#allesdichtmachen

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Am 22.04.2021 erschienen unter dem Motto #allesdichtmachen satirische Kurzvideos von 53 Schauspielern aus dem deutschsprachigen Raum, die mit reichlich Sarkasmus und Ironie die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung sowie die Gleichschaltung der Mainstream-Medien kritisierten. Binnen kürzester Zeit trendete der Hashtag auf Twitter; darüber hinaus kam diese Aktion vor allem auf Youtube gut an. Doch auch die Befürworter der Maßnahmen in den Redaktionen und Rundfunkräten ließen schnell von sich hören, und so kam es zu aufgeladener Stimmung in den sozialen Medien.

Der Fehlschluss

War der mediale Gegenwind, der auf die Aktion #allesdichtmachen folgen sollte, nicht eigentlich absehbar? In der Gedankenwelt der meisten Mitwirkenden muss sich diesbezüglich ein Fehlschluss ergeben haben: Natürlich würde bei ihnen eine Ausnahme gemacht werden, schließlich sind sie ja nie negativ aufgefallen – ganz im Gegenteil, ein guter Teil jener Personen des Öffentlichen Lebens engagierte sich bereits bei den Grünen, bei Refugees Welcome– Aktionen und anderen Aktionen, die in der jeweiligen Öffentlichkeit gern gesehen werden. Sie alle waren vor der Aktion nicht mit Kontaktschuld kontaminiert, hatten blütenreine Westen, waren hoch renommiert und im gesamten deutschsprachigen Raum bekannt.

Wenn sie als vorbildliche Vorzeigebürger nur an diesem einen Thema Kritik üben würden, müsste es doch aufgrund ihres öffentlichen Gewichts ernstgenommen werden, müsste sich doch der Raum für eine Diskussion auf Augenhöhe auftun. Doch es kam, wie es kommen musste, wenn man gegen das etablierte Narrativ vorgeht: Ein ‚Shitstorm‘ ergoss sich über die Kulturschaffenden, eine wütende Meute heizte sich in den sozialen Medien auf, die einen bereits wieder im Pyjama, die anderen noch immer. Dies ging so weit, dass sogar ein ÖRR-Funktionär gleich klarstellte: Er werde sich dafür stark machen, mit jenen Schauspielern in Zukunft nicht mehr zu kooperieren.

Dust in the wind

Dies führte im Handumdrehen dazu, dass binnen weniger Stunden die ersten Exponierten umfielen, sich händeringend von sich selbst distanzierten; so zum Beispiel Heike Makasch oder Manuel Rubey. Zu groß die Gefahr, zukünftig nicht mehr so oft engagiert zu werden, zu unangenehm wäre es, sich in Zukunft auf High Society– Parties rechtfertigen zu müssen (vorausgesetzt, man wird überhaupt noch eingeladen). Selbst wenn die Kunstschaffenden sich hundertprozentig gegen den Mainstream stellten – nach einer kurzen Phase des Rampenlichts würden sie in die Bedeutungslosigkeit abrutschen.

Das Fehlen von alternativen Räumen für Kunst und Kultur zeigt sich hier als massive Schwäche jeder oppositionellen Bestrebung. Wenn ein Schauspieler oder ein anderer Kunstschaffender mit dem Mainstream bricht, müsste es Strukturen geben, die ihn im Zweifelsfall auffangen können, ihm ein anderes Rampenlicht zur Verfügung stellen, dass er für die Ausübung seines Berufes benötigt. Im gegenwärtigen Zustand jedoch muss es bei einer kurzen, tollkühnen Aktion gegen den Mainstream bleiben – nur um schließlich doch wieder mangels Alternativen dazu zurückzukehren.

Noch sind die Umgefallenen in der Minderheit, und es bleibt offen, wie die Mehrheit der involvierten Schauspieler in naher Zukunft mit der Repression umgehen werden, doch die Frage bleibt, wie nachhaltig diese Aktionen im Moment sind: Außer ein klein wenig mehr Polarisierung – ein bisschen mehr Spaltung der Gesellschaft – nichts passiert, ein Sturm im Wasserglas, ein weiteres Ölen der Empörungsmaschinerie?

Dies alles wird die Zeit zeigen. Was bereits jetzt feststeht, stand schon vor #allesdichtmachen fest und wird gegenwärtig nur einmal mehr bestätigt: Wir müssen weiter alternative Strukturen aufbauen, neue Plattformen schaffen, eigene Bühnen und eigenes Rampenlicht etablieren – mit oder ohne promintente Unterstützung.

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3 Kommentare

  1. … sei jedem zugestanden, das linke Fußvolk zu unterstützen; wir tun es nicht. Denn u.E. ist es nichts weiter als eine gesteuerte Opposition, was auch sehr deutlich aus dem Dritten Absatz hervor geht; welches geistig Kind die alle sind, ist vollkommen ohne Zweifel…
    Weiteres Indiz ist die Tatsache, das alle TLD’s (Toplevel domains; das Ende einer Adresse (DE, COM, INFO, …)) wegregistriert sind und zudem die TLD info auf RBB-Fernsehen verweist. Da steckt ziemlich viel Geld, eine gute Organisation, längerfristige Planung und perfekter BlueScreen-Dreh hinter.

  2. Vor allem zeigt es, dass der „Mut“ der Kulturschaffenden gegen Rechts oder für Flüchtlinge oder das Klima nichts anderes ist, als wohlfeiles, gratismutiges Advertisement. Dass ihre gerne so genannte „Kritik“ auf offene Ohre und Türen trifft oder zumindest auf keinen Korpus fundamentaler Feindseligkeit.

    Jetzt wo sie mal zeigen können, was Mut wirklich bedeutet, fallen sie um wie ein windschiefer Zaun.

    Vielleicht hilft es beim Aufwachen, wie wenig man wirklich sagen kann, denn um Sachen wie schmutzige Westen geht es nicht. Ob die Hippie-Mom, der Aluhut oder der Pöbler in Aldiletten auf den Demos oder eben der distinguierte Künstler, am Ende (auch wenn es immer suggeriert wird) ist es gar nicht so relevant, wer etwas sagt. Gefährliche Covidioten sind sie aus Sicht des Establishments alle.

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