Landtagswahl NRW 2022 – Reportage: Junge Patrioten

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Die konflikt Redaktion war bei einigen Patrioten aus NRW zu Besuch. Was bedrückt sie, welche Gedanken und Hoffnungen haben sie hinsichtlich der nächsten Jahre?

Nordrhein-Westfalen. Während einerseits einige Patrioten bei ihren Aussagen über das bevölkerungsreichste Bundesland Begriffe wie „Emirat“, „hoffnungslos“ und „linksgrünversifft“ verwenden, ist es andererseits die Heimat für einen der aktivsten Verbände der Jungen Alternative – ein Grund genug, sich dieses vielgesichtige Bundesland genauer anzuschauen. Denn schließlich soll dort im Mai ein neuer Landtag gewählt werden und die Chance für junge Patrioten, demnächst als Landtagsabgeordnete in Düsseldorf zu wirken, scheint groß.


Matthias Helferich MdB

Wir befinden uns im Ruhrpott. Bei uns ist der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich – zwar ist sein Lebensmittelpunkt aufgrund seines Mandates mittlerweile eher in Berlin, jedoch verweilt der gebürtige Dortmunder oftmals noch in der Heimat. Aktuell hilft er seinem Landesverband im Wahlkampf und diskutiert mit interessierten Wählern über die AfD. Sein Fazit über fünf Jahre Schwarz-Gelb ist ernüchternd, vor allem in der Coronapolitik habe die Politik versagt. Auch in anderen Bereichen baut die Landesregierung von Hendrik Wüst, dem Nachfolger des unglücklichen Laschet, nur potemkinsche Dörfer auf. Matthias verweist auf das Beispiel der Abschiebungen: Zwar habe man die „beste“ Abschiebequote in NRW – die sei aber nutzlos, denn von 197 Beschlüssen wurden letztlich nur elf durchgesetzt. Spricht man den jungen Dortmunder auf die „bürgerliche“ Landesregierung an, kann er nur schmunzeln.

Von Berlin nach Dortmund: Um seine Freunde und Partei in der Heimat zu unterstützen, scheut er keinen Einsatz

Das nächste Thema stimmt ihn jedoch glücklich: „Die Verhältnis zwischen AfD und JA in NRW ist sehr gut!“ Zufrieden zählt er die Namen der jungen Kandidaten auf, die vielversprechende Listenplätze gewinnen konnten. „Die JA hat es geschafft, dadurch, dass sie sehr geschlossen ist und lagerübergreifend zusammensteht, einige Kandidaten auf die Liste zu bringen.“ Zwar ist er aufgrund Repression und wachsenden Drucks ein wenig besorgt, zeigt sich jedoch voller Optimismus. „Die JA NRW ist stabil!“.

Westerfilde: 28,2 % Ausländeranteil. Hier holte die AfD in einem Wahlbezirk 16,13 %

Behauptungen, dass die AfD im Westen nichts gewinnen könnte, möchte er nicht hinnehmen. Matthias verweist auf den Dortmunder Westen – der Stadtteil Westerfilde, früher eine SPD-Hochburg, jetzt aber AfD-Bastion. Die dortigen Deutschen und eingesessenen Migranten würden durch die neuere Migration unter Druck geraten; er sieht dort eine Chance: „Das ist zwar nicht das bürgerliche Milieu, sondern das klassische Arbeitermilieu. Dort herrscht ein Verteilungskampf um den öffentlichen Raum. Da muss die AfD eine scharfe Linie fahren, keine Etablierungssucht und Leisetreterei – man muss in diese Stadtteile rein. Das Ziel: Anwalt des kleinen Mannes. Hochhaussiedlung statt Jägerzaunsiedlung! Fokus auf die Soziale Frage!“

Nicht nur Flyer und Infobroschüren werden am Wahlkampfstand verteilt

Es kommt eine Rentnerin dazu und erzählt über ihre Probleme: „Heute kann ich nur noch die Hälfte von dem einkaufen, was ich früher konnte. Damals war es möglich für 30 Euro meinen Wochenkauf zu erledigen, heute muss ich dafür 60 Euro ausgeben – das habe ich nicht, ich muss also weniger essen.“ Matthias schüttelt bei solchen Ergebnissen der Sozialpolitik frustriert den Kopf und sagt: „Die Stadt Dortmund hat 20 Millionen für Sinti und Roma, für anerkannte Flüchtlinge nochmals 20 Millionen und dann nochmal 20 Millionen für die ausreisepflichtigen Flüchtlinge – das ist absurd!“.


Arne*, JA-Basis

Der Tag nähert sich dem Ende, wir verabschieden uns von Matthias und begeben uns nach Düsseldorf. Aus der dortigen Region kommt der junge Aktivist Arne. Wir merken früh: Er hat einiges zu erzählen – und „frische Seiten“ habe er sich extra machen lassen, sagt er! Über Schwarz-Gelb hat er nichts Gutes zu berichten, denn die Landesregierung habe sich von der Bundespolitik überlagern lassen, sodass man keine eigenen Impulse setzen konnte. Lediglich bei der Clan-Kriminalität und Corona-Politik habe es Düsseldorf geschafft, ein wenig aus der Tristesse Berlins auszubrechen.

Als wir Arne auf die größten Probleme in NRW ansprechen, hält er einen ganzen Monolog von der Migration über Clan-Kriminalität und Finanzen bis zur Sozialen Frage. Er berichtet über den kulturellen Wandel seiner Heimatstadt, erzählt von Straßen voller türkisch-arabischer Cafés und Imbissbuden. Sein Fazit ist klar: „Die Bahnhöfe jeder Großstadt sind, was das Gefühl der Sicherheit angeht, absolut verloren. In Düsseldorf, Köln und den Ruhrgebietsstädten sieht man an den Hauptbahnhöfen am Wochenende fast nur Migranten aus Afrika und dem Nahen Osten. Häufig werden einem Drogen angeboten, und man ist als Deutscher sehr alleine dort. Die Flüchtlingskrise sei 2015 hat dies noch stark zugespitzt.“

Düsseldorf am Rhein

Genauso bei der Clankriminalität: „Die Mitglieder der Rocker- und Motorradclubs stammen heute größtenteils aus migrantischen Milieus, es gibt zudem viele sogenannte Motorradclubs aus diesen Milieus, in denen zwar niemand ein Motorrad hat, aber dafür viel organisierte Kriminalität wie Drogenhandel und Prostitution ausgeübt wird.“ Im Westen nichts Neues, mag man da meinen.

Arne spricht über die geschlossenen Zechen, über die vielen Arbeitslosen und die mangelnde Digitalisierung. Bei all den Problemen sollte es eigentlich auf der Hand liegen, dass die AfD viele Möglichkeiten für effektive Oppositionsarbeit nutzt, aber Arne verneint – „Selbst für mich als JA-Mitglied ist die AfD-Fraktion quasi nicht wahrnehmbar. Der öffentliche Auftritt, auch in Social Media, ist viel zu wenig ausgeprägt. Der Einzige, der hier positiv heraussticht, ist Sven Tritschler.“

Hört man Arne zu, dann hört man einen gewissen Pessimismus, den er mit dem Satz „Es ist over“ unterstreicht. Trotzdem möchte er nicht aufgeben, auch wenn er zugibt, dass es keinen Spaß gerade macht. Dass drei junge Kandidaten auf die Liste gewählt wurden, sieht er optimistisch: „eine Integration der beiden Institutionen ist also weiterhin möglich.“

Als wir ihn fragen, was er von der AfD erwartet, sagt er „nichts“. Wir merken: Er ist nicht sehr von der AfD NRW überzeugt, denn laut ihm habe die AfD hier auch zurecht eher einen schlechten Ruf. „Die AfD macht keine Politik mehr für die Stammwählerschaft“. In Düsseldorf scheint die Lage also eher mau und trist. Der Abschied von Arne steht an, denn wir wollen noch den Rhein hochfahren – in Bonn wartet Felix A. Cassel auf uns.


Felix Alexander Cassel, JA-Landesvorsitz

Der Landesvorsitzende der JA NRW hat sich auf unsere Fragen vorbereitet. Genauso wie Matthias und Arne lehnt er die letzten fünf Jahre Schwarz-Gelb ab – keiner ihrer Versprechungen wurde umgesetzt. „Während die schwarz-gelbe Koalition Nordrhein-Westfalen in ihrem Koalitionsprogramm als Land der Sicherheit und Freiheit bezeichnet, sieht die Realität für viele Menschen in NRW jedoch ganz anders aus“ sagt er und zählt noch einige weitere Punkte aus den Bereichen Bauen, Digitalisierung und Verkehr auf. Für Felix ist es klar: CDU und FDP haben versagt.

Sichtlich glücklich: Felix A. Cassel aus Bonn

Die Arbeit der AfD in NRW sieht er positiv: „Die AfD-Fraktion hat es geschafft, die Einheitsfront im Landtag aufzubrechen. Das zeigt sich schon daran, dass die anderen Fraktionen einen Block gegen die AfD gebildet haben. Sie fühlen sich dadurch gestört, dass die AfD gegen ihre Agenda spricht, stimmt und die Handlungen der Regierung kritisch hinterfragt.“

Dementsprechend ist Felix auch eher optimistisch gesinnt, weil er die Partei als „Stachel im Sitzfleisch“ ansieht. Gleichzeitig gibt er aber auch zu, dass man es besser könne und verweist dabei auf NRW – „Ich erwische mich öfter dabei, etwas neidisch in den Osten zu blicken.“ Damit spricht er die eher kleinere Akzeptanz der AfD im Westen an – „Hier im Westen müssen wir uns immer wieder eigene Enklaven suchen.“ Aus dieser Nische will Felix mit weiteren Fokus auf die Jugend herausbrechen, weshalb er auch freudig auf die junge und frische Liste der AfD NRW hinweist.

Felix weiß aber auch um die Probleme in der JA und AfD, wie er zu verstehen gibt. Man würde noch viel Potential ungenutzt lassen, er fordert deswegen mehr Veranstaltungen, mehr Engagement in der Kommunalpolitik und Geschlossenheit. Er spricht dabei auch über seine eigene Region: „Lokal in Bonn sind wir mit einem Kreisverband, einer Kreisratsgruppe und Bezirksverordneten ganz passabel aufgestellt, wenngleich das Potenzial noch nicht voll ausgeschöpft wird. Von der Altersstruktur haben wir AfD-typisch eher vorwiegen ältere Mitglieder, doch auch hier deutet sich gerade ein Wechsel an. So kommen auch vermehrt junge Menschen zu uns und stellen Anträge, und auch der neue Kreisvorstand hat sich weiter verjüngt.“

Wahlkampf bedeutet nicht nur an Wahlkampfständen mit Bürgern zu diskutieren

Felix würde gerne noch mehr erzählen, jedoch verbleibt keine Zeit mehr. Wir verabschieden uns, nicht ohne Lob von ihm für unsere Arbeit zu bekommen. Gleichzeitig gibt er noch einen Aufruf: „Darüber hinaus kann ich jeden Leser vor allem im Alter unter 35 Jahren nur ermutigen, mal zu einer JA-Veranstaltung zu kommen oder uns in den sozialen Medien anzuschreiben. Wer Lust auf Reden, Musik, Getränke und Unterhaltung hat, kann auch am 23.04. nach Dortmund ins Ruhrgebiet kommen, da haben wir unsere große JA-Wahlkampfveranstaltung.“

Die Kriminalität sorgt für mehr Überwachung

Drei junge Patrioten, drei unterschiedliche Meinungen. Die Lage in NRW zeigt sich aber wohl desolat – die AfD scheint also hier genug Material und Aufgaben zu finden. Es wird sich zeigen, ob sie es nutzen kann.

* Name der Redaktion bekannt

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