Historischer Kalender – Kalenderwoche 7

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Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer – unser Redakteur Mike Gutsing stellt wöchentlich drei ausgewählte Ereignisse, die herausstechen, vor. Diese Woche: Drei Momente deutscher Außenpolitik wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, unter anderen mit einem neuen Vorsitzenden der SPD.

14.2. Straßburger Eide (842)

Während Karl der Große das Frankenreich auf den Höhepunkt seiner Macht brachte, stritten seine Enkel nur noch über dessen Reste. Ludwig der Fromme, der Alleinerbe Karls des Großen, hatte zwar den Hauptteil des Reiches und die dazugehörige Kaiserwürde seinem ältesten Sohn Lothar vermacht, doch hatte er sicherlich nicht damit gerechnet, dass sich die beiden jüngeren Brüder Karl (Herrscher des westlichen Reichsteiles) und Ludwig (Herrscher des östlichen Reichsteiles) gegen den Ältesten verbünden würden. Dieser Bund wurde in einer aufwendigen Zeremonie von beiden Königen sowie ihren Vasallen mit einem Eidspruch besiegelt. Das Besondere an diesem war, dass die Herrscher den Eid sowohl einander als auch den anwesenden Untertanen gegenüber in der jeweiligen volkstümlichen Sprache abgelegten. Ludwig (später bekannt als »Der Deutsche«) demnach auf französisch und Karl in einem westgermanischen Dialekt, der sich in Teilen in das spätere Deutsch entwickelte (Der Kahle«). Sie schworen, dass sie gemeinsam die Teilung des mittleren Reiches vornehmen wollten und legten damit nicht nur die Grundsteine für die parallelen Entwicklungen der späteren deutschen, bzw. französischen Nationalstaaten, sondern schufen durch die urkundliche Besiegelung des Eides auch einen der ältesten germanischen Rechtstexte überhaupt.

16.2. Willy Brandt wird SPD-Chef (1964)

Während im bundesdeutschen Gedächtnis Willy Brandt beinahe eine Art moderner Heiliger geworden ist, muss man sich als doch als Rechter oder Konservativer (im besten Sinne des Wortes) fragen, warum das so ist. Brandt, dessen eigentlicher Name Herbert Ernst Karl Frahm war, lenkte die SPD und spätere die westdeutsche BRD nicht nur mit seiner »neuen Ostpolitik« auf Wege, die man rückwirkend als fragwürdig bezeichnen könnte. Die Auflösung des Ministeriums für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte geht auf die Rechnung seines Kabinetts, ebenso wie der berühmt gewordene »Radikalenerlass«. Dessen katastrophale Auswirkungen zwangen das Land Niedersachsen sogar zur Gründung einer eigenen Kommission zwecks Aufklärung der Folgen. Man kann davon ausgehen, dass es damals, wie heute nicht um einen wie auch immer gearteten Schutz von Bevölkerungsgruppen oder demokratischen Prozessen ging, sondern um die systematische Ausgrenzung des politischen Gegners aus sämtlichen Einflusssphären innerhalb des Staatswesens. Selbstverständlich richteten sich diese Ausgrenzungsversuche gegen tatsächliche politische Randgruppen und nicht gegen die Oppositionsparteien im Bundestag. Gerade in Anbetracht aktueller Entwicklungen, die dazu führen könnten, dass AfD-Mitgliedern ein Berufsleben im öffentlichen Dienst unmöglich gemacht werden könnte, sollte man an anderer Stelle sich nicht über derlei »Gesinnungspolitik« in große Freude versetzen lassen. Ist Brandt heute also besonders wegen seiner »besonnen« Politik im Osten bekannt, darf man nicht vergessen, dass seine Handlungen sowohl für einige Zeit die DDR sogar stabilisierten als auch die Gebiete jenseits der Oder-Neiße Grenze praktisch unwiederbringlich aufgaben. Die heutige SPD hat ein gespaltenes Verhältnis zu Brandt.

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18.2. »Nun, Volk steh auf, und Sturm, brich los!« – Josef Goebbels »Sportpalastrede« (1943)

Sie gilt dem Volksmund wohl als Inbegriff des Nationalsozialismus und kein billiger Nazi-Vergleich kommt ohne die häufig referenzierte Kernaussage der Rede aus. Tatsächlich stellt sie zumindest innenpolitisch einen der Höhepunkte des zweiten Weltkriegs dar. Die Rede wurde strategisch vorbereitet, klein Klatschen dem Zufall überlassen und jeder Sprechchor einstudiert. Die Einführung des »totalen Krieges« war die logische Konsequenz für ein Staatswesen, dass keinen Lebensbereich seiner Bürger unangetastet ließ. Löst man sich von einer hypermoralischen Betrachtungsweise der Rede, ergibt sich ein tiefer Einblick in die rhetorischen Fähigkeiten des Reichspropagandaministers. Die heute sehr pathetisch wirkenden Beschwörungen Goebbels müssen bei den Zuhörern tiefen Eindruck hinterlassen haben, laut einer frühen Goebbels-Biographie ist dieser nach der Rede davon ausgegangen, dass die Anwesenden sogar aus dem Fenster gesprungen wären, hätte er es ihnen befohlen. Ziele waren neben der Mobilisierung auch die Einschwörung auf den Antikommunismus und die Erzeugung von Bereitschaft für Konsumeinschränkungen zugunsten der Kriegswirtschaft. Eine wie auch immer diplomatische Beendigung des Krieges wurde damit unmöglich – erinerseits glaubte zumindest die politische Führung noch immer an einen Sieg, andererseits bedurfte es ungeheurer Mühen den Kampf im Osten aufrechtzuerhalten.  


Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F057884-0009 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0

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1 Kommentar

  1. Ja, Willy Brandt war ein ganz linker Vogel, aber einer von der Sorte, der zumindest von dem überzeugt war, was er verbreitete. Und hier wird der qualitative Spalt zu seinen derzeit politisch dominierenden „Enkeln“ deutlich. Zu den Kanzlerzeiten Brandts („Mehr Demokratie wagen.“) gab es das ZDF-Magazin im TV, welches in seinen rechtslastigen Beurteilungen der politischen Lage zwar retrospektiv betrachtet weit überwiegend Recht behielt, damals eher unbeliebt, zumindest aber eine Existenzberechtigung im ÖRR (seinerzeit) inne hatte. Ganz anders das fragwürdige Demokratieverständnis von heute, welches jedwede Kritik nur noch als Rechts-Extremismus zu interpretieren weis. Man ist sich scheinbar bezüglich der eigenen Ansichten so unsicher, dass simples Infragestellen allein, als ein Akt des „Bösen“ schlechthin, keine Berechtigungsticket für eine geistige Auseinandersetzung erhält.

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