Jörg Meuthen verlässt die AfD – Stimmen zum Abgang

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Gegen Mittag ließ Jörg Meuthen die Bombe platzen: Er verlässt die AfD. Während einige Akteure frohlocken, sind andere bestürzt konflikt sammelt die Meinungen und Standpunkte. (Stand: 16:48 Uhr)

Erik Ahrens, konflikt-Gründer

»Der Austritt kam für uns nicht überraschend, denn es wirkte schon seit Monaten nur noch wie eine Frage der Zeit. Das vergiftete Abschiedsgeschenk hätte Herr Meuthen sich sparen können. Auch wir beobachten die AfD intensiv und sehen in ihr die einzige wirkliche Oppositionspartei, was für eine Demokratie lebenswichtig ist. Dass Herr Meuthen dort gar von ‚totalitären Anklängen‘ spricht, ist beschämend. Offenbar bedient er sich an Antifa-Rhetorik, um nach dem Austritt wieder in die feine Gesellschaft zurückzufinden.«

Carlo Clemens, JA-Bundesvorsitzender (Quelle Twitter)

»Ich war mal ein großer Fan von Meuthen. Doch mit seinen Egotrips in der letzten Zeit hatte er die Bemühungen konstruktiver Kräfte aller Strömungen stetig torpediert, die AfD zu beruhigen, zu professionalisieren und programmatisch weiterzuentwickeln. Damit hatte Meuthen mitnichten zur Mäßigung beigetragen, sondern eher einigen destruktiven Typen Aufwind verschafft. Dass er nun im Wording willfährig den Kronzeugen für den instrumentalisierten VS mimt, rundet das Bild eines Mannes ab, der persönlich abrechnen möchte.

Ich sehe seinen Austritt tatsächlich als Chance für einen neuen Konsens und ein Ende künstlich befeuerter Lagerkämpfe zwischen Ost und West, zwischen vermeintlich ‚gemäßigt‘ und ‚böse‘. Dieser Vernunft-Konsens muss nun von allen Führungspersönlichkeiten glaubhaft getragen werden. Ich will gar nicht verhehlen, dass Meuthen Ziel von Attacken war, die unter die Gürtellinie gingen. Ich vergesse auch nicht seine großen Verdienste für die Partei. Ich kann den persönlichen Frust nachvollziehen. Aber hier geht es weiter.«

Joachim Paul, MdL Rheinland-Pfalz, Bundesvorstand AfD

»Das Nachtreten von Jörg Meuthen ist unentschuldbar. Völlig unabhängig von der Diskussion um Jörg Meuthen bleibt es stetige Aufgabe der Partei darüber zu diskutieren, wie sie alle Lebenswirklichkeiten in einer komplexen Gesellschaft von Ost und West mit ihrem Programm erreichen kann. Also mehr Erhebungen, Argumente und Debatten.«

Marvin T. Neumann, Publizist

»Die Entwicklung des Herrn Prof. Dr. Meuthen ist tragisch, aber Mahnung, dass unpolitische, habituell betont ‚bürgerliche‘ Mandatsträger an der Spitze der letzten verbliebenen patriotischen Oppositionspartei nichts zu suchen haben. Vor Jahren trat er noch mit anderer Sprache auf, nicht zuletzt sowohl in Schnellroda als auch auf dem Kyffhäusertreffen. Doch mit steigendem öffentlichen Druck, offenbar katastrophaler Beratung und dem so typisch bürgerlichen Geltungs- und Statusdrang kam die Wende zum mainstreamaffimrierenden Kurs der bundesdeutschen Meinungsmacher und damit zur parteiinternen Abrissagenda.

Sein Abgang ist für die AfD eine Erleichterung, aber die bereits angedeuteten Nachtrete-Aussagen verheißen nichts gutes. Für den Inlandsgeheimdienst wäre ein frustrierter, auf Status-Rehabilitation ausgerichteter Ex-Parteichef, der nun all das sagt und bestätigt, was Presse und VS seit Jahren projizieren (und er bisher stets abgestritten hatte), ein riesiger öffentlichkeitswirksamer Clou. Man kann nur hoffen, dass Herr Prof. Dr. Meuthen einen ruhigen Lebensabend einer aus Narzissmus motivierten Schlammschlacht vorzieht.«

Hannes Gnauck, MdB Brandenburg

»Herr Prof. Dr. Meuthen hat der Partei über viele Jahre gut und treu gedient. Doch irgendwann kam wohl der Punkt, wo persönliche Gefechte vor die politische Arbeit gestellt wurden und thematisch keine Entwicklungsbemühungen mehr erkennbar waren. Es ist wohl schade, doch unterm Strich der richtige Schritt, auch wenn er vielleicht zu spät kommt. Ich wünsche Herrn Prof. Dr. Meuthen für die Zukunft alles Gute.«

Daniel Fiß, Kommunikationsberater (Feldzug Blog)

»Meuthen sah sich und seinen Kurs untrennbar mit dem Gesamtschicksal der Partei verbunden. So kann man keinen moderierenden Ausgleich schaffen und bleibt in einem binären Denkmuster von ‚Für mich‘ oder ‚Gegen mich‘ gefangen. Die kommende Parteiführung muss die AfD jetzt strategisch navigieren und eine politische Vision konkretisieren. Bisweilen hat hier nämlich kein Parteiflügel etwas wirklich substanzielles anzubieten gehabt, und so irrte die Partei von einem kleinlichen taktischen Stellungskrieg in den nächsten.«

Benedikt Kaiser, Autor

»Eine Erlösung für die Partei, ihre Jugend, ihr Vorfeld. Es geht hier nicht um Inhalte, keineswegs. Sondern um Menschliches bzw. Allzumenschliches, Gefallsucht bzw. Anpassung an den Gegner. Ein ’normaler‘ Vorgang, kein Grund, die Partei abzuschreiben oder als Spaltungsobjekt zu missinterpretieren. Was mich allerdings doch ein wenig frappiert, ist die Art und Weise des Abtritts: Er erfolgt ausgerechnet über jene Medien, die keine ‚moderate‘ AfD wollen, sondern gar keine.

Dass Meuthen einmal mehr zum bereitwilligen Zeugen des politmedialen Komplexes wird, lässt Ungutes für kommende Verfahren rund um die Partei ahnen … Ansonsten gilt es jetzt: strömungs- und regionenüberschreitend gemeinsam nach vorn. Die politischen Hauptgegner sitzen doch nicht in der eigenen Partei, sondern in der Regierung.«

Daniel Haseloff, Landesvorstand AfD Thüringen

»Der Rücktritt von Professor Meuthen ist ein längst überfälliger Schritt und sollte als Befreiungsschlag für die gesamte AfD gewertet werden. Die Partei kann nun vom Selbstbeschäftigungsmodus in eine konstruktive politische Arbeit übergehen. Die letzten Monate haben verdeutlicht, dass Meuthen jene Standhaftigkeit und Geradlinigkeit fehlt, die gerade in der derzeitigen politischen und medialen Situation erforderlich ist. Seine strategischen und personellen Entscheidungen haben die Partei in vielen Bereichen gespalten und hätten zukünftig eine Einigkeit unter seiner Führung unmöglich gemacht. Seine charakterlichen Qualitäten beweist er nun im Nachtreten.

Wir sollten die Personalie Meuthen schnellstens hinter uns lassen und positiv in die Zukunft blicken. Nun kann die AfD wieder eine echte Alternative sein.«

Jurij Kofner, Wirtschaftsberater für die AfD, Mitglied der JA

»Dr. Meuthen führte das liberale Lager in der AfD schon seit einigen Jahren nicht mehr an – weder intellektuell noch organisatorisch. Im Gegensatz zum Solpat-Lager war der freiheitliche Flügel ‚kopflos‘ schon lange bevor Dr. Meuthen heute offiziell ausschied. Viele freiheitliche Patrioten hatten diesen Mangel an Führung und Unterstützung für ihre Ansichten deshalb satt – sowohl in der Partei, der JA als auch in der parteinahen Erasmus-Stiftung.

Sein Austritt ist somit die Chance für neue junge, frische, freiheitsliebende Patrioten, auf die Parteibühne zu treten und den freiheitlich-konservativen Kräften eine neue Führungsrolle anzubieten. Die Zukunft der AfD, die ihr in ein paar Jahren auch eine Regierungsbeteiligung bescheren kann, sehe ich nur als eine deutsche FPÖ. Auch wenn ich einige Ansichten des Solpat-Flügels zur Sozial-, Steuer und Migrationspolitik selbst nicht teile, da ich diese zu etatistisch, bzw. streng empfinde, so weise ich dennoch Dr. Meuthens falsche Behauptungen angeblich einflussreicher rechtsextremer Elemente in der Partei eindeutig zurück.

Der größere Teil der Partei ist freiheitlich-konservativ, ein kleinerer national- und sozialkonservativ. Aber niemand von uns ist rechtsextrem. Die wichtigste Aufgabe besteht nun darin, dem ‚hellblauen‘ Lager in der AfD Führung zu geben und auch dem ‚dunkelblauen‘ Flügel zu erklären, dass uns viel mehr eint als unterscheidet. Nur wir sind noch die letzte Hoffnung für Deutschland – auch deshalb haben die Freiheitlichen in der AfD kein moralisches Recht aufzugeben…«

Tomasz Froelich, stellvertretender JA-Bundesvorsitzender (Quelle Facebook)

»An diesem Tag fällt es mir nicht leicht, diese Zeilen zu schreiben: Ich habe über drei Jahre (Oktober 2016 bis Ende 2019) für Prof. Dr. Jörg Meuthen gearbeitet. Das war eine interessante, turbulente und lehrreiche Zeit, die ich nicht missen möchte, auch wenn sie mir einiges abverlangt hat. Es gibt vermutlich nur wenige Menschen, die in so jungen Jahren unter einem solchen politischen Permanentdruck standen, wie ich an seiner Seite. Und ich denke, daß wir in dieser Zeit auch viel für die Partei und für Deutschland erreicht haben.

Sein innerparteilicher Kurs in den letzten zwei Jahren war mir, der immer ein Verfechter eines integrativen Ansatzes war und ist, zu konfrontativ. Trotz Meinungsverschiedenheiten hat er mich aber immer fair behandelt. Das rechne ich ihm hoch an. Ich trenne hier bewusst die politische Ebene von der persönlichen. Mir gegenüber war er immer ein angenehmer Chef und ein guter Mensch. Jetzt nachzutreten, um sich innerparteilich zu profilieren, kommt für mich nicht infrage, wäre unanständig und entspräche nicht meinem Stil. Das erwarte ich umgekehrt auch von jedem, der aus der Partei austritt.

Seine analytischen Aussagen zur Lage der Partei, die ich heute vernommen habe, teile ich nicht. Ich halte sie für völlig falsch.

Für die Zukunft wünsche ich ihm und seiner Familie alles Gute.«

Roger Beckamp, MdB Nordrhein-Westfalen

»Bist Du für mich oder gegen mich? Das war bei den Vorgängern von Herrn Meuthen leider auch irgendwann der Maßstab. Trotz der vielen guten Auftritte von Herrn Meuthen in den ersten Jahren fiel es mir schon lange schwer zu sagen, warum ich für Meuthen sein sollte. Irgendwann geht es eben nicht mehr um Inhalte, sondern um Machterhalt und seit einiger Zeit war es dann geradezu autoaggresiv. Ich bin mit ihm froh, dass er gegangen ist. Ich wünsche ihm persönlich alles Gute!«

Eric Engelhardt, JA-Bundesvorstand, Thüringen

»Jörg Meuthen hat in den letzten Jahren, durch seine destruktive Führungsweise, der Partei einen schweren Schaden zugefügt. Parteikollegen, die viele Jahre alles für die AfD gegeben haben, hat er im Zuge einer vermeintlichen ‚Entradikalisierung‘ über die Klinge springen lassen. Unterm Strich, hinterlässt Meuthen die Partei mit einem schweren Imageschaden. Dennoch wünsche ich ihm in seinem privaten Leben viel Erfolg.«

Jochen Lobstedt, JA-Landesvorsitzender Baden-Württemberg

»Mit Prof. Dr. Jörg Meuthen hat heute einer der beiden aktuellen Bundesvorsitzenden der AfD das Handtuch geschmissen und die Partei verlassen. Die von ihm über die Presse verbreiteten Gründe für seinen Austritt wirken wie kopiert. 2015 war es Lucke, 2017 Petry. Nun eben Meuthen. Das es so kommen würde, war dem Großteil der AfD-Mitglieder bereits klar. Nichts desto trotz ist es überraschend, dass es nun doch so schnell kam.

Mit Dankbarkeit schaue ich zumindest auf die vergangenen 6 Monate zurück. In dieser Zeit fand zwischen uns eine für beide Seiten akzeptable Zusammenarbeit statt. Undenkbar wäre es noch vor 2 Jahren gewesen, dass Herr Meuthen ein Grußwort auf dem Landeskongress der Jungen Alternative Baden-Württemberg halten würde. Für die damit einhergehende Anerkennung unserer Arbeit als Jugendorganisation bin ich dankbar. Dennoch muss man leider unter dem Strich sehen, dass in den vergangenen Jahren zu viele Reibungspunkte zwischen AfD, Meuthen und JA entstanden, als dass man sagen könnte, es wären gute Jahre gewesen.

Die Art und Weise des Austrittes zeigt deutlich auf, wie unglücklich die vergangene Zeit für Meuthen in der AfD war. Fair wäre ein stiller Austritt gewesen. Stattdessen kam ein Rundumschlag, welcher in der Art und Weise mehr als Falsch und Inakzeptabel ist. Zu behaupten, ein großer Teil der AfD-Mitglieder stünde nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, ist schlicht unwahr. Ein Schlag in das Gesicht tausender ehrenamtlicher Helfer, ein riesen Schritt in Richtung Kronzeuge des instrumentalisierten Verfassungsschutzes.

Mit Dankbarkeit für die seinerseits geleistete Arbeit, welche gewiss nicht Vergnügungssteuerpflichtig war, wünsche ich Herrn Meuthen für seine persönliche Zukunft alles Gute. Auf das die AfD nun endlich zur Ruhe kommt und einen geeinten Neustart vollbringt, mit geeigneten Leuten an den entsprechenden Stellen.«

Alexander Wolf, MdHB, Bundesvorstand AfD

»Jörg Meuthens Abgang bedeutet nicht das Scheitern der AfD, sondern das Scheitern Jörg Meuthens. Einmal mehr verbrämt einer sein persönliches Scheitern mit einem angeblichen ‚Rechtsruck‘. Das ist Unsinn. Unser Grundsatzprogramm gilt weiter – wir sind Liberale und Konservative – wobei ich persönlich den Begriff „freiheitlich“ vorziehe, und wir sind alle Patrioten.

Außerdem ist die AfD die Partei der Steuerzahler, aller Leistungsträger – sowohl der Arbeiter und Angestellten als auch der Unternehmer, die Risiken tragen und hohe Steuern zahlen. Das zukünftige Führungspersonal der AfD muß die Parteilager vereinen, weniger konfrontativ und ohne Alleingänge handeln, sondern professionell und im Team.«


Bild: Sandro Halank (CC BY-SA 4.0)

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