Historischer Kalender – Kalenderwoche 15

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Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer – unser Redakteur Mike Gutsing stellt wöchentlich drei ausgewählte Ereignisse, die herausstechen, vor. Diese Woche: Revolutionäre – Ritter, Publizisten und Historiker, als Speerspitze von Bewegungen tragen sie Ideen voran und inspirieren nachfolgende Generationen. Drei von ihnen sollen diese Woche geehrt werden, unter anderem: Armin Mohler.

12.4. Geburtstag von Armin Mohler (1920)

102 Jahre wäre der rechte Publizist und Schriftsteller Armin Mohler dieses Jahr geworden, aber auch wenn er dieses biblische Alter durch seinen Tod im Jahr 2003 nicht erreichte, ist Mohlers Werdegang derart dicht, dass es für zwei normale Leben reichen würde. Diesen reichhaltigen Schatz an Erlebnissen, Erfahrungen und Gedanken führte Karlheinz Weißmann in seiner (leider aktuell nicht lieferbaren) Biographie zusammen, wer jedoch in Mohlers Denken eingeführt werden möchte, der ist mit seinen Texten »Der faschistische Stil« und »Gegen die Liberalen« gut beraten. Wer darüber hinaus einen Überblick über Mohlers Tätigkeit und Leben gewinnen möchte, dem sei an dieser Stelle seine Besprechung im Literaturpodcast des Kanal Schnellroda empfohlen. Denn wer den Sprung in die Tiefen von Mohlers Gedankenwelt wagt, der wird geistig frei, sprachlich bewaffnet und mit scharfem Blick wieder hinaufsteigen.

12.4. Uraufführung Goethes Götz von Berlichingen (1774)

Das berühmte Zitat, das auf den sogenannten »schwäbischen Gruß« zurückgeht, wurde in Goethes Drama verewigt, welches sich mehr oder weniger an den autobiographischen Aufzeichnungen des Raubritters orientiert. Berühmt und auch heute noch lesenswert macht das Stück vor allem die Darstellung des spätmittelalterlichen Ritter- und Fehdewesens, das aus der neuzeitlichen Sicht Goethes doch eine ganz andere Perspektive als die autobiographischen Erzählungen des Ritters »mit der eisernen Hand« inszeniert. Mit dem Bevölkerungsschwund des späten Mittelalters verarmten weite Teile des Landadels und auch die Konkurrenz der Städte lockten weitere Arbeitskräfte in die Ballungszentren. Der Ritterstand hatte mit einer Existenzkrise zu kämpfen, da sie durch die »Gewalthaufen« von Landsknechten und den ersten Schwarzpulverwaffen sowohl ihrer strategischen als auch symbolischen Bedeutung nach und nach beraubt wurden. Mit dem »ewigen Landfrieden«, der auf dem Reichstag 1495 beschlossen wurde, waren dem Landadel und der Ritterschaft auch die Fehde als ihr wichtigstes gesetzliches Mittel zum Erhalt ihrer territorialen und ständischen Existenz genommen. In diesen Spannungsfeldern bewegt sich auch das Drama Goethes und macht uns die Verwerfungen einer Zeit verständlich, die doch so weit entfernt scheint. Wem die Lektüre zu trocken erscheint, dem stehen mit der Verfilmung des Götz von 1978 mit Raimund Harmstorf in der Hauptrolle oder den jährlich stattfindenden Aufführungen auf der »Götzenburg« Jagsthausen mindestens zwei Alternativen zur Verfügung.

14.4. Geburtstag Arnold J. Toynbee (1889)

Die Geschichtsphilosophie gilt heute im akademischen Bereich als Brachland, zu unwissenschaftlich, keine empirischen Befunde, zu verkürzend, um adäquate Geschichtsbilder zu vermitteln, sind Urteile, mit denen sich interessierte Studenten abfinden müssen. Die heute bekanntesten Geschichtsphilosophen, die sich auch im weitesten Sinne als solche verstanden, sind Oswald Spengler und Arnold J. Toynbee. Letzterer knüpfte mit seinem »Gang der Weltgeschichte« an Spenglers Untergang an, anders als dieser vertritt Toynbee jedoch einen ergebnisoffenen Ablauf von Geschichte. Die Auffassung, dass die Kulturen sich stärker entwickeln, je größer die Anforderungen an diese sind, scheint eine Floskel; der deutsche Geschichtsphilosoph Thomas Wangenheim geht in einem seiner Videos sogar so weit und behauptet, dass Toynbee überhaupt keine Geschichtsphilosophie geschrieben habe. Auch wenn die Sympathien des Autors deutlich bei der Einschätzung Wangenheims liegen, so gilt doch zurecht Toynbee als letzter, international anerkannter, Universalhistoriker dessen Werk zumindest einiges an Achtung verdient und der für die historische Betrachtung der Geschichtsphilosophie unerlässlich ist. 

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