Rentenreform

PetrosiliusZ
Beiträge: 24
Registriert: Freitag 9. April 2021, 07:56

Rentenreform

Beitrag von PetrosiliusZ »

Auf Twitter gibt es einen konflikt-Faden, welcher anlässlich eines Interviews von Carlo Clemens in der Welt entstand:

https://twitter.com/konfliktmag/status/ ... 6651882503

Unter anderem schlägt Carlo Clemens im Namen der Jungen Alternative vor, Arbeit steuerlich zu entlasten damit Arbeitnehmer das Geld für private Rentenvorsorge verwenden können.

Konflikt kritisiert diesen Punkt, da dies Geringverdienern wenig nutze. In dem Segment ist steuerliche Entlastung natürlich deutlich weniger spürbar als bei Gutverdienern, sodass diese Maßnahme im Ergebnis der Altersvorsorge tendenziell die Schere noch weiter auseinandergehen lässt.

Ich sehe das ganz ähnlich. Wir haben meiner Meinung nach in diesem ganzen Komplex zwei große Probleme: Erstens die sehr starke Belastung der gutverdienenden, aber nicht im engeren Sinne wirklich vermögenden Mittelschicht. Zweitens die prekäre Existenz der Schicht der Geringverdiener, welche sich im Rentenalter wohl noch gravierender darstellen wird. Ich persönlich halte das zweite Problem für noch drängender als das erste, schon allein weil die Not da größer ist. Der Ansatz von Clemens will aus meiner Sicht an das erstgenannte, durchaus existierende Problem heran. Um sowas wie breite Rentengerechtigkeit herzustellen ist jedoch meiner Meinung nach eine noch fundamentalere Reform erforderlich.

Was meint Ihr?

Leo Ladig
Beiträge: 65
Registriert: Freitag 9. April 2021, 19:06

Re: Rentenreform

Beitrag von Leo Ladig »

Ich halte den Einwand bezüglich der Geringverdiener schon für berechtigt, würde dennoch dafür plädieren, das durchzuziehen. Gern auch mit einer Steuerbefreiung für solche, die durch ihre Arbeit nur 500€ mehr im Monat haben, als wären sie HartzIV-Empfänger. Ich denke, dass dadurch die Anreize, überhaupt arbeiten zu gehen und einer Tätigkeit nachzugehen, enorm verstärkt würden. Gerade die Branchen unterbezahlter Tätigkeiten, die nicht immer nur Spaß machen und extrem anstrengend sind, wie Altenpfleger, hätten dadurch einen echten Mehrwert. Auch der Staat wäre dadurch trotzdem entlastet, weil auch trotz wegfallender Steuereinnahmen keine Sozialleistungen zu erbringen wären.
Es herrscht auch bei vielen Leuten eine völlig falsche Einschätzung und große Wissenslücken darüber, wie private Vermögensbildung und -absicherung überhaupt funktioniert. Als wäre das ein moralisch korrumpiertes Hexenwerk für skrupellose Geldhaie, die am Rouletttisch auch ihre Mutter verkaufen würden.

Unbekannt
Beiträge: 7
Registriert: Montag 28. Juni 2021, 18:41

Re: Rentenreform

Beitrag von Unbekannt »

Auch wenn ich es sehr befürworte Maßnahmen zu ergreifen um die demographische Problematik einzudämmen (z.B. indem man pro Kind 10% mehr Rente erhielte), so sollte man definitiv nicht nur darauf setzen. Stattdessen wäre es sinnvoll die gesteigerte Produktivität durch technischen Fortschritt zu nutzen. Da es aber unmöglich ist alle technischen Geräte sozial zu versichern, liegt es nahe, dass man das Versicherungsprinzip durch eine Steuer ersetzen sollte. Diese würde von den Unternehmen abgeführt (ähnlich wie die Mehrwertsteuer) und so müssten Roboter und andere Maschinen indirekt zum Rentensystem beitragen.

Da nun nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen ihren Anteil leisten, könnte man vermutlich den Rentenbeitrag senken. Es spräche auch nichts dagegen Geringverdiener überproportional mit Rentenbezügen zu bezahlen, sobald sie in Rente gehen, da die Gutverdiener durch Immobilien, Aktien und Ähnliches wohl eh privat vorsorgen.

Leo Ladig
Beiträge: 65
Registriert: Freitag 9. April 2021, 19:06

Re: Rentenreform

Beitrag von Leo Ladig »

Unbekannt hat geschrieben: Dienstag 29. Juni 2021, 15:28 Auch wenn ich es sehr befürworte Maßnahmen zu ergreifen um die demographische Problematik einzudämmen (z.B. indem man pro Kind 10% mehr Rente erhielte), so sollte man definitiv nicht nur darauf setzen. Stattdessen wäre es sinnvoll die gesteigerte Produktivität durch technischen Fortschritt zu nutzen. Da es aber unmöglich ist alle technischen Geräte sozial zu versichern, liegt es nahe, dass man das Versicherungsprinzip durch eine Steuer ersetzen sollte. Diese würde von den Unternehmen abgeführt (ähnlich wie die Mehrwertsteuer) und so müssten Roboter und andere Maschinen indirekt zum Rentensystem beitragen.

Da nun nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen ihren Anteil leisten, könnte man vermutlich den Rentenbeitrag senken. Es spräche auch nichts dagegen Geringverdiener überproportional mit Rentenbezügen zu bezahlen, sobald sie in Rente gehen, da die Gutverdiener durch Immobilien, Aktien und Ähnliches wohl eh privat vorsorgen.
Liefe eine "Maschinensteuer" nicht zwangsläufig auf eine erhebliche Mehrbelastung gerade derer hinaus, die Werte und Arbeitsplätze schaffen?

Unbekannt
Beiträge: 7
Registriert: Montag 28. Juni 2021, 18:41

Re: Rentenreform

Beitrag von Unbekannt »

Das stimmt wohl, die Rentenbeiträge würden sich (ein gutes Stück weit) in Richtung Arbeitgeber verschieben. Werte schaffen tun aber auch die Arbeitnehmer. Ein Problem ist doch derzeit, dass Arbeit durch die vielen Abgaben stark verteuert wird und folglich ein großer Anreiz für Unternehmer besteht, die Arbeit durch Maschinen zu ersetzen (siehe SB-Kassen, etc.). Eine allgemeine Steuer, anstelle des Rentenbeitrages, würde diesen Negativanreiz beseitigen.

Leo Ladig
Beiträge: 65
Registriert: Freitag 9. April 2021, 19:06

Re: Rentenreform

Beitrag von Leo Ladig »

Unbekannt hat geschrieben: Mittwoch 30. Juni 2021, 13:29 Das stimmt wohl, die Rentenbeiträge würden sich (ein gutes Stück weit) in Richtung Arbeitgeber verschieben. Werte schaffen tun aber auch die Arbeitnehmer. Ein Problem ist doch derzeit, dass Arbeit durch die vielen Abgaben stark verteuert wird und folglich ein großer Anreiz für Unternehmer besteht, die Arbeit durch Maschinen zu ersetzen (siehe SB-Kassen, etc.). Eine allgemeine Steuer, anstelle des Rentenbeitrages, würde diesen Negativanreiz beseitigen.
Ich denke das Hauptproblem dabei ist die Wettbewerbsfähigkeit, die ein Unternehmen vor allem heutzutage haben muss, um überhaupt bestehen zu können. Egal wie man es dreht und wendet, sei es durch die Maschinenabgabe oder erhöhte Steuern/Rentenbeiträge vom Arbeitgeber - im Endergebnis entstehen für diesen höhere Kosten, die er an den Verbraucher weitergeben muss. Wenn das nicht gelingt, wird das Unternehmen von der Konkurrenz aus dem Ausland (das diesen Nachteil nicht hat) verdrängt oder der Konsument kauft sich das Produkt halt nicht, weil es zu teuer ist. Am Ende gibt es weder Jobs noch Steuereinnahmen, sondern nur einen lachenden Dritten in einem ausländischen Unternehmen. Das kann man unfair finden, aber so läuft das ja nunmal.

Unbekannt
Beiträge: 7
Registriert: Montag 28. Juni 2021, 18:41

Re: Rentenreform

Beitrag von Unbekannt »

Leo Ladig hat geschrieben: Mittwoch 30. Juni 2021, 15:41
Unbekannt hat geschrieben: Mittwoch 30. Juni 2021, 13:29 Das stimmt wohl, die Rentenbeiträge würden sich (ein gutes Stück weit) in Richtung Arbeitgeber verschieben. Werte schaffen tun aber auch die Arbeitnehmer. Ein Problem ist doch derzeit, dass Arbeit durch die vielen Abgaben stark verteuert wird und folglich ein großer Anreiz für Unternehmer besteht, die Arbeit durch Maschinen zu ersetzen (siehe SB-Kassen, etc.). Eine allgemeine Steuer, anstelle des Rentenbeitrages, würde diesen Negativanreiz beseitigen.
Ich denke das Hauptproblem dabei ist die Wettbewerbsfähigkeit, die ein Unternehmen vor allem heutzutage haben muss, um überhaupt bestehen zu können. Egal wie man es dreht und wendet, sei es durch die Maschinenabgabe oder erhöhte Steuern/Rentenbeiträge vom Arbeitgeber - im Endergebnis entstehen für diesen höhere Kosten, die er an den Verbraucher weitergeben muss. Wenn das nicht gelingt, wird das Unternehmen von der Konkurrenz aus dem Ausland (das diesen Nachteil nicht hat) verdrängt oder der Konsument kauft sich das Produkt halt nicht, weil es zu teuer ist. Am Ende gibt es weder Jobs noch Steuereinnahmen, sondern nur einen lachenden Dritten in einem ausländischen Unternehmen. Das kann man unfair finden, aber so läuft das ja nunmal.
Das ist vollkommen korrekt, aber wie soll das jetzige Rentenproblem gelöst werden? Wir haben heute schon masenweise Rentner, die Pfandflaschen sammeln müssen um überhaupt über die Runden zu kommen.

Leo Ladig
Beiträge: 65
Registriert: Freitag 9. April 2021, 19:06

Re: Rentenreform

Beitrag von Leo Ladig »

Unbekannt hat geschrieben: Mittwoch 30. Juni 2021, 20:53
Leo Ladig hat geschrieben: Mittwoch 30. Juni 2021, 15:41
Unbekannt hat geschrieben: Mittwoch 30. Juni 2021, 13:29 Das stimmt wohl, die Rentenbeiträge würden sich (ein gutes Stück weit) in Richtung Arbeitgeber verschieben. Werte schaffen tun aber auch die Arbeitnehmer. Ein Problem ist doch derzeit, dass Arbeit durch die vielen Abgaben stark verteuert wird und folglich ein großer Anreiz für Unternehmer besteht, die Arbeit durch Maschinen zu ersetzen (siehe SB-Kassen, etc.). Eine allgemeine Steuer, anstelle des Rentenbeitrages, würde diesen Negativanreiz beseitigen.
Ich denke das Hauptproblem dabei ist die Wettbewerbsfähigkeit, die ein Unternehmen vor allem heutzutage haben muss, um überhaupt bestehen zu können. Egal wie man es dreht und wendet, sei es durch die Maschinenabgabe oder erhöhte Steuern/Rentenbeiträge vom Arbeitgeber - im Endergebnis entstehen für diesen höhere Kosten, die er an den Verbraucher weitergeben muss. Wenn das nicht gelingt, wird das Unternehmen von der Konkurrenz aus dem Ausland (das diesen Nachteil nicht hat) verdrängt oder der Konsument kauft sich das Produkt halt nicht, weil es zu teuer ist. Am Ende gibt es weder Jobs noch Steuereinnahmen, sondern nur einen lachenden Dritten in einem ausländischen Unternehmen. Das kann man unfair finden, aber so läuft das ja nunmal.
Das ist vollkommen korrekt, aber wie soll das jetzige Rentenproblem gelöst werden? Wir haben heute schon masenweise Rentner, die Pfandflaschen sammeln müssen um überhaupt über die Runden zu kommen.
Das geht natürlich nur über Staatskosten. Man kann die Leute ja nicht nachträglich privat absichern. Für kommende Generationen würde ich ein privates Modell aber trotzdem favorisieren. Alles andere ist ja im Grunde nichts weiter als ein Versprechen des Staates, in 30 Jahren gut für dich zu sorgen. Was dann ist, weiß kein Mensch.

Unbekannt
Beiträge: 7
Registriert: Montag 28. Juni 2021, 18:41

Re: Rentenreform

Beitrag von Unbekannt »

Leo Ladig hat geschrieben: Donnerstag 1. Juli 2021, 06:53 Das geht natürlich nur über Staatskosten. Man kann die Leute ja nicht nachträglich privat absichern. Für kommende Generationen würde ich ein privates Modell aber trotzdem favorisieren. Alles andere ist ja im Grunde nichts weiter als ein Versprechen des Staates, in 30 Jahren gut für dich zu sorgen. Was dann ist, weiß kein Mensch.
Das wäre in der Tat eine denkbare Option.

Antworten