Historischer Kalender – Kalenderwoche 3

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Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer – unser Redakteur Mike Gutsing stellt wöchentlich drei ausgewählte Ereignisse, die herausstechen, vor. Diese Woche: Reichsgründung, Hünten und Kalmarer Union.

18.1. Preußisches Schicksalsdatum

Man könnte behaupten die gesamte preußisch-deutsche Geschichte drehe sich um den 18. Januar. An diesem Tage 1701 ließ sich Friedrich I., genannt »der schiefe Fritz«, zum preußischen König krönen. Es hatte etliche Verhandlungen mit dem heilig-römischen Kaiser bedurft und sollte die weit verstreuten Gebiete des Herzogtums Brandenburg-Preußens nach innen wie außen einen.

Nur 8 Jahre später beschloss eben dieser Friedrich I., dass ab dem 1.Januar 1710 die umliegenden Städte zur »Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin« vereinigt werden sollen. Damit legte er den Grundstein für die heutige Millionenmetropole.

Am gleichen Tage 1871 befindet sich Preußen auf dem Höhepunkt seiner Macht. Wilhelm I. wird im Spiegelsaal in Versailles noch während der Kampfhandlungen des Deutsch-Französischen Krieges zum deutschen Kaiser ausgerufen. Der Moment wurde im Gemälde »Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles am 18. Januar 1871« von Anton von Werner verewigt.

Anton von Werner: Die Proklamierung des deutschen Kaiserreiches (18. Januar 1871) (dritte Fassung 1885)

Der 18. Januar 1919 markiert dagegen einen Tiefpunkt der deutschen Geschichte. Der erste Weltkrieg ist verloren und am selben Ort, an dem 48 Jahre vorher das Kaiserreich als Sieger entstand, ist es nun der Verlierer, der auf günstigen Friedensvertrag hoffen muss. Es sind vor allen die Franzosen, die die Schmach von 1871 wieder wett machen wollen. Deutschland werden die alleinige Kriegsschuld und immense Reparationszahlungen aufgedrückt, die parteiübergreifend für Fassungslosigkeit sorgen und das politische Gefüge der Weimarer Republik nachhaltig schädigen werden.

19.1. Emil Hünten

Emil Hünten, am 19. Januar 1827 geboren, war Maler, Zeichner und Illustrator. Besonders bekannt ist er durch seine zahlreichen Historienmalereien wie die »Schlacht bei Königgrätz« von 1885 oder »Friedrich der Große vor Schweidnitz« von 1865. Gerade das erste Gemälde findet sich bis heute in Schulbüchern und fasziniert durch Hüntens Verbindung von historischer Genauigkeit und kräftigen Farbeinsatz. Das Beste: Beide Gemälde befinden sich aktuell in Deutschland. Wer also in dieser wahrlich preußisch-deutschen Kalenderwoche einen Ausflug unternehmen möchte, dem wäre das Deutsche Historische Museum in Berlin und die Galerie J.H. Bauer in Hannover besonders ans Herz zu legen.

Emil Hünten: Friedrich der Große vor Schweidnitz, 1865
Emil Hünten: Die Schlacht bei Königgrätz, 1885

20.1. Ende der Kalmarer Union

Unter dem Königin Margarethe I. von Dänemark wurden Skandinavien und Island für quasi anderthalb Jahrhunderte vereinigt. Zwar wurde der Vertrag von Kalmar nie ratifiziert, aber faktisch hatte sie bis zur Herrschaft Christian II. (1481 – 1559) Bestand.

Dieser musste sich ab 1520 mit Gustav I. Wasa auseinandersetzen, der sich im Zuge des Stockholmer Blutbades von den schwedischen Adligen zum König von Schweden krönen ließ. Durch die Niederlage in diesem Konflikt wandten sich auch Klerus und Adel in Norwegen und Dänemark gegen den sieglosen König. Christian wurde abgesetzt und die Kalmarer Union zerfiel.

Das frühe 16. Jahrhundert erlebte neben dem Aufstieg des Osmanischen Reiches auch den Zerfall eines vereinigten Skandinaviens und kann uns auch heute eine Mahnung sein, dass kein System unsterblich oder gefeit vor den Wogen der Zeit ist.

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