Historische Kalender – Kalenderwoche 13

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Ein Blick in die Geschichte lohnt sich immer – unser Redakteur Mike Gutsing stellt wöchentlich drei ausgewählte Ereignisse, die herausstechen, vor. Diese Woche: Metternich, Bismarck, Karl der Große drei deutsche Staatsmänner und ihr Fußabdruck in der Geschichte.

1.4. Der eiserne Kanzler – Geburtstag Otto von Bismarck (1815)

Über diese fast schon mythische Gestalt der deutschen Geschichte braucht man eigentlich nichts zu sagen. Der preußische Ministerpräsident und spätere erste Kanzler des deutschen Kaiserreichs gilt bis heute Konservativen und Rechten als Verortungspunkt. Dabei sind es weniger die politischen Erfolge Bismarcks wie die von ihm durchgesetzte Heeresreform und der Ausbau des kleindeutschen Zollvereins, sondern die Strahlkraft seiner Auftritte und seine Denkweise. Mit seiner »Realpolitik« war damals jedoch keine ideallose Minimalkonsens-Politik gemeint, sondern die Konzentration auf erreichbare Zwischenziele statt Maximalforderungen.

Die wohl größte Leistung Bismarcks ist wohl, dass er die Vereinigung Deutschlands maßgeblich durch einen »Etikettenschwindel« vorantrieb. Der »ewige Bund« den die Fürsten Deutschlands mit dem preußischen König und Kaiser schlossen, klang zwar auf dem Papier gut und ließ sich in seiner Agitation gegen Wilhelm II. auch erfolgreich als Drohkulisse aufbauen, doch lagen bereits in der Verfassung des Norddeutschen Bundes, deren Verfasser Bismarck selbst war, die Anlagen zu einem unitarischen Nationalstaat. Anders als Wilhelm I. oder die anderen deutschen Fürsten erkannte Bismarck, dass die Zeit nicht nach Titelfragen und Diskussionen über Truppenbesichtigungsrechte verlangte, sondern einen neuen Weg der Politik benötigte, der sich nicht scheute, Konventionen zu brechen und durch strategische Beweglichkeit seine Ziele zu erreichen. Auch wenn es zu viel verlangt wäre, dass patriotische Parteien und Bewegungen mit einem Mann von Bismarcks Kaliber auffahren müssten, so wäre sein Verständnis von Politik heute fruchtbarer als selbstgeschaffene ideologische Sackgassen.

2.4. »Die Gedanken sind frei« – Aufhebung der Karlsbader Beschlüsse (1848)

Beim nächsten Jubiläum verbieten sich allzu platte historische Vergleiche, denn im Gegensatz zu heute gewährleisteten die Karlsbader Beschlüsse zumindest noch die Äußerungen im Privaten und auch vorauseilender Gehorsam der »Zivilgesellschaft« hätte zumindest jedem jungen Deutschen den Vorwurf der Stiefelleckerei eingebracht. Dennoch sind uns Zensur und Berufsverbote schmerzlich vertraut, wobei wegen mangelnder Mobilität sowie eingeschränkterer Publikations- und Verbreitungsmöglichkeiten die Auswirkungen damals sogar gravierender als heute waren. Trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der Beschränkung politischer Äußerungen und Betätigung, sickerten die liberalen und nationalen Ideen tief in die breiten Schichten der Bevölkerung ein und bildeten das intellektuelle Fundament der 1848er Revolution.

Es scheiterte die Revolution zwar, ungeachtet der programmatisch breiten und häufig hochinteressanten und erfolgversprechenden Ideen für die nationale Gestaltung Deutschlands, aber die Abschaffung der Karlsbader Beschlüsse setzte sie dennoch durch. Mit dem Niederriss dieser »Brandmauer« wurde auch die deutsche Frage in den folgenden Jahren zum zentralen Maßstab der Politik. Das Bestreben Preußens zur Errichtung einer kleindeutschen Erfurter Union bereits im Jahr 1850 verdeutlicht den Druck, der in dieser Frage schon 10 Jahre vor der Berufung Bismarcks zum preußischen Ministerpräsidenten und der »neuen Ära« unter Wilhelm I. herrschte. Bis 1871 verlagerte sich dieser Druck von den Debattierstuben über die Publikationen in die Parlamente und schließlich bis in die obersten Kreise der Macht.

2.4. Geburtstag Karl der Große (748)

Wie auch Bismarck bedarf dieser Jubilar keiner Vorstellung, wer ihn nicht kennt ist entweder sehr jung oder erst vor kurzem nach Europa gekommen. Karl der Große, Charlemagne oder Carolus Magnus, der Karolinger gilt als der Gründervater des politischen Kontinents Europa. Selten wird diese Rolle auch seinem Großvater Karl Martell zugeschrieben, der mit seinem Sieg über die Muslime in der Schlacht von Tours 732 den Vorstoß des Islams über die iberische Halbinsel beendete. Karl war nach dem Tod seines Bruders Karlmann der Herrscher über ein Reich, das sich von den Pyrenäen bis an die Ostsee im Norden und bis zum Rand des pannonischen Beckens im Süden erstreckte. Zwiespältig wird dagegen seine Sachsenmissionierung gesehen, die einerseits als die Grundlage der deutschen Christianisierung oder die Zerstörung germanisch-deutscher Kulturgüter betrachtet wird.

In seiner Herrschaftspolitik stellte Karl der Große tatsächlich eine Zeitenwende dar. Als Reisekönig besuchte er die Pfalzen des Reichs und hielt so oft wie nötig Hof, um direkt die Lösung zu verantworten. Andererseits richtete sich die Gestaltung des Reichs zusehends an ihm aus, indem Karl Impulse für Bildungs-, Währungs- und Kirchenpolitik gab. Diese reichspolitische Betätigung geschah häufig auf Kosten lokaler Machthaber, die er diplomatisch oder notfalls mit bewaffneter Intervention an das Frankenreich band. Viele Jahrhunderte stritten die Nachfolgestaaten um das Erbe Karls oder auch über dessen Volkszugehörigkeit, ein Deutungskampf, bei dem es wohl kein eindeutiges Ende geben wird. Er bleibt eben der Vater des christlichen Europas und diese Rolle allein ist sein Recht und sein Erbe. Auch wenn sich mit ihm nur begrenzt politische Forderungen oder Konzepte verbinden lassen, so ist eine positive Identifikation mit ihm ein Bekenntnis zum christlichen Abendland, eine Identifikation, die linke Gesellschaftsakrobaten bereits zum Überschlag bringt.

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