Anmerkungen zum #AlmanRD

Leseempfehlung

Wenn woke Forderungen in den sozialen Medien viral gehen, spricht das Establishment gerne wohlmeinend von »Hashtag-Aktivismus«. Sind es hingegen Dissidenten, die die sozialen Medien gezielt für die Verbreitung ihrer Botschaften nutzen, ist schnell von ‚Hass und Hetze‘ die Rede, und Rufe nach Zensur werden laut. Aus diesem Grund ist es seit einigen Jahren Gang und Gäbe, dass Rechte subversiv im Stile einer Kommunikationsguerilla agieren: So werden etwa harmlose Gesten wie das OK-Sign zu vermeintlichen Hasssymbolen umgedeutet, um die Paranoia der Antifa-NGOs zu entlarven oder harmlose Botschaften wie »It’s OK to be white« popularisiert, um die linke Doppelmoral anzuprangern. In eine ähnliche Richtung ging auch die jüngste deutschsprachige Hashtag-Aktion #AlmanRD auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Von Anonymous

#AlmanRD

Am 29.03.2021 schaffte es der Hashtag #AlmanRD auf Platz 1 der deutschen Twitter-Trends. Die populärsten Tweets unter dem Hashtag erreichten an die 1.000 Reaktionen. »AlmanRD« spielt auf die ARD an, wobei der erste Buchstabe des Akronyms durch »Alman« ersetzt wurde, um darauf hinzuweisen, dass die Vorstände der Öffentlich-Rechtlichen Medienanstalten fast ausnahmslos aus Deutschen bestehen – also aus »alten weißen Männern«. Nun könnte der geneigte Leser glauben, dass es sich dabei um einen linken, antifaschistischen sogenannten Shitstorm handelte, aber der Schein trügt: Der Hashtag wurde im Zusammenhang mit einer koordinierten rechten Twitter-Aktion geschaffen.

Zwei Tage zuvor luden die YouTuber Der Schattenmacher und HirnstattHetze Videos hoch, in denen sie ihre Zuschauer dazu aufforderten, am darauffolgenden Montag den Hashtag in die Trends zu bringen. Dahinter steht weitaus mehr als das bloße – und bisweilen recht impotente – Zur-Schau-Stellen der linken Doppelmoral.

Die drei Gegnergruppen

In seinem Video Die Feindkoalition erklärt der Schattenmacher sein durch seine Analyse zustande gekommenes soziologisch-ideologisches Modell der namensgebenden »Feinde«, also derer, die gegen sämtliche rechte Kräfte stehen. Demnach seien die »Feinde« unterteilt in drei große Gruppen, die sich untereinander zwar uneinig seien, aber »gegen rechts« trotzdem eine Koalition formen: Das Minderheitenmilieu, also vor allem Migranten, die »harte Linke«, also die Antifa – und der Mainstream. Obwohl es einige personelle Überschneidungen gäbe, seien alle Gruppen doch recht eindeutig voneinander unterscheidbar.

Schattenmachers »Feindkoalition« visualisiert – aus dem Video »Die Feindkonstellation« | Thema #AlmanRD
Schattenmachers »Feindkoalition« visualisiert – aus dem Video »Die Feindkonstellation« | #AlmanRD

Der Schattenmacher sieht die Möglichkeit eines politischen Erfolgs der rechten Kräfte darin, eine der drei Gruppen aus dieser Koalition herauszulösen, indem diese Gruppe sich den jeweils anderen beiden Gruppen so sehr entfremdet, dass sie zumindest in impliziter Feindschaft zu ihnen steht – und sich dadurch einem Bündnis mit den rechten Kräften öffnet. Jüngere Beispiele dafür, dass es innerhalb dieser Koalition bereits »brodelt«, sind Wolfgang Thierses Kritik an der sogenannten Identitätspolitik oder die Wortneuschöpfung »Nazihintergrund« der Aktivisten Moshtari Hilal und Sinthujan Varatharajah, welche sämtliche Deutsche stigmatisieren soll – und damit früher oder später auch große Teile des Mainstreams angreifen wird. Zu beiden Ereignissen hat der Schattenmacher auch jeweils ein Video veröffentlicht. #AlmanRD war nun sein (erster) Beitrag dazu, diesen Konflikt weiter anzuheizen – und war teilweise erfolgreich.

Grenzen des Erfolgs

Denn obwohl es gelang, den Hashtag auf Platz 1 der deutschen Twitter-Trends zu katapultieren, gelang es nicht, Zwist zu säen. Der Antifa-Twitternutzer »Robert Wagner« verfasste bereits am Sonntag auf Twitter eine Warnung, dass auf diesem Hashtag nicht aufzuspringen sei, da es sich dabei um eine subversive Aktion rechter Trolle handle. Da »Robert Wagners« Stimme in Antifa-Kreisen Gewicht zu haben scheint, folgten nahezu alle einschlägigen linken Twitter-Nutzer seiner Warnung, so z.B. auch der Twitter-Account des Neues Deutschlands, der die Warnung selbst sogar als Begründung für die Nichtbeteiligung anführte. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass sich dieser Account womöglich tatsächlich beteiligt hätte, hätte es zuvor keine Warnung gegeben – und er hat immerhin fast 51.000 Follower. Die #AlmanRD-Tweets mit den meisten Reaktionen stammten allesamt von klar als rechts identifizierbaren Accounts. Sollte die Aktion in einer ähnlichen Form wiederholt werden, wäre der nächste logische Schritt also, unter dem Radar von Antifa-Beobachtern wie »Robert Wagner« zu fliegen.

Hier offenbart sich allerdings eine Zwickmühle: Denn in dem Maße, in dem eine solche Aktion vor den Augen der Öffentlichkeit und damit der Antifa verschleiert wird, nimmt ihre Effektivität ab. Eine Ankündigung einer Aktion auf einem Kanal mit durchschnittlich 20.000 Aufrufen pro Video wird mehr Zuschauer zum Mitmachen bewegen als die gleiche Ankündigung in einem »geheimen« Chat mit vielleicht 1.000 aktiven Mitgliedern. Opfert man also Quantität für eine höhere Chance, den Konflikt anzuheizen?

Schlussendlich ist bei der Betrachtung des Erfolgs der Aktion auch die grundsätzliche Frage zu stellen: Hat es »uns« mehr genutzt als geschadet? Haben sich die Bilder der weißen, deutschen Vorstände der Rundfunkanstalten vielleicht doch in die Gehirne einiger Linker eingebrannt – ist die Saat des Misstrauens beider Gruppen zueinander vielleicht also doch gesät worden? Oder haben einige Linke vielleicht wiederum realisiert, dass »die Rechten« einen Konflikt zwischen Mainstream und ihnen herbeisehnen und ihn auszunutzen wüssten – wodurch das aktive Eingreifen sogar hinderlich gewesen wäre?

Ein Alternativ-Vorschlag

Zum Ende des Artikels möchte der Verfasser noch eine mögliche alternative Herangehensweise schildern und vorschlagen, um zur Lösung der aufgeworfenen Fragen beizutragen. Die Antwort auf eine dieser Fragen, nämlich auf »Opfert man also Quantität für eine höhere Chance, den Konflikt anzuheizen?« lautet »Ja.«: Die Anonymität auf Twitter macht es theoretisch möglich, linke Fake-Accounts zu erstellen und aus ihrer Position heraus zu argumentieren. Zusätzlich dazu sollte eine solche Aktion nicht mehr öffentlich angekündigt werden. Die Aktivität der eigenen Seite wird sich so zwar in Grenzen halten, aber eine These, die der Verfasser hier aufstellen möchte, ist, dass es auch gar nicht nötig ist, in diesen brodelnden Konflikt einzugreifen, und dass er sich von selbst hochschaukeln wird – das tat er ja ohne diesen Eingriff auch bereits. Die Rechten, die von sich aus und als Rechte eingreifen, dienen den Linken – vor allem den Antifa-»Journalisten« – die von ihren Positionen im Mainstream profitieren und in solchen Situationen Schadensbegrenzung betreiben, hier wieder nur als Argumentationshilfe, als »Spielball« und verleihen ihren Punkten größeren Nachdruck. Wird der Feind, der die Feindkoalition eint, also »der Rechte« wieder stärker – das heißt präsenter – so werden auch Brüche innerhalb dieser Koalition wieder versiegelt.

Dennoch sollte aber darauf geachtet werden, die rechte Alternative für jene Mainstream-Akteure, die, billigt man dem Modell des Schattenmachers und der kürzlichen Entwicklungen eine gewisse Relevanz zu, auf kurz oder lang aus der »Feindkoalition« ausgeschieden werden, zumindest in ihren Köpfen gegenwärtig zu halten – sodass sie sich dann auch mit »uns«, den Rechten, verbünden und nicht, wie so oft, eigene Kleinstgrüppchen gründen. Eine Reformation jener rechten Alternative kann da nur nützlich sein und so empfiehlt es sich, in der Zeit, in der sie nun nicht damit beschäftigt ist, Twitter-Aktionen zu koordinieren, an der inneren Beschaffenheit zu feilen – zum Beispiel die AfD wieder zu vereinen oder, um etwas grundsätzlicher an die Sache heranzugehen, Outdoor Illners Konzept der »tiefen Rechten« Aufmerksamkeit widmen.

Droht der Konflikt zwischen Mainstream auf der einen Seite und dem Verbund der »harten Linken« und dem »Minderheitenmilieu« auf der anderen überzukochen, ist der Zeitpunkt des aktiven Eingriffs der Rechten gekommen – dann kann sich offen mit ausgestoßenen Akteuren solidarisiert und die Linke kritisiert werden. Dann wird die Welle der gegenseitigen Empörung über Warnungen gewisser Antifa-Akteure hinwegfegen – und der Rechten vielleicht endlich eine Position geöffnet, aus der heraus sie agieren und nicht nur reagieren kann.

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