Einseitige Freundschaft – Eine Bestandsaufnahme

Als Konservativen und Patrioten geht es uns vor allem um die Zukunft unserer Nation. Leider müssen wir feststellen, dass bereits seit einigen Jahren selbsternannte Konservative nicht Deutschland an die erste Stelle ihrer politischen Botschaft setzen, sondern Israel. Dieses Phänomen ist ausgerechnet in der AfD weit verbreitet. Konflikt erläutert, warum das so ist, und was stattdessen geschehen müsste.

Schuld und Sühne

Es ist ein bekanntes Muster: Man stellt sich selbst als Freund Israels dar, um antisemitische Tendenzen zu vertuschen. Die AfD hat mit ihrer Rhetorik zu einem aggressiveren Klima in der deutschen Gesellschaft beigetragen. Leute berufen sich auf die Sprüche der AfD und verüben Gewalttaten. Daher lehnen wir jeden Kontakt mit der AfD ab.

“Nicht mehr von Schuld und Zorn geprägt”, Berliner Zeitung, 15.08.2020

Dieses ziemlich eindeutige Urteil fällte Jeremy Nissim Issacharoff, israelischer Botschafter in Berlin, am 15.08. gegenüber der Berliner Zeitung. In dem völlig unkritischen Interview mit deren Herausgeber Michael Maier äußerte der Botschafter weiterhin, AfD-Politiker, die die zentrale Rolle des deutschen Schuldbekenntnisses für das bundesrepublikanische Selbstverständnis in Frage stellen, hegten “Nostalgie für die Nazi-Vergangenheit”, und bringt sie in einen Assoziationskontext mit dem Attentat von Halle und verbalen Drohungen gegen einen jüdischen Restaurantbesitzer.

Doch das paradoxerweise “Nicht mehr von Schuld und Zorn geprägt” titelnde Interview handelt nicht nur von der schlechten Meinung des ausländischen Diplomaten über die einzige prodeutsche Partei im Bundestag. Hingegen fangen die moralischen Feindbestimmungen ganz klassisch geopolitisch an: Der Iran und andere Gegner Israels sind böse und eine Bedrohung für die Region, die Verbündeten Israels wie etwa die Vereinigten Arabischen Emirate sind hingegen ein stabilisierender Faktor. Dies ist nicht allzu überraschend, ist es doch die Aufgabe eine Botschafters, sein eigenes Land und dessen Interessen zu vertreten. Ganz selbstverständlich berichtet Issacharoff dann auch davon, dass gegenüber der Regionalmacht Russland eine Atmosphäre der Verhandlung und der gegenseitigen Anerkennung von Interessen vorherrsche.

Nicht so gegenüber Deutschland. Zufrieden stellt der Botschafter fest, dass Heiko Maaß pflichtbewusst unmittelbar nach der Bildung einer neuen israelischen Regierung vor Ort gewesen sei, um zu erläutern, was Deutschland für den Frieden in der Region – also die Unterstützung Israels gegen seine Gegner – tun könne. Schon 2018 sei Issacharoff mit der ganzen Bundesregierung in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem gewesen, und aufgrund des Einsatzes der Bundeskanzlerin Angela Merkel für “Stabilität” in der Region – d.h. ihr Bekenntnis zur Sicherheit Israels als deutscher Staatsräson – wäre “niemand in Israel unglücklich, wenn Merkel Bundeskanzlerin bleiben würde.”

Kontaktsperre

Nach einer relativ belanglosen, aber symbolisch aussagekräftigen Abhandlung über die Rollenverteilung Deutschlands (Autos) und Israels (Hochtechnologie) bei zukünftigen Kooperationen und einer Anekdote über die Stolpersteine vor der Haustür der Urgroßeltern seiner Frau – “Natürlich kann ein Stolperstein eine solche Geschichte nicht wieder gutmachen” – kommt der israelische Botschafter dann auf das Denken der Deutschen zu sprechen, das ihm nicht gefällt. Weil ein nach 1945 zunächst unterdrückter “schleichender Antisemitismus” langsam “in den Vordergrund rückt”, seien Juden heute wieder “über ihre Sicherheit besorgt.” Selbstverständlich trägt die Schuld daran die AfD:

Es gibt heute wieder Politiker in Deutschland wie einige der AfD, die die Bedeutung des Gedenkens an die Schoah nicht respektieren und die Verbrechen der Wehrmacht kleingeredet oder das Mahnmal für die ermordeten Juden in Berlin als „Schande“ bezeichnet haben.

“Nicht mehr von Schuld und Zorn geprägt”, Berliner Zeitung, 15.08.2020

Betrachten wir kurz das Framing dieser Botschaften: Der diplomatische Experte muss technisch die Wahrheit sagen. Da kein bedeutender AfD-Politiker das Gedenken an die ermordeten Juden grundsätzlich ablehnt, sondern lediglich die völlig überproportionierte Fixierung auf dieses Verbrechen kritisiert wird und Wehrmachts-Verbrechen in den historischen Kontext eingeordnet werden, kann er keine objektiv skandalwürdigen oder illegalen Aussagen zitieren. Darum muss das, was tatsächlich gesagt wird, moralisch angegriffen werden: AfD-Politiker “respektieren nicht die Bedeutung des Gedenkens” und “reden klein”, was Deutsche scheinbar groß schreiben müssen.

Das intelligente Framing bröckelt erst im letzten Satz. Das hässliche Stelenfeld in Berlin wurde nicht, wie der Botschafter behauptet, als “Schande” bezeichnet, sondern als “Denkmal der Schande”, was eindeutig darauf schließen lässt, dass für Björn Höcke die Ermordung von Juden einen Schandfleck in der deutschen Geschichte darstellt, und dass er der völlig richtigen Meinung ist, dass kein Volk der Welt sich ein Denkmal seiner historischen Schande mitten in die Hauptstadt pflanzen sollte. Ob der Botschafter diesen Gedanken nachvollziehen könnte, wenn er wollte, bleibt offen. Jedenfalls schließt er nach einem Rekurs auf die eingangs aufgezählten judenfeindlichen Taten:  “Leute berufen sich auf die Sprüche der AfD und verüben Gewalttaten. Daher lehnen wir jeden Kontakt mit der AfD ab.” Ein Beweis für diesen behaupteten Zusammenhang zwischen AfD und Gewalttaten erfolgt selbstverständlich nicht.

Bildquelle: https://www.juedische-allgemeine.de/politik/israelischer-botschafter-lehnt-kontakt-zu-afd-ab/ (aufgerufen 17.08.2020)

Alternative für Israel

Ein solcher Beweis scheint jedoch auch gar nicht nötig zu sein, denn schließlich begegnet die AfD dem Staate Israel nicht, wie es sich für eine patriotische Kraft gehören würde, wie jedem anderen ausländischen (nichteuropäischen) Staat mit einer gesunden Mischung aus interessengeleiteter Kooperationsbereitschaft und realistischem gegenseitigen Grundmisstrauen. Stattdessen versucht man durch dauernde Anbiederung und geradezu peinliche Stellungnahmen, sich als einzige konsequent proisraelische Kraft darzustellen. Gewissermaßen will man Angela Merkel beim Wort nehmen; während man der Kanzlerin durchaus zutrauen könnte, ihre Staatsräson- und andere Bekundungen zugunsten Israels vor allem aus optischem Kalkül zu verlautbaren, glaubt man in Teilen der AfD anscheinend wirklich, im Nahen Osten einen kleinen Bruder zu haben. Gerne würde man diesem gegenüber wie die amerikanischen Neokonservativen als evangelikale Schutzmacht auftreten.

So teilte die stellvertretende Bundessprecherin Beatrix von Storch am 06. August nach der Explosion in Beirut und mit Bezug auf die auch in Deutschland vertretene libanesische Hisbollah mit:

Seehofer hat sich zwar auf unseren Druck hin immerhin zu einem  Betätigungsverbot für die Hisbollah in Deutschland durchgerungen, aber die nun geltende Rechtslage wird der terroristischen Bedrohung dieser fanatischen Israelhasser und Antisemiten in keiner Weise gerecht. Wenn die ‚Welt‘-Informationen zutreffen, dass die Bundesregierung seit Monaten durch den israelischen Geheimdienst Mossad über Hisbollah-Ammoniumnitratlager in Deutschland informiert war, ist es nicht nachvollziehbar, dass Seehofer und die GroKo dem AfD-Antrag eines vollständigen Hisbollah-Verbots nicht gefolgt sind.

“Beatrix von Storch: ‘Hisbollah vollständig verbieten und alle Hisbollah-Mitglieder abschieben’”, afd.de

Selbstverständlich sollte die Abschiebung (nicht nur, aber zuerst) von Mitgliedern ausländischer Paramilitärs zur Zeit oberstes politisches Ziel einer patriotischen Parlamentskraft sein. Doch der Haken steckt in der Begründung: Nicht, dass eine ausländische, außereuropäische und nichtchristliche Kampforganisation in Deutschland feste Strukturen entwickeln kann – wofür es wiederum ein vorpolitisches Umfeld geben muss, das in die Zigtausende geht – ist Frau von Storchs Problem. Ihr Problem ist stattdessen, dass es sich bei dieser Organisation um “fanatische Israelhasser und Antisemiten” handelt. Zugleich scheint sie, bei aller berechtigten Empörung über die Untätigkeit der Bundesregierung, gar kein Problem damit zu haben, dass eine andere ausländische, außereuropäische und nichtchristliche Kampforganisation – der israelische Geheimdienst Mossad – in Deutschland aktiv zu sein scheint und daraus selbst keinen Hehl macht.

“Christen in der AfD”

Joachim Kuhs, Vorsitzender der “Christen in der AfD

Ein anderer Alternativer für Israel ist Joachim Kuhs, MdEP und Vorsitzender des Vereins Christen in der AfD. Da es sich bei der AfD um eine konservative und patriotische deutsche Partei handelt und Deutschland seit über tausend Jahren eine christliche Nation ist, lässt sich dieser Vereinigung ohne Zweifel attestieren, dass sich ihre Mitglieder für die wahren Christen halten. Sprich: Es sind Sektierer, die ihre Identität primär von ihren Kleinkirchen beziehen und diese – in absolut unchristlichem Geiste – über die eigene Nation stellen. Joachim Kuhs möchte so gerne Teil der hellseherischen israelisch-amerikanischen Neocon-Connection sein, dass er schon am 31. Juli, vier Tage vor der Explosion in Beirut, ein Statement über die Hisbollah herausgab, in welchem er die “AfD, Israel und die USA” in einem Atemzug nennt und deren geopolitische Gegner Iran, Venezuela “und andere despotische Schurkenstaaten” diffamiert. Dem Iran unterstellt er dann auch, seine “Agenten” hätten deutsche “Medien, Politik und Universitäten unterwandert” – ein Vorwurf, der gegenüber einem anderem Staat als Vorlauf zum Pogrom gewertet würde.

Juden in der AfD

Neben Kuhs Christen in der AfD, die ihre pseudochristlich-neokonservative Identität über ihre deutsche Nationalität stellen, gibt es unter den proisraelischen Kräften auch noch die Juden in der AfD. Diese schreiben in der Präambel ihrer “Grundsatzerklärung”, dass sie sich als Juden dezidiert “rechts” sehen, und sie deuten zumindest an, dass ihre Loyalität entgegen der antijüdischen Stereotype (“heimatlos, entwurzelt und somit illoyal gegenüber seinem ‘Wirtsland’”, j-afd.org) Deutschland gehört. Trotz dieser Behauptung ist der Verein Juden in der AfD jedoch ebensowenig eine konservativ-patriotische Vereinigung wie der Verein Christen in der AfD1; im Unterschied zu Letzteren ist den Juden in der AfD jedoch zugute zu halten, dass sie sich dessen bewusst sind und es offen zugeben:

Nach einer Kritik an islamischer Masseneinwanderung – die für die Juden in der AfD laut Eigenaussage vor allem deshalb ein Problem darstellt, weil “der politische Islam […] in erster Linie eine Bedrohung für Juden” darstelle – schreiben sie:

Dem Staat Israel als der nationalen Heimstatt des jüdischen Volkes fühlen wir uns verbunden, erst recht nach der Katastrophe der Schoah, die die Notwendigkeit eines autonomen  jüdischen Staates nach Jahrhunderten einer beinahe universalen Verfolgungsgeschichte einmal mehr, aber nun abschließend und unumkehrbar unter Beweis gestellt hat. Im Gegensatz zu ‚postzionistischen‘ Dissimilanten halten wir es dementsprechend nicht für beleidigend, als deutsche Juden mit Israel assoziiert zu werden und uns, wo nötig, auch zu verantworten für Handlungen der israelischen Regierung. […] „Die Deutschen lieben tote Juden, je toter sie sind, umso mehr werden sie geliebt“ (Henryk M. Broder).

Juden in der AfD: »Grundatzerklärung«

Im Anschluss an dieses offene Bekenntnis, sich einem anderen Staat als Deutschland gegenüber verantwortlich zu sehen, und direkt nach dem Zitat Henryk M. Broders bezeichnen sich die Verfasser als Teil einer jüdischen “Volksgemeinschaft”. Trotz all ihrer ausgesprochen pro-deutschen Wünsche – “Es mangelt den Deutschen daher an dem, was dem Juden selbstverständlich ist: die Pflege der eigenen Tradition, Geschichte und Herkunft” – verstehen sich die Juden in der AfD also ihrer Grundsatzerklärung nach nicht als Deutsche jüdischer Konfession und/oder Herkunft, sondern als “deutsche Juden”. Durch den ganzen Text zieht sich eine Unterscheidung in wir (Juden) und die (Deutsche); nicht-zionistische Juden werden als “Dissimilanten” bezeichnet.2

Die Strategie der Juden in der AfD liegt offensichtlich darin, dass sie sich in einem identitätsbewussten Deutschland eine bessere Zukunft erhoffen als in einem multikulturell-islamistischen Neukölln, womit sie objektiv Recht haben. Im Gegensatz zu den “Christen in der AfD” und deren universalistisch-postidentitärem Pseudochristentum wissen sie auch wenigstens selbst, worum es ihnen geht, und sie geben dies offen zu erkennen – wenngleich ihre Grundsatzerklärung auf dem Niveau eines Bahamas-Textes geschrieben ist und schon alleine deswegen die meisten Leser überfordern wird. Bei alledem stellen sie sich offen auf die Seite Israels, und ihre Loyalität zur deutschen Nation ist – laut Eigenaussage in der Grundsatzerklärung – hauptsächlich instrumentell und eigennützig. Es steht außer Frage, welchem Staat die Juden in der AfD sich zugehörig fühlen.

Liberalkonservative Manöver

Neben diesen weltanschaulichen und ethnisch-religiösen Gründen, sich als proisraelisch zu inszenieren, gibt es noch den völlig aussichtslosen Versuch, die eigene Israelsolidarität schlicht als Waffe zu verwenden, um den politischen Gegner als den wahren Antisemiten darzustellen – so, wie man ihn ja auch laufend als den wahren Faschisten bloßstellen will. So teilte Jörg Meuthen am 21. Oktober des letzten Jahres mit, Claudia Roth sei die wahre Antisemitin, denn “der Israel-Hass gehört seit jeher zur DNA der Linken, auch der grünen Linken. Ihre Antisemitismus-Vorwürfe gegen die AfD werden durch Roths eigenes Verhalten als das enttarnt, was sie sind: PR-Manöver, um vom ganz realen grünen Antisemitismus abzulenken.”3 Die Frage ist, was solche Verlautbarungen eigentlich nützen. Es scheint nicht so, als hätte Meuthen damit irgendeinen Erfolg. Immerhin kann man ihm zugute halten, dass er tatsächlich in einem gewissen Sinne patriotisch motiviert ist. Er denkt wirklich, dass ein solches Vorgehen (wie auch seine laufenden Abgrenzungen gegen rechts) der AfD und damit Deutschland dient. Ob der offen zur Schau gestellten Sinnlosigkeit verkneifen wir uns an dieser Stelle weitere Kommentare über solchen kraftlosen Opportunismus.

Ungeliebter Freund

Wie ist nun die Reaktion auf die dokumentierten Anbiederungsversuche? Zwar berichten die Juden in der AfD am Ende ihrer Grundsatzerklärung davon, dass sie einigen Zuspruch aus Israel und auch – abseits von ” in vollkommener Abhängigkeit ihrer Geldgeber stehenden Funktionären des Zentralrats” – aus jüdischen Kreisen in Deutschland erhielten. Doch scheint es sich, wenn man das offengelegte Selbstverständnis des Vereins zur Grundlage der Überlegungen nimmt, auch bei Letzteren nicht um deutsche Patrioten zu handeln, sondern um Zionisten, also um israelische Patrioten. Insgesamt verstehen sich die Juden in der AfD nicht als deutsche Patrioten, sondern schlicht als wertkonservative Zionisten in Deutschland, und es ist uns schleierhaft, wie ein solcher Verein von einer dezidiert patriotischen deutschen Partei toleriert werden kann.

Ansonsten stoßen die Anbiederungsversuche vonseiten der AfD auf wenig Gegenliebe. Die Deutsch-Israelische-Gesellschaft lud etwa laut Zeitungsberichten Mitte Februar mit Mario Mieruch einen mittlerweile fraktionslosen Ex-AfD-MdB zum Vortrag, um als Kronzeuge gegen seine frühere Partei auszusagen. Laut Mieruch, der zwischenzeitlich bis zu ihrer Auflösung der Blauen Partei in Thüringen vorgesessen hatte, ist die proisraelische Haltung der AfD rein taktisch begründet. Im Grunde, folgt man diesem Narrativ, handelt es sich bei der AfD um eine mindestens “rechtsextreme”, wenn nicht gar nationalsozialistische Partei, die – wie bei Rechtsextremen üblich – völlig anlasslos Juden zum Sündenbock und Feindbild gekoren hat, dies aber (taktisch klug, die neuen Rechten!) nicht offen zeigt, sondern sich hinter einer israelfreundlichen Maske versteckt. So und nicht anders muss der politisch-mediale Mainstream jedes noch so aufrichtige Bekenntnis der AfD zu Israel begreifen, und es wäre ganz sinnlos, ausgerechnet in dieser Frage auf die gegenteilige Wahrheit zu pochen, weil es für eine deutsche patriotische Partei auch ungeachtet solcher Medienhetze schlicht keinen guten Grund gibt, sich grundsätzlich proisraelisch zu positionieren.

Wie Israel selbst zur AfD steht, wurde eingangs schon anhand der Aussagen des israelischen Botschafters dargestellt. An dieser Stelle gilt zu betonen, dass eine israelische Regierung niemals mit einer patriotischen deutschen Partei reden wird, es sei denn, diese Partei sitzt fest an der Regierungsmacht. Noch als die FPÖ in Österreich die Außenministerin stellte, wollte man in Israel keinen Kontakt zu ihr. Wahrscheinlich würde man sich anders verhalten, wenn eine starke patriotische deutsche Regierung ohne Anbiederung an den Verhandlungstisch ruft und eindeutig kommuniziert, dass im eigenen Interesse – und nur im eigenen Interesse – verhandelt wird. Eine konservative und patriotische Kraft darf sich auf keinen Fall moralisch erpressbar geben – schon gar nicht, wenn Regierungsverantwortung in fünf bis zehn Jahren in greifbare Nähe rücken sollte. Und darauf müssen wir hinarbeiten.

Zuletzt bleibt die Frage offen, ob man sich in Deutschland eine gewisse Unterstützung durch eine breite Lobby öffentlichkeitsstarker jüdischer Organisationen erwirken kann, wenn man sich stark proisraelisch positioniert. Selbstverständlich handelt es sich hierbei um eine rhetorische Frage:

Konservatives Neuland

Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass der Begriff des Konservatismus in Deutschland von Organisationen wie der Werteunion und Personengruppen wie den sogenannten Liberalkonservativen in der AfD für sich vereinnahmt wurde. Betrachtet man den Begriff jedoch als mehr denn als Bezeichnung für bloßen Strukturerhalt oder eine tragikomische Back to the 80s-Boomer-Protestbewegung und stellt sich stattdessen die Frage, was es eigentlich in Deutschland 2020 noch zu erhalten gilt, so stellt man schnell und unkompliziert fest, dass wir die letzte Generation sind, die die ethnokulturelle Identität des deutschen Volkes einerseits nachhaltig bewahren und sie andererseits friedlich als hegemonialen Faktor auf deutschem Territorium verteidigen kann.

Wenn die desintegrativen Kräfte des neoliberalen Globalismus und der damit verbundenen Masseneinwanderung weiter wirken und Letzteres verunmöglichen – wenn also zuerst die ethnisch Deutschen und dann die assimilationsfähigen Europäer in Deutschland zu einer Minderheit werden wie die Weißen in den USA – werden friedliche konservative Antworten keinen Anklang mehr finden und keine Wirkmacht mehr entfalten können. Damit dies nicht geschieht, müssen wir jetzt handeln und stark auf die AfD einwirken; sie ist die einzige Partei, die trotz jahrelanger Medienhetze und Antifaterror eine hinreichend große Öffentlichkeitswirkung entwickeln konnte, um stabil in allen Parlamenten Präsenz zu zeigen.

Warum also dieser Artikel? Wollen wir unbedingt etwas gegen Israel unternehmen, hält uns die Existenz dieses Staates nachts wach? Nein, überhaupt nicht. Als deutschen Konservativen und Patrioten geht es uns vor allen anderen Dingen um Deutschland und um die Zukunft der deutschen Nation. Jedes Verhältnis zu inneren Gruppen und äußeren Staaten ist daran zu bemessen, ob und inwiefern es unserem Volk, unserer Kultur, unserer Wirtschaft – kurz: unserer Zukunft dient. Es gibt keinen Grund für eine Partei in unserem Sinne, eine symbiotische Beziehung zu einem fremden Staat anzustreben – vor allem dann nicht, wenn dieser Staat außerhalb Europas liegt und nicht christlich ist, und wenn die Mehrheit seiner Bevölkerung und seiner weltweiten Lobbyorganisationen die Freundschaftsgesuche nicht erwidert. Begegnung auf Augenhöhe – ja; Anbiederung und Verbrüderung – nein. Dies muss die Haltung einer konservativen deutschen Partei zu Israel sein.

Wie könnte sich so eine Haltung konkret äußern? Israel wird voraussichtlich eine wichtige Regionalmacht im Nahen Osten bleiben, zudem existieren fruchtbare Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und dem jüdischen Staat. Blickt man pragmatisch auf diese Frage, dann gibt es zumindest keinen Grund, eine dezidiert schlechte Beziehung führen zu wollen, wie es zum Beispiel diejenigen fordern, die sich mit der Sache der Palästinenser gemein machen. Andererseits darf es aber keinesfalls bei dem oben skizzierten Verhältnis bleiben, in dem deutsche Konservative sich zu Bittstellern der Israelis machen. Eine wohlwollende Neutralität und eine gewisse Offenheit bezüglich passender Zusammenarbeit sollte hier die Basis sein. Das bedeutet auch, dass man keine U-Boote an die israelische Marine verschenkt, während man gleichzeitig die Palästinenser mit Fördergeldern unterstützt – diese doppelspurige Politik fährt die Bundesregierung aktuell. Dass Deutschland wieder eine stringente Außenpolitik betreiben kann, ist nur ein weiterer Grund für die Notwendigkeit einer starken patriotischen Regierungspartei.

Anmerkungen

(1) Jeder deutsche Patriot weiß, dass Deutschland historisch eine christliche Nation ist, und dass deutscher Patriotismus somit ungeachtet des individuellen Glaubens mit der Affirmation einer christlichen nationalen Identität einhergeht. Ebenso wie ein deutscher Patriot osteuropäischer Abstammung also die deutsche Kultur vertreten und sich Mühe geben muss, sich in diese zu assimilieren (z.B. indem er seinen Kindern deutsche Namen gibt und die doppelte Staatsbürgerschaft ablehnt), muss ein deutscher Patriot nichtchristlichen Glaubens anerkennen, welche Bedeutung den traditionellen christlichen Konfessionen für die Herausbildung der deutschen Identität zugekommen ist. Konservatismus bedeutet Bewahrung der ethnokulturellen Identität eines Volkes, und dazu gehört, dass all jene Fremden, die gewillt sind und denen es erlaubt wurde, sesshaft zu werden, ihrerseits bereit sein müssen, die Traditionen der autochthonen Bevölkerung anstelle ihrer eigenen anzunehmen.

(2) Dissimiliation steht für die Juden in der AfD offensichtlich als polemische Bezeichnung für das Verhalten nicht-zionistischer Juden, also für solche, die sich nicht Israel – der staatlich verfassten jüdischen “Volksgemeinschaft” (Zitat Juden in der AfD) – zugehörig fühlen, sondern wohl (wie aus dem Kontext hervorgeht) einer postnationalen Multikulti-Gesellschaft. Im selben Sinne und ohne semantische Modifikation ließe sich der Begriff jedoch auch auf assimilationswillige Juden, also auf deutsche Patrioten jüdischer Konfession und/oder Herkunft anwenden, d.h. auf solche Juden, die nicht nur (wie die Postzionisten) ihre identitären Bindungen an die jüdische “Volksgemeinschaft” kappen, sondern die sich zugleich und stattdessen primär mit dem deutschen Volk identifizieren. Sprich: Es handelt sich bei dem Begriff Dissimilant um eine Beleidigung gegen jüdische Deutsche. Das Wort Dissimilation stammt übrigens aus der Biologie und bezeichnet die Umwandlung körpereigener zu körperfremden Stoffen. Jede andere Gruppierung, die einen ähnlich biologistischen Volksbegriff kultiviert, würde von der AfD mit einer Unvereinbarkeitserklärung belegt werden.

(3) AfD: “Jörg Meuthen: Israel-Hass gehört zur DNA der Grünen und Linken” (https://www.afd.de/joerg-meuthen-israel-hass-gehoert-zur-dna-der-gruenen-und-linken/) (aufgerufen 17.08.2020)

  1. Incognito

    Einer der wenigen Artikel zu diesem schwierigen, heiklen Thema, bei dem der Intellekt wieder durchatmen darf. Weiter so!

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