Die Neue Normalität

Dass wir in einer außergewöhnlichen Zeit leben, wird mittlerweile kaum noch jemand bestreiten. Schließlich ist das, was wir als Normalität kennen, jetzt seit über einem Jahr Geschichte. Wie es weitergehen wird, daran scheiden sich die Geister. Wahrscheinlich geht der durchschnittliche Deutsche davon aus, dass irgendwann der Ernstfall überstanden ist und wir ab einem Stichtag wieder zur Normalität zurückkehren, auch wenn uns die Medien langsam darauf vorbereiten, dass die gewohnte »Normalität« so nicht mehr vorgesehen ist. Diese Geschichte malt ein Szenario aus, wie globalistische Eliten schon in naher Zukunft unsere alltägliche Lebenswelt umgestalten könnten und durch die gegenwärtige und darauffolgende Krisen die Entwicklung zu einem technologisierten Überwachungsstaat hin forcieren könnten. Man muss kein Zukunftsforscher sein, um zu sehen, dass viele Trends derzeit in dieselbe Richtung gehen. Alles, was hier beschrieben wird, basiert entweder auf dem, was bereits angekündigt/diskutiert wird, sich hier oder im Ausland in Planung und Implementierung befindet oder als Konzept von mir zu Ende gedacht wird, um aufzuzeigen wo diese Entwicklungen hinführen könnten.

Von Constantin Schneider

Neue Normalität

Wir schreiben das Jahr 2028. Du bist 29 Jahre alt und wohnst im Ballungsraum einer deutschen Großstadt. Du arbeitest im Vertrieb in der deutschen Niederlassung eines internationalen Konzerns, der deinen vorherigen kleinen Arbeitgeber vor einigen Jahren übernommen hat. Es ist Montag und du fängst den Tag ohne Hektik an, denn das Homeoffice steht dir gesetzlich zu und du musst nicht mehr durch den morgendlichen Verkehr. Dies hat aber nicht nur Vorzüge, denn dein Arbeitgeber stellt dir hierzu eine »smarte« Webcam zur Verfügung. Diese ist mit einem KI-System verbunden, welches regelmäßig alle Mitarbeiter im Homeoffice stichprobenartig kontrolliert und bei Verstößen direkt einen Schnappschuss an den Chef weiterleitet. Pflichtbewusst sitzt du rechtzeitig am Schreibtisch und bereitest dich mental auf das »Diversity & Inclusion«-Seminar vor, welches die Personalabteilung regelmäßig und verpflichtend für alle Mitarbeiter ausrichtet und bei welchem stets neue Begriffe aus dem angloamerikanischen Raum, mehr schlecht als recht, ihren Weg in die deutsche Sprache finden. Selbst das Management kommt nicht drumherum, sich hier öffentlich zu ihren weißen Privilegien zu bekennen und zu geloben, diese zu demontieren.

Während du dem Seminar mit einem Ohr zuhörst, um nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, falls deine Abteilung von der leicht übergewichtigen und kurzhaarigen Referentin direkt angesprochen wird, bemerkst du eine neue E-Mail in deinem DHL-E-Postfach (Briefe werden generell nicht mehr zugestellt; sondern geöffnet, gescannt und als E-Mail weiterverarbeitet). Es ist ein Brief vom Finanzamt, der das Gebrabbel im Hintergrund etwas erträglicher macht, denn der Erlös aus dem Verkauf deiner Bitcoins vor zwei Jahren wurde endlich freigegeben. Diese musstest du innerhalb von drei Monaten verkaufen, da auf Drängen der EZB der Besitz und Handel von Kryptowährungen mit Einführung des digitalen Euros europaweit verboten wurde. Da alle Ein- und Ausgänge des Kryptomarktes schon lange die Identität ihrer Kunden verifizieren mussten, gab es wenige, die versuchten, das Verbot zu umgehen, und auch du wolltest nicht die empfindlichen Strafen riskieren. Die Erlöse wurden vom Finanzamt zurückgehalten und erst nach eingängiger Prüfung, Erläuterung der Herkunft dieser Werte und abschließend erhobener Sonderabgabe freigegeben. Der endgültige Erlös ist zwar nur ein Bruchteil davon, was er vor einigen Jahren wert gewesen wäre, da durch den massiven Abverkauf der europäischen Krypto-Holdings die Kurse stark abfielen, aber gleichwohl ist es immer noch gutes Geld. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass viele deiner Bekannten in der Finanz- und Währungskrise ihre gesamten Ersparnisse verloren haben.

Der reihenweise Zusammenbruch kleiner und mittlerer Unternehmen, die sich durch endlose Lockdowns und unzureichende Hilfeleistungen zuerst hoffnungslos verschuldeten und kurz darauf Konkurs anmelden mussten, hatte einen Dominoeffekt an Kreditausfällen ausgelöst, welcher schließlich das ganze Wirtschaftssystem ins Wanken brachte. Die Zentralbanken konnten dem erst nur hilflos zusehen, da sie bereits seit Jahren alle Maßnahmen anwandten, die ihnen das Währungssystem erlaubte. Doch genau, als das Problem unüberwindbar schien und Verzweiflung um sich schlug, gab die EZB bekannt, dass die Technologie für eine staatliche Digitalwährung endlich ausgereift und der Umstieg schon kurzfristig möglich sei. 

Dieser wurde sogleich auch mit Hochdruck von EZB, EU und nationalen Regierungen umgesetzt und schon nach wenigen Monaten war das Banken- und Geldsystem volldigital. Der Abschaffung des Bargeldes wurde kaum widersprochen, da viele das Vertrauen in den Euro verloren hatten und die Umstellung mit der Aussicht auf ein EZB-gesteuertes Programm für ein digitales Grundeinkommen einherging. Dieses würde den krisenbedingten Verlust von Ersparnissen kompensieren. Die Digitalwährung ermöglicht einerseits eine unkomplizierte Umsetzung des Grundeinkommens, welches nun allen Bürgern zusteht, andererseits erlaubt sie der Zentralbank auch neue Maßnahmen zur Eindämmung der Krise, wie Negativzinsen auf alle Geldbestände. So stabilisierte sich die Situation letztendlich – du behieltest mit Glück deinen Arbeitsplatz, da dein insolventer kleiner Arbeitgeber, wie viele andere auch, von einem Großkonzern aufgekauft wurde.

Nach dem Ende des Seminars machst du deine Mittagspause. Da du auf die Nudeln von gestern im Kühlschrank keine Lust hast, gehst du zum örtlichen Supermarkt. Masken sind zum Glück seit einigen Jahren nicht mehr Pflicht, aber viele tragen sie trotzdem weiterhin. Am Eingang steht ein Scanner für deine digitale ID, die sich in Form eines QR-Codes auf deinem Handy befindet. Das Scannen dieses Codes ist mittlerweile aus der Normalität des täglichen Lebens nicht mehr wegzudenken, denn es gibt kaum noch Örtlichkeiten, die man ohne grünes Licht auf dem kleinen Scanfeld an der Tür betreten kann. 

Die ID, offiziell »Digitaler Identifikations-, Gesundheits- und Gesellschaftsausweis (DIGGA)« genannt, ist eine Weiterentwicklung des digitalen Impfpasses, welcher in Rekordzeit entwickelt wurde, um einen Nachweis der COVID-Impfung bereitzustellen. Im Stress der Pandemie fand es kaum Beachtung, dass mit dem Impfpass auch gleichzeitig die Infrastruktur für einen generellen, international kompatiblen digitalen Ausweis geschaffen wurde. Was man unter Bedingungen der Normalität dem Bürger niemals hätte vermitteln können, wurde hier als vermeintlich einziger Ausweg aus einer Krise im Eiltempo umgesetzt. 

Kaum war die Technologie im Einsatz, fand sie auch Verbreitung: Zuerst als Voraussetzung für Auslandsreisen, nach einiger Zeit auch im inländischen Reiseverkehr und mit der Erweiterung um Corona-Testergebnisse bald auch im Einzelhandel und der Gastronomie, welche sich in ihrer finanziellen Not jeder Maßnahme gebeugt hätte, um wieder öffnen zu dürfen. Der anfängliche Unmut in manchen Teilen der Bevölkerung hatte sich schnell gelegt, als sie es leid wurden, nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Nach Ende der Pandemie wurden dem Impfpass dann seine Corona-spezifischen Funktionen genommen und nach einer Gesetzesreform durch viele persönliche Daten ersetzt. Der QR-Code auf dem Smartphone stellt heute nach Bedarf (und je nachdem, ob die Abfrage vom örtlichen Supermarkt, einer Airline bei der Ticketbuchung oder einer Behörde ausgeführt wird) Namen, Passfoto, Wohnort, Fingerabdruck und Patientenakte bereit. Da die Leute schon daran gewöhnt waren, die Digital-ID an fast jedem Eingang zu scannen, als sie nur ein Impfpass war, war keine große Umstellung nötig. 

Auch online ist die Digital-ID mittlerweile allgegenwärtig. Benutzerkonten jeglicher Art lassen sich nur noch erstellen, wenn man seinen Code scannt – dies wurde auf Drängen der Bundesregierung im europäischen Digitalpakt beschlossen, der damit der Anonymität im Internet endgültig ein Ende setzt. Auch lässt sich so ganz einfach online bezahlen, da es möglich ist, seine ID mit dem persönlichen Digitaleuro-Konto bei der EZB zu verknüpfen. Dieser Komfort erleichterte den meisten Bürgern die Annahme des neuen Systems noch weiter.

Du tätigst nun deinen Einkauf; die Fertigcurrywurst im Angebot soll es sein. Die 6,99€D – das D als Zusatz stammt aus der Umstellungsphase auf den Digitaleuro, als noch die Mehrwertsteuer bei digitaler Zahlung reduziert wurde, um Leute zur Umstellung zu motivieren; was letztendlich beibehalten wurde – musst du von deinem eigenen Gehalt zahlen, da sich das Grundeinkommen nicht für Fleisch, Benzin, Alkohol, Zigaretten oder Flugtickets ausgeben lässt. Auf diese Regelung einigte sich die grün-schwarze Regierung nach zähen Verhandlungen, wonach CSU und WerteUnion durchsetzten, dass es Ausnahmen für Bier und Grillkohle geben würde. Die Fleischsteuer verdoppelte letztes Jahr den Preis fleischhaltiger Gerichte dann noch einmal fast, aber selbst das hält dich und die meisten anderen Deutschen nicht von ihrer Currywurst ab. Die überall beworbenen und staatlich geförderten Fleischalternativen auf Insektenbasis werden hauptsächlich von denen gekauft, die auf ihr Grundeinkommen angewiesen sind. 

Zurück in deiner Wohnung scrollst du während des Essens durch deinen Newsfeed: Das NetzDG II wurde heute verabschiedet, damit müssen jetzt auch Likes gemeldeter Beiträge direkt beim BKA angezeigt werden, denn auch ein »Gefällt mir« auf einem entfernten Beitrag oder das Folgen von Seiten und Nutzern mit von Faktencheckern attestierter extremistischer Gesinnung ist seit kurzem strafbar. Der Kampf gegen rechts soll genau wie das Staatsziel der anti-patriarchalischen Einwanderungsgesellschaft explizit in der Verfassung verankert und somit Teil der neuen Normalität werden. 

Du scrollst weiter und liest, dass auch die geplante große Klimareform des Wohnens und des ländlichen Raumes kurz vor der endgültigen Abstimmung steht. Damit soll das ganze Land auf den Kurs gebracht werden, die Klimaziele durch Reduzierung des individuellen Co2Fußabdrucks zu erreichen. Auf dem Land dürfen dann keine Einfamilienhäuser mehr gebaut werden, ebenso werden dort keine neuen Strom-, Gas- oder Glasfaserleitungen mehr verlegt, und auf bestehende Anschlüsse werden Sondersteuern erhoben – denn laut UN sind das Landleben und die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur nicht nachhaltig. Es soll sogar eine Abwrackprämie für Einfamilienhäuser geben, mit zusätzlichen Zuschüssen, wenn man im Zusammenhang damit vom Land in eine größere Stadt zieht. Gleichzeitig sollen in den Städten neue Wohnkonzepte gefördert werden. Kleinstwohnungen (sogenannte Pods) werden gefördert, auch werden nachhaltige Raumkonzepte steuerlich begünstigt. So sollen zum Beispiel größere Wohnungen bei Abwesenheit des Besitzers für Firmenmeetings genutzt werden können.

Pünktlich zum Ende der Mittagspause bist du wieder an deinem Schreibtisch und bereit für den Rest des Arbeitstages. Nach Feierabend eilst du zu deinem Fahrrad, um zum Fitnessstudio zu fahren. Ein Auto hast du seit der Krise nicht mehr – einerseits lohnt es sich nicht, da du nur noch selten ins Büro musst, andererseits wurden elektrische Neuwagen für Normalverdiener unerschwinglich und Gebrauchtwagen mit Verbrennungsmotor mit so vielen neuen Strafsteuern belegt, dass sie nur noch kauft, wer unbedingt ein Auto braucht. Beim Studio angekommen, scannst du wie immer deine ID und trainierst. Eigentlich würdest du lieber später am Abend dein Workout machen, aber nach der Pandemie und den Unruhen der darauffolgenden Wirtschaftskrise wurde die »kurzzeitige« abendliche Ausgangssperre zum Dauerzustand. Erschöpft vom Training und frisch geduscht kommst du zu Hause an und lässt den Tag mit etwas Fernsehen ausklingen. Während du auf dem Sofa einschläfst, erzählt der Nachrichtensprecher, dass die AfD Jörg Meuthen aus der Partei ausgeschlossen hat, um ihre liberale Ausrichtung zu demonstrieren und einem eventuellen Verbotsverfahren zu entgehen. 

Fazit

Dass dies alles genau so passieren wird, ist natürlich unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Denn viele Entwicklungen der letzten Monate und Jahre gehen tendenziell in diese Richtung. Zwar war wohl einiges schon vorher langfristig geplant (und wäre wohl irgendwann unter dem Vorwand der Klimakrise nur Normalität geworden), aber die gegenwärtige Pandemie gab den Entscheidungsträgern eine einmalige Gelegenheit, die sie mit Sicherheit nicht verstreichen lassen würden. Wenn man uns aus dem Krisenmodus zurück in die Normalität entlässt, werden wir diese noch wiedererkennen?

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