Alexander Marcovics – Der Aufstieg der Neuen Rechten

Die ‘Neue Rechte’ ist ein unhandlicher Begriff. Allzu viele Akteure schmeißen sich dieses Schlagwort wie einen Mantel über die Schulter, um sich damit zu schmücken. Der Wiener Historiker Alexander Markovics hat sich der Aufgabe gestellt, auf knapp 150 Seiten Licht in diesen wildwüchsigen Dschungel zu bringen und eine mögliche Deutung für den Begriff ‘Neue Rechte’ zu geben. Das gelingt ihm größtenteils, denn sein Buch Der Aufstieg der Neuen Rechten, erschienen im Jahre 2020 im Arcadi Verlag, ist eine durchaus gelungene Einführung – mit ein paar Schönheitsfehlern.

Von der Nouvelle Droite in die Gegenwart

Markovics Herangehensweise ist dabei für eine Einführung angemessen simpel: Er hat kein zusammenhängendes Werk geschrieben, sondern ein handbuchähnliches Potpourri entworfen. Dabei pickt er sich die wichtigsten Denker und Akteure der Neuen Rechten heraus und stellt diese vor, wobei ihre bekanntesten Werke oft einen roten Faden darstellen. So zeigt er zum Beispiel dem Leser das Leben und Denken von Götz Kubitschek anhand der Kaplaken-Schrift Provokation. Der Leser kann auf diesem Wege schnell und einfach die wichtigsten Informationen erkennen und gegebenfalls dann auf weiterführende Literatur zurückgreifen.

Markovics datiert die Geburt der Neuen Rechten in die französischen 60er-Jahre. Anhand der Biographien der Aktivisten Venner und Thiriart zeigt der Autor die ersten Gehversuche der Neuen Rechten, die sich vor allem aufgrund ihrer Kritik an den sogenannten Alten Rechten hervorgetragen haben, welche laut ihnen passiv in veralteten Denkschemata verharrten. Markovics schreibt interessant über das Leben Dominique Venners und dessen Werk Für eine Positive Kritik. Es folgen weitere Kapitel zu den Franzosen Alain de Benoist und Renaud Camus. Doch nicht nur französische Autoren stehen im Fokus des Verfassers.

So werden die Deutschen Thor von Waldstein und Carl Schmitt genauso behandelt wie der US-amerikanische Historiker Paul Gottfried. Einen großen Abschnitt des Buches nimmt der russische Autor Alexander Dugin ein. Markovics schafft es, kurz und bündig einen Einblick in das Werk des Philosophen zu geben, wobei hier vor allem die Vierte Politische Theorie und Noomahia angesprochen werden. Sehr interessant sind dabei auch Markovics Ausführungen zu italienischen und skandinavischen Aktivitäten der Neuen Rechten. Natürlich dürfen bei einer Einführung in die Neue Rechten auch nicht ein Kapitel über die Konservative Revolution oder Schnellroda fehlen. Am Ende des Buches weicht Markovics zudem vom Konzept der vorherigen Kapitel ab und bespricht konkrete Thematiken wie “Antikapitalismus von Rechts” oder die Akteure Benedikt Kaiser und Felix Menzel.

Kritik

Bleibt da noch Platz für Kritik? Durchaus. Der bereits informierte Leser merkt bei der Lektüre schnell, wie stark der Verfasser seine eigene Perspektive in das Werk einfließen und den Begriff ‘Neue Rechte’ definieren lässt. So gibt es zwar anfangs eine kurze Reflexion über diesen Begriff, die jedoch deutlich größer hätte ausfallen können. Dazu öffnen sich größere inhaltliche Lücken: Warum werden die Vertreter der aufkommenden Rechten im Deutschland der 90er Jahre nicht aufgegriffen? Warum werden amerikanische Vertreter mit Ausnahme von Paul Gottfried außen vor gelassen? Markovics gibt seine Definition vor, aber begründet sie nicht vollständig. Schade.

Dem bereits informierte Leser wird außerdem unweigerlich auffallen, wie Dugin-lastig Markovics die neue Rechte denkt. Wie angesprochen wird dem russischen Philosophen viel Platz eingeräumt, während amerikanischen oder britischen Vertretern so gut wie kein Wort gewidmet wird. Ein weiteres Minus ist, dass Markovics auch zwei bedeutende Vertreter der Neuen Rechten aus dem deutschsprachigen Raum komplett ignoriert hat, nämlich die beiden Martins aus Wien. Lichtmesz und Sellner werden mit keinerlei Silbe erwähnt – für den deutschen Rezipienten eine große Lücke. Andere Kritikpunkte, wie die verkürzte Bewertung des Islam (dessen antiwestliche Wurzeln durchaus schon lange vor die 1970er zurückreichen) und eine fragwürdige Einordnung der Jungen Freiheit, fallen ob des Buchthemas weniger schwer ins Gewicht.

Fazit

Für wen lohnt sich also dieses Buch? Für den belesenen Aktivisten aus dem konservativen Lager ist dieses Buch natürlich überflüssig. Ein neuer Mitstreiter, der noch frisch in der Gedankenwelt einer wirklich oppositionellen Rechten ist oder gerade erst die sprichwörtliche rote Pille geschluckt hat, kann und sollte das Buch durchaus lesen, wobei der Preis (20€ für 144 Seiten) schon recht happig ist.

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