Historischer Kalender – Kalenderwoche 18

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Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer – unser Redakteur Mike Gutsing stellt wöchentlich drei ausgewählte Ereignisse, die herausstechen, vor. Diese Woche: Auslieferung, Ohnmacht und Untergang, eine dunkle Woche Geschichte für die Deutschen.

5.5. »Man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen« – Luthers Bruch mit den Bauern (1525)

Martin Luther ist heute besonders durch seinen Widerstand gegen den päpstlichen Ablasshandel und seine Reformversuche innerhalb der katholischen Kirche bekannt. Kaum bis gar nicht werden jedoch seine politischen Tätigkeiten in die öffentliche Darstellung gerückt, vermutlich auch, da mit diesem für die etablierten Meinungs- und Medienmacher keine Blumen gewonnen würden. Ob er, wie die NPD es 2017 auf ihren Wahlplakaten stehen hatte, die Nationaldemokraten gewählt hätte, ist fraglich, ausgeschlossen jedoch ist, dass er die FDP oder sogar die marxistisch-leninistische Partei Deutschlands gewählt hätte, denn Luther war expliziter Feind von gesellschaftlicher Auflösung und Pöbelherrschaft.

Bereits in seiner Schrift »An den christlichen Adel« aus dem Jahr 1520 kürt er die Reichsfürsten als zentrale Träger einer möglichen Reformation und trat für die Stärkung der Zentralmacht des Kaisers gegenüber dem Papst ein. Weitere Anliegen für ihn waren etwa das Verbot der Bettelei und der Freudenhäuser in den Städten. Luther, der in Kontakt mit Reichsrittern wie Florian Geyer und Götz von Berlichingen stand, trat entschieden gegen die Fehden und die 1525 einsetzten Raubzüge der Bauern ein, die sich den Reformator als ihren geistigen Führer auserkoren hatten. In seiner Schrift »Wider den mordenden und raubenden Rotten der Bauern« aus dem Jahr 1525 ermutigte er die Fürsten darüber hinaus, die aufständischen Bauern mit aller Gewalt niederzuwerfen.  

7.5. Der Schandfrieden – Die Deutschen erhalten den Versailler Vertrag (1919)

Nachdem man 1918 in Compiégne die Kampfhandlungen beendet hatte, hoffte die Oberste Heeresleitung und darüber hinaus das gesamte deutsche Volk auf einen vergleichsweise milden Frieden, wie ihn etwa US-Präsident Wilson angedeutet hatte. Optimistische Stimmen hofften gar auf eine Vereinigung mit Deutsch-Österreich, das nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker eine berechtigte Chance hatte, ein Teil des Reichs zu werden und den sich anbahnenden Übergriffen auf Deutsche in den neu zu schaffenden slawischen Staaten zu entziehen. Die quasi endgültigen Vertragsbedingungen, die die deutsche Delegation jedoch im Mai des Jahres 1919 erhielt, waren ein Schlag und wurden beinahe im gesamten politischen Spektrum abgelehnt. Rechtskonservative Kräfte lehnten besonders den Kriegsschuldartikel ab, der Deutschland zum Aggressor machte und die einseitigen Verhandlungen legitimieren sollte.

Während im deutsch-französischen Krieg noch die Kriegsschuld auf die führenden Monarchen oder Politiker gelenkt wurde oder gar Deutschland als eigentlicher Kriegsprovokateur diese Schuld aufgeladen wurde, reichte nun der Fakt der formalen Kriegserklärung bereits aus, um die deutsche Kriegsschuld hieb- und stichfest zu belegen. Ziel war es Deutschland zu neutralisieren und in die westliche Bündnis- und Verhandlungspolitik zu einbinden. Das Kabinett Scheidemann, das kurz nach der Annahme der Friedensbedingungen zurücktrat, war weder ideologisch willens noch machtpolitisch in der Lage diese Situation zu umgehen, doch belastete das Ergebnis des Versailler Vertrags sowohl die demokratische Koalition als auch die Republik und die Demokratie nachhaltig und musste sich den Vorwurf gefallen lassen, in der Ausnahmesituation handlungsunfähig zu sein.

8.5. Tag des Zusammenbruchs – Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa

Es wird sich wohl kaum ein dunklerer Tag in der deutschen Geschichte finden lassen als der 8. Mai 1945. Mit der bedingungslosen Kapitulation durch den Generaloberst Alfred Jodl in Berlin-Karlshorst übergab man 60 Millionen Deutsche, darunter fast 12 Millionen Flüchtlinge aus den Ostgebieten in die Obhut der Mächte, die bis vor kurzem im Westen wie im Osten einen ideologischen Vernichtungskrieg geführt hatten. Der heute gern gefeierte »Tag der Befreiung« war für die meisten Deutschen der Beginn einer gewaltsamen Vertreibung, Misshandlung und Zwangsumerziehung, die den totalitären Maßnahmen des NS-Staats nur in seiner Brutalität in etwas nachstanden. Während die Amerikaner vordergründig schnell vom Besatzer zum Aufbauhelfer wechselten, ging der Raubbau der Sowjetunion an den Gütern und Menschen der Ostzone noch mancherorts bis in die 60er Jahre weiter.

Auch die grauenerregenden und bewusst gewollten Zustände in den Rheinwiesenlagern, in den knapp 3,5 Millionen Menschen unter Bedingungen lebten, für die deutsche Offiziere und NS-Personal vor das Kriegsgericht kamen, finden heute maximal beiläufige Erwähnung. In der entpersonalisierten Sicht auf die Geschichte, mag es gerecht vorkommen, dass »die Nazis« die Behandlung bekamen, die sie ihren Opfern zu Teil werden ließen, doch es darf nie vergessen werden, dass Täter wie Opfer auf deutscher Seite genug waren, dass auch unsere Zivilbevölkerung in Hamburg, Köln, Dresden und in vielen anderen deutschen Städten nicht geschont wurde. Weil der Krieg von alliierter Seite eben kein Krieg gegen die Nazis war, sondern ein Krieg gegen die Deutschen, muss klar sein, dass für unsere Opfer kein Vergessen und ihre Mörder kein Vergeben gefordert werden darf.

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