Historischer Kalender – Kalenderwoche 5

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Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer – unser Redakteur Mike Gutsing stellt wöchentlich drei ausgewählte Ereignisse, die herausstechen vor. Diese Woche: Das europäische Mittelalter und seine Herrscher – Spiegel der wechselhaften Geschichte von Macht und Ruhm, zudem: Heinrich der Löwe heiratet.

1.2. Heinrich der Löwe heiratet die englischen Königstocher (1168)

Das Hochmittelalter gilt uns bis heute als fast mythische Zeit legendärer Herrscher. Die Zeit der Staufer gibt uns mit Friedrich Barbarossa ihre wohl schillerndste und eindrucksvollste Gestalt überhaupt. Aber neben dem rotbärtigen Kaiser gab es auch das Geschlecht der Welfen, die sich immer wieder mit den süddeutschen Staufern um die Königswürde in Deutschland stritten. Heinrich der Löwe ist wohl die bekannteste Gestalt dieser Ahnenreihe, die bereits zu Zeiten Karls des Großen ihre Spuren hinterließ.

Neben Heidenmission und großen Baumaßnahmen und Städtegründungen in Niedersachsen und Bayern, die ihm als Herzogtümer unterstellt waren, ist Heinrich durch seinen Konflikt mit seinem Vetter Barbarossa bekannt geworden. Einige Jahre vor seinem endgültigen Exil heiratete er Mathilde Plantagenet, Tochter des englischen Königs und Schwester Richard Löwenherz. Es handelte sich dabei um eine politische Hochzeit, in der auch Kaiser Barbarossa sich familiär durch eine Heirat an das englische Königshaus band um ein Bündnis gegen seine Feinde im Westen, Süden und Norden zu bilden.

Aus der Ehe mit Heinrich dem Löwen ging der spätere deutsche König und Kaiser Otto IV. (1175 – 1218) hervor, der erste und einzige welfische König in Deutschland, der sein Leben wiederum im Thronstreit mit Phillip von Schwaben lassen musste.

Heinrichbrunnen, 1874, Quelle: Brunswyk, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

2.2. Geburtsstunde des Deutschen Reichs (962)

Otto I., genannt »der Große«, Begründer des Geschlechts der Ottonen und König des Ostfrankenreiches zog mit gutem Grund und großem Festzug in die ewige Stadt Rom ein. Mit seiner Krönung zum Kaiser der vereinigten Reiche Italiens und des Ostfrankenlandes wurde am 2. Februar 962 der Grundstein für das Heilige Römische Reich gesetzt. Otto konnte sich nach seinem Sieg über die Ungarn 955 und seinen Italienzügen 951 und zuletzt 961 als Schutzherr dieser Landstriche zählen und verfügte genug Autorität, dass Papst Johannes XII. ihn zum Kaiser krönen konnte. Damit wurden zwei Traditionen geprägt: Erstens, dass der deutsche König gleichzeitig Anspruch auf die Kaiserwürde erhielt, zweitens dass er Schutzherr Italiens war und drittens, dass der Papst ihn krönen und damit als Kaiser legitimieren musste.

Über das gesamte Mittelalter hinweg sollte sich diese Debatte immer wieder entzünden und zum Bruch zwischen Kaiser und Papst führen. Otto befand sich in diesem Moment auf dem Höhepunkt seiner Macht, die mit der Heirat der Nichte des byzantinischen Kaisers Theophanu 972 noch einmal absicherte. War Ottos Leben auch von vielen Unruhen wie die Rebellion seines Sohnes Liudolf oder den Ungarnplünderungen geprägt, so konnte er sich seiner Herrschaft während seines Lebensabends sicher sein. Seinen Erben war dieses Glück nicht vergönnt, bereits drei Generation nach Otto I. fiel die Herrschaft über Deutschland dem Adelsgeschlecht der Salier zu, die wiederrum den Staufern Platz machen mussten.

Königsthron Ottos, Aachen, Quelle: Berthold Werner, Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

3.2. Alexios V. wird Kaiser des byzantinischen Kaiserreiches (1204)

Die Geschichte Alexios V. ist eine kurze und tragische. Er selbst wurde nur nach einer Folge von aufeinanderfolgenden Staatsstreichen Kaiser. Einen Thronanspruch hatte er nur durch seine Frau Eudokia, die Tochter des Kaisers Alexios III., dessen Anspruch von einem Großteil der byzantinischen Adligen bestritten wurde. Alexios V. regierte lediglich zwei Monate, während dieser Zeit belagerte ein Heer aus Kreuzfahrern die Stadt Konstantinopel, deren Eroberung als Höhepunkt des 4.Kreuzzuges in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Als er sich in der ausweglosen Situation zu seinem Schwiegervater absetzen wollte, ließ dieser ihn blenden und hinrichten. Er war der letzte byzantinische Kaiser, bevor das Lateinische Kaiserreich für die nächsten 57 Jahre die katholische Herrschaft über Konstantinopel sichern sollte. In seiner Geschichte liegt eine gewisse Dramatik, war das Kaiserreich selbst in den letzten Jahren immer wieder Opfer von Überfällen der Bulgaren aus dem Norden und der Türken aus dem Osten geworden. Der Glanz der vergangenen römischen Größe war auf einem Tiefpunkt und sollte sich in Folge des 4. Kreuzzuges auch nicht wieder herstellen lassen. 

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