Historischer Kalender – Kalenderwoche 4

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Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer – unser Redakteur Mike Gutsing stellt wöchentlich drei ausgewählte Ereignisse, die herausstechen, vor. Diese Woche: Glückwünsche für Geburtstage aus 200 Jahren deutscher Geschichte – unter anderem ein großer König.

24.1. Berliner Urgestein, großer preußischer König

Fridericus rex, der »Alte Fritz« oder Friedrich der Große. Egal wie man den Enkel des ersten preußischen Königs nennt, so ist es unmöglich an ihm vorbeizukommen, wenn man sich mit deutscher Geschichte beschäftigt. In diese ist er eingegangen als legendärer Feldherr, Reformer, Kunstliebhaber und nicht zuletzt als aufgeklärter Monarch. Dieser Eindruck ist es wahrscheinlich auch, warum man Friedrichs Reiterstandbild nicht schon längst heruntergerissen und sein Schloss Sanssouci zugunsten eines postkolonialen Mahnmals für Geschlechtergeschichte eingeebnet hat.

Friedrich II., geboren 1712, erlebte seit seiner frühen Kindheit zwei Prägungen, einerseits die Erziehung durch französische Hugenotten andererseits die strenge Kontrolle seines Vaters, der den Tagesablauf des Kronprinzen bis zu den Minuten hin durchtaktete. Friedrich Wilhelm I. hatte exakte Vorstellungen wie sein Sohn zu erziehen sei und hielt sich mit Prügel nicht zurück als er erfuhr, dass dieser heimlich Lateinunterricht nahm.

Anton Graff: Friedrich II, 1781
Adolph von Menzel: Flötenkonzert Friedrichs des Großen in Sanssouci, 1850–1852

Auch innerhalb der politischen Rechten ist die Bewertung des Hohenzollernfürsten nicht eindeutig. Lagerübergreifend wird ihm Sympathie entgegengebracht aufgrund seiner umfassenden Modernisierung Preußens, jedoch üben gerade süddeutsche Vertreter auch Kritik an Friedrich II., da er mit der Eroberung Schlesiens auch den Grundstein für den österreichisch-preußischen Dualismus legte, der Deutschland in den nächsten Jahrhunderten nach innen wie außen schwächen sollte.

Nichtsdestotrotz bleibt der König und Kurfürst eine beeindruckende Gestalt, der wir auch heute noch Respekt und Anerkennung zollen wollen und die uns zu großen Taten motivieren soll.

27.1. Zwischen Sozialkaisertum und Hunnenrede

Einem weiteren deutschen Monarchen wird diese Woche die Ehre gegeben. Wilhelm II., König von Preußen und dritter Herrscher des Deutschen Kaiserreiches wäre an diesem Tag 141 Jahre alt geworden. Beinahe so mystisch wie dieses Alter ist der Ruf des letzten deutschen Kaisers, der ihm in der modernen Geschichtsschreibung gern den Ruf als verunsicherten, machtgierigen Selbstdarsteller einbringt.

Gerade der fast schon neo-absolutistische Kurs des 1859 geborenen Kaisers prägt bis heute das Bild der Deutschen auf ihren letzten Monarchen. Doch sämtliche Möglichkeiten seiner umfassenden Macht- und Präsentationsmittel waren bereits seit 1871 in der Verfassung verankert oder während der Regierungszeit seines Großvaters eingeführt worden. Die bismarck´sche Reichsverfassung war, was die Rechte des Monarchen anging, sehr lückenhaft und dadurch sehr anfällig für individuelle Ausgestaltung des Amtes.

So sind Ereignisse wie die »Daily-Telegraph-Affäre« oder die »Krüger-Depesche«, in denen diplomatisch ungeschicktes Verhalten Wilhelms die Entlassung hochrangiger Beamter zur Folge hatten kein Zeichen eines wie auch immer gearteten »persönlichen Regimentes« des Kaisers, sondern Zeichen der unklaren Stellung des Monarchen in der Verfassung.

Anton von Werner: Die Eröffnung des deutschen Reichstages im Weißen Saal des Berliner Schlosses am 25. Juni 1888, 1893

War er auch kein perfekter Monarch, so war er nach seinem altpreußischen Großvater und seinem kurzlebigen Vater doch der erste und gleichzeitig letzte gesamtdeutsche Monarch, der sich auch als solcher inszenieren konnte. Die auf ihre Selbstständigkeit bedachte Hansestadt Hamburg nahm erst unter Wilhelm II. ihren Platz im gemeinsamen Zollgebiet Deutschlands ein, da Wilhelm losgelöster von preußischen und gezielter für deutsche Interessen im In- wie Ausland Politik betrieb.

Auch wenn mit ihm die deutsche Monarchie kein rühmliches Ende genommen hat, so können wir auch heute von seinen Leistungen und Fehlern lernen. Würde man heutige Politiker und Staatenlenker an dem Maßstab Wilhelms messen, so erscheint der Hohenzoller in einem besseren Licht.

29.01. Arnold Gehlen

Hinweis: Zu Gehlen werden wir einen eigenen Text veröffentlichen.

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