Politik

Deutsche NGO will Afghanistan schaden

KabulLuftbruecke.de heißt die Website, auf der mit großen Lettern und den dazugehörigen Bildern trauriger Kinder aufgefordert wird: »Unterstütze und fordere die Rettung aller Gefährdeten aus Afghanistan«. Dass hier durch emotionale Manipulation vor allem junge Menschen dazu aufgerufen werden, sich für eine massive Umsiedlungsaktion aus Zentralasien nach Deutschland zu engagieren (von »mindestens 100.000« ist die Rede), ist nur einer der Punkte, der eigentlich für einen öffentlichen Aufschrei sorgen müsste. Die Organisatoren der verantwortlichen NGO handeln offensichtlich komplett verantwortungslos und schrecken nicht davor zurück, jeden Wirklichkeitsbezug auf dem Weg zur Verwirklichung ihrer Utopie in den Wind zu schlagen. Eigens dafür haben sie bereits ein Flugzeug gechartert:

Von allen guten Geistern verlassen sind jedoch nicht nur ihr Anliegen und ihre Öffentlichkeitsarbeit, sondern auch die Auswirkungen, die ihr Vorhaben auf das bereits zerrüttete Afghanistan haben wird. So kostspielig und widersinnig die nunmehr 20-jährige NATO-Besatzung im Rückblick auf die Ereignisse der letzten Wochen auch gewesen sein mag, so hatte sie doch immerhin einen wirklichen Nutzen für das Land Afghanistan: Es bildete sich insbesondere in Kabul eine relativ gebildete städtische Mittelschicht heraus, die in Wirtschaft und Politik eine gewisse Modernität verkörpert – freilich nicht ausreichend stark, um den Taliban etwas militärisch entgegenzusetzen, aber immerhin in der Lage, in Kabul ein Mindestmaß an technischer Infrastruktur und öffentlichen Institutionen zu betreiben.

Brain Drain

Genau diese Menschen sind es, die durch NATO-Evakuierungen und das geplante Umsiedlungsprogramm »Luftbrücke« des Berliner Vereins civilfleet-support e.V. aus dem Land geholt werden bzw. werden sollen. Wenn Letztere von »Gefährdeten« sprechen, meinen sie damit all jene, die potenziell mit der Taliban-Ideologie in Konflikt geraten könnten, also genau die gebildete Mittel- und Oberschicht Kabuls. Das Umsiedlungsprogramm ist somit auch ein direkter Angriff auf die wirtschaftliche und politische Zukunft Afghanistans und kann als krönender Abschluss der jahrzehntelangen zerstörerischen Interventionspolitik betrachtet werden, die stets humanitäre Gründe vorschob und am Ende nur Unheil über das Land brachte.

Auch in Afghanistan selbst werden immer mehr Stimmen laut, die die emigrationsbereiten Menschen auffordern, im Land zu verbleiben, da sie dort benötigt werden. So haben die Taliban unter anderem eine Generalamnestie für Regierungsbeamte angekündigt, wie die Washington Post berichtet. Damit haben sie ihren erbittertsten Gegnern, gegen die sie jahrzehntelangen Guerilla-Krieg führten, eine Möglichkeit verhießen, im Land zu verbleiben und sich am Wiederaufbau zu beteiligen. Ähnliche Entwicklungen lassen sich in Bezug auf die Integration von Mädchen und Frauen ins Bildungs- und Berufswesen ausmachen: Die Taliban haben offenbar verstanden, dass sie der Entwicklung und Sicherung ihres neuen Machtbereiches nur Steine in den Weg legen, wenn sie aus purem Dogmatismus den technologischen und sozialen Fortschritt der letzten zwanzig Jahre rückgängig machen. Dies heißt nicht, dass man die Herrschaft der Taliban oder ihre Handlungen irgendwie gut heißt oder verharmlost; doch realistisch betrachtet muss man feststellen, dass sie mit dieser Amnestie von sich aus den Willen äußern, die neue Mittelschicht möge das Land nicht verlassen, sondern vor Ort bleiben.

Und tatsächlich scheint ein nicht unwesentlicher Teil der Ausreisewilligen über Know-How zu verfügen, das Afghanistan dringend braucht: Neben Ärzten, Ingenieuren, Lehrkräften sind es auch Krankenpfleger, Handwerker und Beamte. Weiters ist anzumerken, dass wiederum eine demographische Gruppe dominiert: Junge Männer, also die wichtigste menschliche Ressource für den Wiederaufbau des nun seit Jahrzehnten kriegsgebeutelten Landes.

Wenn durch Evakuierungen und NGO-Umsiedlungsprogramme alle nun Ausreisewilligen tatsächlich Afghanistan verlassen und ein sogenannter »Brain-Drain« stattfindet, wären die Konsequenzen daraus wahrscheinlich eine noch stärker zerrüttete Nation mit erneutem Bürgerkrieg, Hungersnöten sowie dysfunktionaler kritischer Infrastruktur. Dies würde für weitere Push-Faktoren sorgen und den Teufelskreis aus Staatszerfall und Massenauswanderung verewigen. Bis auf linke Umsiedlungs-NGOs dürfte dies den Akteuren auf allen Seiten bewusst sein, einschließlich der Taliban – weshalb es noch unwahrscheinlicher scheint, dass jene auf massenhafte Säuberungsaktionen oder ähnliche Horrorszenarien abzielen. Selbstverständlich lassen sich insbesondere für volatile Regionen wie Afghanistan keine festen Prognosen treffen, aber der Trend scheint klar: In der Vergangenheit waren es stets äußere Eingriffe, die das Land destabilisiert und schlussendlich zu humanitären Tragödien geführt haben. Nun für eine gewisse Zeit penibel die Finger von Afghanistan fernzuhalten scheint nicht nur aus diesem Grund das einzig Vernünftige zu sein.

Fazit

Es gibt also nur eine naheliegende Option, die zumindest eine Chance auf eine wünschenswerte Entwicklung Afghanistans hat: Auch wenn die Mittelschicht das Land nun gerne Richtung Westen verlassen würde, muss sie im Land bleiben und beim Wiederaufbau der Krisenregion und dem Heilen alter Wunden mitwirken. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass auch der Erfolg der Taliban nicht vom Himmel fiel, sondern konkretes Produkt jahrzehntelanger Interventionspolitik und skrupelloser geopolitischer Spielchen ist. Ob Afghanistan eine Zukunft jenseits der wesentlich aus Pakistan geförderten Taliban-Bewegung haben wird, wird und muss sich durch das Handeln der Afghanen selbst entscheiden – schnell vergisst man, dass es dort auch eine Zeit vor den Taliban gab, und dass diese nun ein Land regieren müssen, in dem eine gebildete städtische Schicht mit Zugang zum Internet einen wesentlichen Faktor darstellt. Die Voraussetzung für jede positive zukünftige Entwicklung ist jedoch, dass diese Schicht im Land bleibt und insbesondere die Umsiedlungspläne grüner NGOs unterbleiben.

Noch während der Abfassung dieses Artikels wurde bekannt, dass dass die USA ihren bis zum 31. August geplanten vollständigen Truppenabzug eingeleitet haben; bereits im Laufe des heutigen Tages (25.08.2021) zogen sie erste Truppen vom Flughafen ab. Es bleibt abzuwarten, ob und wie die NGO-»Luftbrücke« versuchen wird, ihre Umsiedlungspläne dennoch durchzuführen.

  1. buckliger Versager vorm Kreuz

    Verstehe überhaupt nichts mehr: Integration von Mädchen ins Bildungs- und Berufswesen? Gerade das ist doch am Geburtenschwund schuld. Wir Vox Day schrieb: Studium nur für wirklich sehr kluge Frauen, alles andere endet sonst wie bei uns. Denn hierzulande haben fast die Hälfte studierter Frauen — Vox Day spricht vom Absolvieren der “graduate school” — keine Kinder in ihrem Leben. Auch Sarrazin merkte 2010 an, daß 1/3 der Professorinnen kinderlos bleibt.

    Davon ab liegt der mittlere IQ Afghanistans unter 80, Nahost kommt auf 84 (s. Richard Lynn: Race Differences in Intelligencs 2nd ed.). Also ist die Zahl Hochintelligenter (IQ >= 145) überschaubar.

    PS: was soll das mit der Annahme von Bücherspenden? “Alte Bücher” loswerden wollen — wer? Ein Gebildeter? Soll ich meine Bibelsammlung verscherbeln? Thor Kunkel ist doch bloß dem Zeitgeist erlegen, wenn er nur noch 200 (sic!) Bücher besitzt. Was glaubt der denn, wer er ist? Nietzsche? Kierkegaard hatte ein paar tausend und zog um die 15-17 mal im Kopenhagen um.

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