Positive Psychologie in der Krise

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Eine politische Bewegung existiert als Mosaik von Partei, medialem Vorfeld und Aktivismus. Leider ist insbesondere letzterer in der Bundesrepublik seit einigen Jahren kaum mehr öffentlich sichtbar. Dies liegt einerseits am Deplatforming und staatlichen Repressionen, andererseits an einer allgemeinen Ermattung angesichts der jüngeren Entwicklungen. Neben der reinen Zahl der Aktiven spielen besonders psychologische Faktoren eine Rolle: Auch die größte Gruppe kann nur wenig erreichen, wenn alle Einzelnen den Mut und die Hoffnung verloren haben. Doch gegen solchen Pessimismus gibt es erprobte positive psychologische Strategien.

Von Marius Schneider

Traurige Lage

Das rechte Lager steckt in der Krise. Auf den Rausch am Ende der 2010er Jahre folgt, wie das meistens so ist, der Kater. Eilten wir 2015 oft von Sieg zu Sieg (Aufstieg der IB, Trumps Präsidentschaft, Brexit, die starken Auftritte der AfD in ihrer Anfangszeit usw.), verharren wir heute in Stillstand. Die Bundestagswahl 2021 hat eher mäßige Ergebnisse eingebracht und die Verhältnisse weiter nach links verschoben. Trump ist vom Hoffnungsträger der westlichen Welt zum Buhmann der Rechten mutiert und zu Recht abgewählt worden. Der Brexit wurde vollzogen – viel geändert hat er für uns nicht.

Die AfD stolperte bereits über die Fridays-for-Future-Bewegung: Die Partei hatte keine vernünftigen Antworten außer Fremdschämparolen wie »Greta Thunfisch« oder »Fridays for Hubraum«. So konnte die Bewegung massive metapolitische Siege einfahren und tausende junger Menschen in die linke Sphäre des politischen Spektrums bringen. Auf die Coronakrise antwortete die Partei weniger desaströs, aber auch hier nicht objektiv zufriedenstellend. Es offenbaren sich viele strukturelle Probleme, die weltanschaulicher, kommunikativer und konsensmangelnder Natur sind. Die inneren Grabenkämpfe und Distanzierungen haben die AfD schlussendlich vom Hoffnungsträger vieler Rechter zum geringeren Übel degradiert. Die IB wurde von den Social Media-Sperrungen und der Repressionswelle hart getroffen und zum Rückzug auf ganzer Front gezwungen. Nur langsam scheint sie sich davon zu erholen.

Was ich an verschiedenen Gruppen und der Partei versucht habe aufzuzeigen steht repräsentativ fürs ganze Lager: Überall macht sich schlechte Stimmung breit, viele sind enttäuscht und frustriert, so manch einer hat den Kampf aufgegeben und sich zurückgezogen. Keine gute Lage.

Hoffnung und Mut

Dieser Artikel will einen alternativen Blickwinkel auf die Situation einnehmen und vor allem eines stiften: Neuen Mut. Jetzt wird sich der ein oder andere sicher fragen, woher ich den nehmen will, bei all diesen Misserfolgen auf der einen und den wenigen positiven Entwicklungen auf der anderen Seite, sowie dem ausbleibenden Hoffnungsschimmer am Horizont. Die Antwort drauf ist ganz einfach: Aus uns selbst! Dafür möchte ich auf einen Vordenker zurückgreifen, der bis heute überaus große Popularität genießt, in rechten Kreisen jedoch kaum Beachtung findet. Sein Name: Napoleon Hill.

Napoleon Hill war ein amerikanischer Autor, der von 1883 bis 1970 in den USA lebte und wirkte. Sein bekanntestes Buch Think and Grow Rich ist bis heute ein Bestseller. Hill setzte sich für seine Buchrecherche mit den erfolgreichsten amerikanischen Geschäftsleuten und Politikern seiner Zeit zusammen und erstellte biographische Profile von ihnen. Er kam zu dem Schluss, dass Erfolg in den meisten Fällen kein Zufall ist, sondern das Ergebnis bestimmter Verhaltensweisen, welche ein bestimmter Charaktertyp zu generieren vermag. Die unter diesen erfolgreichen Männern am häufigsten verbreitete Eigenschaft: Sie gehen grundsätzlich davon aus Erfolg zu haben!

Egal wie schlecht die Bedingungen auch sein mochten, wie schlecht die Prognosen der Experten ausfielen und wie stark ihr Umfeld auf diese Männer eingeredet hat, ihre Vorhaben nicht zu verfolgen – sie haben es trotzdem getan und auf alle Besserwisser und Kritiker gepfiffen. Sie waren felsenfest von ihren Fähigkeiten und ihrer Sache überzeugt und haben gegen alle Widerstände angekämpft. Die Biographie vieler großer Männer ist oft eine Geschichte von riesigen Hochs und unendlich scheinenden Tiefs. Sie alle eint ihr Wille, weiterzumachen, auch wenn die Situation aussichtslos erscheint. Bill Gates, Steve Jobs und Mark Zuckerburg durften sich während der Gründerzeit ihrer Unternehmen nach eigener Aussage so gut wie alles von ihrem Umfeld anhören. Familie, Freunde, Mitstudenten, sogar Professoren versuchten ihnen ihre Ideen auszureden: Wie dumm die seien, wie der Markt sowas niemals honorieren würde und sie sich sicher ihre Zukunft verbauen würden. Heute wissen wir, wie viel Unrecht die Masse hatte und wie viel Recht die einzelnen Akteure

Ein welthistorischer Staatsmann wie Mao Tsedong, der Gründer der Kommunistischen Partei Chinas, war zwischenzeitlich obdachlos, musste nur mit den Sachen, die er am Leibe trug, vor seinen Feinden fliehen und lebte jahrelang abgeschottet in den Bergen von Reis und Fisch. Er dachte nie ans Aufgeben, egal wie schlimm die Situation war, glaubte weiter an seinen Traum eines roten Chinas. Er stieg wieder aus den Bergen herab, und den Rest der Geschichte kennen wir: Heute ist die KPC die unangefochtene Herrscherin über China, und das Riesenreich greift nach der Weltmacht.

Wie genau schaffen es diese Männer, eine so positive Einstellung zu entwickeln? Obwohl ich nicht Psychologie studiere, habe ich mich dennoch eine Zeit lang intensiv mit Psychologie befasst, speziell mit dem Aufbau der menschlichen Psyche. Hier konnte ich wichtige Erkenntnis sammeln, die ich meinen politischen Mitstreitern natürlich nicht vorenthalten will. Unsere Psyche kann man in zwei Teile teilen: Unter- und Vollbewusstsein, wobei das Unterbewusstsein das Vollbewusstsein nicht steuert, aber stark beeinflusst. Es ist eben kein Zufall, dass wir in gewissen Situationen gewisse Gedanken haben, mit Geruch x Bild y oder mit Musikstück z Gefühl h verbinden. Unser Unterbewusstsein selektiert jeden Reiz, den unsere Sinne wahrnehmen, vor, ohne dass wir das bewusst merken. Eine weitere Eigenschaft unseres Gehirns ist, dass es einmal gefasste Eindrücke und Meinungen permanent zu bestätigen versucht, anstatt sich objektiv auf neue Eindrücke einzulassen (sog. confirmation bias). Die von unseren Sinnen produzierte und vom Unterbewusstsein vorselektierte Wahrnehmung der Wirklichkeit ist also stark »manipuliert«.

Feedbackschleifen

Schauen wir uns das an einem Beispiel konkret an: Eine negativ denkende Person wird ihre Wahrnehmung auch auf negative Dinge konzentrieren und somit ein negatives Gesamtbild jedes Ereignisses erzeugen – unabhängig davon, wie negativ oder positiv das Ereignis tatsächlich ist.

Zum Beispiel fallen ihm beim Stadtspaziergang wieder viele schlechte Eigenschaften unseres heutigen Zeitgeistes auf und er beginnt sich darüber aufzuregen. Seine Stimmung kippt natürlich ins Negative, er ist traurig, wütend, niedergeschlagen. Diese Stimmung transportiert er auch nach außen. Positive Dinge blendet sein Gehirn absichtlich aus oder redet sie klein, denn es will ja die einmal geschaffene Grundeinstellung bestätigt und nicht herausgefordert sehen. Es leuchtet ein, dass Mensche, mit solch einer Negativwahrnehmung chronisch unglücklich sein müssen, sehr anfällig für schlimme Krankheiten wie Depressionen sind und wohl kaum in irgendeiner Art erfolgreich werden können.

Ganz anders sieht es natürlich aus, wenn mein Unterbewusstsein auf Positivität getrimmt ist. Jedes neue Ereignis wird von meinem Unterbewusstsein positiv angestrichen bevor es überhaupt in mein Vollbewusstsein gelangt – Erscheinungen, die mir widerstreben werden ausgeblendet oder aufgehübscht. Eine Pechsträhne übersteht so eine Person wohl viel eher, selbiges gilt für ihre Arbeitsprojekte. Die Gesundheit von positiven Menschen ist nachweislich besser, physisch wie psychisch. Es sollte einleuchten, warum es genau diese Menschen sind, die an der Spitze von Unternehmen oder politischen Bewegungen stehen und somit in den Fokus Napoleon Hills geraten sind.

Unsere unterbewusste Grundeinstellung zum Leben beeinflusst also stark unsere Wahrnehmung der Umgebung; das wiederum kann uns motivieren und Kraft geben oder auch demotivieren und Kraft rauben. Wer dieses Spiel weiter denkt, der wird herausfinden, dass es hier zu Ereignisspiralen kommen kann: Ist jemand oft mit Niederlagen konfrontiert, kann das eine Kaskade der Negativität auslösen und das Loch, in das er fällt, immer grösser werden lassen. Das gleiche Phänomen kann aber auch umgekehrt auftreten: Eine Welle an Erfolgen gibt immer neues Selbstbewusstsein, welches wieder als Antrieb für die nächste Hürde verwendet werden kann.

Mit erhobenem Haupt

Wir fassen also zusammen: Ob wir dem Leben positiv oder negativ gegenüberstehen ist ein entscheidender Faktor in jedem Lebensbereich einschließlich der politischen Betätigung. Unsere Einstellung kann uns in einer Erfolgswelle auf Wolke sieben tragen oder in die Selbstaufgabe und die Depression schlittern lassen. Eine einmal eingeschlagene Richtung zementiert sich mit jedem Schritt, den wir in ihr gehen, und macht eine Umkehrung immer schwieriger. Sind wir selbst also eine negative Person oder kennen wir viele solcher Leute, dann müssen wir uns schleunigst überlegen, wie wir diese Leute aus ihrem Loch ziehen können, um das weitere Absacken des Lagers zu verhindern.

Wer sich im rechten Lager umschaut wird schnell feststellen, das der negative Typ bei uns viel weiterverbreitet ist als der positive. In Chatgruppen wird die x-te Gruppenvergewaltigung skandalisiert, der 100. Antifa-Anschlag breitgetreten, zum 50. Mal auf die Heuchelei von Medien und Politik hingewiesen und gemeckert, dass man nicht mehr rausgehen könne und eh alles keinen Sinn mehr habe. Die einzige wirklich fruchtbare Diskussion ist meistens, wohin man auswandern soll, wenn es wirklich unerträglich geworden ist. Eine völlig sinnlose Fokussierung auf schlechte Zustände, die man in naher Zukunft sowieso nicht beseitigen kann, führt zu einen toxischen Umfeld, das wiederum andere mit Negativität ansteckt und vielleicht sogar den letzten positiv Gestimmten in die Kapitulation treibt.

Man stelle sich einmal vor, es gäbe in unserem Lager deutlich mehr positive Denktypen, hoffnungsvoll gestimmte Menschen mit Tatendrang und Zuversicht würden unsere Veranstaltungen und unsere Außendarstellung dominieren: Menschen, die fest davon überzeugt sind, diesen Kampf für sich zu entscheiden, die sich von keinem Rückschlag beeindrucken lassen und in jeder noch so negativen Entwicklung keine Krise, sondern eine Chance sehen, um zu wachsen und gestärkt aus ihr hervorzugehen. Zu welchen Leistungen wären wir in der Lage? Man darf gespannt sein.

Unsere jetzige Lage mag schwierig sein, aber aussichtslos ist sie nicht. Es gibt in Deutschland (noch) keinen wirklichen totalitären Staat, der einen für die falsche Meinung einsperren lässt, offene Berufsverbote erteilt oder Strom und Wasser abstellt. Wir haben es mit einem semitotalitären Staat zu tun, der mit zweierlei Maß misst und offensichtlich ungerecht agiert, aber er lässt uns noch immer einen enormen Spielraum für Aktivismus jeder Art. Die AfD ist leider immer noch weit davon entfernt, ihr Vorfeld anzuerkennen und es angemessen zu fördern – Distanziererei, Anbiederung an das antideutsche Establishment und weitere unangenehme Aktionen gehören leider noch immer zum Alltag. Aber wir lassen und hier ebenfalls nicht locker: Viele großartige Projekte, angefangen vom konflikt Magazin oder der »GegenUni«, stehen noch am Anfang, sind aber bereits jetzt vielversprechend und unterstützenswert. Jeder sollte seinen Beitrag leisten, damit diese und ähnliche Projekte weiter erfolgreich sind und Leuchttürme sowie Flagschiffe im politischen Kampf um unser Vaterland werden. Ich bin fest von unserem Sieg überzeugt – die einzige Frage, die sich mir stellt, ist nicht ob wir gewinnen, sondern wann.

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