Historischer Kalender – Kalenderwoche 8

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Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer – unser Redakteur Mike Gutsing stellt wöchentlich drei ausgewählte Ereignisse, die herausstechen, vor. Diese Woche: Ein Jurist, ein Historiker und ein Architekt, drei deutsche Geistesgrößen und ihr Werk.

21.2. Eine deutsche Ethno-kulturelle Rechtsschule? – Friedrich Carl von Savigny

Der gebürtige Frankfurter Friedrich Carl von Savigny entstammte einer langen Ahnenreihe von Beamten, deren Anstellungen an den Höfen hessischer-nassauischer Fürsten sich bis ins 17.Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Das Studium der Jurisprudenz lag daher nahe und tatsächlich schloss er dieses durch seine hervorragende Kenntnis des römischen Rechts ab und promovierte nach einer längeren Studienreise im Jahr 1800 in Marburg, nun bereits zu einem Schwager Clemens von Brentanos geworden, der ihm dazu riet, eine Anstellung in Berlin zu suchen. Savigny gehört auch zu der ersten Reihe an Professoren, die ab 1810 an der neu gegründeten Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität) Vorlesungen hielten.

Seine größte Leistung ist jedoch die Gründung der Historischen Rechtsschule. Mit dieser etablierte er die Ansicht, dass die Gesetzgebung und die davon abgeleitete Rechtsauffassung Teil der historischen Identität eines Volkes sei. Damit löste er in Teilen den Gegensatz von Naturrecht und positivem Recht auf, da er beide in dem (von Hegel abgeleiteten) Begriff des »Volksgeists« einbettet. Ähnlich wie dieser entwickle sich das Recht zwar »organisch«, würde jedoch einen sich selbst ähnlichen Kern behalten. Beispiel dieses Volksgeistes sind beispielsweise der »Code civil« und das preußische Landrecht. Eine auf ethnisch-kulturellen Grundlagen basierende Rechtsbetrachtung ist aktuell ein äußerst theoretisches und problemfernes Thema, doch die konservativen, bzw. rechten Kräfte werden sich früher oder später mit diesem Thema auseinandersetzen müssen, wenn die Desintegration des Staates im aktuellen Tempo fortschreitet.

25.2. Einzelgänger und Visionär – Karl Lamprecht

Im Feld der Geschichtsschreibung nicht weniger bedeutend ist der deutsche Historiker Karl Lamprecht. Am 25. Februar 1856 geboren, wurde der Sachse besonders durch die Gründung und Leitung des Seminars für Kultur- und Universalgeschichte, das als erste wissenschaftliche Einrichtung direkt einem Ministerium unterstand, bekannt. Neben der Betonung der Kulturgeschichte war es besonders die Wirtschaftsgeschichte, die Lamprecht als primär zum Verständnis der historischen Entwicklungen erklärte. Im Gegensatz zu Leopold von Ranke, der die Geschichte sehen wollte »wie es eigentlich gewesen« ist, versuchte Lamprecht zu erkennen, warum und wodurch sie in ihren jeweiligen Bahnen verlaufen ist. Wie auch Hegel geht Lamprecht von einem den Völkern zugrundliegendem Element aus, dass sie in diese oder jene Richtungen lenkt, nimmt statt dem metaphysischen »Volksgeist« jedoch die Völkerpsychologie als zugrundeliegende Wissenschaft an.

Savigny vergleichbar stellt auch Lamprechts Theorie der »Kulturzeitalter« einen grundlegenden Baustein für die Entstehung geschichtsphilosophischer Deutungsmuster dar, zum Beispiel der Zyklentheorie, wie sie von ihren Vertretern Spengler, Toynbee und Wangenheim ausformuliert wurde. Bereits im 19. Jahrhundert also immerhin 30 Jahre vor Spengler und über hundert Jahre vor den heutigen Verhältnissen beschäftigte sich Lamprecht mit den Zuständen der Dekadenz und ihrer Ursprünge. Zwar konnte Lamprecht in seiner Zeit nur Spott und Missgunst ernten, doch gehört er zweifelsfrei zu den Autoren, die dringend einer aktuellen Untersuchung bedürften, um ihre Gedanken am 21.Jahrhundert zu prüfen.

26.2. Ein zweites deutsches Mittelalter – August Hartel

Bei dem Dritten im Bunde handelt es sich um August Hartel, der sich zwar der praktischeren Aufgabe der Architektur zuwandte, jedoch nicht weniger in der Geschichte verhaftet war als Lamprecht oder Savigny. Am 26. Februar in Köln geboren, machte er sich bereits in jungen Jahren selbstständig und baute während seiner Zeit im Rheinland und später auch in Mitteldeutschland zahlreiche Kirchen und staatliche Gebäude im historistischen, aber auch neugotischem Stil. Nachfolgend findet man eine kleine Auswahl seiner schönsten Bauten, die jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit besitzt.

Stephanuskirche in Essen-Überruhr, 1882
Johanniskirche in Gera, 1885 (Wikipedia, Zacke82, CC-BY-SA 3.0)
Peterkirche in Leipzig, 1885, (Wikipedia, JeanNeef, CC-BY-SA 3.0)

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