Hat die Neue Rechte versagt?

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Konflikt startet eine Debattenreihe – Hat die Neue Rechte versagt? Mehr Infos zum Debattenformat im unteren Teil des Textes.

Am Anfang war Schnellroda – zumindest für einen großen Teil der patriotischen Jugend im Jahre 2022. Der kleine Ort in Sachsen-Anhalt ist für den Teil der politischen Rechten, der nicht (mehr) im christdemokratischen oder bürgerlichen Muff versauern will, zum archimedischen Punkt für das Denken geworden. Verlag, Institut und Zeitschrift begleiten das neurechte Denken nun seit ungefähr 20 Jahren, Akteure wie Götz Kubitschek und Benedikt Kaiser haben Jahr für Jahr durch ihr Wirken einen gewissen Einfluss auf junge Köpfe ausgeübt, sodass eine neu heranwachsende Generation zwar kein gemachtes, aber doch zumindest ein gemütliches Bett vorfinden konnte.

Diese neue Generation, die man im Netz gerne auch als Zoomer oder Generation Z bezeichnet, und welche die Altersgruppe junger Patrioten um die 20 Jahre bezeichnet, möchte nun – folgt man den Beobachtungen einiger sogenannten Millenials, also der vorherigen Generation – das angesprochene gemütliche Bett nicht in Anspruch nehmen. Die Gründe? Diverse. Seien es jetzt streitbare Punkte in Fragen der gemeinsamen Strategie oder inhaltliche Linien: Es menschelt, es treten Konflikte auf, die in ihrer Allgemeinheit wohl schon eine anthropologische Konstante sein könnten, denn wann gelang schon der reibungslose Übergang einer alten zu einer neuen Generation? Schon die antiken Philosophen zerbrachen sich ihre Köpfe über die Jugend. Auch die Neue Rechte ist vor diesen Fragen nicht gefeilt.

Die aktuellen Konflikte zwischen Zoomern und Millenials scheinen aber eine andere Dimension angenommen zu haben. Der Generationenkonflikt reiht sich nämlich in eine größere Fragestellung ein, die in den letzten Monaten öfter in den Raum geworfen wurde: Hat die Neue Rechte versagt?

Eine Frage, die einerseits aus einigen Mündern wie eine Anklage wirkt und somit eine gewisse Relevanz verliert, die aber andererseits mittlerweile auch gestellt werden muss, sofern man nicht zu einer selbstreferentiellen kleinen Blase verkümmern möchte die linke doktrinäre Selbstverzwergung kann hier ein mahnendes Beispiel sein.

Die Kritikpunkte der Akteure, die sich kritisch gegenüber der Neuen Rechte äußern, lassen sich auf ein paar Thesen komprimieren:

  • Die Kulturrevolution im Sinne Gramscis lief ins Leere, die kulturelle Hegemonie konnte nicht errungen werden: nach einigen metapolitischen Siegen 2015-2018 folgten nur noch Niederlagen.
  • Der Aktivismus ist gescheitert, er konnte in Form der Identitären Bewegung nicht die angepeilten Ziele erreichen.
  • Die Reichweite und der Einfluss der theoretischen Organe lassen zu wünschen übrig.
  • Die Neue Rechte geht inhaltliche Irrwege (zum Beispiel in Form der sozialpatriotischen Orientierung eines Benedikt Kaisers).

Die angeführten Punkte können an dieser Stelle nur als Leitplanken dienen, um dem Leser ein Gefühl für die aktuelle Diskussion geben zu können. Jeder der angesprochenen Punkte verdient eigentlich eine einzelne Diskussion, die jedoch an dieser Stelle nicht nur von konflikt geführt werden soll, sondern von allen Akteuren, die sich angesprochen fühlen.

Wer sich an dieser Debatte beteiligen möchte, sei es als Kritiker oder als Anhänger der Neuen Rechten, wird hiermit dazu aufgefordert, uns seine Gedanken in Form eines Artikels an redaktion@konfliktmag.de mit dem Betreff „Neue Rechte“ zuzusenden, damit wir diese zur Diskussion stellen können. Weiterführende Ideen wie Live-Diskussionsrunden mit einigen Akteuren der Neuen Rechten sind angedacht.


Natürlich hat auch konflikt eine gewisse Perspektive auf die Frage. Im Folgenden nun ein paar Thesen, die vielleicht keine Antworten auf die Fragen liefern, jedoch hoffentlich die Diskussion mit frischen Impulsen aufwirbeln können.

Die inhaltliche Ausdifferenzierung ist keine Schwächung, sondern eine Stärkung.

Mittlerweile haben sich verschiedene Strömungen im noch sehr übersichtlichen Lager herausgebildet. Ökologische Akteure, Sozialpatrioten und Postliberale, Nationalisten – eine einzelne Strömung repräsentiert schon lange nicht mehr die gesamte Neue Rechte. Wer also anhand eines Benedikt Kaisers die Neue Rechte als sozialpatriotisch einordnet, macht es sich zu leicht. Dass sich langsam verschiedene Ansätze entwickeln, sollte man als intellektueller Rechter begrüßen, denn was schärft denn besser die eigenen Gedanken als eine offene und ehrliche Diskussion? Die Dominanz einiger Akteure sollte nicht verschrecken, sondern eher als Anreiz verstanden werden: Als Anreiz zu eigener Aktivität.

Die Neue Rechte ist nicht gänzlich gescheitert, hat aber jedoch einige Ziele nicht erreicht.

Es wäre zu pauschal, der gesamten Neuen Rechten ein Versagen anzulasten, wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln die Akteure arbeiten müssen. Auch wäre es hinsichtlich der vergangenen Zeit zu simpel: Eine Kulturrevolution ist keine Entwicklung, die innerhalb weniger Jahre zu erreichen ist. Im Gegenteil: Es ist ein Projekt, das sich über Jahrzehnte streckt – vermutlich werden erst unsere Kinder oder Kindeskinder die Ernte unserer politischen Arbeit einfahren können. Wer aufgrund der letzten Jahre ein Versagen sieht, hat falsche Erwartungshoffnungen.

Richtig ist jedenfalls auch, dass einige Ziele nicht erreicht wurden. Der Aktivismus wirkt mittlerweile wie ein langsamer alter Gaul, der Gefahr läuft, bei jedem erneuten Ausritt zusammenzubrechen. Auch in anderen metapolitischen Dimensionen konnte die Kulturrevolution nicht wirklich vorankommen – während auf der intellektuellen Ebene der Theoriearbeit jährlich Fortschritte gemacht werden konnten, sind die metapolitischen Erfolge in den verwinkelten Gassen der Kultur und kreativen Szene zum Beispiel noch überschaubar. Ist das aber ein Versagen? Nein, man steckt noch in den Kinderschuhen.

Die Neue Rechte hat viel Potential.

Einige sehen die Neue Rechte schon an ihrem Limit, dabei steht sie noch an ihrem Anfang. Dass in den letzten Jahren einige neue Projekte aufgetaucht sind, ist ein Beweis für die Lebendigkeit dieses Lagers. Es könnten sich Synergieeffekte ergeben, wenn es öfter die Bereitschaft zu einer Zusammenarbeit geben würde – wie ein Akteur aus Schnellroda mir einmal zusammenfasste: „Die meisten Projekte scheitern nicht an inhaltlichen Fragen, sondern an menschlichen.“ Letztlich verfolgen wir alle das gleiche Ziel, nämlich die aktuellen Entwicklungen aufzuhalten und selbst die Agenda zu bestimmen. Ein bisschen mehr Zusammenhalt würde uns definitiv nicht schaden.

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1 Kommentar

  1. Man ist Kind seiner Zeit, selbst dann, wenn man den Zeitgeist ablehnt. Für die Neue Rechte heißt das:
    – demografisches Siechtum (man altert schnell)
    – omnipräsentes Multikulti, allerspätestens seit den 90igern
    – unendliche Surrogate/Ersatzaktivitäten (bis hin zu Suchtverhalten) im Web
    Mein Fazit:
    – „Mikro-Bürgerkriege“ in den eigenen Reihen unterbinden
    – keine Energie-Verschwendung auf ausgetretenen Wegen (Partei-Politik, betonte Bürgerlichkeit)
    – aktive Vorbereitung und aktives Zuwarten auf plötzliche Ereignisse/Umschwünge/Katastrophen, die auf keiner Tagesordnung stehen, aber irgendwann kommen!
    Die Neue Rechte ist die Bewegung für den Ausnahmezustand, nicht für den Normalzustand! Dort entfaltet sie ihre innewohnende Kraft. Und nur dort hat sie eine reale Chance (siehe Rechte Sektor aktuell in der Ukraine).

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