, auf alle Folgen seines Handelns, ebenso auf dadurch in Kauf genommenes menschliches Elend pfeifen. Da dies aber nicht die Conditio Humana des Westens ist, kann der Unternehmer hieraus seinen Profit schlagen und gemäß seiner eigenen Logik so tun als sei dies fair. Die Wahl einen Alten Menschen hiflos in seinem eigenen Siff dahinsiechen zu lassen oder einen besseren Lohn zu erkämpfen ist letztlich keine Wahl.

    Auf der anderen Seite ist die Bezahlung von Pflegekräften, selbst wenn wir die oben aufliegende unternehmerische Schicht abziehen, die sich einen guten Teil der Pflegekosten abzweigt, nicht nur eine Frage des Wollens. Dass die Politik dem akkuten Pflegenotstand nicht mit einer Attraktivitätssteigerung durch bessere Bezahlung begegnet und das Outsourcing an ausländische „Fachkräfte“ gewünscht ist, liegt in dem Offenbarungseid, der eine Kostensteigerung und dessen Weitergabe an die Bürger offenbaren würde: die wirtschaftliche Dynamik Deutschlands ist seit Jahrzehnten sklerotisch.

    Um den Bürger seinen schrumpfenden Wohlstand nicht spüren zu lassen, müssen letztlich die Kosten und so die Preise gedrückt werden, ob trotz faktisch schrumpfenden breiten Wohlstandes den gleichen Lebensstandard zu simulieren. Freilich geht das entweder zu Lasten der Erzeuger oder Anbieter im Hinblick auf immer unrentablere Betriebe oder Selbstausbeutung oder sinkender Produktqualität zum Beispiel im Lebensmittelbereich.

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