Der Kapitalist und der Wandel der Dienstleistungsindustrie

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Der Kapitalist des 21. Jahrhunderts funktioniert und denkt anders, da im Neofeudalismus neue Wege gegangen werden. Wie soll die Rechte darauf reagieren? Eine kurze Analyse.

Wenn man das Wort „Kapitalist“ liest, kommen den meisten Menschen ähnliche Bilder in den Kopf: Ein dicker, alter Mann mit Zylinder und Zigarre, ein klassischer Fabriksbesitzer der späten industriellen Revolution. Dieser Stereotyp entspringt einem konkreten Personenprofil aus einer bestimmten Zeit und stellt somit einen sozio-ökonomischen Idealtypus Weberscher Art dar – bei den nachfolgenden Beschreibungen handelt es sich ebenso um diese Art der Modellbildung.  

In unserer heutigen Dienstleistungsgesellschaft sehen die treibenden Akteure allerdings anders aus: Elon Musk oder Mark Zuckerberg und ihre Pendants erscheinen zunehmend wie der durchschnittliche Student, fotografieren ihr selbstgekochtes Essen für Social Media Likes und sind in Pullover und Jeanshose unterwegs. Das Profil des „Start-Up-Gründers“, der mit einem kleinen Team an Nerds und Studienkollegen an einer App arbeitet, die eine Marktnische revolutionieren soll, ist uns allen bekannt und bereits auch filmisch verarbeitet worden. Dass hinter den Flanell-Shirt-Trägern eine neue industrielle Revolution abläuft, wird dabei meist außer Acht gelassen.

Der Kapitalist und der Wandel des Arbeitsmarktes

Streiks, wie zum Beispiel der Streik der Arbeitnehmer des Fahrradkurier- Lieferdienst Gorilla im Oktober, zeigen auf, was Kennern der Branche schon länger bekannt ist: Zunehmend junge, primär migrantische Männer ohne wesentliche Bildung werden von Lieferdiensten angeworben, die schnelles Geld versprechen. Dieselben Konzepte findet man bei Amazon-Subunternehmen, die mit der Zustellung der Artikel des Online-Riesen betreut sind, oder aber auch dem Fahrtdienstleister Uber, der eine appgestützte Billigtaxi-Vermittlung anbietet.

Ein ebenfalls neu aufblühender Geschäftszweig ist der Online-Lebensmitteleinkauf, der sich nicht zuletzt auch im Windschatten der Corona-Maßnahmen ausbreitet. Es kommt also zu einer Forcierung der Dienstleistungsgesellschaft, in der eine neue urbane Unterklasse entsteht, die einer urbanen Mittel- und Oberschicht das Leben erleichtert; tatsächlich findet man ähnliche Infrastruktur nämlich kaum in der Peripherie. Somit handelt es sich vorerst um ein urbanes Phänomen; vor allem weil die jungen, entwurzelten Arbeitnehmer primär dort aufhältig sind.  

Der Kapitalist im Neofeudalismus

Zurück zum Bild des Kapitalisten, das sich längst gewandelt hat. Junge, hippe App-Entwickler waren es, die Start- Ups wie Gorilla zu dem machten, was sie heute sind: Vorboten einer neo-feudalen Gesellschaft, ganz in der WEF-Prägung „you will own nothing, and you will be happy“ (du wirst nichts besitzen, und du wirst zufrieden sein). Dafür bedarf es keines perfiden Top-Down Schattenplans von Klaus Schwab und Konsorten, die Umwandlung der Gesellschaft findet eben durch jene jungen, zielstrebigen Akteure ganz von allein statt. Es handelt sich hierbei viel mehr um eine sogenannte self-fulfilling prophecy. Beschleunigend wirkt zudem das Heranwachsen junger Generationen, die mit einer immer geringer werdenden Lebensqualität umgehen müssen.

Niedrigere Einstiegslöhne und unbezahlte Praktika machen es schwerer, Eigentum anzuschaffen, wodurch die Miete oft die einzige Option ist. Dies gilt nicht nur für den Wohnraum, sondern für immer mehr Aspekte des alltäglichen Lebens: „car sharing“, „e-scooter-sharing“, Abonnements für Unterhaltungsmedien wie Netflix und weitere Dienstleister sind hierbei die Vorboten des modernen Neofeudalismus. Ultimativ gibt es dann nur mehr wenig, das dem Menschen nicht ausgeliehen werden kann, wie etwa die täglichen Mahlzeiten. Statt der Bewirtschaftung eines Lehens von einem Grundherren, an den Abgaben bezahlt werden mussten, gibt es nun eine Fülle an Big-Tech-Marktbeherrschern in Form des neuen Kapitalisten, an die das Geld zur Subsistenz fließt, von großen Abgaben wie Wohnungsmiete bis hin zu Kleinstabgaben für den Streamingdienst.

Rechte Reaktion

Was sollte nun eine patriotisch-konservative Antwort darauf sein? Da Wegschauen keine Alternative ist, müssen konkrete Antworten her. Obwohl der durchschnittliche Wähler einer Rechtspartei zunächst kaum von diesen Wandlungen betroffen ist, weder groß davon profitiert noch wesentlich dadurch einbüßt, könnte ein ambivalenter Betrachter einfach denken, dass dies kein Kampf ist, den er zu kämpfen hat. Die Gefahr durch Einebnungstendenzen der Wirtschaft mit in den Sog der Abwärtsspirale gezogen zu werden, dürfte jedoch zunehmend für viele Wähler ganz konkret werden.

Diese Entwicklung trifft aber auch ein Kernthema rechter Politik, die Migrationsdebatte: Diese Branche profitiert ganz unverhohlen von der illegalen Massenmigration, und die Profiteure des Systems sind selten für Rechte ansprechbar. Der hippe Start-Up-Gründer, der locker für sein Geschäft um die Welt jettet, ist für konservative politische Kräfte in der Regel unerreichbar; er profitiert von Massenmigration, hat sein Geld oft in Steuerparadiesen und entstammt meist auch links-liberaler Sozialisierung.

Im Kontrast dazu steht der lokal verwurzelte Unternehmer, der vielleicht einen seit Generationen in Familienhand gebliebenen Betrieb hat – mit einigen Arbeitern und Angestellten – der in Ortsvereinen gebunden ist und durchaus A) daran Interesse hat, nicht von Online-Riesen verdrängt zu werden und B) auch kein Freund der Überfremdung ist. Eben jene Gruppe ist offen für patriotisch-konservative Denkansätze und Parteien, und markiert mal wieder das von Benedikt Kaiser aufgezeigte Spektrum der Politik im 21. Jahrhundert: Globalismus versus Antiglobalismus.

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