Chris Ares – Ares

Es war eine lange Wartezeit, die durch die Coronakrise nicht gerade schneller vorbeiging. Doch Anfang Juli kam Chris Ares’ lange angekündigtes und mehrfach verschobenes erstes Album Ares dann doch raus. Auf Spotify, Apple Music, YouTube Music und anderen Diensten konnten alle unter uns, die keine MP3 kaufen wollen und keinen CD-Spieler mehr besitzen, die 17 Lieder starke Platte des gebürtigen Freiburgers streamen. Doch dieser Komfort sollte nicht von langer Dauer sein, denn eine gezielte Zensurkampagne der einschlägigen Antifaschisten führte dazu, dass noch im Juli ein Streaminganbieter nach dem anderen den Rapper, der mit bürgerlichen Namen Christoph Aljoscha Zloch heißt, aus dem digitalen Sortiment nahm. Grund genug für uns von konflikt, das Album digital bei Arcadi zu kaufen, per iTunes auf unser mobiles Endgerät zu ziehen und damit wohin zu gehen? In’s Gym natürlich. Unsere Rezension von Chris Ares neuem Album.

Mit seinen 56 Minuten Spielzeit hat die digitale Standardversion eigentlich die ideale Spiellänge für eine Trainingseinheit – aber Vorsicht, es handelt sich nicht um eine Gym-Playlist, sondern um ein facettenreiches Album mit einigen aggressiven Tracks zum Pumpen, aber eben auch einigen eher langsamen Liedern für entspanntere Minuten. Selbstverständlich sind darunter einige, die uns besser gefallen und andere, die nicht ganz unserem Geschmack entsprechen. Doch weil wir mangels Streamingdienst das ganze Album gekauft haben, dachten wir uns, dass wir dieses auch gleich in ganz klassischer Manier rezensieren sollten. Eines kann schon hier vorweggenommen werden: Der Albumkauf lohnt sich definitiv – und das nicht nur, um der Antifa und ihren Freunden in den Zeitungsredaktionen den Mittelfinger zu zeigen.

Das Album beginnt klassisch mit dem Intro, und schon dieses heizt uns anfangs mit 300-mäßiger Atmosphäre gehörig auf. Ares Stimme klatscht auf einen harten Beat mit epischem Sample, die 808 knallt wie ein Maschinengewehr. Die Elite will mehr Macht, und sie indoktriniert uns […] Ich weise dir den Weg in Richtung Freiheit. Und noch ist nichts zu spät, lass’ uns jetzt geh’n gegen den Zeitgeist. Der Text liefert eine gewohnte Mischung aus Sozialkritik und Kampfwille, gespickt mit den üblichen patriotischen Klagen über Pfandflaschen sammelnde Riester-Rentner. Der zweite Part nimmt dann die Geopolitik auf’s Korn: Internationalisten, Völkerfeinde, blutsaugende Klone, mir folgen hunderttausend Mann, denn ich bin der Auserkor’ne. Ares sagt selbst in Interviews, dass ihn Kollegah stark beeinflusst hat. Man merkt es. Doch mit all seinem Pathos und Doubletime geht der Track gut rein. Standhaft, Opa ich bin standhaft! endet Ares, und auch wir sind mit unseren ersten Aufwärmsätzen durch und habe Bock auf die Hantelbank.

Auf das Intro folgt der Titeltrack ARES, der schon vor dem Album als Single herauskam. Paparazzis machen Fotos, Antifa woll’n Autogramme; Stress mit mir heißt, dass die Engel kommen wie bei ‘ner Autopanne. Hat Ares Kontakte in die Rockerszene oder hören seine Feinde einfach die allegorischen Todesengel, wenn er mit ihnen fertig ist? Wie dem auch sei, das Ding geht noch immer so gut rein wie vor dem Albumrelease. Die Hook ist melodisch und sehr gut gesungen. Ares pumpen in der Bundeswehr Truppen gibt direkt zu Beginn des zweiten Parts Hoffnung, während der Beat recht simpel aber stark ein melancholisches Instrumentalsample untermauert. Geiles Teil, eignet sich sowohl als sachte Hintergrundmusik auf dem Laufband wie als Pusher in der Satzpause. Wenn wir einem beliebigen Deutschraphörer Ares zeigen wollten, würden wir ARES anspielen.

Wie im Krieg ist die Nummer drei, und steigt auf einem ähnlichen Beat wie ARES mit einer ähnlich persönlichen Botschaft ein, wenn auch etwas melancholischer. Die Hook ist sicher Geschmackssache, doch gefällt sie uns ausgesprochen gut: Ja ich bin ein Außenseiter, den du grad da fliegen siehst. Ich bin stark, während ihr Drogenjunkies Krisen schiebt. Das ist alles echt und sicherlich kein Liebeslied. Ja mein Weg ist steinig und ich fühle mich grad wie im Krieg. Der only white guy who doesn’t love to hate himself schießt im zweiten Part gepflegt gegen die einschlägigen Rapmagazine und wir schließen uns ihm herzlich an: “Diese ganzen Heuchler, von HipHop, Juice und Rap.de, die reißen jetzt die Fressen auf, haben all die Jahre weggesehen. […] Der eine deutsche Rapper färbt die Augenbraue schwarz und konvertiert um dann zu zeigen, dass er auch etwas hat.” Ein Poet in der Tradition deutscher Dichter und Denker? Das liegt im Auge des Betrachters, bzw. im Ohr des Zuhörers, aber für uns überwiegt auch hier ganz klar der eingängliche Flow in Kombination mit der puren Wahrheit auf dem Beat. Die letzten 40 Sekunden des Tracks können wir dann nochmal Sample und Beat lauschen; ideale Satzpause.

Mit 2060 folgt direkt noch ein Kracher, und für uns eines der stärksten Lieder auf dem Album. Die ersten Zeilen sind der Antifa gewidmet, liebe Grüße an dieser Stelle. “‘No border no nation!’ Schwarzer Block, du reihst dich ein; die Skimaske nach unten, denn du zeigst dich nicht gern deinen Feinden. ‘ACAB’ auf dem Rücken deiner Lederjacke, Punker, doch gerätst du so an mich, du Depp, zerleg’ ich dich ganz anders”. Löwengebrüll. Die nachfolgende Zeile kommentieren wir an dieser Stelle nicht; sie war der Aufhänger, der zum Anlass genommen wurde, Ares medial als Gewaltverherrlicher und Schlimmeres zu diffamieren. Hinweis: Timet euren Trainingssatz so, dass an dieser Stelle die letzten, schweren Wiederholungen kommen. Denn jetzt feuert Ares unter Feuer und Fanfaren einen Kugelhagel ab, der sich vor Ernst Jünger und anderen Dichtern in Stahlgewittern nicht verstecken muss. In der Hook klingt Germania, Kalifat, 2060 […] Islamisierung? Nein! dann inhaltlich etwas nach pi-news, aber sie ballert trotzdem, und es stimmt ja auch. Du kommst in mein Land und willst es übernehmen. Ob ich für die Heimat sterbe? Ich werd’ nicht überlegen! und der Rest des zweiten Parts richtet sich dann nicht mehr an die Antifa, sondern an ihre vermeintlichen Schützlinge. Wir von konflikt würden an dieser Stelle eigentlich einen Absatz darüber schreiben, warum auch unsere ungeladenen Gäste Opfer der unmenschlichen globalistischen Migrationspolitik sind. Aber wir machen es nicht, denn der Beat dreht wieder ab, das orientalische Sample wird verzerrt, und Chris Ares zieht uns mit Doubletime zurück in seinen Film. Wäre Ares noch auf Spotify vertreten, wäre 2060 sicher an erster Stelle in unserer On Repeat-Playlist.

Nachdem wir 2060 dreimal am Latzug gehört haben, fällt uns ein, dass wir ja eine Rezension schreiben wollen. Also weiter zu Teufel, dem ersten Feature auf dem Album mit Prototyp DNS. Die Atmosphäre wird wieder melancholisch, aber auch entspannter. Ares hat schon als Kind bemerkt, dass unser Glück nicht käuflich ist, und wir geben ihm Recht; ebenso stimmen wir ihm darin zu, dass diese Drecksgesellschaft durch das Kapital fast blind ist. Trotzdem plätschert sein Part nach den vorhergegangenen Krachern etwas zu seicht über den Standardbeat, und auch die Hook finden wir eher kitschig. Prototyp zieht dann zwar wieder unsere Aufmerksamkeit auf sich, weil sein aggressiver Stil in starkem Kontrast zu Ares’ erstem Part steht, aber auch er wirkt deplatziert neben dem Sample. Das Kapital umschlingt die Welt so wie die Midgard-Schlange ist ein starkes Bild, und auch sonst ist Prototyp ein guter Storyteller. Aber hier ist für uns einfach das Gesamtbild nicht stimmig. Im Hintergrund beim Dehnen ganz OK, aber für Hintergrundmusik hören wir nicht Chris Ares.

Diesen kleinen Tiefpunkt macht BRDigung jedoch eindeutig doppelt wieder gut. Die Videoauskoppelung war krass, und auch rein inhaltlich ist der Track klasse. “Ich seh’ in jeder deutschen Großstadt Parallelsysteme wachsen. Parallelsysteme von Menschen, die weder zu uns passen, noch kann Leben mit uns klappen, weil sie eben nicht gewachsen sind – der Hochkultur der Deutschen, uns’re Gegner streben Macht entgegen” ist sicher eine der gewagtesten Aussagen und zugleich eines der stärksten Bilder in der Geschichte des deutschen Rap, und wenn Ares von sich selbst sagt Blonde Haare, blaue Augen, ein Meter neunzig geballte Kraft, die im Feuer geweiht ist. Deutschland, das niemals allein ist, steigt uns zwar der Satzbau etwas über den Kopf, aber tief im Herzen verstehen genau was er meint und wollen einfach sehen, wie dieser Mann die antideutsche Rapszene auseinander nimmt. Für die Heimat, du heiliges Land meiner Vorfahren zieht er auf fast viereinhalb Minuten durchgehenden Bars in den Kampf und erweist sich dabei sogar als Prophet: Schalt’ mir erst Facebook ab, dann YouTube und Twitter… Nachdem Migrationspolitik, Musikbranche und Zensurapparat lyrisch zerstört wurden, widmen sich die letzten eineinhalb Minuten der Politik. Auch hier trifft unser Ohr wieder genau die richtige Mischung aus Pathos, geopolitischen Feindbestimmungen und anti-Establishment Parolen. Das ganze wieder auf einem aggressiven Beat und mit epischem Instrumentalsample – so gefällt uns das Album.

Kämpfer ist das nächste Lied, auf dem Ares zu einer etwas experimentelleren musikalischen Begleitung seine Flowvariationen präsentiert und erneut eine sehr eingängige Hook singt. Auch der Text gefällt, wenngleich uns nicht wirklich etwas Neues erwartet. Im Prinzip ist der Track eine Ansage an andere Rapper, die eben keine Kämpfer sind, sondern in ihrer Musik stumpfen Materialismus verherrlichen. Geht gut rein, bleibt aber nicht als Highlight in Erinnerung.

Mufasa ist der erste Track, den wir beim zweiten mal Durchhören skippen. Langsam verlassen wir wirklich das Genre “Musik für die Hantelbank” und betreten kitschige Gefilde. Dabei ist die Hook gar nicht schlecht, und wir können verstehen, dass auch ein Chris Ares ein Lied für seine Liebe auf dem Debütalbum haben will. Wir verbuchen die drei Minuten einfach mal als die Zeit, die wir brauchen, um zwischen zwei Übungen unsere Trinkflasche aufzufüllen.

Mit Keine typischen Männer kriegen wir dann aber wieder genau das, was wir hören wollen: Ich bin ganz allein, wenn sie alle schlafen. Ich bleibe daheim, wenn sie Malle planen. Dicker, wird stahlgeformt und Hass gewohnt. Du hängst in ‘nem Partyort, wir basteln Flows. […] Ihr seid alle Kücken und Hänger, wir sind physisch erkennbar: Keine typischen Männer. Die halb-gesungene Hook geht rein, immer und immer wieder. Dann der zweite Part: Weißt du was von Werten? Ich werd’ sterben für die Herzenssache, und auch meine Erben werden merken, wie viel Schmerz ich hatte. Siehst du diese Erde, wie Berserker dort im Kerker haften? Ich will keinen Ärger, doch bin stärker, als die Lehrer sagten. Ares’ Stimme überschlägt sich und der Beat dreht ab, dann wieder die Hook. Ein düsteres Sample und dreckige 808s runden den Track ab und machen ihn zu einem weiteren Highlight auf dem Album.

Fabia war Ares-Fans schon als Single bekannt, und das Lied ist sicher Geschmackssache. Will man sich Ares auf Dancehall a la Palmen aus Plastik anhören? Wir sagen: Gerne, und dann ist es auch nicht schlimm, dass Fabia nicht besonders politisch ist. Ich will, dass es uns gut geht, und deswegen nennen sie mich alle radikal ist hingegen genau die Botschaft, die wir als Konservative adaptieren sollten, wenn die globalistische Hetz- und Medienmaschine uns mal wieder ins Visier nimmt. Apropos Zensur: Ares sagt ja aus, dass es ihm nicht primär um Reichtum geht, und dass er damit zufrieden ist, im Skoda Fabia seine Runden zu drehen. Skoda findet das nicht so toll und hat sich öffentlich von Chris Ares distanziert. Uns wäre nicht bekannt, dass sich in der Vergangenheit schon mal ein Autohersteller von einem Rapper distanziert hätte, obwohl die Texte voll sind mit Anspielungen auf diverse Fahrzeugmarken. Offensichtlich kommt es nicht nur in der Musik-, sondern auch in der Autobranche besser an, über Drogen und Prostitution zu rappen als über Heimat und Werte. Diese Information geht raus an alle Marktliberalen. Ansonsten gefällt uns der Track super für die Entspannung nach dem Workout. Doch so weit sind wir noch nicht.

Einen Gegenpol gegen den Dancehall (cursed: “dɐɹʇ-oɹɟɐ”) von Fabia bietet Löwe. Aggressiv wird an den Stil der ersten Albumtracks angeschlossen, und wieder untermalt ein episches Sample den fetten Beat. “Mache Stress mit uns, fahr’ in den Osten und dann sag, dass du deutsche Mütter f*ckst – du endest rollend in dei’m Sarg“. Wir wissen nicht, warum das Gegenüber im Sarg rollt, aber die Ansage ist deutlich zu vernehmen. Wen willst du f*cken? Von meinen Ahnen ist niemand gefloh’n. Keiner hat das Land verlassen, wir zogen durch Krieg und Not. Keine teuren Handys, keine neuen Klamotten, sie schliefen nachts in der Scheune, um dort das Heu abzukochen. Manche Wahrheiten verpackt man am besten im Straßenjargon, und besonders hier sollte auch der Zuhörer aus harmonischeren und/oder ethnisch homogeneren Verhältnissen sich in’s Gedächtnis rufen, dass in vielen Milieus – und insbesondere in der Rapszene – Deutsche schlicht als Opfer verrufen sind, die man ohne Hemmungen fronten darf. Es ist also vollkommen legitim, dass Ares hier prophylaktisch ein paar Zeilen gegen eine bestimmte Klientel raushaut, und es ist davon auszugehen, dass er mit eben dieser Klientel schon mehr als einmal ziemlich robusten Kontakt hatte. Auch hier gefällt beinahe alles, auch wenn die Hook leider nicht ganz so gut gelungen ist wie auf den anderen Tracks.

Junge ohne Vatertag ist die Art tiefer, melancholischer Track, die wir gerne hören, und die wir auch im Gym nicht skippen. Der Beat ist wieder traplastig, das Sample ist mystisch, sie schnappten sich den Deutschen in der Tiefgarage; ich hab’ nie geklagt, ich hab’ gekämpft und mir geschworen, dass dieser Zorn, der in mir drin ist, jetzt gelenkt wird nur von Worten. Brett. Die Hook ist inhaltlich nichts besonderes, aber geht gut in’s Ohr. Ich hab’ mich durchgeboxt, der Alman auf dem Pausenhof. Sie haben sie die Dinge, die sie wollten, mit der Faust geholt. Dieses Lied sollte verpflichtend von allen gehört werden, die an Schulen waren, wo sie als Deutsche in der bequemen Mehrheitsposition waren, und die häufig zu den besonders eifrigen Kämpfern gegen Rechts™ gehören.

Machtwechsel fängt mit Aussagen von Gregor Gysi und Stefanie von Berg an. “Jedes Jahr sterben mehr Deutsch als geboren werden. Das liegt zum Glück daran, dass die Nazis sich auch nicht besonders vervielfältigen. Und schon deshalb sind wir auf Zuwanderer aus anderen Ländern angewiesen. […] Unsere Stadt wird sich radikal verändern. Ich bin der Auffassung, dass wir in 20, 30 Jahren gar keine ethnischen Mehrheiten mehr haben in unserer Stadt.” Das macht wütend und lässt auf harte politische Ansagen hoffen. Stattdessen ist der erste Part jedoch geprägt von Disses gegen Bushido, 187 und Capital Bra. Klar, Politik, Metapolitik und kulturelle Sphäre gehören zusammen. Auch die Hook richtet sich gegen die Musikindustrie, wieder mit epischem Sample und aggressivem Beat. Dann Merkel: “Wir müssen akzeptieren, dass die Zahl der Straftaten bei jugendlichen Migranten besonders hoch ist” und Habeck “Es gibt kein Volk, und es gibt deswegen auch keinen Verrat am Volk“. Dann geht es endlich los: Ich spür’ Verachtung, weil sie gegen alles sind, was der Natur entspricht. Länder, Völker, zwei Geschlechter, ich bin Pluralist. Hautfarben und Grenzen – ich will Vielfalt auf der Welt. Sie woll’n die Gleichschaltung und alles dreht sich wieder nur um Geld. In einem halben Part mit dem politischen Establishment aufgeräumt, so soll es sein. Dann hören wir uns auch gerne noch die folgenden Disses gegen Fler (“Alles, nur kein Deutscher“) und Kollegah (“macht auf Kanak, der sich Haare färbt, um Teil zu sein”) an. Am Ende Alice Weidel live aus dem Bundestag und zum Abschluss die Hook. Stabiler Track. Etwas eklektizistisch, aber geht während der letzten Trainingssätze gerne und oft rein.

Im Gegensatz zum vorletzten Track Blick nicht zurück. Wir wollen an dieser Stelle nichts Schlechtes über den Inhalt sagen. Aber musikalisch ist der Track leider derjenige auf dem Album, der uns am wenigsten gefällt.
Zuletzt das Outro: Schöne Hook, auch wenn die Frauenstimme im Hintergrund sicher Geschmackssache ist. Inhaltlich wird persönlich rekapituliert: Heute mach’ ich meine Berufung zu meinem Beruf. Das sehen wir auch so. Wieder ein schönes Sample auf einem schönen Beat, Ares’ Flow ist hier noch einmal besonders stark. Ein idealer Abschluss, insbesondere weil die Politik noch einmal außen vor bleibt und der Track trotzdem stimmig in’s Gesamtbild passt, ohne kitschig zu werden.

Hinzu kommen zwei Bonus-Tracks:

Lebewohl ist eine tragische Hymne auf Deutschland, zusammen mit dem Featuregast Ukvali, von dem wir vorher noch nicht gehört haben. Ares’ Part ist außerordentlich stark; Ukvalis Part ist inhaltlich gut, aber sein Flow wirkt im Kontrast zu Ares leider amateurhaft. Wir kennen jedoch keine anderen Tracks von ihm, und wollen deshalb kein Urteil über ihn als Rapper fällen; nur auf diesem Featurepart klingt er für uns einfach nicht gut. Ares schließt den Track zwar gewohnt stark ab, und auch Beat und Sample sind klasse, aber Lebewohl landet nicht unter unseren Dauerbrennern.

Mit Söhne Europas und dem Featuregast Absztrakkt schließt hingegen ein absoluter Hammer das Gesamtkunstwerk ab. Auf äußerst aggressivem Beat und mit Gesangssample unterlegt konfrontiert Absz uns im ersten Part mit den in den vergangenen Zeiten gefallenen Kriegern aus den heiligen Hallen und der Brut des Adlers, verwurzelt Mutter Gaia und Buddha Dharma. Nach dieser geballten Ladung Indogermanistik knallt Ares’ Hook rein: Von Lissabon bis Belgrad, Wien bis nach Berlin, von Krakau bis nach Helsinki, Tallinn und auch Stettin. Kopenhagen, Dublin, Sofia, Bosnien-Herzegovina, Zagreb, Riga, Astana, weiter bis nach Skopia. Wieder nach Vilnius, Valletta, Chișinău, Luxemburg, Monaco, und wir geben niemals auf. Amsterdam, Oslo, Reykjavik und Budapest, San Marino, Stockholm, Pristina und Bukarest. Nach dieser absoluten Tour de Force durch Europa, die schon an und für sich einen letzten Höhepunkt des Albums darstellt, kommt Ares’ Part und holt uns von der Umkleidekabine noch einmal zurück auf die Trainingsfläche für einen letzten Satz Bizeps-Curls. Sag, wer will mit mir streiten? Wenn es schwer wird, sind sie leise. Wer das nicht kennt, ist ein NPC. Das ist der Widerstand, guck dir diese Krieger an – das Herz von Zeus, ich weiß, dass ich mit meinem Weitblick siegen kann. Polen, Ungarn, Tschechen, Deutsche, Schweizer und Kroaten. Von Österreich nach Belgien und dann hoch nach Skandinavien. Für mein Volk mit dem Leben, scheiß’ auf Gold, ich will reden – zu der Masse, pump mir hunderttausend Volt in die Venen. Dann noch einmal die Hook, und dann noch einmal zurückspulen zum Beginn von Ares Part, und danach noch einmal die Hook, und dann noch einmal den ganzen Track von Anfang an. Wir sprechen wohl nicht wenigen aus der Seele, wenn wir an dieser Stelle Söhne Europas zum besten patriotischen Rap-Track küren.

Das war es dann auch (endlich). Man sagt, dass der Autor einer Albenrezension das Album danach im Großteil der Fälle nie mehr anhören kann, und dass es in einem seltenen Teil der Fälle zu einem seiner absoluten Lieblingsalben wird. Letzteres trifft eindeutig auf Chris Ares’ Debütalbum zu: Die meisten Tracks sind so stark, dass sie bei erneutem Hören nur besser werden, und von17 Anspielstationen war nur eine Handvoll dabei, die uns nicht gefallen hat – und das nicht, weil sich der Künstler bei ihnen keine Mühe gegeben hätte, sondern weil uns schlicht der Stil nicht gefällt.

Nun ist es an Euch, den Künstler zu unterstützen und ihm Eure Liebe zu zeigen für das, was er tut. Das Album und alle Singles lassen sich bei Arcadi digital kaufen, und für besondere Fans gibt es auch Merchandise. Ebenfalls kann man dort die Produkte der anderen Rapper von Ares’ Label Neuer Deutscher Standard anschauen. Bevor Ihr also das nächste Mal beim Training den selbsternannten Staatsfeind Taktikka – dessen Musik nirgends gesperrt wird – anspielt, gönnt Euch doch einfach das MP3-Album von Chris Ares.

Und an alle Rapjournalisten da draußen geht zum Abschluss noch einmal die freundliche Erinnerung, dass euer Geschäftsmodell peinlich ist und alle eure Zensurmaßnahmen am Ende nichts bringen werden, denn ab jetzt wird aufgeräumt im deutschen Rap.

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