Interview: Nullpunkt-Festival

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Am 16.10. findet in Köln mit dem Nullpunkt-Festival das erste unabhängige deutsche Filmfestival statt. Weil seine Organisatoren sich dem linken Mainstream widersetzen, werden sie von der gesamten Kulturszene boykottiert. Im konflikt-Interview sprechen sie darüber und über die Frage, was falsch läuft im deutschen Film.

Interview geführt von Liko

konflikt: Wer oder was ist Nullpunkt? Steckt hinter dem Namen eine Bedeutung?

Nullpunkt: Der Nullpunkt ist der Ort, an dem sich die deutsche Filmszene im Augenblick befindet. Als wir unsere Preise ausschrieben, sprachen wir von einem Vakuum, das es zu füllen gilt. Nun gibt es natürlich einige deutsche Filme, aber unseres Erachtens schaffen es diese in weiten Teilen nicht, an die reiche Geschichte des deutschen Films anzuknüpfen. Murnau, Lang, aber auch der Neue Deutsche Film um Regisseur-Größen wie Herzog oder Syberberg. Das waren ganz andere Kaliber als heute, die hatten noch – wie wir nicht müde werden zu betonen – Eier.

konflikt: Weshalb wurde das Nullpunkt Filmfestival ins Leben gerufen?

Nullpunkt: Um dieses Vakuum zu füllen und aufstrebenden, mutigen Filmemachern eine Plattform zu bieten. Abgesehen davon auch zur Vernetzung: Auf Dauer wollen wir zu einer festen Institution innerhalb der deutschen Filmszene werden. Ein Refugium vor der spröden Langeweile des eingefahrenen deutschen Kulturbetriebs, eine Insel der alternativen und mutigen Kunst inmitten von Meeren der künstlerischen Mut- und Visionslosigkeit.

konflikt: Wo liegt denn das Problem bei der aktuellen deutschen Filmszene?

Nullpunkt: Der deutsche Film der Gegenwart ist vor allem eins: langweilig. Wir halten ihn vor allem auch für zu stark politisiert – besonders unter den Filmfestivals ist jedes zweite eine in irgendeiner Hinsicht linke Veranstaltung, und nationale Filmförderungen fordern inzwischen ethnische Quoten. Wir waren einmal auf einem Filmforum in NRW, vom Land gefördert. Da ging es nicht um Filme oder ums Geschichten erzählen, sondern darum, das letzte bisschen Fördergeld abzugreifen und unironisch den Kommunismus einzufordern.

Die Langeweile dürfte aber nicht nur daher rühren: Wir halten auch die Regisseure für verantwortlich. Eben solche, die sich nicht trauen Geschichten zu erzählen, die weder Mut noch Authentizität besitzen, definitiv zu sein, im postmodernen Nirwana narrative Eckpunkte zu setzen. Das ist in der Kunst jedoch unabdingbar. Stattdessen kopiert man hierzulande lieber erfolglos amerikanische Konzepte.

konflikt: Seid ihr also Verteter einer Gegenkultur?

Nullpunkt: In einer gewissen Hinsicht, ja: Wir stellen uns natürlich gegen jene nach links abgedriftete Kulturszene, die wir als Mainstream empfinden. Andererseits sehen wir uns aber nicht als Schöpfer einer politischen Gegenkultur, schlicht weil wir glauben, dass Kunst eben auch etwas über die Sphäre der Politik Erhabenes darstellt. Die reichsten Blüten trägt sie, wenn sie unabhängig gedeihen kann, wozu sie heute immer weniger Raum hat.

Walter Benjamin schrieb einst, dass im Kommunismus die Politisierung der Ästhetik zentral wäre. Natürlich leben wir nicht im Kommunismus, aber in einer Gesellschaft, die von linken Kultureliten geprägt ist, welche Kunst und Ästhetik für sich gepachtet zu haben glauben. Wir wollen da eine Schneise schlagen, einen Freiraum.

konflikt: Warum wurde der Vorwurf des Rechtsextremismus gegen das Nullpunkt Team erhoben? Wer sind die Verantwortlichen?

Nullpunkt: In erster Linie, weil wir nicht im großen Konsens aufgehen. Man muss sich vorstellen, dass sich hier in Köln alle (!) filmischen Initiativen und Institutionen inklusive einiger Getränkehersteller und Sponsoren in Form einer Denunziationskampagne gegen uns wandten, mit teilweise gänzlich abenteuerlichen Begründungen. Der Stein des Anstoßes dafür war unser Teilnehmen an einem Forum zur Zukunft des Filmes im Land NRW mit dem bezeichnenden Veranstaltungs-Titel „Utopia“. Die Moderatoren waren zwei Journalisten, eine von der taz und einer vom Freitag. Die sagten, man solle bitte möglichst kontrovers diskutieren und das taten wir auch. Am Ende schrieb dann zum Beispiel das Filmforum NRW in seiner Mail an einen unserer Veranstalter, dass „einige Teilnehmer*innen der Veranstaltung die jungen Männer anhand ihrer Aussagen der ‚Neuen Rechten‘ zuordnen konnten, [während] es für andere einer Dechiffrieruung ihrer Wortmeldungen bedurfte, um zu verstehen, welche politische Haltung hinter ihren Aussagen steckt.“

konflikt: Am 16. Februar 2020 teilte Nullpunkt auf YouTube mit, dass der Veranstaltungsort verloren gegangen ist. Habt ihr aktuell einen neuen Veranstaltungsort?

Nullpunkt: Genau, das war der erste verlorene Veranstaltungsort, der uns aufgekündigt wurde, weil der Betreiber von linken Akteuren innerhalb der lokalen Filmszene unter Druck gesetzt wurde. Beim zweiten war der Druck dann noch größer, aber wir gingen dieses Mal vor Gericht. Zwar gewannen wir den Prozess, in dem es um die Unrechtmäßigkeit der Kündigung ging, verloren aber dennoch den Raum.

Zum Glück haben wir einen neuen Veranstaltungsort in Köln organisieren können, den die Gäste erst nach dem Erwerb ihres Tickets erfahren. Das ist leider nötig, um Druck auf den Vermieter zu vermeiden.

konflikt: Ihr bittet um Spenden. Warum sollte man dem Projekt Spenden zukommen lassen?

Nullpunkt: Die Kosten fürs Festival tragen wir vollends selbst. Und da wir das Festival nun in einer Hochzeitshalle stattfinden lassen, aber unseren Gästen dennoch ein Kino-Erlebnis bieten wollen, mieten wir auch Leinwand, Projektor, Soundanlage etc. an.

konflikt: Danke für das Gespräch.

Den Spendenaufruf des Nullpunkt-Filmfestivals findet Ihr auf ihrem Youtube-Kanal. Aufgrund der Corona-Beschränkungen darf das Festival leider nur 50 Gäste einlassen, und alle Tickets sind bereits ausverkauft. Wer sein Glück dennoch versuchen will, kann eine Email an info@nullpunkt-festival.de schreiben und sich auf die Warteliste setzen lassen. Wir wünschen allen Beteiligten und Gästen eine reibungslose Durchführung und viel Spaß!

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1 Kommentar

  1. „Weil seine Organisatoren sich dem linken Mainstream widersetzen, werden sie von der gesamten Kulturszene boykottiert.“

    Trifft auch auf die Leute zu die hier einen Kommentar dalassen wollten.

    KonfliktMag ist in Wahrheit ein feiges mainstream-blatt, welches alles boykottiert, was nicht BRD-seichtes-„pseudo-rechts“ ist.

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