Leipziger Opportunismus

An diesem Samstag wählt die AfD Sachsen ihre Landesliste für die anstehende Bundestagswahl. Unter den Kandidaten für einen Listenplatz wird sich auch Matthias Moosdorf befinden. Wir erklären, warum der Karrieremusiker mit dem intellektuellen Image eine ausgesprochen schlechte Wahl darstellt.

Zusammenfassung:

In seiner neuesten Veröffentlichung fragt Matthias Moosdorf plakativ: “Wird man wirklich größer, wenn man Andere kleinredet?” (S. 352) Doch macht er selbst genau dies:

1. Er behauptet, der Fall Lüth sei “weder ein persönlicher […] noch ein struktureller Einzelfall“, denn “Holocaust-Leugnung, allerlei Geschichtsklitterung und […] schnell in NS-Propaganda kippendes Verhalten” von Mitarbeitern der Bundestagsfraktion wären “allgemein bekannt.” (S. 353)

2. Doch hält der Star-Cellospieler die Fraktionsmitarbeiter nicht nur pauschal für Nazis, sondern verachtet sie auch aufgrund ihres mangelnden beruflichen Erfolges: “Unter ihnen finden sich insolvente Lebenskünstler, Ausbildungsabbrecher, Hasardeure und Glücksritter” (S. 354). Moosdorf hat also kein Verständnis dafür, dass in der Bundesrepublik Deutschland viele Menschen vom wirtschaftlichen und sozialen Abstieg bedroht sind und dagegen eine patriotische und soziale Politik machen wollen. Sein Patriotismus hört dort auf, wo die Landsleute nicht so erfolgreich sind wie er selbst.

3. Dabei offenbart er, der so gerne über die Charaktere anderer urteilt, sich selbst laufend als Opportunist (siehe Text unten). So wirf er einerseits gerne anderen Politikern vor, keine wahren Patrioten zu sein (S. 354-355) und schießt andererseits hart gegen die “kleinkarierten” und “zersetzenden” AfDler, die heute nach Einigkeit in der Partei rufen; diese bezeichnet er als “Kollaborateure und V-Leute” (S. 355). Wie ein Seiltänzer versucht er, sich den sprichwörtlichen Flügel-Vorwurf (‘Die anderen sind keine wahren Patrioten’) anzueignen und ihn zugleich gegen jene Parteimitglieder zu richten, die nicht aus Angst vor dem Verfassungsschutz die Partei von allen sog. Flüglern bereinigen wollen.

4. Den Höhepunkt seines opportunistischen Sturmangriffes auf ein Bundestagsmandat stellen jedoch seine Aussagen über Alexander Gauland dar: Jener wäre “für das Verständnis all dieser Vorgänge” – also die angeblich weitverbreitete Holocaust-Leugnung und NS-Propaganda unter Fraktionsmitarbeitern – “die Schlüsselfigur.” (S. 353) “Vollends peinlich” findet er “die geradezu penetrante Bockigkeit der Fraktionsführung um Gauland, endlich Verantwortung für ganz offenbares Versagen zu übernehmen.” (ebd.) Die Hauptursache für den schweren Stand der Partei sieht Moosdorf nicht primär in der permanenten Anti-AfD-Hetze der Altparteien und der Medien (sowie im Antifa-Straßenterror), sondern in der Person von Alexander Gauland und seiner “Truppe” (S. 354).

5. Die Autoren dieses Textes wünschen sich eine geeinte AfD, in der alle Patrioten über ihre Meinungsverschiedenheiten hinweg einen Grundkonsens finden können. Doch dies ist mit Personen wie Matthias Moosdorf leider unmöglich, denn bei ihm sind es nicht die politischen Ansichten, die der Einheit im Wege stehen, sondern sein persönlicher Karrierewillen und sein Opportunismus. Hätte er sich als Direktkandidat in Zwickau durchsetzen können, wenn er seine Ansichten über Alexander Gauland und die Bundestagsfraktion vorher publik gemacht hätte, und nicht erst kurz darauf? Das ist sehr unwahrscheinlich, ebenso wie die Frage, ob er als ortsfremder Leipziger überhaupt eine Chance gegen den amtierenden CDU-Kandidaten hat. So hat er ein perfekt getaktetes Schachspiel geplant, um sich neben der Direktkandidatur noch einen sicheren Sitz auf der Landesliste zu ergattern, damit statt Gauland und den “Parasiten” in Zukunft er selbst Spitzenpolitiker werden kann.

Wer mehr über Matthias Moosdorf und die Hintergründe seiner Veröffentlichung erfahren will, liest weiter. Für alle anderen reicht zu wissen: Keine Stimme für Opportunisten, kein Listenplatz für Moosdorf!

Zitate aus: Matthias Moosdorf (2021): Denken als Alternative – Sammlung politischer Texte 2016 – 2020

Wer ist Matthias Moosdorf

Laut seinem Wikipedia-Eintrag wurde Matthias Moosdorf 1965 in Leipzig als Sohn eines Violinisten und späteren Orchesterdirigenten geboren; Moosdorf selbst genoss Cello-Unterricht, absolvierte ein Musikstudium und spielte ab 1988 im Leipziger Streichquartett. Es handelt sich somit um einen Sohn des bildungsbürgerlichen DDR-Milieus, das sich mit dem Realsozialismus irgendwie arrangieren konnte, ohne selbst Teil der politischen Elite oder offen dissident zu werden. Man könnte auch hier von Opportunismus sprechen.

Doch im Jahre 2016 sollte sich dies ändern, denn da traf er Frauke Petry. Die beiden befreundeten sich schnell; Berichten zufolge begleitete er sie bald zu politischen Terminen und spielte auf ihrer Hochzeit mit Marcus Pretzell das Cello. Ende des Jahres trat er auf ihr Geheiß in die sächsische AfD ein und schrieb für ihren “Blauen Kanal”, aus dem später die “Blaue Partei” hervorging, mit welcher Petry schwer scheitern sollte. Doch die Freundschaft und Loyalität zwischen Moosdorf und Petry zerbrach schon Anfang 2017 und mündete in Geldstreitigkeiten und Erpressungsvorwürfen vonseiten Marcus Pretzells.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Moosdorf sich schon einen neuen besten Freund gesucht, nämlich Michael Klonovsky. Die beiden eint, dass ihnen Experimente und Alleingänge a la LKR und Blaue Partei zu riskant sind und sie ihren bürgerlich-liberalen Habitus temporär in den Hintergrund stellen, wenn ihnen das ein persönliches Vorankommen ermöglicht. Dann agitiert auch Matthias Moosdorf gerne, und zwar recht einfallslos und platt: Da plant die UN eine Völkerwanderung nach Deutschland, Merkel führt einen neuen Sozialismus ein und Migration bedroht die Zukunft unserer Kinder.

Diese Agitation ist nun nicht etwa aus den Gründen zu verwerfen, aus denen die Linken sie skandalisieren – weil sie angeblich “faschistisch” wäre etc. – sondern weil sie schlicht populistisch im schlechtesten Sinne ist: Moosdorf hat weder eigene Lösungsansätze noch ein tieferes Verständnis der evidenten Probleme unseres Landes, sondern plappert einfach populäre Standpunkte in pseudointellektuellem Stil nach. Daher muss eindeutig gesagt werden: Das Zeug zum Spitzenpolitiker der einzigen (!) Partei, die noch für eine patriotisch-konservative Wende kämpft, hat er nicht. Dass er dennoch nicht müde wird, sich selbst und andere genau davon überzeugen zu wollen, zeichnet ihn einmal mehr als Opportunisten aus.

“Parasiten”

Der Rechtsopportunist hat kein konservatives Weltbild, sondern er findet einfach nur alles zum Kotzen, was ihm und seiner Lebensweise nicht in den Kram passt. Er ist nicht primär von der Liebe zum Eigenen motiviert, und er kämpft aus diesem Grund auch nicht primär für ein erneuertes Nationalgefühl und eine identitäre Wende; er mag einfach nur keine Moslems und findet Döner vulgär. Er erkennt auch nicht die Notwendigkeit des Nationalstaates als politische Organisationsform, die einzig imstande ist, dem neoliberalen Globalismus zu trotzen; er will sich nur nichts von Klima-Greta sagen lassen. Zuletzt ist ihm jede Solidarität mit den unteren Schichten seines eigenen Volkes fremd; nur wenn sie ihn wählen sollen, redet er ihnen gerne nach dem Mund. Der Rechtsopportunist betreibt also im Wesentlichen eine Art der Anpassung: Er sieht oberflächlich aus wie ein rechter Idealist, verhält sich jedoch nur wie ein besonders ehrgeiziger Karrierist.

So auch Matthias Moosdorf. In seinem jüngst neu veröffentlichten Buch Denken als Alternative zeigt sich dieser überhebliche und herablassende Habitus. Auf der linken Website idas findet sich als Scan aus dem Buch eine vierseitige Abrechnung mit der Partei und ihren Mitgliedern, die Moosdorf der Neuveröffentlichung (nach seiner Aufstellung als Zwickauer Direktkandidat!) angehängt hat. Als Aufhänger fungiert die Affäre um Christian Lüth, der aufgrund seiner unoptischen und parteischädlichen Aussagen im letzten Jahr aus der Partei austreten musste. Für Moosdorf ist dies ein Anlass, Bundestagsfraktions-Mitarbeitern pauschal “Holocaust-Leugnung, Geschichtsklitterung [und] NS-Propaganda” vorzuwerfen – alles “unter der Hand” der “Schlüsselfigur” Alexander Gauland.

Weiter spricht Moosdorf von “Beutegemeinschaften”, “Postenjägern” und “insolventen Lebenskünstlern, Ausbildungsabbrechern, Hasardeuren und Glücksrittern” in der AfD-Bundestagsfraktion. Er macht aus seinem Überlegenheitsgefühl also keinen Hehl: Wer nicht wie er der kulturellen Elite angehört und einen weniger glanzvollen Lebenslauf vorweisen kann, hat für ihn in der AfD-Fraktion nichts zu suchen – ganz unabhängig davon, wie sehr das Herz für Deutschland schlägt und wie groß das individuelle Engagement für die Partei ist. Damit einher gehen die Nazivorwürfe, die in typisch antifaschistischer Manier (und ohne jeden Beleg) nur darauf bauen, dass die ideologisierte Öffentlichkeit die Prädikate rechts und nicht liberal schon automatisch mit Rechtsextremismus assoziiert.

Das ganze funktioniert ungefähr auf derselben Ebene, auf der rechten Polizei- und Bundeswehrangehörigen latent unterstellt wird, geheime Neonazis zu sein. Besonders pikant ist hierbei die Doppelmoral, dass Moosdorf einerseits AfD-Mitarbeitern vorwirft, rechte Hetzproleten zu sein, und sie andererseits selbst mit “Parasiten” vergleicht, die ihr “Wirtstier” aussaugen. Inhaltlich ist der Aufsatz jedoch vor allem nichtssagend: Das einzige, was der Leser lernt, ist, dass Moosdorf sich für einen berufenen Spitzenpolitiker hält und aus dieser Haltung heraus relativ diffus und unsachlich die Parteiführung angreift. Er offenbart sich als der Typus Mensch, der zwar riecht, dass es in der Partei kriselt, aber zugleich selbst nichts zur Lösung dieser Krise beitragen kann, und der dennoch so tut, als hätte er eine Lösung. Alles für das heißbegehrte Bundestagsmandat, auch wenn die Partei daran zugrunde gehen sollte.

Sie lieben den Verrat…

Denn selbstverständlich tut Moosdorf mit seiner Publikation nicht nur der Partei keinen Gefallen, sondern auch sich selbst. Es ist nämlich nicht so, wie er es sich vielleicht ausgemalt hat, dass er durch seine Anklage einer vermeintlichen Krypto-NPD in der AfD-Bundestagsfraktion für die Öffentlichkeit als bürgerlich-patriotischer Vernunftmensch dastünde. Im Gegenteil: Die Linken von idas, die sich fingerleckend auf seine Veröffentlichung gestürzt haben (um die AfD in Gänze zu diffamieren), machen selbst vor Moosdorf keinen Halt und unterstellen ihm noch im selben Artikel, er würde den “Nationalsozialismus relativieren” und “frauenverachtende, rassistische sowie möglicherweise volksverhetzende Ausführungen” tätigen.

Ebensowenig wird er mit seiner Sabotage das erreichen, was er ja (zumindest im von idas veröffentlichten Buchausschnitt) anzustreben impliziert: Eine Abwendung der drohenden VS-Beobachtung, für die die “Vorgänge” unter der “Schlüsselfigur” Gauland verantwortlich wären. Das selbsternannte politische Mastermind Moosdorf versteht offensichtlich nicht einmal im Ansatz, dass die Androhung und schrittweise Einführung einer VS-Beobachtung der AfD genau das antun soll, was er gerade willig vollzieht: Dass die Partei sich intern zersetzt, weil einige sie aus Panik verlassen, andere sich an den Mainstream anbiedern und wieder andere (wie er selbst) das Ganze als Vorwand und Gelegenheit nutzen, zum opportunistischen Angriff auf die Parteiführung zu blasen.

Opportunisten abstrafen

Und auf dieser Grundlage will Moosdorf nun Ernst machen und die Bundestagsfraktion auch physisch entern. Dafür hat er sich als Direktkandidat in Zwickau aufstellen lassen, mit welcher Stadt er noch weniger zu tun hat als sein Freund Michael Klonovsky mit Chemnitz. Doch die Aussicht auf ein Direktmandat in Sachsen reicht ihm nicht – zumal er in Zwickau auch ordentlich lokalen Wahlkampf machen müsste, um Chancen gegen den einheimischen CDU-Konkurrenten Carsten Körber zu haben. Da ist es natürlich naheliegend und wesentlich einfacher, sich das ersehnte Bundestagsmandat über die sächsische Landesliste erheischen zu wollen.

Ob Matthias Moosdorf einen Platz auf dieser Liste ergattern kann, oder ob er doch die schwere (und für ihn sicher unangenehme) Last des Lokalwahlkampfes in Zwickau auf sich nehmen muss, um vor seiner unweigerlichen Niederlage zumindest etwas Idealismus vorzuspielen, wird sich am Samstag entscheiden. Wir hoffen aufrichtig, dass die AfD Sachsen die richtige Entscheidung trifft und ein entschiedenes Nein zu Moosdorfs Opportunismus findet. Denn wer statt Liebe und Loyalität zum Eigenen nur Karrieregeist und Überheblichkeit verkörpert, ist mit Sicherheit nicht zum oppositionellen Spitzenpolitiker berufen.

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