Landtagswahl NRW 2022 – Gespräch mit Zacharias Schalley

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Am 15.05.2022 wird in Nordrhein-Westfalen ein neuer Landtag gewählt  konflikt begleitet Wahlkampf und Wahlabend. Heute: Zacharias Schalley im Gespräch.

Lieber Zacharias, bald wird in Nordrhein-Westfalen der neue Landtag gewählt. 2017 zog die AfD mit 7,4 Prozent der Stimmen in den Düsseldorfer Landtag ein. Mit welchem Ergebnis rechnest Du? 

Ich rechne damit, dass wir unser Ergebnis halten können und hoffe natürlich auf einen satten Zuwachs. Seit der letzten Landtagswahl ist schließlich viel Wasser den Rhein runter geflossen und die AfD in NRW hat die Zeit genutzt, um sich nicht nur zu professionalisieren, sondern auch thematisch zu profilieren. Allein in Sachen Quantität pro Abgeordneten ist die AfD-Fraktion in NRW die Stärkste der Fraktionen. Wir haben pro Kopf die meisten parlamentarischen Initiativen gestartet und konnten auch öffentlichkeitswirksam den Protest ins Parlament tragen, wie beispielsweise mit den Kumpeln der RAG.

Du selbst kandidierst auf Platz 12 der Landesliste – nach den aktuellen Umfragen könnte der Listenplatz für einen Einzug reichen. Bist Du da optimistisch?

Auch wenn Spengler Optimismus für Feigheit hält, so bin ich doch frohen Mutes. Allerdings ist mein persönlicher Einzug natürlich nicht meine Hauptmotivation, sondern dass wir ein starkes Ergebnis im bevölkerungsreichsten Bundesland erhalten und die kommende Legislatur für scharfe Opposition gegen die Kartellparteien nutzen.

Auf Facebook wirbst Du recht aktiv für deine Wahl – kann man nach der Landtagswahl einen Ausbau Deiner Social-Media-Präsenz erwarten? Schließlich sind gerade viele jüngere Deutsche auf Plattformen wie TikTok und Twitter unterwegs und auch der Kulturkampf findet zunehmend Internet statt.

Ich muss gestehen, dass ich nicht sonderlich Social-Media-affin bin, von daher schmeichelt mir eure Feststellung schon. Aber selbstverständlich werde ich, sofern ich Mitglied des Landtags werde, auch in den sozialen Medien weiterhin präsent bleiben. Ob TikTok und Twitter für mich die richtigen Medien sind, wird sich noch zeigen. Innerparteilich werde ich halb spöttisch-halb liebevoll auch Gaulands Enkel genannt. Schrille TikTok-Videos mit Farbeffekten sind nicht so meins.

Allerdings möchte ich mein Profil vor allem thematisch konsistent halten und hier in die Tiefe gehen, einige Projekte mit Bezug zu Heimatschutz und Landwirtschaft schwirren als Ideen schon durch meinen Kopf.

Bereits im Stadtrat von Meerbusch sowie im Landesfachausschuss Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz der AfD hast Du dich für Landwirtschaft und unsere Umwelt eingesetzt. Was sind Erkenntnisse, die Du aus dieser Zeit mitnimmst? Gab es Anträge und Debatten, die Dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Da gibt es einige Beispiele. Insbesondere im Landesfachausschuss war mein Kernanliegen, dass wir uns davon emanzipieren nur das Gegenteil der Grünen zu sein, sondern stattdessen die konservativen Wurzeln des Naturschutzes wiederentdecken und betonen. Bei der Mehrheit der Parteifreunde traf dies auch auf Wohlwollen.

Im Meerbuscher Stadtrat fiel mir auf, dass alle gerne von Umweltschutz reden, aber häufig viel Meinung und wenig Ahnung dahinter steckt. Auch wird der Naturschutz nie unter dem Aspekt der heimatlichen Identität angegangen.

Im Stadtrat war bspw. einmal Thema, ob man einen vor 15 Jahren angelegten Kunstrasenplatz für den örtlichen Fußballverein wieder in Naturrasen umwandelt. Da ich nach meinem Abitur und während des Studiums im Garten- und Landschaftsbau gearbeitet habe, war mein Vorschlag den Fokus weniger auf die Rasenfläche zu legen, sondern auf die umgebenden Grünflächen. Der ökologische Wert eines Fußballrasens ist nur unwesentlich höher als der eines Kunstrasenplatzes. Wenn man jedoch die umgebenden Flächen durch Blühpflanzen ökologisch aufwertet, aber den praktischeren Kunstrasenplatz beibehält, so hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Dies sah nicht nur die vortragende Dame von Bundessportinstitut so, übrigens studierte Landschaftsgärtnerin, sondern nach meinem Wortbeitrag konnten die Kartellparteien nicht schnell genug betonen, dass dies natürlich ebenfalls in ihren Plänen enthalten sei.

Würdest Du bei deiner Arbeit im Landtag NRW zukünftig einen ähnlichen thematischen Schwerpunkt setzen oder Dich eher noch einmal umorientieren wollen?

Ich beackere dieses Thema nun schon eine Weile und würde es natürlich auch im Landtag gerne weiter im Namen der AfD vertreten. Dies hängt aber natürlich von der internen Aufteilung der kommenden Landtagsfraktion ab. Allerdings habe ich hier schon von verschiedenen Seiten sowohl Lob für meine fachliche Expertise, als auch meine Authentizität in diesem Thema bekommen. Ich muss mich also auch hier von Spengler einen Feigling schimpfen lassen.

Hast Du schon konkrete Vorschläge in diesem Bereich? Was wurde in NRW bislang versäumt? Und wie muss sich die AfD in deinem Themenfeld positionieren oder vielleicht sogar auch verändern?

Leider liegt hier meiner Einschätzung nach noch viel Fläche brach. Der bisherige Fokus auf Wirtschaftlichkeit greift zu kurz, wie man angesichts des Zulaufes für die Grünen sehen kann. Ich möchte das Natur-Thema deutlich emotionaler und greifbarer rüberbringen. Wenn wir unsere Heimat als Kulturlandschaft begreifen, dann ist jeder sterbende Bauernhof und jeder gefällte alte Baum genauso ein Symbol für den Verlust der Heimat, wie die problematischen Bezirke in den Großstädten. Und NRW besteht auch zu einem großen Teil aus ländlich geprägten Regionen, insbesondere außerhalb der Ballungszentren im Ruhrgebiet. Im ländlichen Raum müssen wir anders auftreten, da dort die Probleme, wie Armutsmigration und Islamisierung nicht so konkret sichtbar sind wie im Ruhrgebiet. Ich wohne in Meerbusch, der Stadt mit den meisten Einkommensmillionären Deutschlands. Hier ist die Armutsmigration oder Islamisierung kaum spürbar. Der Verlust von Heimat äußert sich jedoch auch hier, sei es durch eine Stadtplanung, die uns bewusst zum Rotweingürtel von Düsseldorf macht oder durch den Verlust des landwirtschaftlich geprägten, dörflichen Charakters.

In diesem Sinne möchte ich auch die Stimme der Provinz sein und den Sophisten, Ökonomisten und Rechenmeistern, die die Schönheit der Erde in Mark und Pfennig ummünzen Paroli bieten.

Für den einen oder anderen jungen Wähler könnte die Klimapolitik der AfD wahlentscheidend sein. Zumal längst nicht nur FFF-Aktivisten den Klimawandel für ein großes Problem halten, sondern große Teile der deutschen Jugend. Darum: Gibt es den oft postulierten Klimawandel nun oder nicht?

Selbstverständlich gibt es den Klimawandel. Er war schon immer Teil der Geschichte unseres Planeten. Allerdings halte ich es für vermessen zu glauben, dass der Mensch innerhalb von 150 Jahren einen derart großen aber unbewussten Einfluss auf einen so komplexen Prozess, wie das Weltklima nehmen kann. Noch vermessener ist zu glauben, dass man diesen Prozess dann auf Menschheitsebene umkehren kann, indem man in Deutschland aufhört fossile Energien zu nutzen.

Die bei der Klima-Hysterie zu Tage tretende Bigotterie (Stichworte: Windkraft in Wäldern, Lithium-Abbau im Kongo, etc.) lässt mich auch daran zweifeln, ob es tatsächlich um das Klima geht, oder nur darum, dass kluge Lobbyisten ihren Reibach machen.

Aufgrund der Ukraine-Krise sorgt man sich in Nordrhein-Westfalen um eine mögliche Getreideknappheit. Dabei verfügte die EU bislang eigentlich immer über einen Überschuss an Getreidevorräten. Würdest Du da Entwarnung geben oder besteht hier Handlungsbedarf für die Politik?

Ich denke wir werden keinen Steckrübenwinter erleben müssen, allerdings eine massive Teuerung der Lebensmittel. Die Ursachen dafür liegen jedoch nicht nur im Ukraine-Krieg, sondern auch in anderen agrarpolitischen Fehlsteuerungen der letzten Jahre und sogar Jahrzehnte.

Die bisherige Agrarpolitik führt nicht nur zu einer Monokulturalisierung, sondern auch einer Monopolisierung der landwirtschaftlichen Betriebe.

Die landwirtschaftlichen Betriebe heutzutage müssen immer größer werden und sich auf einen Betriebszweig konzentrieren. Statt also einige Felder mit Getreide und Gemüse zu bewirtschaften, dazu noch einige Kühe und die obligatorischen Hühner auf dem Hof, geht der Trend dazu immer größere Flächen mit Raps und Mais zu bepflanzen oder mehrere hundert Kühe im Stall zu halten. Dies hat nicht nur negative Auswirkungen auf den Lebensraum Kulturlandschaft, sondern führt zu Krisenanfälligkeit, weil die immer weniger werdenden Bauernhöfe nur noch ein ökonomisches Standbein haben. Um die Resilienz der Bauernhöfe zu stärken muss die Politik des Wachsen-oder-Weichen umgedreht werden und die kleinräumige, regionale Kreislaufwirtschaft gestärkt werden.

Einige Mitglieder an der Basis empfinden die Wahlkampagne als zu lasch – andere als genau richtig. Wie stehst Du zum Wahlkampf? Sollte man als AfD nicht noch etwas angriffslustiger agieren?

Bekanntermaßen ist Angriff die beste Verteidigung. Von daher ginge mein Empfinden dahin, dass wir insgesamt zorniger auftreten müssen. Wir müssen nicht dem Establishment, staatlich instrumentalisierten Behörden oder der linken Presse gefallen, sondern unseren Wählern.

Ich halte jedoch nichts davon, dass wir uns als Partei anlässlich jeder Kampagne oder jedes Programmpunktes erstmal eine innerparteiliche Schlammschlacht darüber liefern, ob dies oder jenes zu scharf oder zu lasch ist. Disziplinlosigkeit und inhaltliche Kakophonie kostet uns im Zweifel mehr Stimmen als eine falsch betonte Kampagne. Im Nachhinein müssen dann jedoch auch die Verantwortlichen die Konsequenzen ziehen und die Kritiker können dann zeigen, ob sie es tatsächlich besser können.

Einige Politiker gehen mittlerweile dazu über, schon vor der Wahl eine Zusammenarbeit mit dem Vorfeld anzukündigen. Hast Du diesbezüglich auch Pläne?

Die habe ich in der Tat. Inspiriert durch Matthias Helferich werde ich ebenfalls ein Stipendiaten-Programm ausloben und einigen ausgewählten Mitgliedern der JA jeweils ein Jahr an der Gegenuni bezahlen. Aus der parteipolitischen Praxis merke ich, dass uns ein solider Mittelbau fehlt, der bei einer irgendwann eintretenden Krise die Partei am Laufen halten kann und eine inhaltlich konsistente Linie vertritt. Die Kaderbildung muss nicht nur aufgrund von Patronage-Verhältnissen, sondern auch aufgrund von Qualifikation und Loyalität zur Partei vorangetrieben werden. Dazu zählt nicht nur die weltanschauliche Schulung, sondern auch die Kenntnis der notwendigen Bürokratie.

Darüber hinaus werde ich mein Leib- und Magenthema bevorzugt im Rahmen meiner Möglichkeiten protegieren. Jonas Schick und die Macher von „Die Kehre“ leisten hier hervorragende Arbeit, um dem konservativen Naturschutz wieder zur Blüte zu helfen. Hier habe ich bereits Kontakte geknüpft und feste Unterstützung zugesagt.

Inwiefern prägt Dich deine Aktivität bei der Burschenschaft Rhenania-Salingia, für wie wichtig erachtest du die Burschenschaften für die Persönlichkeitsausbildung eines jungen Menschen? Was nimmst Du aus deiner Zeit dort auch für deine Aktivität im Landtag mit?

Die Burschenschaft war für mich während meines Studiums so etwas, wie ein nationaler Safe-Space. Ich habe Geschichte und Politikwissenschaften an der philosophischen Fakultät studiert. Ein Ort also, wo man mit unserer politischen Einstellung nicht viele Freunde trifft. Tatsächlich habe ich die meisten Kommilitonen eher auf den Gegendemos gegen unsere Parteitage gesehen als auf Studentenpartys. Von daher war es erfrischend auf dem Haus mit Gleichgesinnten zusammen zu kommen, alte Traditionen, wie die Kneipe oder Mensur zu pflegen und natürlich Deutschland am Tresen zu retten.

Die Aktiven-Zeit hat mir auch für den Landtag etwas genützt, vor allem das Schreiben und Vortragen der Kneipreden hat mir besonders viel Freude gemacht und, so hoffe ich jedenfalls, auch ein gewisses Talent dazu zu Tage gefördert. Darüber hinaus bringt die burschenschaftliche Bewegung immer auch ein persönlich belastbares Netzwerk mit, auf das ich für meine Zeit im Landtag auch gern zurückgreifen werde.

Wird danken dir für das Gespräch, Zacharias. Viel Glück bei der anstehenden Wahl!


Zacharias auf Facebook.

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