Corona und Profit: Gewinner und Verlierer der Krise – IfS-Studie von Benedikt Kaiser

-

Im Herbst letztens Jahres legte das Institut für Staatspolitik Benedikt Kaisers »Corona und Profit«-Studie vor, um erste Schlussfolgerungen aus der zu diesem Zeitpunkt 1,5 Jahre dauernden Krise zu ziehen.

Hinweis: Die Studie ist bei vielen Händlern mittlerweile vergriffen, eine neue Auflage ist aktuell nicht in Sicht, jedoch gibt es im Freilich Buchladen noch einige Exemplare zu finden! Weitere Überlegungen zum Thema Wirtschaft hat der Autor in seinem Buch Solidarischer Patriotismus dargestellt.

Corona in Deutschland: eine Geländevermessung

Kaiser beginnt die Studie mit einer Betrachtung des Gesundheitssektors und den Änderungen und Einsparungen, die in den Jahren vor der Krise unternommen wurden, um sogleich zu den parteiübergreifenden Zustimmungen zu Lockdowns und anderen Maßnahmen zu kommen. Der zuvor für schlaff und erstarrt gehaltene Staat schöpfte neue Kraft und bewies Gestaltungswillen, der von einigen Beobachtern für nicht mehr möglich gehalten wurde; Kaiser schlussfolgert aus dieser Entwicklung: »Der ideologische Parameter der verantwortlichen Akteure ungeachtet, kann auf einer wertneutralen Ebene festgestellt werden: Die Räume von Staat und Politik bleiben auch im frühen 21. Jahrhundert noch gestaltbar.«

Wer gewinnt?

Der Kern der Studie untersucht, wer wesentlich von der Krise profitieren konnte, und wer dadurch einbüßen musste: Kaiser skizziert im Zuge des Kapitels den digitalen Kapitalismus, der mit den Big Tech-Konzernen Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft die Hauptgewinner darstellt: Vor allem Amazon ist in der Krise zu enormer Größe angewachsen, und kann neben seiner Vorherrschaft im Online-Versand nun auch auf ein komplexes Netzwerk von Subunternehmen, Lagerhäusern und Logistiknetzwerken verfügen. Außerdem wurde mit dem Amazon Web Service eine Infrastruktur geschaffen, die den digitalen Speicherplatz für Cloud-Computing-Kapazitäten anderer Online-Riesen stellt: beispielsweise Twitter, Facebook und Netflix, aber auch kleinere Unternehmen sowie Schulen und Universitäten benutzen immer öfter Amazon als Anbieter. Die sich in diesen Unternehmen konsolidierende Macht geht so weit, dass sie sich immer stärker nationalstaatlicher Kontrolle entziehen können:

Staaten realisieren seit 2020 noch stärker, daß der Akteurspool von Big Tech >zu einem Staat im Staate geworden< ist, der Profite privatisiert, Finanzabgaben geschickt umgeht (…), aber die negativen Folgen seines Wirkens den Staaten und Gesellschaften aufbürdet; Markmitbewerber sehen eine Aushebelung marktwirtschaftlicher Mechanismen durch die großen Spieler im zeichen eines Oligopols; Datenschützer fürchten aufgrund der Corona-bedingten Steigerung der online verbrachten Lebenszeit den endgültig gläsernen Konsumenten etc.

Kaiser, Benedikt: Corona und Profit. Gewinner und Verlierer der Krise. Schnellroda 2021, S. 25

Weitere erwähnte Gewinner sind die Pharmakonzerne, deren Impfungen von allen Staaten händeringend eingekauft werden: der rasche Verfall der Wirkung der Impfungen sorgt indes dafür, dass es regelmäßiger Auffrischungsimpfungen bedarf, womit der Absatz stetig bleibt. Der von den Pharmakonzernen betriebene Lobbyismus ist definitiv nicht erst seit der Krise ein Phänomen, aber auch hier wächst das Umwerben der politischen Entscheidungsträger auf ein bisher ungekanntes Niveau an.

Wer verliert?

In der Frage, wer in der Coronakrise den Kürzeren gezogen hat, nimmt Benedikt Kaiser drei besonders exponierte Gruppen unter die Lupe: Soloselbstständige, Standortgebundener Mittelstand und Gastronomie/Hotelgewerbe. Vor allem von staatlicher Seite wurde hier versäumt, Auflagen und Hilfemaßnahmen klar und rechtzeitig zu kommunizieren, sowie gegebenenfalls benötigte Hilfen rasch genug auszuzahlen. Weitere Hürden waren beispielsweise die unvorhergesehenen Änderungen in dem Maßnahmenprogramm, die ein Vorausplanen vieler Unternehmer unmöglich machten. War die Konkurrenz mit Online-Riesen schon zuvor schwer, wurde sie durch Lockdowns und Schließungen des Handels annährend unmöglich gemacht. Waren einzelne Anbieter so flexibel und konnten eine Online-Bestellmöglichkeit einrichten, konnten sie diese Zeit eventuell überbrücken, doch streicht Kaiser heraus, dass sich für viele Unternehmen die Zweigleisigkeit des Online-Handels aus verschiedensten Gründen nicht als Option anbot:

Ob Kleingewerbe oder Mittelstand: Weder ein unabhängiges Modegeschäft in einer Kleinstadt noch eine mittelständische Firma mit einem Dutzend Filialen im Bekleidungssegment kann eine eigene, den modernen Konsumentenbedürfnissen entsprechende Marktplattform im Netz schaffen, mit der man die Kundenverluste durch Corona und Co. Abfedern könnte.

Kaiser, Benedikt: Corona und Profit. Gewinner und Verlierer der Krise. Schnellroda 2021, S. 39.

Wer regiert?

Unter dieser Überschrift zeigt Kaiser, dass sich der in der Ära Merkel aufgeblähte Staatsapparat mit Covid-19 zum Bemutterungsstaat (Slojterdijk) entwickelt hat. Neben Maskendeals und anderen Politinsidern, die mit exklusivem Wissen rechtzeitig auf das richtige Pferd setzen konnten, warnt er allerdings davor, Kritik an diesem Staat zur Kritik am Staat per se zu machen. Mit dem auf die Maßnahmenpolitik folgenden Widerstand vieler Bürger kam auch wieder ein alter Quälgeist zum Vorschein: der Kampf gegen rechts. So fanden sich allerhand widerständische Menschen diverser politischer Hintergründe auf einmal als Staatsfeinde gebrandmarkt wieder.

Great Reset

Diesem zunehmend als »Verschwörungstheorie« gebrandmarkten Terminus widmet Benedikt Kaiser ein eigenes, kurzes Kapitel. Beschrieben wird nicht nur der Inhalt des Buches von Klaus Schwab mit demselben Namen, sondern die generelle Transformation der Wertschöpfungsprozesse, wie wir sie kennen: »Er (der Great Reset, anm.) kann auf Entwicklungen aufbauen, die bereits vor Corona in Gang gesetzt wurden, sieht durch das Virus aber die Gelegenheit, schneller zum Ziel zu gelangen.« Im Zuge dieser Entwicklungen kommt es zur Homogenisierung der Märkte, damit einhergehende Durchdringung der Gesellschaften und Kulturen, Deskilling der arbeitenden Bevölkerung, resultierend im Neofeudalismus nach dem Motto »you will own nothing, and you will be happy«.

Zehn Tesen

Benedikt Kaiser resümiert die Studie mit Zehn Tesen zur Coronakrise wie z.B. »Die Krise ist vor allem eine emotionale Krise« und »Der gemeinsame Hauptgegner heißt Globalismus«. Kaiser sieht außerdem eine Revitalisierung kommunitaristischer Modelle – also einem Gegenentwurf zum individuellen Postmodernismus – und warnt davor, als Reaktion auf die Corona-Maßnahmenpolitik den Staat aus Prinzip entmachten zu wollen. An dieser Stelle soll nicht zu weit vorgegriffen werden; bei Interesse lohnt die Lektüre und inzwischen ist die Studie auch als PDF verfügbar. Die knapp 80 Seiten Text können erstaunlich schnell gelesen werden und enthalten wesentliche Infos, die man kennen sollte, um effektive Kritik an dem heutigen Corona-Maßnahmenregime zu üben.

Teilen

spot_img
spot_img

Letzte Artikel

spot_img

Kategorien

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein