Linke Denker – Guy Debord

-

Guy Debord war ein französischer Linker, der mit seiner »Situationistischen Internationalen« ein wesentlicher Einfluss auf die Neue Linke und damit die 68er war. Obwohl die SI sich selbst als basisdemokratisch verstand, nahm Debord oft eine Führungsrolle ein. Eine Vorstellung im Rahmen der Reihe Linke Denker.

Im Gegensatz zu vorherigen Linken verstanden sie sich nicht als Kollektivisten, sondern als radikale Individualisten: Dreh- und Angelpunkt ihrer politischen Forderungen waren die Wünsche und Wahrnehmungen des Einzelnen. Nicht zuletzt deshalb fielen sie oft mit sehr unorthodoxen Methoden des Aktivismus auf; Neben Kunst und Straßengraffiti ist ihr wohl nennenswertester (nie in die Tat umgesetzter) Plan, einen Leichentransport zu überfallen, um die toten Körper mit Industriefarbe in die Seine in Paris zu kippen, um maximales Schockpotenzial zu erreichen.

Die Gesellschaft des Spektakels

In seinem zentralen Werk, »die Gesellschaft des Spektakels« ergründet er die Einbindung von Bildern als Repräsentation in unser aller Leben als »das Spektakel«: in seiner aktuellen Form sind damit so gut wie alle Arten von Medien gemeint: vom Internet über das Fernsehen bis hin zu Printmedien.

Das Spektakel ist keine Ansammlung von Bildern, sondern eine soziale Komponente zwischen Menschen, die durch Bilder vermittelt werden

Da mit Bildern die fundamentalsten Eindrücke und Gedanken der Menschen selbst gedanklich artikuliert werden, sei eben das Format des Bildes beziehungsweise des bewegten Bildes das subversivste Element des Kapitalismus laut der Situationistischen Internationalen. Aus diesem Grund wählten sie für ihre Propaganda primär Werbeposter, die mit Sprechblasen so modifiziert wurden, dass die eigentliche Intention des Posters umgekehrt wurde. Vor allem die massive Popularität des Abendprogramms in Zeiten, in denen der Fernseher als Novum in jeden Haushalt kam, musste für außenstehende tatsächlich wie eine Art Massenhypnose gewirkt haben: der Gipfel der westlichen Wohlstandsgesellschaft war zum Greifen nah, Vollbeschäftigung und hohe Eigentums-rate ließ ökonomische Probleme in den Hintergrund rücken; ab diesem Zeitpunkt beschäftigten sich die meisten primär darum, welches Konsumprodukt als nächstes erworben werden sollte, wo die nächste Nachbarschaftsfeier abgehalten werden soll, und eben was am Abend im Fernsehen läuft.

Das Spektakel, in seiner Totalität begriffen, ist gleichzeitig das Resultat als auch die Projektion des tatsächlichen Produktionsmodus. (…) In all seinen Formen, als Informationspropaganda, als Werbemittel oder Unterhaltungsmedium ist das Spektakel das aktuelle Modell des sozial bestimmten Lebens. Es ist die immer anwesende Bestärkung der bereits getroffenen Entscheidung des Konsums. Gleichzeitig rechtfertigt das Spektakel die Bedingungen und Ziele des aktuellen Systems; es ist die permanente Präsenz der Rechtfertigung, da es die gelebte Zeit außerhalb der Wertschöpfung einnimmt.

Laut Guy Debord wird hierbei durch die massive Omnipräsenz der Medien ein Keil zwischen die Menschen getrieben, gleichzeitig werden sie aber auch vereinheitlicht und in ihrem Konsum zusammengebracht, indem sie dieselben Medien konsumieren. Die dadurch entstehende allgemeine Entfremdung ist dasjenige, was den Menschen immer mehr von sich selbst entfernt; wiederum auf das 21. Jahrhundert bezogen drückt sich dies mit zunehmenden psychischen Krankheiten und der Unzufriedenheit der jungen Generationen aus.

Recuperation

Die Möglichkeit, subversiven Widerstand gegen das gegnerische System zu leisten, wird laut Debord zunehmend unmöglich gemacht; sobald eine Kritik droht in den Mainstream zu dringen, wird sie vom System aufgesogen und inkorporiert: Bestes Beispiel hierfür sind Che Guevara Tassen und Black Lives Matter-Merch. Dieser Vorgang wird Recuperation genannt; übersetzt bedeutet das Wort Erholung, das System erholt sich also durch das Aufnehmen der Kritik seiner selbst, wenn auch zumeist in abgeschwächter Form: Dies erklärt auch den Siegeszug linker Gesellschaftspolitik während die Produktionsmodi des Kapitalismus unangetastet blieben und zu dem heutigen Linksliberalismus führten, den wir schon öfters mit Konflikt analysiert haben. Nun wissen wir als Patrioten und Konservative aber, dass es auch eine andere Möglichkeit gibt, wie das aktuelle System mit Kritik umgeht: Repression. Die Gründe hierfür sind vielfältig und bedürfen einer separaten Analyse.

Rechte Rezeption

Was teilen Rechte und Konservative nun in ihrer Weltanschauung mit Guy Debord? Augenscheinlich nicht viel zunächst, wenn man aber etwas unter der Oberfläche schürft, wird man fündig: vor allem seine Kritik am Entstehen des einheitlichen Konsumenten und die Rolle der Medien darin ist etwas, das zunehmend von der Rechten beklagt wird. Im zunehmend dominanten Globalismus findet eine Zusammenkunft eines Spektakels der Einheit statt; dass universelle kulturelle Codes bis in den letzten Winkel des Erdballens trägt, was dann darin resultiert, dass Menschen, die tausende Kilometer entfernt wohnen, zwar wegen sprachlicher Barrieren nicht einwandfrei kommunizieren können, aber beide gern bei McDonalds essen und dieselben Netflix-Serien genießen.

Die Analyse des Spektakels als Bündelung der Massenmedien zur Stützung der Herrschaft ist ebenfalls ein wesentlicher Punkt, denn genauso werden Rechte und Patrioten auch bekämpft: es sind weitaus weniger (angeblich) problematische Aussagen oder ähnliches, die eine gesellschaftliche Ächtung rechter Parteien oder NGOs mit sich bringen; die Rezeption durch die Fangarme des Spektakels sind die Waffen, die das System gegen seine Dissidenten in Stellung bringt. Indem die Assoziation von eben genannten Akteuren ein gewolltes Bild in den Köpfen der Medienkonsumenten erzeugt, wird dieses Bild achtsam gehegt und gepflegt.

Wer schon mal eine Dokumentation über die »rechte Gefahr« und ähnlich bedrohliche Titel gesehen hat, mag mit solchen Bildern vertraut sein: Zuerst wird ein Interview mit einem Politiker geführt, danach werden gleich Bilder von Hooligans, Altrechten und Ähnlichen eingeblendet. Auch wenn es sich dabei um verschiedene Szenen handelt, wird in den Köpfen der Konsumenten langsam eine Manifestation des Schreckens geschaffen, eine automatische Abwehrreaktion derselben auf rechte Parteien wird somit konditioniert.

Der durchschnittliche Fernsehkonsument wird somit von den Medien zum pawlowschen Hund gemacht, dessen Konditionierung einen universellen kulturellen Code trägt; er lässt sich somit leicht gegenüber anderen replizieren. Phrasen wie »mit denen will man nichts zu tun haben« oder »die sind mir zu extrem« sind damit oft nicht genuin so gemeint, sondern sind eine Manifestation des Spektakels.

Eben jene Analyse ist es, die wir von Guy Debord mitnehmen können; da unser Linksliberaler Gegner an den Schalthebeln des Systems sitzt, kann man getrost ihre eigenen geistigen Waffen gegen sie selbst richten.

Was wurde aus der Situationistischen Internationalen?

Die SI verlor schlussendlich schnell an Bedeutsamkeit nach 1968 und ihre Mitglieder widmeten sich anderen Projekten: Schließlich löste sich die Gruppe 1972 auf. Christopher Gray, der die bedeutsamsten Schriften der SI in dem Sammelband »Leaving the 20th century- the incomplete works of the situationst international« zusammenführte, beurteilte das Versagen dieses intellektuellen Dunstkreises damit, dass die Situationisten einfach nur jeden Menschen »aufwecken« wollten, und sich im Anschluss daran der Paradigmenwechsel von selbst ergeben würde. Hier sieht man ebenfalls Tendenzen, die sich teilweise heute noch immer finden, vor allem auf der Rechten.

Teilen

spot_img

Letzte Artikel

spot_img

Kategorien

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein