Der Montag – Kalenderwoche 43

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Heute: Éric Zemmour verfestigt seinen Vorsprung gegenüber Marine Le Pen in den Umfragen, und der fabrizierte Skandal um patriotische Verlage auf der Buchmesse geht in die zweite Runde.

Der Montag bei konflikt: Wir schauen voraus in die Woche und berichten, was woanders ignoriert wird. Tagesaktuelles, randläufige Trends, hintergründige Entwicklungen – Der Montag blickt durch das Schlüsselloch der Politik in die kommende Woche.

Zemmour vor Le Pen

Éric Zemmour steht nach Berichten des englischen Independent weiterhin vor Marine Le Pen und würde, gemäß dem jetzigen Stand der Umfragen, in ein Einzelrennen gegen Emmanuel Macron gehen. Zwar steht Macron noch immer mit deutlichem Vorsprung auf Platz 1, doch die zusammengezählten Anteile von Zemmour und Le Pen würden ihn deutlich übertrumpfen. Wenn es einem der beiden rechten Kandidaten gelingt, den anderen auszustechen und zugleich dessen Wählerbasis auf sich zu vereinen, könnte der nächste französische Präsident Éric Zemmour oder Marine Le Pen heißen.

Die beiden rechten Spitzenkandidaten unterscheiden sich dabei durch gleich mehrere Faktoren: Le Pen entstammt einer Familie, die seit Jahrzehnten die französische Rechte anführt, und besitzt mit ihrer Partei noch immer den Anspruch einer Massenorganisation mit lokaler und regionaler Verankerung, Strukturaufbau und Parteijugend im Sinne des 20. Jahrhunderts. Zemmour dagegen hat ausländische Wurzeln, ist als Fernsehpersönlichkeit und Skandalautor bekannt geworden und hat keine Parteistruktur im Rücken, sondern wie seinerzeit Donald Trump eine dezentrale, lose verbundene Anhängerschaft, die sich vor allem mit seinen Ansichten und dem Gefühl identifiziert, dass endlich einer ausspricht, was sie selbst denken.

Exemplarisch kann man anhand einiger Tweets aufzeigen, wieso Zemmour bei so vielen Franzosen gut ankommt: Am 18.10. schrieb er sinngemäß, um den französischen Sozialstaat zu erhalten ohne die Abgabenlast überbordend werden zu lassen, müssten Sozialleistungen an »étrangers« (Ausländer), die selbst keine Beiträge zahlen, gestrichen werden:

Am selben Tage schrieb er außerdem, er verstehe die Gelbwesten, denn diese seien »Opfer der Einwanderung, die sie aus den Vorstädten vertrieben hat, Opfer der Deindustrialisierung, die sie am gesellschaftlichen Fortkommen hindert, und Opfer der Energiepolitik, die auf Atomkraft verzichtet.« (Original-Tweet) In anderen Äußerungen auf der Plattform Twitter und auf seinem Telegram-Kanal appelliert der Medienstar an den Volkswillen, die Einheit der Franzosen und ihren Willen zu einer souveränen und von den USA unabhängigen Außenpolitik. Die letzten Veranstaltungen seiner aktuellen Buchtour nehmen zunehmend die Gestalt von Wahlkampfveranstaltungen mit einheitlich gekleideten jugendlichen Helfern und Bad in der Menge an, wie auf einem Video auf seinem Telegram-Kanal zu sehen ist.

Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten, und insbesondere Marine Le Pens Gegenkampagne dürfte spannend werden. Sie ist in der mehrfach benachteiligten Position, als bereits lange etablierte Politikerin (mit bedeutenden Wahlniederlagen) einem Newcomer gegenüberzustehen, der sich freier äußern kann, an keine traditionellen Parteistrukturen gebunden ist und bereits seit Monaten hinter der Fassade einer Buchtour auf Wahlkampf geht. Dass sich sogar ihr eigener Vater, der die Partei gegründet hatte und den sie 2015 ausschließen ließ, öffentlich für Zemmour ausspricht, dürfte da nur ein weiterer Nadelstich vor dem eigentlichen Wahlkampf sein.

Frankfurter Buchmesse: Schwarze Frauen nicht willkommen?

Gestern, am 24.10.2021, wurde in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Preisträgerin ist die simbabwische Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga, deren Roman Überleben im September auf Deutsch erschien. In der Begründung der Jury heißt es dazu: »Begleitet wird ihr künstlerisches Schaffen von dem jahrelangen Engagement, die Kultur in ihrem Land zu fördern – und diese insbesondere für Frauen zu öffnen. Gleichzeitig kämpft sie für Freiheitsrechte und politische Veränderungen in Simbabwe. Gegenwärtig richtet sich ihr friedlicher Protest gegen Korruption, für den Tsitsi Dangarembga auch in Kauf nimmt, von der Regierung gerichtlich verfolgt zu werden.«

Ebenso wie auf der zuvor veranstalteten Frankfurter Buchmesse gab es auch auf der Buchpreisverleihung wieder Skandalträchtiges: Weil auf der wichtigsten deutschen Buchausstellung auch der patriotische Jungeuropa-Verlag einen Stand hatte, hatte zuvor schon die deutsche Autorin Jasmina Kuhnke ihren Auftritt abgesagt. Ihre Begründung: Sie fühle sich durch die Anwesenheit der Verlagsmitarbeiter bedroht und müsse daher aus Sicherheitsgründen der Messe fernbleiben. Obwohl es vonseiten des Jungeuropa-Verlages keinerlei Drohungen oder ähnliches in Richtung Kuhnkes gegeben hatte, griffen die großen Medien ihre Absage auf und zeichneten ein angebliches Bedrohungsszenario für schwarze Autorinnen auf der Buchmesse.

Auf der Verleihung des Friedenspreises hielt zunächst der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der zuletzt durch die AWO-Affäre bundesweit bekannt wurde, eine Rede, in der er sagte, er mache sich »richtig große Sorgen«, wenn er lese, »dass Autorinnen Angst haben, nach Frankfurt zu fahren, weil sie hier auf rechtsradikale Verlage und Autoren treffen können.« (ZDF) Anschließend schritt ohne vorherige Ankündigung die Frankfurter Grünen-Stadtabgeordnete Mirriane Mahne auf die Bühne, um ihrerseits eine Brandrede gegen die Buchmesse zu halten:

»Das Paradox ist, dass wir hier in der Paulskirche, der Wiege der Demokratie, einer schwarzen Frau den Friedenspreis verleihen, aber schwarze Frauen auf genau dieser Buchmesse nicht willkommen waren. […] Und ich sage ganz klar ’nicht willkommen waren‘, weil nicht dafür gesorgt wurde, dass sie sich sicher fühlen. Das ist keine Meinungsfreiheit.«

Die Relativierung folgte also direkt auf den Punkt: Selbstverständlich sind schwarze Frauen auf der Buchmesse willkommen, weshalb sie dort auch eingeladen werden. »Nicht willkommen« bedeutet, dass sie sich dort angeblich nicht sicher fühlen könnten, weil von Mitarbeitern, Fachpublikum und Gästen eines Verlages ein Bedrohungsszenario ausgehen würde. Nur entspringt dieses Bedrohungsszenario nicht der empirischen Realität, sondern wird von linken Journalisten konstruiert, um die politische Rechte zu canceln. Gerade weil das Geschehen sich nicht auf irgendeine reale Drohung oder ähnliches bezieht, kann es theoretisch jeden treffen: Zukünftig könnten also auch Verlage wie der traditionsreiche Langen Müller Verlag, der 2020 Thilo Sarrazins migrationskritisches Buch Der Staat an seinen Grenzen veröffentlichte, zum Ziel linker Zensurversuche werden.

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