Entpolitisierende Mystik

Mit “Repressiver Liberalismus” hat ein Artikel des Blogs quintacolumna Aufmerksamkeit im dissident-konservativen Resonanzraum erregt. Warum die theoretischen und strategischen Argumentationslinien des Artikels nicht nur falsch, sondern potentiell schädlich sind, legen wir in dieser Intervention dar.

Vom Scheitern

Der Artikel, auf den wir im Folgenden eingehen, ist hier abrufbar. Weil wir ihn intensiv besprechen, aber nicht in Gänze zitieren werden, ist jedem interessierten Leser seine Lektüre empfohlen. Es handelt sich in Stil und Aufmachung um einen typischen ‘rechts-woken‘ – sprich: dem Anspruch nach avantgardistischen – Text, inklusive stilisierter Handgranate im Thumbnail, fantasie-lateinischer Überschrift und französischem Neofolk. Dies ist zwar nicht der Stil der konflikt-Redaktion, aber wir haben auch nichts gegen ihn. Wogegen wir jedoch etwas haben, ist, wenn diese Stilmittel verwendet werden, um einem blackpillenden und fundamental entpolitisierenden Aussteigertext den Anschein besonderer theoretischer Klarsicht zu verpassen. Dabei geben wir uns im Folgenden größte Mühe, unsere Kritik hart und – wo nötig – auch polemisch zu formulieren, ohne die Autoren oder ihr Umfeld persönlich anzugreifen. Wir haben nichts gegen sie, und wir schätzen ihr etwaiges aktivistisches Engagement. Aber mit diesem Text schaden sie potentiell der jungen konservativen Bewegung, weshalb wir ihn in der Sache auseinandernehmen müssen.

Der Artikel beginnt mit einer Rekapitulation rechtspopulistischer Entwicklungen seit den späten Nullerjahren: Die FPÖ sei an ihrer eigenen Personalschwäche und den politischen Ränkespielen gescheitert, der AfD mangele es trotz 30% in ostdeutschen Bundesländern an metapolitischem Einfluss. Schon hier wird eine entschieden pessimistische Perspektive deutlich: Dass die erste ernstzunehmende konservative Kraft der letzten Dekaden innerhalb weniger Jahre die halbe Bundesrepublik politisch neu formiert hat, wird in einem Halbsatz abgehandelt. Es scheint, als seien die Autoren sehr ungeduldig – dass Metapolitik ein Kämpfen und Ringen über Generationen ist, dass Ergebnisse nicht innerhalb von 10-20 Jahren direkt erkennbar sind und dass die Früchte unserer Arbeit wohl erst unsere Nachkommen ernten werden, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Der linksliberale Mainstream hat 1968 schließlich auch nicht unumwunden das Szepter in die Hand genommen. Die Ideen und ihre Urheber waren älter als die BRD, und der heutige Zustand des Westens geht auf Entwicklungen zurück, die vor zwei oder drei Jahrhunderten begannen.

Doch solche Realitäten finden im Artikel gar keine Berücksichtigung – ebenso wie ihre weitreichenden Implikationen. Stattdessen werden die Erfahrungen eines Jahrzehntes isoliert betrachtet und verallgemeinert. Somit kommt es jedoch zu einer Verwirrung der Ebenen: Die Autoren wollen eine strategische Frage mittels taktischer Lösungen beantworten. Sie betrachten gar nicht das long game, welches aber bezüglich der metapolitischen Herausforderung, vor der wir stehen, immer am Horizont zu erkennen sein muss. Gramsci spricht in seinen Gefängnisheften bezüglich der modernen Politik von einem Stellungskrieg, den er vom Bewegungskrieg abgrenzt. Der Stellungskrieg ist laut ihm der Modus Operandi in den westeuropäischen Gesellschaften: Schritt um Schritt muss die Hegemonie in der Zivilgesellschaft erobert werden. Eine Kulturrevolution ist also eine langfristige, organisch wachsende Entwicklung, die nicht von einzelnen Akteuren innerhalb eines Jahrzehnts bewältigt werden kann. Wenn man vor diesem Hintergrund einen isolierten Moment zur Gesamtperspektive aufbläst, kommt man gar nicht um den Pessimismus herum.

Ähnlich verhält es sich im Artikel mit dem Blick über den großen Teich: Tatsächlich hat Trump insbesondere in den Jahren 2018/19 viele seiner Kernwähler enttäuscht. Doch ebenso relevant sind seine jüngeren Personalentscheidungen – er ersetzt zunehmend neokonservative Akteure durch echte Konservative – und die Tatsache, dass die Grenzmauer trotz erheblichem Widerstand aus dem Staatsapparat und den Medien tatsächlich seit 2020 gebaut wird, während Trump seit Beginn der Amtszeit über 400 Exekutivverordnungen zur Einschränkung der Immigration erlassen hat. Zudem gilt: Wer Trump wirklich in chiliastischer Manier als Heilsbringer sah und dachte, mit ihm würde es 2016 eine komplette Abwicklung der liberalen Gesellschaft geben, missversteht die Situation in den USA. Wie soll ein Regierungschef innerhalb von vier Jahren die Fehlentwicklungen von Generationen zurückdrehen? Trump war nie das Ende des Kampfes, sondern nur der Anfang. Und dass Steve Bannon rausgeflogen ist, hängt vor allem damit zusammen, dass er aus Geltungsdrang interne Dokumente geleakt hat. Nun sind wir kein amerikanisches pro-Trump-Magazin, aber eine dermaßen einseitig-negative Darstellung seiner Politik lassen wir nicht unkommentiert stehen.

Auf die CPI wollen wir nicht groß eingehen. Es sollte niemanden wundern, dass diese Partei mit ihrem Auftreten keinen müden Pfennig gewinnt. Was auch immer man von ihrem Programm halten mag: Ihre Optik ist verbrannt, und ihr Revolutionsmythos ist tot. Dabei zeichneten sich ihre vermeintlichen Vorbilder doch gerade dadurch aus, etwas radikal Neues zu schaffen und jede Symbolik zu vermeiden, die mit historischer Niederlage assoziiert war. Die besten Jahre solcher Bewegungen sind jedenfalls seit 75 Jahren vorbei, und nicht erst seit dem Jahr 2019, wie quintacolumna schreibt.

Mit der IB verhält es sich anders, denn sie hat tatsächlich mit ihrem “patriotischen Minimalkonsens” – also der Abwendung und Umkehr der Ersetzungsmigration mit friedlichen Mitteln – auf vielen Feldern neue Akzente gesetzt. So hat sie es geschafft, eine Mauer des Schweigens zu durchbrechen und mittels Aktivismus erstmals seit langer Zeit die Themen Migration, Identität und Nation auf die Agenda zu setzen. Zuvor waren diese Themen außerhalb von JU-Kneipenabenden und altrechten Kreisen nicht zu vernehmen, sodass der politisch-mediale Komplex sie leicht ignorieren konnte. Martin Sellner auf dem Brandenburger Tor war hingegen nicht leicht zu ignorieren – und im selben Maße, wie die IB das totalitäre System kitzelte und zu Reaktionen zwang, wurden diskursive Nischen für Rechte und Konservative erkämpft. Die IB in einem Kontext mit der CPI zu nennen, halten wir schon deshalb für falsch, weil sie von Anfang an explizit nicht an eine verbrannte Ideologie anknüpfte. Wenn ihr aktivistisches Potenzial also ausgeschöpft ist – und dies impliziert der Artikel – liegen die Gründe an anderer Stelle.

Illusion und Repression

Wie die Autoren schreiben, standen der aktivistischen Agitation der 2010er-Jahre drei Faktoren gegenüber: Einerseits die direkte Repression seitens staatlicher Organe, andererseits die mediale Dämonisierung, und schließlich das Ausbleiben eines großen Erwachens der sog. “schweigenden Mehrheit”. Dass es diese “schweigende Mehrheit” nicht gibt, zeigt sich nicht erst an den ausbleibenden Triumphsiegen rechter Parteien – im Gegenteil sollte schon die Alltagserfahrung eines jeden Schülers, eines jeden Studenten und eines jeden Büroangestellten ausreichen, um festzustellen, dass die globalistische Ideologie bis in die unteren Schichten hinein hegemonial im Denken verankert ist. Wenn es nicht so wäre, bräuchte es keine konservativen Dissidenten und keine Metapolitik, sondern nur einen mehr oder weniger charismatischen Saalredner, um den historischen Kurs zu wenden. Eine schweigende Mehrheit mag es in der Spätphase der DDR gegeben haben, als die Herrschaft im Wesentlichen eine repressive war; in ideologisch-totalitären Systemen wie unserem kann es sie jedoch gar nicht geben. Wenn Alain de Benoist diesen Mythos bereits in den 1980er-Jahren dekonstruierte, fragen wir uns, warum der Artikel die Desillusionierung hierüber nun als neue Erkenntnis darstellt.

Dies führt uns zu den anderen beiden Faktoren, die im Text unter dem Punkt der Repression zusammengefasst werden: Einerseits die eigentliche (para-)staatliche Repression durch Verfolgungsbehörden, Justiz und Antifa, sowie andererseits die mediale Hetze. Tatsächlich sympathisieren wir an dieser Stelle – bei aller Kritik am Artikel – explizit mit seinen Autoren: Jede Repression, die sie und ihr Umfeld für ihren friedlichen Aktivismus erfahren haben mögen, war eine Ungerechtigkeit, und als solche müsste sie durch Anerkennung, Entschädigung und juristische Rechenschaft der Verantwortlichen wiedergutgemacht werden. Es steht uns fern, aus dem Elfenbeinturm mit dem Finger auf patriotische Aktivisten zu zeigen – auch dann, wenn wir mit ihren Ideen nicht konform gehen.

Aber was wir an dieser Stelle verhandeln, ist nicht der Aktivismus, sondern der Artikel von quintacolumna. Und in diesem Artikel wird nun tatsächlich die ideologische & repressive Totalität der (neo-)liberalen Ordnung als eine schwerwiegende und augenöffnende neue Erkenntnis verhandelt, vor deren Hintergrund man alle bisherige Strategie neu überdenken müsse. Damit situiert man sich auf einer merkwürdigen parallelen Zeitachse, die dem avantgardistischen Anspruch des Artikels krass widerspricht: Ist es für die Autoren wirklich eine neue, mühsam erworbene Erkenntnis, dass der Liberalismus den authentischen Konservatismus und die Volksidentität mit allen Mitteln bekämpft? Haben sie wirklich erst kürzlich entdeckt, dass vor jedem konkreten politischen Wandel ein langwieriger metapolitischer Kampf um Hegemonie stattfinden muss, der nicht innerhalb eines einzigen Jahrzehntes gewonnen werden kann? Wieder werden Konzepte, die die Neue Rechte seit Jahren als Gemeinplätze diskutiert, als bahnbrechende Einsichten präsentiert. Es ist, als würde ein Marxist im Oktober 2020 seinen Genossen die erschütternde Entdeckung mitteilen, dass das Kapital die Arbeiter ausbeutet.

Blackpilled

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Autoren angesichts ihrer jüngsten Erkenntnisse in eine politische Hoffnungslosigkeit stürzen. Jahrelang müssen ihnen gerade die Begriffe, die eigentlich einen rechten Zugang zur Analyse der Gegenwart vermitteln sollen, genau dabei im Wege gestanden haben. Zum Beispiel können sie, wenn ihnen erst jetzt die Totalität der herrschenden Ideologie bewusst geworden ist, das eigene dissidente Handeln nie recht in seiner metapolitischen Dimension eingeordnet haben. Und wenn die Redpill nicht wirkt, folgt der Griff zur Blackpill: Sowohl die Gegenwartsanalyse als auch der Strategievorschlag des Artikels weisen in diese Richtung.

Zuerst wird der AfD die Fähigkeit abgesprochen, wirklich etwas zu verändern. Mit läppischen 30% im Osten sei “noch kein Staat umzudrehen und der Zugang zur exekutiven Macht gelang bislang [gemeint sind die sechs Jahre seit den ersten Landtagseinzügen] ebenso wenig.” Das Maß an Pessimismus droht schon an dieser Stelle überzulaufen. Man kann die Begrenzung wirklicher Erfolge auf Ostdeutschland zweifellos problematisieren, ebenso wie die liberalkonservative Hegemonie in den westdeutschen Verbänden. Aber über die gewaltige Akkumulation von Wahlerfolgen und damit einhergehendem Strukturaufbau in den neuen Bundesländern einfach mit dem Gestus der überlegenen Avantgarde hinwegzuziehen – und das, obwohl man dem avantgardistischen Anspruch ausgerechnet in der Theoriebildung nicht gerecht wird – ist kontraproduktiv.

Der nächste Absatz über die US-Wahlen wiederholt die Clichés vom Anfang noch einmal, und langsam fühlt man sich, als würde man Rechtstwitterfäden lesen: “Selbst wenn Trump 2020 noch einmal Wahlen gewinnt, sind es doch bloß vier weitere Jahre des Bisherigen, also eine unverminderte Liberalisierung des Westens.” Das stimmt einfach nicht, auch wenn Richard Spencer et al. das täglich behaupten. Die jungen Republikaner, allen voran die sog. Zoomer, tendieren stärker denn je zu einem nationalistisch-populistischen America First-Kurs, wie er unter anderem von ihrer Schlüsselfigur, dem 22-jährigen Nicholas J. Fuentes, sowie von Patrick Casey, Scott Greer oder der langjährigen paläokonservativen Kommentatorin Michelle Malkin vertreten wird. Ist es ein garantierter Automatismus, dass sich diese aufstrebende Bewegung gegen die Neokonservativen durchsetzen wird? Nein – ebenso wenig, wie ein Wahlsieg Trumps garantiert ist. Aber diese zentralen Entwicklungen einfach zu ignorieren – oder schlimmer noch: sie unwissend zu übergehen – kann bei einem informierten Leser nur Widerspruch auslösen.

Auf diese doppelte Fehleinschätzung des deutschen und amerikanischen rechten Parteispektrums folgt ein Abgesang auf den identitären Aktivismus. Dieser habe zwar einerseits den liberalen Staat gezwungen, sein wahres Gesicht zu zeigen; andererseits ließe er sich aber nicht weiterführen, weil die “Grenzkosten” zu hoch und die Unterstützung vonseiten der rechtspopulistischen Parteien zu gering seien. In diesen Punkten mögen die Autoren Recht haben – zumindest wird in dieser Passage, wie in den anderen Passagen zur IB, deutlich, dass sie wissen, wovon sie reden. Allerdings fehlt dem Artikel auch hier der theoretische Weitblick, um einzuschätzen, was Aktivismus leisten kann. Zweifellos hat die IB über Jahre hinweg regelmäßig Themen auf die politische Tagesordnung gesetzt, die die Medien sonst lieber verschwiegen hätten – und sie hat mit Sicherheit wesentlich mehr jungen Menschen die Möglichkeit des grundsätzlichen Dissens aufgezeigt, als ihre ehemaligen und verbleibenden Mitglieder sich ausmalen mögen. Als internes Papier, um etwa den eigenen Ausstieg aus dem Aktivismus zu begründen, könnten wir den abschließenden Gestus an dieser Stelle nachvollziehen. Aber als Teil eines veröffentlichten Beitrags zur Theoriebildung schießt auch dieser Abschnitt am Ziel vorbei – und ihm muss in demselben Maße vehement widersprochen werden, wie er potentiell demoralisierend auf junge Konservative wirkt.

Clash of Clans

Nun kommen wir zum eigentlich problematischen Teil des Artikels. Wäre es nur das bis hierhin Kritisierte gewesen, wären wir nicht in Länge auf ihn eingegangen. Doch der letzte Abschnitt, “Von neuen Wegen”, leitet aus der grundfalschen Theorie eine ebenso falsche Strategie ab.

Zunächst werden die “neuen” Erkenntnisse wiederholt: “Was nun, wenn von Rechtspopulisten nichts zu erwarten ist und die bisherigen Wege der außerparlamentarischen Bewegungen erschöpft sind? Was, wenn die ‘schweigende Mehrheit’ gar nicht existiert und wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass ‘wir’ bereits in der Minderheit sind? Vielleicht sind wir es nicht biologisch, aber politisch.” Man kann es nicht oft genug sagen: Diese Erkenntnisse bilden den Ausgangspunkt jeder dissident-konservativen Theorie – sie sind ebenso grundlegend wie simpel, und die Tatsache, dass sie hier als großes Umdenken präsentiert werden, ist fatal. Und wie als würde der Artikel es darauf anlegen, diese Fatalität noch zu übertrumpfen, wird dem Leser direkt im selben Absatz noch die innere Emigration ans Herz gelegt. Dabei macht es einen sehr großen Unterschied, ob man althergebrachte Wahrheiten weiterreicht, oder man dieselben als neue Einsichten verkauft – Letzteres suggeriert gerade jungen Lesern die Erwartungshaltung, es hier mit der absoluten Avantgarde zu tun zu haben.

Dieser Anspruch wird im nächsten Absatz nachgerade ad absurdum geführt: Weil man den Liberalismus, den man mit ca. 100 Jahren Verspätung nun als Hauptfeind erkannt haben möchte, nicht im Staate besiegen könne, will man an die Wurzel gehen (“was viel natürlicher wäre”) und “den Liberalismus in uns selbst überwinden.” Wir ersparen uns Einlassungen darüber, wie der Liberalismus in die Autoren hineingeraten sein und wo genau er sich dort verstecken könnte. Was wir jedoch feststellen müssen: Wie jede Spielart kleinbürgerlicher Esoterik führt auch dieses Programm der inneren Überwindung in ebenso ahistorische wie entpolitisierende Absagen an die realen Verhältnisse: “Der Nationalstaat, der ohnehin nur Usurpator unserer ethnokulturellen Identität war, ist faktisch Geschichte. Was wir heute sehen, ist bloß die Vergangenheit von morgen[!]. Er besteht nur noch als liberale Verwaltungsorganisation.” Der Nationalstaat sei also nicht mehr zu retten, weshalb man den nationalen Bezug aufgeben und stattdessen “sehen [müsse], wer von den Menschen europäischer Abstammung noch Europäer sein will und was Europäertum neben der Abstammung überhaupt bedeutet.”

Wir müssen an dieser Stelle einem möglichen Missverständnis vorbeugen: quintacolumna argumentiert hier dezidiert nicht für eine europäische Staatlichkeit, die über den klassischen Nationalstaat hinausgeht. Sie predigen keinen utopischen Europaradikalismus – weder auf Basis der Auflösung klassischer Nationalstaaten, noch ihrer Föderalisierung. Denn was in jeder dieser Spielarten am Ende herauskommen würde, wäre doch wieder ein Nationalstaat, oder zumindest ein supranationales Gefüge, in dem die nationalstaatlichen Elemente aufgehoben sind – und eben das soll ja gar nicht mehr möglich sein. Ganz im Gegenteil wollen die Autoren hin zu einem poststaatlichen Zustand, in welchem sich Europäer – die dann anscheinend keine Deutschen oder Franzosen mehr sein sollen – auf Basis ihres “Europäertums” zu “Clans” zusammenschließen: Zu “neuen Gemeinschaftsentwürfen”, die gewissermaßen analog zu migrantischen Parallelgesellschaften unterhalb der nationalstaatlichen Ebene gedeihen und mit dieser nur instrumentell interagieren. Natürlich soll dieses Projekt dezidiert keinen “Rückzug ins ‘Private'” darstellen, sondern den Aufbau “neuer Stämme, neuer ethnischer Gemeinschaften”, die den “Individualismus liberaler Prägung in einem neuen ‘wir'” überwinden und dann endlich “nicht mehr primär gegen etwas, sondern für etwas” kämpfen.

Dieser Ansatz führt auf allen Ebenen in die falsche Richtung. Zuallererst ist auch diese Idee nicht wirklich das Neue, wofür sie sich ausgibt; im Gegenteil erinnert sie stark an die anarchistischen Ideen des ausgehenden 19. Jahrhunderts und hat mit diesen zuallererst gemein, dass sie den Staat nicht als genuinen Ausdruck europäischen Volkstums, sondern als rein aufoktroyiertes, an und für sich volksfeindliches Gestell deutet. Doch dass eine solche genealogische Einordnung des eigenen Denkens ausbleibt, verblasst noch vor den gravierenden inhaltlichen Fehlern dieses Strategieentwurfs.

Zunächst ist da das Offensichtliche: Wie Martin Sellner in seinem aktuellen Sezession-Artikel in vorausschauender Ahnung argumentiert, können autochthone Parallelgesellschaften von den Herrschenden niemals auf dieselbe Art toleriert werden wie migrantische Parallelgesellschaften. Wer denkt, dass man die scheinbar erfolgreichen Lebensweisen ethnischer Minderheiten adaptieren könnte, um dem Staat Freiräume abzuringen, hat noch immer nicht verstanden, dass die Ersetzungsmigration samt Bildung von Parallelgesellschaften politisch gewollt ist. Wenn er wollte, könnte der liberale Staat auch die migrantischen Parallelgesellschaften im Nu zerschlagen – denn er ist kein Papiertiger, sondern ein totalitärer Herrschaftsapparat, wie der Artikel gerade erst auftrumpfend festgestellt hat. Doch nun ist er wieder hinter diese Erkenntnis zurückgefallen und hält den liberalen Staat erneut für das, als was er sich selbst darstellt: Einen schlaftrunkenen Nachtwächter, dem man Schnippchen schlagen kann.

Eigentlich müsste man gar nicht lange nachdenken, um etwa zu dem Schluss zu gelangen, dass auch die Zeitgenossen des Biedermeier den “Rückzug ins Private” nicht wählten, weil sie sich bewusst ins Private zurückziehen wollten, sondern weil ihnen angesichts ihrer politischen Ohnmacht schlicht nichts anderes übrig blieb. Sich ostentativ von ihnen abzugrenzen, als hätten jene sich kollektiv gegen die Politik entscheiden, während man selbst faktisch für genau dasselbe plädiert – nur mit EVROPA-Optik – ist nur ein weiterer Eintrag im Katalog der Widersprüche. Auch an dieser Stelle entsteht unweigerlich der Eindruck, dass hier der Anfang einer theoretischen Selbstreflexion und -kritik gefunden wird, die jahrelang ausblieb – das ist aber wiederum definitiv keine Grundlage für einen theoretischen und/oder strategischen Debattenbeitrag.

Und so geht es immer weiter: Im selben Maße, wie der Artikel ein postnational-existenzialistisches Kali Yuga feat. Mad Max-Szenario evozieren will, scheinen seine Autoren selbst nicht zu sehen, dass sie sich typisch postmodern an sinnentleerten Signifikanten abarbeiten: So wie ganz selbstverständlich mit Begriffen wie Metapolitik und Liberalismus umgegangen wird, obwohl der historische Gehalt dieser Begriffe erst beim Schreiben des Artikels klargeworden zu sein scheint, referenzieren sie den Biedermeier und die “Flucht ins ‘Private'” als historische Bewegungen, von denen man sich abgrenzen könnte, anstatt in ihnen Beschreibungen derselben objektiven Auflösungsprozesse politischer Bewegungen zu erkennen, für die sie selbst – auf klassisch kleinbürgerlich-anarchistische Weise, nämlich mystifizierend – werben.

Fazit

Darauf, dass es ein “Europäertum” losgelöst von den konkreten nationalen Identitäten nur in Brüssel gibt, andererseits aber ausgerechnet die Abwesenheit von “Clans” im eigentlichen Sinne seit der Durchsetzung des Inzesttabus tatsächlich eine kulturelle Konstante fast aller Europäer darstellt, müssen wir nicht weiter eingehen. Es wäre sinnlos, die vorgestellte Strategie weiter einem Realitätsprinzip oder auch nur einem sehr weit gefassten Möglichkeitssinn entgegenzustellen. Es ist auch leider nicht so, dass sie zu weit gedacht wäre, ihrer Zeit und ihren Menschen in vielen Punkten zu weit voraus – auch wenn der Artikel dies in Aufmachung und Duktus gerne implizieren möchte. Tatsächlich ist sie einfach kurzsichtig und falsch – schlechte Theorie trifft auf fehlgeleitete Intuition. Dies alles wird überlagert von einer Ästhetik, die leider schon auszureichen scheint, um vielen im patriotischen Lager – darunter vielen Guten – die Erwartungshaltung zu suggerieren, dass hier etwas Tiefgründiges, Einschneidendes präsentiert wird.

Natürlich ist nicht alles zu einhundert Prozent falsch, was quintacolumna in dem Artikel schreibt. So weisen etwa die Abschnitte über den Aktivismus und dessen Repression auf einen persönlichen Erfahrungshorizont hin, den wir nicht kleinreden wollen. Weiterhin ist es beispielsweise komplett richtig, dass man “ein rein am subjektiven Nutzen orientiertes” – kurz: ein instrumentelles – “Verhältnis zum liberalen Staat entwickeln” sollte. Nur wissen Konservative dies schon seit den ’20ern (den 1920ern), und besondere Exoten könnten den einen oder anderen Anklang sogar schon bei Lenin gefunden haben. Welches Verhältnis pflegte man denn bitte bisher im quintacolumna-Umfeld zum liberalen Staat, etwa ein untertänig-loyales?

Abgesehen davon steckt sogar in der Vorstellung einer “Vielzahl an neuen Gemeinschaftsentwürfen” ein gewisser Wahrheitskern, nämlich der notwendige Facettenreichtum einer Mosaikrechten im Angesicht der überkomplexen Gegenwart. Ebenso braucht es selbstverständlich langfristige, intensive Vernetzung und ein damit verbundenes Wiederaufleben von Prinzipien wie Verbindlichkeit und Treue, um als konservative Kraft den metapolitischen Kampf gegen eine totalitäre Übermacht aufnehmen zu können. Wie für kleinbürgerliche Mystik üblich, sind im Artikel hier und dort Elemente korrekter Gegenwartsanalyse zwischen den Zeilen aufgehoben – nur eben verklärt.

Dies ist auch der Grund, warum wir nicht von einem elaborierten Hoax ausgehen, um die Leichtgläubigkeit rechter Kreise bloßzustellen. Unsere Kritik an Geisteshaltung und Motivation hinter dem Artikel kann sich nur darauf beziehen, was dort auch steht. Aber wenn die Autoren konservative Plätze wie Volk, Nation und Staat bereitwillig aufgeben, muss man zuletzt die Frage wagen, ob sie nicht mit ihrer Diagnose eines “Liberalismus in uns” doch recht haben; zumindest, was sie selbst betrifft. Indem sie einen Rückzug aus dem Allgemeinen in die vermeintlichen Handlungsspielräume der abgegrenzten Subkultur fordern, erteilen sie zugleich dem objektiven Geltungsanspruch konservativer Begriffe eine Absage – ein typischer Standpunkt des hyperindividualisierten, säkularisierten Westlers. Noch abstrakter könnte man von einer Absage an die Metaphysik und einer Bevorzugung diesseitiger gegenüber jenseitiger Transzendenz sprechen. Eine solche Absage an die Tradition im Namen der Tradition mag nietzscheanisch-existentialistisch sein – konservativ ist sie mit Sicherheit nicht. Mit der postmodernen Entgrenzung geht die Beliebigkeit einher: Warum sollte man sich für die neuen “Clans” entscheiden, und nicht etwa zum Linksautonomen werden? Warum den Universalismus nur auf Menschen europäischer Abstammung beziehen, und nicht gleich zum Islam konvertieren? Die Antwort scheint auf der Hand zu liegen: Weil die bestehenden Strukturen und Weltbilder der Autoren sich am ehesten für das “Clanwesen” eignen und man nicht erst Arabisch lernen muss. Es ist der Weg des geringsten Widerstands, der beschworen wird.

Die Wende am Schluss bringt die ganze weltanschauliche Fehljustierung noch einmal gut auf den Punkt: Im Idealfall wäre “der Kampf nicht mehr primär gegen etwas, sondern für etwas.” Das wäre wirklich sehr schön, wenn man sich das aussuchen könnte. Selbstverständlich kämpfen Konservative für etwas – für den Erhalt von Familie, Nation und Tradition. Es sind nicht wir, die irgendjemandem den Kampf angesagt hätten; es sind die Ideologischen Staatsapparate und der Virale Staatsapparat der neoliberal-globalistischen Ordnung, die uns bekämpfen und unserer Identität das Existenzrecht absprechen. Man kann einer Kriegserklärung nicht dadurch entkommen, dass man sich umbenennt und behauptet, jemand anderes zu sein – wer so denkt, hat das Wesen des Krieges nicht verstanden. Dies ist übrigens der psychologische Mehrwert, den der Artikel und ähnliche Existenzialismen ihren Autoren und Rezipienten bieten: In betont vager Unverbindlichkeit suggerieren sie einen nicht vorhandenen (fantastischen & übermäßig ästhetisierten) Handlungsspielraum und betäuben zugleich das Gefühl subjektiver Ohnmacht – zwei Kennzeichen kleinbürgerlicher Entpolitisierung.

Nach dem wissenden Geraune über die großen Potentiale kleiner Lebenswelten folgt meistens nicht direkt der Heilpraktiker-Lehrgang, sondern zunächst eine merkwürdige Leichtigkeit: So gut fühlt es sich an, das System fortan im Versteckten zu bekämpfen. Doch handelt es sich bei dieser ästhetisierten Kapitulation eben um den Wesenskern des Biedermeier. Dies ist auch der Grund, warum wir mit dem Artikel so hart ins Gericht gegangen sind. Wir kennen die Autoren hinter quintacolumna nicht persönlich und haben auch kein Interesse daran, sie persönlich anzugreifen. Uns geht es ausschließlich darum, der passivierenden und letztlich entpolitisierenden Wirkung solcher Träumereien mit der gebotenen Schärfe entgegenzutreten. Besorgt müssen wir feststellen, dass dem Artikel – sicher nicht zuletzt wegen seiner Aufmachung – einige Resonanz, aber kein Widerspruch zuteil wurde. Dem halten wir unseren entschiedenen Aufruf entgegen: Teilt den Artikel nicht unkommentiert, lest stets kritisch und boykottiert zukünftig solche Entpolitisierungsversuche im pseudo-avantgardistischen Gewand.

Aussicht

Es folgen abschließend einige strategische Anmerkungen von unserer Seite:

Gewiss ist die aktuelle parteipolitische Situation in Deutschland und Österreich ermüdend. Jedoch darf man die Erfolge unseres Lagers nicht einfach ignorieren, nur weil die FPÖ in ihrer kurzen Regierungszeit unter Strache keinen Volksstaat in Österreich ausrief oder die AfD in einigen Punkten zu Wünschen übrig lässt. Trotz dieser Entwicklung wird unser Lager stets größer, und es wächst eine Generation junger Männer und Frauen heran, die mit 17 bereits einige Kaplaken gelesen haben, sich körperlich fit halten, Tinder und Werteverfall ablehnen und den Wunsch haben, ihr Volk zu bewahren. Ältere Semester werden sich erinnern, dass es vor IB und AfD nur die unmögliche Wahl zwischen CDU und NPD gab. Jede Menge Potential wurde somit in den Abgrund der Alten Rechten gedrängt oder vom Pseudokonservatismus absorbiert – zum Vorteil unserer Gegner.

Heute sehen wir eine intellektuell versierte Rechte heranwachsen, die konkrete Antworten auf die Probleme anbieten kann, ohne alte Ideologien aufzuwärmen oder zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Anitfa und VS zu verkommen. Viele Punkte sprechen für uns und dass wir am längeren Hebel sitzen – die Jugend will rebellisch sein, der linke Mainstream-Muff an den Schulen und Universtäten stößt immer mehr Leute ab, und insgesamt etabliert sich eine konservative Einstellung als neue Gegenkultur. Nun wollen wir keinesfalls, wie die Marxisten, eine geschichtsphilosophische Gewissheit konstruieren; dennoch kann man sagen, dass die Realität für uns spricht, während der Mainstream immer weiter in Traumwelten abdriften muss.

Zum Mythos “schweigende Mehrheit” bleibt zu sagen, dass dieser natürlich niemals geglaubt werden darf, dass er aber zugleich eben doch in sich die Wahrheit über die naturgegebene Reaktivität der Volksmassen aufhebt. Das bedeutet nicht, dass die Massen immer passiv wären – im Gegenteil speisen sich populistische Bewegungen zum großen Teil aus ihrer turbulenten Eigendynamik – aber sie reagieren doch stets träge, d.h. auf den größtmöglichen augenblicklichen Impuls. Durch Metapolitik, Aktivismus und Avantgarde formen wir wiederum tatsächlich die Massen ebenso wie uns selbst – aber auf jeweils andere Art und Weise. Es ist vollkommen unrealistisch, anzunehmen, man könnte grillende Ottonormalbürger in IB-Kader verwandeln. Es ist jedoch ebenso unrealistisch, auf das Ausbleiben dieser Erweckung mit einem Rückzug in den Kreis der Auserwählten zu reagieren. In beiden Fällen zeigt man lediglich, dass man das Wesen der Massen – ihr reaktives Verhalten – nicht nur nicht verstanden hat, sondern es sogar emuliert; schließlich richtet man dann das eigene Verhalten nach dem der Massen aus.

Bei alledem bleibt zu sagen: Die konflikt-Redaktion steht umso entschiedener auf den konservativen Standpunkten von Familie und Volk, Nation und Identität. Der Nationalstaat, konkret die deutsche Nation in einem Europa der Vaterländer, ist unsere Perspektive. Wir werden dieses Schiff nicht verlassen, denn wir sind qua Geburt und Schicksal mit ihm verbunden. Dass sich dieses Schiff seit geraumer Zeit auf falschem Kurs befindet, motiviert uns nicht zum vermeintlich rettenden Sprung ins Beiboot, sondern nur zur intensiveren theoretischen und organisatorischen Bewegungsarbeit. Wir laden alle konservativen Kräfte ein, es uns gleichzutun.

  1. Weiße Bande

    Ihr redet aneinander vorbei. Ich halte die “Widerlegung” des zitierten Artikels hier für mehr als fragwürdig und will hier die Konflikt Argumentation kurz kritisieren:

    1. Ihr geht mehr wissen aus, als die Leute haben. Dies ist ein Trend, der mir auch schon bei anderen Gelegenheiten aufgefallen ist, aber wenn ihr hier die Thesen des Blogs als “nicht neu” und “schon lange bekannt” tituliert, ist das einfach dumm. Natürlich hat der Autor diese Ideen nicht als allererster gedacht, aber ihr denkt, dass euer intelektuelles Wissen allgemein bekannt wäre. Das ist es nicht. Z.B. der Mythos von der schweigenden Masse ist etwas, das in weiten Teilen der IB, in weiten Teilen der AfD und JA und selbst im NW geglaubt wird. Nur weil ihr diesen Mythos bereits verworfen habt, heißt das nicht, dass es nicht wichtig ist, diesen weiterhin zu dekonstruieren, da noch zu viele aus dem rechten Lager daran glauben.

    2. Die IB ist gescheitert. Das ist nun leider im Jahre 2020 ein Fakt. Sogar Sellner sieht das ein, auch wenn er es nicht zugibt, seine Handlungen sprechen Bände. Nicht umsonst hat er eine neue Bewegung gegründet. In Deutschland ist die IB auch am Ende. Hat sie doch in der Anfangszeit einiges an Land gut machen können, so gibt es heute kaum mehr bedeutende Aktionen. Die IBD ist seit Jahren untätig, faul und verschlafen (Und nein, Flugzettel vom WDR Gebäude zu schmeißen oder Malenki in ein Clownskostüm zu stecken zählt nicht, weil es lächerlich ist). Auch neue Projekte wie Heimat Defender mögen ein nettes Gimmik sein, aber ich denke wir sind uns einig, dass dadurch nichts erreicht wird.
    Auch die AfD ist am Ende. Anfang des Jahres stand sie noch auf der Kippe und es hätte noch etwas werden können. Aber mit den weiteren Zersetzungen von 2020, der Corona-Untätigkeit und dem Lüth-Totalversagen hat sich die Partei selbst demontiert. Man kann natürlich davon träumen, dass die AfD eine 180 Grad Wende vollzieht und sich dem SolPat zuwendet, aber das wahrscheinlichste Szenario ist, dass dies nicht passieren wird. Spätestens zur Wahl 2021 werden die letzten Einsehen müssen, dass die AfD zu dem geworden ist, was sie bekämpfen sollte.

    3. Damit kommen wir zum letzten: Ihr missversteht euch in der konkreten Strategieforderung. Konflikt geht von einer Metapolitik innerhalb der bestehenden AfD/IB/einProzent usw. Strukturen aus, der Blog-Autor verfolgt einen post-AfD Ansatz, den ich persönlich für sinnvoller halte, siehe Punkt 2.
    Dass ein kriminelles Familen-Clan-Milieu von Rechts nicht realistisch ist, ist denke och dem Autor des Blogs auch klar. Meiner Interpretation nach sind seine Ausführungen eher als ein “Bildet Banden!” zu verstehen, er shcildert ja auch, wie man da in Kulturelle und Sicherheitstechnische Lücken reingehen sollte, also wehrfähige, nach innen ideologisch gefestigte Kleinverbände zu bilden. Dies kann doch nur als sinnvoll erachtet werden, oder?
    Auch wird hier der Europa-Anspruch des Textes kritisiert. Dazu soll gesagt sein: Nur weil man den Nationalstaat für gescheitert hält, heißt das nicht, seine deutsche Identität abzugeben. Ich denke eher, dass hier gemeint ist, eine überstaatliche Verbrüderung der europäischen Völker anzustreben, quasi ein nicht-staatlicher Paneuropa-Gedanke. Dies ist sehr ähnlich zum ursprünglichen IB Gedanken und in meiner Sicht nicht nur sinnvoll, sondern unabdinglich.

    Dies soll es erstmal gewesen sein, ich hoffe ihr könnt meine Kritik nachvollziehen.

    LG, Weißebande

  2. Josua Renner

    Untergrund aufbauen (nicht plump mit martialischen Decknamen, Mitgliederlisten u.ä. sondern subtiler, “harmloser”), die Katastrophe abwarten und einen starke, interessierten Partner suchen (nein, nicht die USA)

    • Nein. “Die Katastrophe abwarten” offenbart die Geisteshaltung, die wir kritisieren: Die gesellschaftliche Entwicklung wird entpolitisiert, indem sie zum Naturzustand erklärt wird. Die Katastrophe abzuwarten, um danach neu anzufangen, ist vielleicht richtig angesichts eines Tropensturms oder eines Erdbebens – in der Politik haben solche Forderungen nichts zu suchen, dort verkommen sie unweigerlich zu Luftschlössern.

      “Tag X”-Phantasien werden von Hollywood und Videospielen suggeriert, aber sie werden unser Volk nicht retten.

      • Josua Renner

        Bei allem Respekt: Wer hat hier Phantasien? Weg mit dem Klischee, Untergrund wäre gleichbedeutend mit Terrorismus! Er bedeutet neue Handlungsfreiheit, neue Geschlossenheit, neue Rekrutierungsmöglichkeit. Wie sollte man eine Gesellschaft re-politisieren, wenn man von allen Zugängen wirksam ausgeschlossen ist und bleiben wird? Diese Gesellschaft ist bereits propagandistisch “durchgeimpft”, die Nebenwirkungen kommen erst noch. Konventionelle, berechenbare Wege verlassen!
        Alles andere mündet in die Resignation.

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