Automatisierung und Jobpolarisierung

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Die seit Jahrzehnten stattfindende Revolution des Weltkapitals gegen die Nationen läuft gleichzeitig auf vielen Ebenen ab: Neben Globalisierung, Massenmigration und Postdemokratie umfasst sie unter anderem einen massiven Schub technischer Produktionsrationalisierung (Automatisierung) und einen dazugehörigen Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt (Jobpolarisierung). Ein Einblick in die Zusammenhänge aus volkswirtschaftlicher Sicht.

Von R. S.

Im Folgenden werden die Auswirkungen des technischen Fortschritts auf den Arbeitsmarkt diskutiert. Hierbei wird festgestellt unter welchen Umständen Unternehmen ihre Produktion automatisieren und welche Implikationen dies für die Beschäftigungsstruktur hat. Insbesondere wird hierbei das Phänomen der „Jobpolarisierung“ betrachtet, welche die  steigende Ungleichheit in der Einkommensverteilung beschreibt. Die gesellschaftlichen Folgen sowie die möglichen wirtschaftspolitische Instrumente, mit denen man dieser Entwicklung entgegen wirken könnte, werden zunächst nicht betrachtet.

Hinweis: Es handelt sich bei diesem Gastartikel um eine volkswirtschaftliche Analyse des Phänomens. Die Volkswirtschaftslehre bezieht sich grundsätzlich affirmativ auf die kapitalistische Produktionsweise, weshalb sie bestimmte Widersprüche (wie die Aufspaltung des Kapitals in konstantes und variables) nicht thematisiert. Am Ende des Artikels dazu einige Anmerkungen der Redaktion.

Einleitung

Die soziale Frage rückt im Zuge der voranschreitenden Globalisierung immer mehr in den Fokus öffentlicher Diskussionen. Ein Kernthema ist hierbei die Digitalisierung, die nicht nur in der Kommunikation Zeit und Raum überwinden lässt, sondern auch, durch Automatisierung, als Gefahr für viele Beschäftigungsverhältnisse  gilt.  Prognosen gehen davon aus, dass ca. 50% aller Berufe weltweit technisch automatisierbar sind. Derartige dramatische Vorhersagen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da sie durchaus relativierbar sind. Beispielsweise stieg die Anzahl der in der Produktion eingesetzten Roboter in den vergangenen Jahren exponentiell, ohne dass es zu einer drastischen Steigerung der Produktivität oder einer Erhöhung der Arbeitslosenquote kam. 

Konkrete strukturelle Veränderungen des Arbeitsmarktes sind im Zuge der digitalen Automatisierung jedoch durchaus erkennbar. So sind v.a. Berufe der mittleren Lohnsegmente vom Automatisierungsrisiko betroffen. Diese hatten in den vergangenen Jahren besonders mit sinkender Beschäftigung und stagnierenden Löhnen zu kämpfen. Besonders leiden hierbei Arbeiter und Angestellte, deren Berufe ein besonderes Maß repetitiver Arbeitsschritte beinhalten, gleichzeitig jedoch ein geringes Maß an sozialen Interaktionen erfordern. Zu diesen gehören insbesondere klassische Bürojobs und Berufe in der verarbeitenden Industrie. Während es also Digitalisierungsverlierer in den mittleren Lohnsegmenten gibt, steigen die Beschäftigung in den unteren und die Löhne in den oberen Segmenten. Diese steigende Ungleichverteilung der Löhne wird Jobpolarisierung genannt, da sowohl metaphorisch als auch graphisch der Arbeitsmarkt polarisiert. Dass Industriearbeiter aufgrund der Arbeitsverlagerung in Niedriglohnländern unter Druck stehen, gerät in diesem Kontext in den Hintergrund, da derartige Berufe bspw. auch in China einen Automatisierungstrend erleben. 

Theoretische Modellierung der Automatisierung

Das Automatisierungsmodell der Ökonomen Daron Acemoglu (Why Nations Fail) und Pascual Restrepo wird im Folgenden zur weiteren Erklärung der Problematik verwendet. Der Begriff „Beruf“  definiert sich als: „[erlernte] Arbeit, Tätigkeit, mit der jemand sein Geld verdient; Erwerbstätigkeit“. Hierbei fällt auf, dass ein Beruf demnach eine einzige Tätigkeit ist, mit der man seinen Lebensunterhalt erwirbt. Dies impliziert, dass ein Beruf nur aus einer einzigen Handlung besteht, was jedoch eine unzureichende Betrachtungsweise ist, da in jedem Beruf eine Reihe von Tätigkeiten erfüllt werden müssen. Ein Beruf wird im Folgenden als die Summe der in ihm erfüllten Tätigkeiten oder Aufgaben betrachtet. Die Produktion eines Gutes ist in diesem Zusammenhang die Summe der erfüllten Aufgaben, welche zur Produktion des betreffenden Gutes notwendig sind. 

Die Volkswirtschaftslehre betrachtet die Güterproduktion i.d.R. als ein Zusammenspiel von Arbeit und Kapital, wobei sich die beiden Faktoren ergänzen. Diese Betrachtungsweise wird nun spezifiziert.1 Eine Aufgabe muss nicht zwingend durch Arbeit erledigt werden, sondern kann unter Umständen auch automatisiert werden und somit durch Kapital realisiert werden.2 Ob eine Aufgabe durch Arbeit oder Kapital erfüllt wird, hängt im wesentlich davon ab, ob sie 1. technisch automatisierbar ist und, 2. welcher der Produktionsfaktoren einen größeren Kosten-Nutzen Vorteil für die Produktion aufweist. Gewisse Kapitalformen ergänzen nachwievor Arbeit, werden der Vereinfachung wegen allerdings nicht betrachtet. 

Daraus ergibt sich ein Index, der Aufgaben stetig nach ihrem Komplexitätsgrad anordnet. Komplexität muss im Kontext von Routine- und der sozialen Intensität der Aufgaben betrachtet werden. Da Maschinen kein Empathievermögen haben, fällt es schwer, Aufgaben zu automatisieren, welche ein hohes Maß an sozialer Interaktion erfordern. Routineintensive Aufgaben folgen hingegen einer standardisierten Prozedur und sind somit eher automatisierbar. Die  Komplexität ist also mehr als Komplexität für Maschinen zu verstehen. Je unkomplizierter eine Aufgabe ist, desto eher ist sie automatisierbar. Die Aufgabenerfüllung innerhalb des Indexes wird zwischen Arbeit und Kapital aufgeteilt. 

Als nächstes wird nun der technische Fortschritt betrachtet. Hierbei wird dieser in zwei Kategorien eingeordnet. Zum einen gibt es die Entwicklung neuer Automatisierungstechniken, zum anderen die „neuer Aufgaben“. Werden neue Automatisierungstechniken entwickelt und implementiert, verschiebt sich die Aufgabenverteilung zugunsten von Arbeit, sie wird also verdrängt. Bei der Einführung neuer Aufgaben gilt gegenteiliges, Arbeit wird also (wieder-) hergestellt: 

Während Digitalisierungskritiker wie Precht sich Sorgen machen, dass in naher Zukunft reihenweise Jobs wegfallen, entgegnen Befürworter, dass dies sich im Zuge neuer Tätigkeitsfelder erübrige. Tatsächlich relativieren sich die jeweiligen Standpunkte. Die eigentliche Frage ist daher, welches der beiden Argumente letztlich überwiegt. 

Um dies zu analysieren gilt es zwei wesentliche Fragestellungen zu beantworten: 

1. Inwiefern erhöhen neue Automatisierungstechniken die Produktivität?  

2. Welche Form technischen Fortschritts überwiegt langfristig?

Die Frage der Produktivität der Automatisierung spielt v.a. dann eine Rolle, wenn die Automatisierung von Aufgaben durch technische Schranken eingegrenzt wird. Sind Aufgaben durch neue technische Möglichkeiten doch automatisierbar, hat dies nicht unbedingt direkt zur Folge, dass Arbeitsplätze abgebaut werden und Löhne sinken. Je produktiver eine neue Automatisierungstechnik ist, desto eher wachsen die Produktionskapazitäten der Unternehmen. Dadurch kann auch die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften steigen, da die Ausweitung der Produktionskapazitäten eine Vergrößerung des Aufgabenindexes impliziert. Wirkt eine neue Automatisierungstechnik jedoch nicht besonders produktivitätssteigernd, wird die Verdrängung der Arbeit in der Aufgabenerfüllung nicht durch zusätzliche Produktionskapazitäten überkompensiert. Die Unternehmen fragen weniger Arbeit nach und somit sinkt in den betroffenen Aufgaben Beschäftigung und Entlohnung. Eine vollautomatisierte Tesla Fabrik produziert nicht wesentlich mehr Autos als eine herkömmliche Fabrik, die noch verstärkt auf menschliche Arbeitskräfte setzt – sie spart allerdings an Personalkosten.3

Historischer Kontext

Ob nun mehr Aufgaben automatisiert werden oder neue implementiert werden, ist das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung. Hierbei ist wichtig zu beachten, inwiefern neue Techniken überhaupt für die Implementierung neuer Aufgaben geeignet sind und welche Form des technischen Fortschritts profitabler ist. Die voranschreitende Digitalisierung von  Fehlermeldungen moderner Industrieanlagen benötigt bspw. immer weniger Routinekontrollen.  

Bei der Betrachtung des Modells in einem historischen Kontext fällt auf, dass Automatisierungstechniken immer mehr aus kostentechnischen Gründen verwirklicht werden und nicht, um die Produktivität zu steigern. Die Einführung der Dampfmaschine hatte neben extremen Produktivitätssteigerungen auch die Ausweitung von Produktionskapazitäten zur Folge, in deren Rahmen sehr viele neue Tätigkeitsfelder entstanden, wie Wartungsarbeiten oder die Produktionsaufsicht. In den vergangenen Jahrzehnten verloren die für die Beschäftigung positiven Effekte des technischen Fortschrittes jedoch an Wirkung. Produktivitätssteigerungen durch Automatisierung und neue Aufgaben kompensieren zwar damals wie heute noch Beschäftigungsverluste, allerdings findet keine Überkompensation der Verdrängung mehr statt. Die Anzahl neuer Aufgaben ist in Summe überschaubar und richtet sich meistens an hochqualifizierte Angestellte wie Informatiker oder Unternehmensberater. Produktivitätssteigerungen sind mehr als Folge von Personalkostenkürzungen zu verstehen. Weder die Erfindung des Computers noch die Einführung des Internets führten zu enormen Steigerungen der BIP, noch zur Steigerungen der Produktivitätsraten.4 Wie bereits erwähnt, steigt die Anzahl der weltweit eingesetzten Industrierobotern seit ca. 10 Jahren extrem: von einigen Tausend hin zu mehreren Millionen.

 Jobpolarisierung

Die Verdrängung von Arbeit durch Kapital auf dem Arbeitsmarkt ist kein Problem, welches alle Arbeitnehmer gleichermaßen betrifft. Es ist wichtig zu beachten, dass die Automatisierbarkeit eines Berufs mit seiner Repetitivität steigt. Immer wieder wird erwähnt, dass auch Anwälte und Bankenspezialisten hiervon betroffen sein könnten. Allerdings erfordern Berufe in den höheren Qualifikationssegmenten tendenziell ein hohes Maß an sozialer Interaktion und unterliegen somit einem geringen Automatisierungsrisiko. Berufe, welche einem hohen Risiko unterliegen, sind eher klassische Industrie- und Büroberufe, die ein sehr hohes Maß an repetitiven Arbeitsschritten besitzen. Löhne und Beschäftigung sinken in den betroffenen Segmenten.

Eine gegenläufige Entwicklung lässt sich zwar auch in den niedrigen Qualifikationssegmenten beobachten: Da diese oftmals auch ein hohes Maß an sozialer Intensität beinhalten, handelt es sich hier oftmals auch um Berufe welche u.a. aufgrund von Migrationsbewegungen anderweitig unter Druck stehen. Daher sind es primär die hohen Qualifikationssegmente, welche von einer immer intensiver werdenden Automatisierung profitieren. Dies liegt primär daran, dass sich diese sozial intensiven Berufe komplementär zu Kapital verhalten. Ihre Tätigkeiten werden im Zuge der Automatisierung immer profitabler und dadurch steigt ihre Entlohnung.  

Diese Aussagen werden durch empirische, interregionale Vergleiche bekräftigt. So wurden in den USA Gegenden mit zahlreichen Arbeitsplätzen in Industrie und Büros (Chicago, New York City) mit Gegenden verglichen, in denen eher der Tourismus- oder der Gesundheitssektor eine wichtige Rolle spielt (West Palm Beach, FL). Während sich in New York die Beschäftigungsstruktur polarisierte, veränderte sich in West Palm Beach wenig. Dies liegt daran, dass es in Florida im Gegensatz zu New York wenig zu automatisieren gibt. 

Fazit

War die Automatisierung während der Ersten Industriellen Revolution noch ein Garant für enorme Produktionssteigerungen und bedingte dadurch materiellen Wohlstand, ist sie heute eher ein Treiber für eine stetig steigende Ungleichheit der Einkommensverteilung. Das Phänomen der Jobpolarisierung steht allerdings nur symptomatisch für die Probleme, die im Zuge der Globalisierung entstanden sind.5 Sie ist allerdings ein Beispiel dafür, dass der technische Fortschritt seine Versprechungen bezüglich einer immer besser werdenden Welt immer weniger einhalten kann. Hierbei stellt sich die Frage, ob das Wirtschaftswachstum, welches der Automatisierung letztendlich zugrunde liegt, beim gegenwärtigen Stand der Rationalisierung nicht schon ausgereizt ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass die demographischen Gruppen, welche im Volksmund als „Globalisierungsgewinner“ oder „Globalisierungsverlierer“ gelten, im Wesentlichen diejenigen sind, die auch von der Automatisierung profitieren oder unter ihr leiden. In einer Welt, welche sich immer mehr verflüssigt, sind die geographisch flexiblen Anywheres auch die Profiteure der Digitalisierung. 

Um der Polarisierung des Arbeitsmarktes entgegenzuwirken, könnten bspw. Arbeitseinkommen ggü. Kapitaleinkommen besser gestellt werden. Eine Senkung der Einkommenssteuer mit einer einhergehenden Erhöhung der Kapitalertragsteuer würde das Faktorpreisverhältnis zugunsten von Arbeit verändern und somit die Automatisierungsanreize senken. Ein anderer viel diskutierter Ansatz wäre die Besteuerung von Automatisierungstechniken oder Paketen. Viel einfacher wäre es natürlich, die jeweiligen Unternehmen wie Amazon oder Google in Europa überhaupt zu besteuern. Trotzdessen scheint es, dass derartige Maßnahmen letztlich nur Symptombekämpfung sind. Es besteht dennoch Bedarf, diese zu diskutieren, um der steigende Lohnungleichheit in Industrienationen entgegenzuwirken.  

Literaturverzeichnis

D. Acemoglu, P. Restrepo (2018b), The Race Between Man and Machine: Implications of Technology for Growth, Factor Shares, and Employment, AmericanEconomic Review 108(6), 1488–1542.

D. Autor, D. Dorn (2013) The Growth of Low-Skill Service Jobs and the Polarization of the US Labor Market American Economic Review (2013), 1553-1597.

J. Atackm R. A. Margo und P. W. Rhode (2019), „Automation“ of Manufacturing in the Late Nineteenth Century: The Hand and Machine Labor Study, Journal of Economic Perspectives Vol.33, 51-70

P. Batra, J. Bughin, M. Chui, R. Ko, J. Manyika, S. Sanghvi und J. Woetzel (2017): Jobs Lost, Jobs Gained: Workforce Transitions in a Time of Automation, McKinsey Global Institute

N. Geiger, K. Prettner und J. A. Schwarzer (2018), Die Auswirkungen der Automatisierung auf Wachstum, Beschäftigung und Ungleichheit, Perspektiven der Wirtschaftspolitik (2018), 59-77.

Anmerkungen der Redaktion

1 – Der vorliegende Gastartikel analysiert das beschriebene Phänomen aus einer volkswirtschaftlichen, also Kapitalismus-immanenten Perspektive. Aus Kapitalismus-kritischer Perspektive lässt sich die strikte Trennung von Arbeit und Kapital nicht aufrechterhalten, da die Ware Arbeitskraft vom Kapitalisten ebenso auf dem Markt gekauft wird wie seine Maschinerie. Das eingesetze Kapital spaltet sich somit auf in konstantes (Produktionsanlagen etc.) und variables (Arbeitskraft) Kapital. Der Arbeitskraft kommt gegenüber allen anderen vom Kapitalisten erstandenen Waren die exklusive Eigenschaft zu, dass ihre Träger lebendige Menschen mit einem eigenen politischen Willen sind; Arbeitskraft ist somit der Kapitalbestandteil, der Widerspruch äußern kann. Dies war die ökonomische Grundlage für das Phänomen des modernen Klassenkampfes.

2 – In Anschluss an Anmerkung 1 ergibt sich, dass jede produktive Tätigkeit in der kapitalistischen Produktionsweise vom Kapital ausgeführt wird. Näht beispielsweise eine Arbeiterin eine Niete an eine Jeans, hat das variable Kapital (in Form veräußerter Arbeitskraft) gewirkt; wird die Niete hingegen von einer Maschine angenäht, wirkte das konstante Kapital. In dem Maße, in dem die Automatisierung zunimmt, schrumpft also der Anteil des variablen Kapitals an der Gesamtproduktion. Dadurch entsteht für den Kapitalisten genau so lange ein Wettbewerbsvorteil, bis die Konkurrenz seinen Automatisierungs-Vorsprung aufgeholt hat. Für den Arbeiter bedeutet dieselbe Entwicklung tendenzielle Überflüssigkeit, was mit sinkenden Löhnen und politischem Machtverlust einher geht. Für das Kapital bedeutet es tendenzielle Zentralisierung durch Zusammenfassung verschiedener (vormals konkurrierender) Kapitale zu Monopolen, da kleinere „Player“ im Wettrennen der Rationalisierung nicht autonom mithalten können.

3 – Im zweiten Beispiel (Tesla-Fabrik) sehen wir den in Anmerkung 2 beschriebenen Prozess in Reinform: Der Anteil des konstanten Kapitals steigt signifikant im Verhältnis zum Anteil des variablen Kapitals, was Tesla einen Marktvorteil verschaffen kann. Verschaffen kann, weil dafür zuerst eine massive Investition in technische Kapazitäten erfolgen muss (die Hürde an aufzuwendendem Kapital für einen solchen Produktivitätsfortschritt ist gewaltig), und weil außerdem die etablierten Autohersteller ebenso nicht schlafen und mit allen Mitteln versuchen werden, Tesla auf dem Weg zur Marktbeherrschung Steine in den Weg zu legen.

Das andere Beispiel (Vergrößerung des Aufgabenindex durch Automatisierung) entspricht strukturell der klassischen Entwicklung der Industrie vom Manufaktur- zum Fabrikbetrieb im 19. Jahrhundert: Die neuen Maschinen machten nicht den Arbeiter an sich überflüssig, sondern beraubten nur einen bestimmten Typ des Arbeiters, nämlich den spezialisierten Manufakturarbeiter, seiner Vormachtstellung. Im selben Maße, wie die Fabriken die Manufakturen ersetzten, strömten massive Anteile der vormaligen Landbevölkerung in die Städte, wo der Lebensstandard (auch der der ehemaligen gut bezahlten Manufakturarbeiter) auf ein Minimum sank. Ähnliche Entwicklungen sehen wir heute: Die vormaligen Industriearbeiter westlicher Nationen werden überflüssig und müssen in den durch „Vergrößerung des Aufgabenindex“ geschaffenen neuen Dienstleistungsmarkt einrücken – wo sie unmittelbar auf allerhand frisch eingewanderte Konkurrenten treffen, mit denen sie um Niedriglohnjobs konkurrieren.

4 – Siehe hierzu unseren Artikel zur neoliberalen Revolution: Die Erzielung von Kapitalgewinnen durch Produktionssteigerung scheint heutzutage beinahe unmöglich; die angebliche „vierte industrielle Revolution“ im Sinne von Tesla zielt wesentlich auf die maximale Senkung von Personalkosten, also die Minimierung des variablen Kapitals. Die Folge: Profite werden weiterhin primär auf den Finanzmärkten erzielt (u.a. mit teils halsbrecherischen Roulette-Spielchen wie Bitcoin), und die großen westlichen Nationalökonomien setzen wieder vermehrt auf altbewehrte politische Lösungsansätze der anhaltenden Kapitalverwertungskrise: Die USA (unter Biden) durch Intensivierung ihrer globalen Militäreinsätze, Deutschland durch ökonomische und ideologische Beschlagnahme Europas. Freilich profitieren in beiden Fällen nicht die jeweiligen Staatsvölker, sondern Wirtschaftseliten.

5 – Aus unseren vorherigen Anmerkungen ergibt sich: Globalisierung und Jobpolarisierung sind gleichermaßen Probleme, die aus der inneren Grenze der nationalstaatlich-keynesianischen Produktionsweise entstammt sind. Spätestens Anfang der 1970er-Jahre, als Kapitalgewinne nicht mehr durch Produktionssteigerung erzielt werden konnten, hätten westliche Völker ihre Volkswirtschaften demokratisch in nationalstaatliche Hand überführen müssen. In dem Moment, in dem Kapitaleigner und ihre Manager beschlossen, die Produktion zwecks Profitsteigerung in ferne Länder zu verlegen, brachen sie mit allen nationalen, sozialen und demokratischen Prinzipien. Die Verantwortlichen, beziehungsweise ihre Erben, leben seitdem vom Verrat an ihren einstigen Landsleuten.

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