New European Bauhaus – Ein Sinnbild

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Am 18.1.2021 erschien ein Video von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in welchem sie ein neues Projekt vorstellte: Das sogenannte „New European Bauhaus“. Gefragt seien gute Ideen von klugen Köpfen innerhalb und außerhalb Europas; die besten Ideen sollen umgesetzt werden.

Der Inhalt dieses Projektes ist milde gesagt sehr vage; außer Vermerke auf COVID 19 und den Klimawandel gibt es absolut keine Bezugspunkte. Natürlich kommt das Video nicht ohne massive Anspielungen auf den „Great Reset“ aus (der ja neuerdings eine Verschwörungstheorie ist – es sei denn, das World Economic Forum oder hochrangige Politiker sprechen davon). Die Verwirrung wird noch größer, wenn man sich vor Augen führt, dass das „Bauhaus“ ja eigentlich ein architektonischer Stil ist. Welche Ideen möchte von der Leyen erhalten? Baupläne? Lösungen zur Erderwärmung? Impfkonzepte? Vielleicht ja sogar eine Kombination aus den drei genannten Themen, ein im Bauhausstil gehaltenes Impfzentrum, welches Co2-neutral heizt?

Wenn die gähnende Leere der Phrasen der Kommissionspräsidentin nicht so tragisch wäre, könnte man darüber lachen. Im Prinzip ist ihre tragikomische Erscheinung  als Frau an der Spitze der Europäischen Union ja inzwischen zur Norm im politischen Spiel geworden: Sie wurde nie gewählt, kam als Kompromisskandidatin aus zweiter Reihe der christkonservativen Parteielite und hat seitdem mit keiner politischen Entscheidung für länderübergreifendes Aufhorchen gesorgt. Es ist anzunehmen, dass sie für die meisten Europäer eine Schreckgestalt des Brüsseler Establishments ist; jemand, der von den wahren Machthabern nur vorgeschoben wurde, um gute Miene zu bösem Spiel zu machen.

Die Union, die Europa einen sollte, gleicht heute mehr denn je einer leeren Hülle, an der sich die letzten karriereaffinen Gutverdiener aus diversen Parteien in parasitärer Manier festgesaugt haben. Der Schuss vor den Bug durch den Brexit wurde gekonnt verdrängt, der Kurs steht weiter fest: Minimalkompromiss nach Minimalkompromiss, unnötige Einschränkung der Souveränität der Mitglieder (siehe groteske Lebensmittelnormierungen) in Kombination mit einem Wasserkopf bestehend aus Frankreich und Deutschland, die über die Köpfe kleinerer Mitgliedstaaten hinwegregieren, um sich dann zu wundern, dass sich diese dagegen wehren. Zur Erinnerung: Es gibt nach wie vor keinen Plan, wie sich die europäische Wirtschaft nach der Krise erholen soll, geschweige denn, wie Europa wieder autark werden kann.

Es gibt keine Lösung der Migrationsproblematik; bis auf die Vorstellung der neuen Frontex-Uniformen werden nach wie vor keine Pull-Faktoren bekämpft, nach wie vor wird von Umverteilung fantasiert, und nach wie vor sind die Außengrenzen der europäischen Union nicht ausreichend gesichert. Während die USA einen temporären Schwung zum Status Quo vollzogen haben (mit der Wahl Joe Bidens hat mal wieder ein Vertreter der Welt-Polizei das Oval Office bezogen) und China mit einer rasanten Geschwindigkeit zur neuen Hegemonialmacht aufsteigt, dümpelt die EU bei jeder Entscheidung in Schneckentempo auf dem Pannenstreifen der Geopolitik dahin und lässt sich von Despoten wie Erdogan auf der Nase herumtanzen, um schließlich voller Frohmut das „neue europäische Bauhaus“ zu verkünden.

Jeder aufrichtige Europäer, der dies mitbekommt, kann gar nicht anders, als sich mit blutenden Herzen abzuwenden und den Kopf zu schütteln. All die Vorstellungen, Konzepte und Ideen, die europäische Vordenker erdacht haben, sind für nichts, wenn die tatsächlich existierende Institution jeden Tag daran arbeitet, jedem Europäer die Einung des Kontinents noch mehr zu verderben und den europäischen Gedanken noch mehr mit ihrem bürokratischen Unrat zu demütigen. Ein Kurswechsel ist nicht in Sicht, und wenn wir weiterhin zulassen, so heruntergewirtschaftet zu werden, darf man sich nicht wundern, wenn man eines Tages den Druck des Stiefels anderer geopolitischer Spieler im Nacken spürt. Wir haben besseres verdient.

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1 Kommentar

  1. Ein Kommentar, der sich nur an einem Stichwort aufregt und zu den Inhalten des Beitrages nichts beiträgt ist dürftig. Ihnen reich es wohl eine politische Duftnote zu hinterlassen.

    Sicherlich ist die Definition von Bauhaus als „Architekturstil“ zu knapp, und sie vernachlässigt auch wesentliche am Bauhaus gelehrten Fähigkeiten vom Töpfern bis zum Möbelbau. Wollte man der ganzen Breite der Bauhaus-Arbeiten und -Ansätze gerecht werden, müsste man darüber ein ganzes Buch schreiben. (Es gibt etliche.)

    Fakt ist allerdings, dass „Architektur im Bauhaus-Stil“ eine recht populäre Charakterisierung des Einflusses ergibt. Und: In Wikipedia liest man:

    Ein Leitbild des Bauhauses war, die Architektur als Gesamtkunstwerk mit den anderen Künsten zu verbinden. Deshalb verkündete das Bauhaus im Gründungsmanifest von 1919 auch: „Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau“.

    Damit könnte man an die Wortwahl (bzw die PR-Hülse) von vdL anknüpfen und fragen, wie weit diese Bezeichnung auch inhaltlich tragen soll.

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