konflikt fragt: Hannes Gnauck (MdB)

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Die Rede des AfD-Abgeordneten Hannes Gnauck war in der letzten Woche ein echter Höhepunkt. Konflikt hat das als Anlass genommen und Gnauck mit Fragen gelöchert.

konflikt: Sehr geehrter Herr Gnauck, zu Beginn, wenn auch leicht verspätet: Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Einzug in den Bundestag. Wie waren Ihre ersten Wochen? Haben Sie sich schon eingelebt? Funktionieren die einzelnen Arbeitsschritte im Büro und Parlament schon reibungslos?

Hannes Gnauck: Vielen Dank! Die ersten Wochen waren sehr aufschlussreich. Aber auch in der Tat überraschend reibungslos. Das habe ich vor allem den erfahrenen Abgeordneten unserer Fraktion zu verdanken, die bereits eine Legislatur hinter sich haben und mich von Beginn an unterstützt und in die parlamentarischen Prozesse eingeführt haben. Dafür bin ich sehr dankbar.

konflikt: Nun haben Sie letzte Woche Ihre erste Rede gehalten, welche im Netz durchaus viel Anklang fand. Für die Jungfernrede wirkten Sie am Pult schon sehr souverän – haben Sie etwa keine Nervosität verspürt? Wie haben Sie sich ganz vorne im Rampenlicht gefühlt?

Hannes Gnauck: Nun, nervös war ich in der Tat schon etwas, das bleibt bei der ersten Rede im höchsten Parlament unserer Nation wohl nicht aus. Zumal einem nicht vorher erklärt wird, wie das Pult genau funktioniert, ob das Mikrofon angeschaltet werden muss usw. Das hat sich mir dann erst in dem Moment offenbart.

Aber es verlief zum Glück alles einwandfrei. Eine bestimmte Grundfeste habe ich definitiv meiner Dienstzeit in der Bundeswehr zu verdanken und ich bin froh, dass die erste Rede doch so viel Anklang gefunden zu haben scheint. Dementsprechend freue ich mich auf weitere Reden, vor allem im Bereich Verteidigung.

konflikt: In Ihrer Rede haben Sie einige Punkte angesprochen, unter anderem die schwache Sozialpolitik der letzten Regierungen. Als gebürtiger Prenzlauer und Nachwendekind konnten Sie die Nachwirkungen des Aufbau Ost konkret spüren. Dieser scheint noch nicht am Ende, wenn man einige Statistiken anschaut.

Zum Beispiel kommen die meisten Vollzeitbeschäftigen, die weniger als 2/3 des mittleren Bruttoarbeitsentgelts verdienen, aus den Neuen Bundesländern. Wie gehen Sie persönlich mit den nicht eingelösten Versprechen der Wiedervereinigung um? Ist es Ihr Anspruch, eine laute ostdeutsche Stimme im Bundestag zu sein und eben jene Probleme aufzuzeigen und diese zu lösen? Wo sehen Sie aktuell die größten Probleme im Osten Deutschlands?

Hannes Gnauck: Das ist in der Tat sehr richtig. Die Wende liegt über dreißig Jahre zurück und die Angleichung von Ost an West ist bis heute nicht ausreichend erfolgt. Westdeutsche weisen gerne auf sanierte Straßen in bestimmten Regionen hin, doch die teils noch verwahrlosten Häuser und das krasse Lohngefälle lassen sie dann doch lieber unerwähnt. Was seit den Fehlentwicklungen der Treuhand entstanden ist, kann nur in Teilen positiv bewertet werden.

Zumal ganz Deutschland im Zuge der späten Globalisierung das Wegbrechen der Industrie und Ausbluten der Dörfer und Kleinstädte plagt. Wenn der neue Ostbeauftragte als Lösung nun gezielt mehr Migranten in den Osten bringen will, bedeutet das nur eine weitere Lohndumpingspirale. Das wäre unverantwortlich und geradezu volksfeindlich. Stattdessen hätte die Bundespolitik längst konkrete Maßnahmen einleiten müssen; etwa eines der großen DAX-Unternehmen im Osten ansiedeln und halten müssen.

Aber dafür müsste sich die Politik wieder gegen die Wirtschaft im Interesse des Volkes behaupten und ganzheitlich, nationale Ziele verfolgen. Das hat unter der CDU in drei Jahrzehnten nicht stattgefunden und wird mit der Ampel nur noch mehr ins Gegenteil verfallen. Ich sehe mich daher in der Tat als Stimme der Ostdeutschen im Bundestag und werde ganz gezielt die Widersprüche der Regierung hervorheben.

konflikt: Sie sind ausgebildeter Sport- und Fitnesskaufmann und Oberfeldwebel der Bundeswehr. Jetzt sind Sie in das wichtigste Parlament Deutschlands eingezogen – dabei sind Sie erst 30. Eine erstaunliche Karriere. Sehen Sie sich auch als Vorbild für die junge Generation im Osten, die man gerne als rechts und unbelehrbar ansieht?

Hannes Gnauck: Nun, als rechts allemal, als unbelehrbar aber weniger. Ich selbst habe mich in meinem jungen Leben bereits in vielen Bereichen entwickelt und bin immer für neue Impulse, Sichtweisen und Ansätze offen – rechts zu sein bedeutet eben nicht, wie es von der Gegenseite stets behauptet wird, dass man engstirnig und verschlossen wäre, sondern lediglich, dass man bei allen Winden stets auf einem festen Grund steht, dass man Prinzipien und Tugenden vertritt und von diesen auch nicht abweicht.

Die patriotische Jugend Ostdeutschlands ist in diesem Sinne in der Tat unbelehrbar und lässt sich von einer weltfremden Berliner Politik, die sich in Widersprüchen und Interessenkonflikten verstrickt auch keinen blinden Gehorsam einfordern. Wenn Migranten weiter ins Land gebracht werden, aber unsere Kinder nicht in die Schule können oder ihre Lehre auf Grund von Coronamaßnahmen abbrechen müssen und sich praktisch kaum noch bewegen können, dann geht der junge Ostdeutsche eben auf die Straße.

Das haben die Eltern 1989 bereits getan und wir tun es wieder. Wenn der Staat sich von der Nation entfremdet und in seinem Regenbogenwahn unser Volk geradezu abstoßen will, dann gibt es Widerstand. Und das ist auch gut so.

konflikt: Sie wurden im Bundestag von der AfD-Fraktion in den Verteidigungsausschuss berufen – welche Impulse möchten Sie dort setzen?

Hannes Gnauck: Als Soldat, der selbst im Auslandseinsatz in Afghanistan war und viele Jahre Personalverantwortung trug, weiß ich, wie es der Truppe geht. Wie sie mehrheitlich zu den gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in unserem Land – und damit auch in unserem Heer steht. Ich weiß, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht und wo die Berliner Ungeister nur wieder Schabernack treiben.

Wo Material fehlt, wo falsche Schwerpunkte gesetzt werden und wo vor allem unsere Veteranen aus den Auslandseinsätzen komplett vergessen werden. Ich werde mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln für meine Kameraden in meiner Ausschussarbeit einsetzen. Das habe ich ihnen versprochen und das gebührt die Ehre und die Treue.

konflikt: Verteidigungspolitik und die Soziale Frage – könnte man diese beiden Themen als ihre Kernanliegen bezeichnen? Möchten Sie schon verraten, was diesbezüglich in naher Zukunft vielleicht noch von Ihnen zu sehen bekommen könnten?

Hannes Gnauck: Das kann man so zusammenfassen, durchaus. Die Nation ist, das wird heute gerne vergessen, ja auch ein großes soziales Gefüge. Nicht im Sinne der linken Regenbogen-Perversion, genannt „Zivilgesellschaft“, aber als ein aus verschiedenen, beheimateten Gruppen über Jahrhunderte zusammengewachsenes Ganzes. Und genau dieses wird durch die linksliberale Politik der Altparteien fragmentiert, in Teilen förmlich aufgelöst.

Das beginnt demographisch durch Migration und familienfeindliche Politik, die insbesondere Inländer trifft, und reicht bis zu den Männern und Frauen, die unsere Nation im Ernstfall verteidigen sollen. Wenn die politischen Entscheidungsträger, die medialen Meinungsmacher und die staatlichen Erzieher unseres Landes keine deutsche Nation mehr wollen – und die Ampelkoalition hat sich dies mit dem Ziel des EU-Bundesstaates ja sogar in den Koalitionsvertrag geschrieben –, dann geben sie keine Acht auf das soziale Gefüge und dann bekämpfen sie unsere Staatsbürger in Uniform geradezu.

Dann bedeutet soziale Gerechtigkeit eben nur mehr Ressourcen und Repräsentation für bestimmte Minoritäten, die der progressiven Agenda zuträglich sind. Und dann bedeutet Wehrkraft sich als Kanonenfutter in der Ukraine oder am Hindukusch für fremde, internationale Interessen hergeben zu lassen. Und so kann es mit unserem Vaterland nicht weitergehen.

konflikt: Schon vor der Wahl haben Sie mehrmals darauf hingewiesen, dass Vorfeld und die Partei näher aneinander zu bringen. Was kann man sich neben finanziellen Unterstützungen darunter vorstellen? Haben Sie weitere konkrete Pläne?

Hannes Gnauck: Das ist richtig und dazu stehe ich. Die Grünenabgeordnete Ulle Schauws hat in ihrer Bundestagsrede vom 13. Januar ganz offen linken NGOs für ihre Arbeit gedankt. Nur dank ihren linken Netzwerken würde man heute jene linksliberal-progressistische Politik im Bundestag sehen. Sie sagte wortwörtlich: ‚Ohne die jahrzehntelangen Kämpfe der Zivilgesellschaft wären wir nie so weit gekommen. Darum: Danke an alle, die dafür gekämpft haben.‘

Und Recht hat die Frau. Die Grünen, die SPD und Linke im Allgemeinen konnten unser Land an den Rand des bunten Irrsinns nur dank ihrer vorpolitischen Akteure bringen. Dass Standpunkte zur Abtreibung, Massenmigration, Transsexualismus etc., die vor einigen Jahren noch als ausschließlich linksextrem galten, nun von einer Bundesregierung mit FDP-Beteiligung vertreten werden, ist hauptsächlich der Arbeit linker Vereine, Verlage, Medien und Kultureinrichtungen zu verdanken. Ebenso, dass eine Energiewendepolitik betrieben wird, die uns schon bald Blackouts bescheren wird. Konservative haben diese Sphären über Jahrzehnte vernachlässigt und sich lieber ins private zurückgezogen.

Man nahm an, dass die geerbte Gesellschaft der Eltern und Großeltern, samt des Wohlstands und der Sicherheit schon immer so bleiben würde, alles andere wäre ja unvernünftig. Den Preis zahlen wir heute. Eine patriotische Alternative für Deutschland muss diesen Scherbenhaufen nun auffegen – und zwar schleunigst. Alle nichtlinken, deutschlandliebenden Kräfte müssen unterstützt und aufgebaut werden.

Wenn vom links vereinnahmten Staat Milliarden Steuergelder an linke Netzwerke und die Antifa ausgeteilt werden, muss man als Opposition die Ressourcen die einem als Partei zur Verfügung stehen maximal nutzen. Nicht nur muss es rein finanzielle Hilfe geben, sondern neue Sicherheitsnetzwerke aufgebaut werden, eigene Kulturszenen gestärkt, Räume geschaffen werden.

Man kann es Zivilgesellschaft von rechts oder die Rückeroberungen der Institutionen nennen, in jedem Fall kann es ohne einen geistigen Wandel im Volk nicht gelingen, im Parlament das Ruder rumzureißen. Die Entwicklungen sind dermaßen fortgeschritten und die Pläne der Deutschlandvernichter von so großem Ausmaß, dass man als AfD eben auch eine wirkliche Alternative schaffen muss; also Sphären patriotischen Widerstandes. Nur so ist der Weg nach vorn zu machen und die Arbeit im Bundestag keine reine Selbstbeschäftigung für Parlamentarier.

konflikt: Herr Gnauck, vielen Dank für diese kleine Gespräch. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg in den nächsten Jahren im Parlament.

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