Historischer Kalender – Kalenderwoche 19

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Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer – unser Redakteur Mike Gutsing stellt wöchentlich drei ausgewählte Ereignisse vor, die herausstechen. Diese Woche: Anton von Werner sowie zwei Momente des deutschen Föderalismus.

9.5. Geburtstag Anton von Werner (1843)

Kaum ein anderer Künstler wird so sehr mit dem Reich Bismarcks und Wilhelms II. in Verbindung gebracht wie Anton von Werner. Der in Frankfurt (Oder) geborene Maler ist mit seinen Historienbildern zumindest in allen Geschichtsbüchern Deutschlands unsterblich geworden. Kaum eine Schülergeneration ist darum herumgekommen den Ministerpräsidenten Otto von Bismarck in seiner weißen oder wahlweise blauen Militäruniform zu finden, die er während der Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles getragen haben soll (Bild 1). Doch nicht nur zur Gründung des Kaiserreiches 1871 wurde von Werner tätig,  viele Gemälde widmete er den kleinen wie großen Ereignissen des späten 19. und des frühen 20. Jahrhunderts.

Bild 1

In fast fotografischer Genauigkeit malte von Werner Menschen wie Objekte, sehr eindrucksvoll etwa bei »Im Etappenquartier vor Paris« (Bild 2) vom 24.Oktober 1870 oder in dem Bild »Enthüllung des Richard-Wagner-Denkmals im Tiergarten« aus dem Jahr 1908 (Bild 3). Als Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und Beauftragter für die Pariser Weltausstellung 1874 prägte er die Kunstwelt einer ganzen Epoche. Mit seiner konservativen Kunstpolitik geriet er in arge Kritik und gilt heute als kaum mehr denn als Substilist ohne »erkennbare Eigenheiten«. Während alle faulen Schreiberlinge längst vergessen sind, hängen von Werners Gemälde immer noch in großen Galerien – ein Platz, den er mehr als verdient hat.

Bild 2
Bild 3

12.5. Niederschlagung aufständischer Bauern durch den Schwäbischen Bund (1525)

Die Reichsreform 1495 unter Maximilian I. von Habsburg versuchte, das Heilige Römische Reich, das durch den Aufstieg der partikularen Territorialstaaten als zentrale Ordnungsgewalt in Mitteleuropa immer handlungsunfähiger wurde, als lockeren Bundesstaat zu organisieren. Diese Reform brachte den Fürsten ein umfassendes Privilegienpaket, unter anderem auch die Verbindungs- und Bündnisfreiheit. So entstanden innerhalb des Reichs einige Sonderbünde, wie es zum Beispiel der Schwäbische Bund in Süddeutschland war. Diese Bünde konnten und mussten Funktionen ausüben, die eigentlich dem Kaiser und damit dem Reich oblagen.

So zum Beispiel auch während des Großen Bauernkrieges, als Aufständische wie Götz von Berlichingen und Michael (eigentlich Hans) Kohlhase plündernd durch Deutschland zogen. Die Bünde und ihre Gliedstaaten stellten selbstständig Truppen bereit und zerschlugen die Aufständischen.  Eine der entscheidenden Schlachten fand am 12. Mai 1525 in Böblingen statt, bei der die Söldnerheere des Bundes die Bauern vernichtend schlugen und ihr Anführer Matern Feuerbacher fliehen musste. Dieses Eingreifen wurde vom Kaiser begrüßt, der die selbstständige und doch treue Waffenführung seiner Untertanen als Erfolg und Zeichen seiner Autorität im Reich wertete.

14.5. Gründung der Protestantischen Union (1608)

Während sich die Kaiser vor und im Bauernkrieg  wohl über das Vereinigungsrecht der Landesfürsten freuten, so wird sich Rudolf II. von Habsburg an am 14.5.1608  über dieses Recht geärgert haben. Auf diesen Maitag fällt die Gründung der Protestantischen Union: ein festes Bündnis der protestantischen Landesfürsten zum Schutz gegen den katholischen Kaiser und seine Verbündeten. Sollte es bis zum Ausbruch des 30jährigen Krieges noch zehn Jahre dauern,, so verhärtete dieses Bündnis bereits enorm die Fronten zwischen den Konfessionen innerhalb des Reichs. Die Gründung der katholischen Liga, die auf Betreiben des umtriebigen Fürsten Herzog Maximilian I. von Wittelsbach im folgenden Jahr erfolgte, war die unmittelbare Reaktion auf diese neuerliche Eskalationsstufe.

Ohne die Reichsreform 1495 wäre die Gründung dieser Vereinigungen überhaupt nicht möglich gewesen, doch ist der feste Bündnisschluss gegen den Reichsmonarchen eine spezifische Neuerung des 17.Jahrhunderts. Die Position der Landesfürsten in ihren Staaten war weitaus gefestigter und der Kaiser konnte seine zentralen Machtbefugnisse nicht gegen einen solchen Verbund durchsetzen. Interessanterweise  lieferte gerade der Eingriff des Kaisers in den Verfügungsbereich des schwäbischen Kreises –  eine Formalisierung des einstigen Schwäbischen Bundes – , den Anlass zur Gründung der Protestantischen Union. Es ist ein eindrückliches Beispiel für die wechselhafte Natur der Geschichte und durch die Folgen des 30jahrigen Krieges auch eine Mahnung an alle, die eine Konfrontation nur durch Eskalation zur Lösung führen wollen.

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